Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-03-14 · 11 (14.3.1913) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3022035-3022047--21953-3047074
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 11 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 187 und in Bulgarien alle bürgerlichen und politischen Rechte genießen, in Zukunft infolge ihres Ueberganges unter rumänische Herrschaft, alle diese Rechte zu verlieren: Es ist allgemein bekannt, daß Rumänien trotz seiner Verpflichtungen den Mächten gegenüber auf Grund des Berliner Vertrages nach wie vor seine jüdischen Bürger als 'Fremde ohne die wesentlichen bürgerlichen, politischen Rechte behandelt, trotzdem diese jüdischen Untertanen seit Jahrhunderten in diesem Lande wohnen, hier geboren wurden und alle ihre bürgerlichen Pflichten, auch die Pflichten des Militärdienstes, erfüllen. Unter solchen Umständen würde der Uebergang unserer Glaubensbrüder der in Frage stehenden Gebiete, woselbst alte jüdische Gemeinden und bedeutende Gruppen jüdischer Landwirte existiere,t, von der bulgarischen Herrschaft in Pie rumänische den Uebergang von der bürgerlichen Freiheit und Gleichbeit in den vollständigen Ausschluß aller Rechte und in die tiefste Erniedrigung bedeuten. Angesichts dieser Gefahr, die einen Teil der bulgarischen Juden bedroht, halten wir Repräsentanten des bulgarischen Judentums es für unsere Pflicht, vor Euer Erzellenz gegen die Uebierlassung bulgarischen Gebietes an Rumänien unsere Stimme zu erheben, und an die hohe Regierung die Bitte zu cichien, in allen Fällen bei den kommenden Unterhandlungen die Rechte unserer Glaubensgenossen zu schützen?' Dis LegizkatWe des Staates Nrwyork für die Rechte der rumänischen Juden. Aus Newyork wird gemeldet: Die Llssembly des Staates Newyork hat in einer ihrer letzten Sitzungen einstimmig eine Resolution angenommen, in welcher den unterdrückten rumänischen Juden das Mitgefühl ausgesprochen und die Regierung der Vereinigten Staaten aufgesordert wird, ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß Rumänien endlich die Verpflichtungen des Berliner Vertrages, betreffend die Gleichberechtigung der Juden in Rumänien, erfülle. In eingeweihten Rreisen gibt man der Meinung Ausdruck, baß auch der Senat der Vereinigten Staaten, vor welchem die Resolution jetzt gelangt, diese Resolution annehmen unb dem Kongreß zur Annahme empfehlen werde. Gründung einer jüdischen Organisation zur Reguliere; g der Auswanderung. Im Londoner „Iewish Chroniile" richtet ein Herr Julius Ephraimsonn aus Bratford einen Appell au bte Juden der ganzen Welt, sich zur Gründung einer Organisation zur Regulierung der jüdischen Auswanderung aus Rußland. Galizien und Rumänien zu vereinigen«' Mr. Ephraimsonn verpflichtet sich zu dem hiezu notwendigen 'Fond selbst 1000 Pfund sterling (24.000 Kronen) zu spenden, wenn sich in der ganzen Welt noch 2000 Juden finden, die zusammen zumindest eine gleiche Summe für denselben Zweck aufbringerv „Nicht, daß ich etwa der Meinung wäre," erklärt Herr Ephraimsonn in seiner Zuschrift, „daß diese Summe für diese große Arbeit hinreichend wäre, ich lege bloß auf die 2000 Juden Gewicht, welche das Rückgrat der Bewegung bilden sollen." Aus diesem Grunde wendet sich Herr Ephraimsonn besonders an dir jüdischen Gemeinden und deren Rabbiner in den großen Städten wie in Newyork, Paris, Berlin, Wien und Budapest mit der Bitte, die Londoner Juden, die ein Zentrum für diese Bewegung bilden mögen, in dem Unternehmen zu unterstützen. Allerdings dürfte diese Organisation nicht mit alten verbrauchten Mitteln arbeiten, sondern muß neue und moderne Bahnen auf dem Gebiete der Auswanderungsregulierrrng betreten. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstetteugaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des jel. Riccardo £ p )t c i »: Moriz und Julie Tiller 10, Oskar Weinfeld 20, zusammen 00 Mronen. Anläßlich des Ablebens der sei. Irma Geiger: Karl Schmeichler und Frau 20, Dr. Einil Schmeichler 20, Arnold Schmeichler 20, Familie Albert Kaiser 10, zusammen 70 Kronen. Anläßlich des Ablebens des sei. Heinrich Riemer: Simon Brenner 10. , Albert Neurath 10. , Eduard Sommer 2. . Zusammen 22.