Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 10 (7.3.1913)
- Date
- 1913-03-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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'Jit. 10 Dr. Vlochs Wochenschrift. <tix. 171 wegen, leate vielmehr das Mandat eines Ansschußmitgliedes zurück. Die am 27. Februar d. I. erfolgte Konstituierung des Vorstandes ergab folgendes Resultat: Ludw Mayer Vorsteher. Ludwig Kohn Vorsteherstellv ttreter, Dr. H. Wertheimer und Em. Schwarzbart Beträte. Nikolsburg. (Jüd.-akad. Ferialv erb in dun g „Hebroni a".) Die Chargenwahl für das Sommersemester 1912/13 ergab folgendes Resultat: jur. Josef Glog au (*) (*) *, jur. Rudolf Fried **F* jur. Otto Altmann (***) ***. Lundenburg Am 24. Februar verschied in seiner Vaterstadt Bielitz, nach langem schweren Leiden, unser früherer verdienstvoller Rabbiner Se. Ehrwürden Herr Dr. Siegmund Groß. Nach Absolvierung seiner theologischen Studien am Rabbinerseminar in Breslau und Erlangung des philosophischen Doktorgrades an der Tübinger Universität bekleidet er 38 Jahre hindurch mit seltener Hingebung und Pflichttreue das Amt eines Rabbiners und Religionslehrers in der hiesigen Gemeinde. Zu dem am 26. Februar in Bielitz stattgefundenen Leichenbegängnisse war eine Deputation der hiesigen Gemeinde, bestehend aus den Herren Kultuspräses Josef Holländer, Präses-Stellvertreter Jonas Gold und Direktor Salo Herz erschienen. Die ehrwürdigen Herren Rabbiner Dr. Steiner aus Bielitz und Dr. Glaser aus Biala, hielten dem verblichenen Kollegen tiefempfundene Nachrufe. Im Namen der Kultusgemeinde Lundenburg nahm Herr Kultuspräses Josef Holländer in rührenden Worten von dem Verstorbenen Abschied und stattete ihm zum letztenmale den Dank aller gewesenen Schüler und Gemcindemitglieder für die langjährige seelsorgerische Tätigkeit ab. Hierauf sprach noch ein Vertreter der ,,B'ne Beruh", welchem Humanitätsvereine der Verstorbene angehörte. — Möge ihm die Erde leicht sein! Agram. In der Israelitisch-kroatischen Literaturgesellschaft hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. H. E. Kaufmann aus Virovitica am 24. Februar einen Vortrag über das interessante Thema „Vor und nach dem Tode". In fast zweistündigem humorvollen freien Vortrage beleuchtete der geistreiche und gelehrte Redner die dunkelsten Gebiete der jüdischen Mystik in so klarer und leichtfaßlicher Weise, daß das Auditorium den Ausführungen Sr. Ehrwürden Dr. Kaufmann mit gespanntem Interesse folgte. Unter den Anwesenden bemerkte man Universitätsprofessor Dr. David S e e g e n. Präsidenten der jüdischen Gemeinde Dr. S i e b e n s ch e i n, Ehrwürden Herrn Dr. H. I a c o b i, Oberrabbiner; ferner Prof. Dr. Gavno Schwarz, die Schriftsteller Dr. Schick und Dr. Licht. Dr. Dragutiu G o l d m a n n, die rabbinisch gebildeten Kaufleute G r ü n w a l d und G r ü n h u t. Die jüdisch-akademische Jugend war fast vollständig vertreten. Nach dem Vortrage wurde Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Kaufmann von allen Seiten herzlichst beglückwünscht. L. Sarajewo. (Militärische Belobung.) Der hiesige Fortifikutionsleutnant Ing. Ludwig Horowitz, Sohn des Wiener Hausbesitzers Salomon Horowitz, erhielt dieser Tage vom Korpskommando das nachfolgende Belobungsschreiben: K. und k. 15. Korpskommando. Präs. Nr. 811. Im Winter 1912/13 wurden Euer Wohlgeboren zwecks Durchführung unaufschiebbarer fortifikatorischer Arbeiten zu einer ausnahmsweisen Waffenübung einberufen und haben sich während dieser zehnwöchentlichen aktiven militärischen Dienstleistung unter schwierigen Verhältnissen vollauf bewährt. Das Korpskommando spricht Ihnen für Ihre ersprießliche Tätigkeit Dank und Anerkennung aus. Frankfurt a M (Verlobung.) Herr Sigmund Edelstein, öffentlicher Gesellschafter und Generaldirektor der Getreidehandels-Aktiengesellschaft Weil Hermanos & Cie.. Buenos- Aires, London und Antwerpen, hat sich mit Frl. Lisbeth Lahrft e i n. Tochter des Herrn Julius Lahnstein aus Mainz, verlobt. Herr Edelstein, ein gebürtiger Wiener, ist ein Enkel des in Wiener Talmudistenkreisen noch in Erinnerung stehenden Talmudisten und Bibliophilen R. Elie Kohn. New-Aork. (M oritzBaumfeld — gestorben.) Moritz Baumfeld, einer der begabtesten Wiener Journalisten, der sich seit Jahren in New-Aork als Korrespondent hervorragender deutscher Zeitungen aufhielt, ist gestorben. Baumfeld hat nur ein Alter von vierzig Jahren erreicht, hatte aber schon ein tatkräftiges und fruchtbares Leben hinter sich. Als Journalist sehr befähigt, lenkte er schon in Wien, wo er als ganz junger Mann selbständig ein Blatt leitete, die Aufmerksamkeit aus sich. Als er nach New-Dork hinüberfuhr, nahm er Verpflichtungen für Wiener Blätter mit sich und schrieb in der Tat auch eine große Anzahl glänzender Reisebilder aus dem Westen und Norden der Vereinigten Staaten. Moritz Baumfeld hat auch auf charitativem Gebiete eine große Leistung vollbracht, die ihm ein dauerndes Andenken sowohl in unserer Kolonie in New-Aork als auch in der österreichischen Heimat sichert. Als das österreichische Heim für Auswanderer, respektive Einwanderer in New-Iork wegen mannigfacher Mißstände im Jahre 1910 gesperrt werden mußte, unternahm es Baumfeld, die Rekonstruktion durchzuführen und solche Verbefferungen zu schaffen, daß das „Austrian Home" wieder eine Zufluchtsstätte der eingewanderten Oesterreicher werden konnte. Es war dies um so wichtiger, als zwei andere Heime, in denen auch Oesterreicher Unterkunft fanden, wegen der Widerstände des Einwanderungskommiffärs ihre Existenz aufgeben mußten. Es wären dann wohl noch drei nationale Heime geblieben, aber da diese eben exklusiv nationale find, hätten Oesterreicher anderer Nationalität kein Asyl gehabt, in welchem sie unmittelbar nach der Ankunft, ehe sie noch eine Wohnung und Stellung erlangen konnten, eine sichere Zufluchtsstätte gefunden hätten. Sie wären den Landungshyänen, welche „Battery Place" umlagern, in die Hände gefallen und von ihnen noch gewohnter Sitte beraubt und betrogen worden. Baumfeld erkannte mit richtigem Blicke die Gefahr und setzte sich energisch für die Rekonstruktion des „Austrian Home" ein. Das Komitee wählte ihn zum Präsidenten, und seiner Hingebung und Tatkraft gelang es binnen kurzem, Ordnung und Reinlichkeit herzusteüen und die Leitung des Home in verläßliche Hände zu legen. Sein Verdienst ist umso größer, als die Zahl der Personen, welche dieses Heim unterstützen, eine sehr kleine ist. zfeuMeton. Randglossen zum Kalkankriege. VI. 21. -28. Jänner. Reiter nach verlorner Schlacht, Wie reiten sie so sacht, so sacht! Aus tiefen Wunden quillt das Blut, Es spürt das Roß die warme Flut. Tie Rosse schreiten sanft und weich, Sonst flöß das Blut?u rasch, zu reich. Tie Reiter reiten did)t gesellt Und einer sich am andern hält . . . Und lauernd ans den Todesritt Ziehn durch die Lust drei Geier mit. Sie teilen kreischend unter sich: Ten speisest du. den du, den id)." Der feinsinnigste und feinfühligste Dichter des schönen Ungarlandes, ein Anakreon des tiefsten Leides, des ergreifendsten Wehes, hätte seiner markerschütternden Dichtung im Hinblicke auf das, was sich am Balkan vorbereitet, eine andere Fassung gegeben: „Vier (?) Geier und ein todeswunder Reiter." Der Beherrscher der Vulgaren verdient wohl als Wappentier den königlichen Adler, der sich am Leichenschmaus der Geier kaum delektieren mag. Wenn nicht alle Anzeichen trügen und der Himmel nicht ein Einsehen hat, mußt du, armer Hahn, diesmal doch verspeist werden!