— Kr. Rede des Präsidenten Dr. Alfred Stern an der Bahre des Dr. Maximilian Steiner. 4. März 1913. nai nax: na Was soll ich sagen, was soll ich reden, wie soll ich das Wort finden, um meinem tiefen Schmerze Ausdruck zu geben, um das Wort zu finden, für die mich überwältigenden Erinnerungen. Sechzig Fahre und darüber, zwei Menschenalter, ziehen an mir vorüber, die Erinnerung an unsere Fugendtage, an jene Zeit, da wir als Studenten der hiesigen Universität hoffnungsfreudkg, sorglos in die Zukunft blickten, und doch nicht sorglos, denn schwere Woiken hatten sich erhoben und umdüsterten den Horizont. Und da gelobten wir beide und mit uns noch andere Gleichgesinnte, daß. was immer kommen möge, wir treu zu unserem Glauben,- unseren! Volke halten, ein Opfer der Ueberzeugung, des Charakters, niemals bringen, den Kampf ums Dasein mutig führen werden. Und dann ersteht wieder ein neues Bild vor mir, als wir beide jungen Leute uns in den Dienst des neuerbauten Tempels stellten, zu Teinpelkoministaren berufen wurden. Unsere Berufswege führten uns dann auseinander, aber unsere Lebenswege waren parallU und in inniger Freundschaft waren und blieben wir uns zugetan. Und so, nach langen Fahren, kam es, daß wir uns wieberfanben in gemeinsamer Tätigkeit, im Dienste unserer Kultusgemeinde, in deren Vorstand, in gemeinsamer Tätigkeit, in welcher eine gemeinsame Ueberzeugung uns kniete, ein gemeinsanies Ziel uns vorschwebte, das heilige Vermächtnis, welches von unseren Vorfahren überkommen war, die heilige Tradition unserer Gemeinde zu schützen und zu wahren. Das war und ist meine Ueberzeugung, das war die Ueberzeugung des dahingeschiedenen Freundes bis zu seinem letzten Atemzuge. Und so waren und blieben wir einig hinsichtlich des anzustrebenden Erfolges, mochten auch hinsichtlich der dazu führenden Wege, hinsichtlich der Mittel, hie und da Meinungsverschiedenheiten auftauchenl Denn er war der Voranstürinende. der, wenn ihm eine edle, gute Sache vvrlchwebte. nicht selten ohne Bedacht aus die sich entgegenstellenden Hemmnisse, auf unzureichende Mittel und dergleichen, dein angestrebten Ziele zuschritt. Sv, um nur eines zu erwähnen, wollte er schon vor Fahren und mit den damals vorhandenen, ganz ungenügenden Mitteln, an die Errichtung des jüdischen Kinderspitales gehen, wodurch er, mochte auch damals seine Fdee unausführbar sein, doch nicht wenig zu deren Popularisierung beitrug, den Samen ausstreute, der dann zur Blüte wurde. a-n^n nSav> nmzj? 'rr waren, wie ich bereits gestern in einer Trauerverfammlung des Kultusvorstandes auseinandersetzte, die Richtlinien seiner Tätigkeit. Fn der Sorge für den Religions unterricht der Fugend, in der Ueberwachung desselben, in der Schaffung von Lehrplänen und neuen Fnstitutionen, in der Sorge für die Erhaltung und Pflege unteres Gottesdienstes, in den traditionellen Formen, war er unermüdlich tätig, vor allem aber in der Pflege der Wohltätigkeit, in welcher er auch 'eine Aeußerung des religiösen Empfindens erkannte. Eine Obsorge für jüdische verlassene Kinder zu schaffen, war ihni eine Herzenssache, er konnte, um nur eines zu erwähnen, es nicht verwinden, daß. während er mit den Seinigen Sommers über sich des Aufenthaltes in freier, gesunder Gegend' erfreute, so viele arnie Kinder eine solche Wohltat entbehren mußten, und so schuf er ein Ferienheim, noch lange, ehe an die Errichtung solcher Ferienheime im größeren Ausmaße gegangen worden war. Roch wenige Tage vor seinem Unfälle erschien er bei mir, um Pläne und Einrichtungen für das zu erbauende Kinderspital auseinanderzusetzen und auf Studien, die er diesfalls gemacht hatte, zu verweisen. Und sv geradezu unerschöpflich wäre es, wollt' ich all das Gute, das er geschaffen, und noch mehr das, was er angestrebt hatte, hier aufzählen. ,°f?K mit diesen Worten beginnt der diesmalige Wochen abschnitt, mit welcher der letzte eine der inhaltreichsten Bücher unserer Thora ist. So schließt das Buch Buch eines inhallreichen Lebens mit der unerschöpflichen Auszählung all der Guttaten. Mögen sie den Dahingeschiedenen vor Gottes Thron geleiten! ■ nrnzb pns ni?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.