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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-03-07 · 10 (7.3.1913) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
10 (7.3.1913)
Date
1913-03-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 10 Dr. Bloch’s Jahrgang xxx Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Zudentums. oc? O —u o Ä. ft. Poflsxarftast'rnamr C Sleartng-Verk ebr «r. 810.976. Redattton und Administration: »ittt ll/i/ Praterstraße 9 Telefon 14847 tett, 7. März 1913 Lrscdeint jeden Freitag. OG= £)0 Brief-Adresse: Wien, ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. O(?' --- -^^)Q Nrxugsprris für Srflerrrirh: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die «algespal» n Htene Petitzeile 4» Heller. -Tin Inhalt: Leitartikel: Reaktionäre Ausbeuter. — Berühmte Judengemeinden des osmanischen Reiches. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die ungarische R.grerung für das jüdische Lehrerseminar. Ein Jude Präsident des italienischen Staatsrates. Vladimir Korolenko abermals gegen den Ritualmordwahn. Der Boykott der Juden in Polen. Ein jüdischer Oberpolizeikommissär in New-Aork. — Fürsorge für schulentwachsene „verlassene Kinder". — Korrespondenzen: Dr. Maximilian Steiner gestorben. Eine Ehrung Popper-Lynkeus im Ingenieur- und Architektenverein. Baron Hatvany-Deutsch. Kultuspräsident JUDr. Josef Schanzer. Das Ende eines klerikalen Hetzblattes. Graf Julius Andrassy und der Pogromapostel. Eme wichtige Begünstigung für die Galveston-Emigranten. Ein Verband für jüdische Arbeiterfürsorge in Paris. Die Konferenzen des türkischen Großrabbiners mit den Botschaftern des Dreibundes. Reorganisation der jüdischen Gemeinden in der Türkei. Die Anklageschrift im BeiliSprozeffe. Großrabbiner Dr. Ehrenpreis bei Dr. Danew. — Vermischtes. — Feuilleton: Randglossen zum Balkankriege. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Reaktionäre Anskenter. Der Reichsritter von Höhenblum hat eine seiner bekannten Hetzreden gegen die Städter gehakten, in welcher er ihnen den Krieg der Agrarier bis aufs Messer ankündigte. Damit der Sache der große Humor nicht fehle, hat ihm der Wiener christlichsoziale Bürgermeister Dr. Weiskirchner in einer Rede im Gemeinderat geantwortet, in der er sich gegen Form und Inhalt der Hohenblumiade verwahrte und sie als Beleidigung und Schädigung der städtischen Bevölkerung hinstellte. Das ist derselbe Hochpensionist Weiskirchner, welcher als Handelsminister in Budapest jenen famosen Vertrag Unterzeichnete — angeblich in Dinerstimmung —, der in der Frage der argentinischen Fleischeinfuhr Oesterreich an Ungarn auslieferte. Die Opposition hat leider vergessen, ihn unsanft daran zu erinnern. Von diesem Zwischenfall abgesehen, lohnt es sich wirklich, die Geduld unserer Oeffentlichkeit und Regierung gegenüber diesem Hohenblum zu betrachten und zu bewundern. Der Reichsritter, der den Städtern in drastischer Empörung sogar den Lurus ihrer Reinlichkeit vorwarf, ist deswegen so scharf und grob geworden, weil unsere Handelsverträge mit den Balkanstaaten dringend einer Revision bedürfen. Ein dauerndes friedliches Verhältnis mit unseren südöstlichen Nachbarn wird nur dann möglich sein, wenn wir ihrer Landwirtschaft einiges Entgegenkommen in der Zollbehandlurg erweisen. Aber dem Hohenblum, der ja nicht die wirklichen Bauern vertritt, wie man ihm schon vielmals nachgewiesen hat, sondern die Großgrundbesitzer, ist das friedliche Verhältnis ganz gleichgiltig. Die serbischen Ochsen sind gefährlicher. als die serbischen Bajonette, — so lautet sein gewissenloses Schlagwort. Ihm ist es gleichgiltig, ob der Wirtschaftskrieg in den militärischen Krieg umschlägt und Menschenleben kostet. Die Großgrundbesitzer haben nur wenige Söhne als Offiziere im Felde und das sind keine 'Familienerhalter. Es ist dem Hohenblum auch gleichgiltig, daß die ganze Arbeiterschaft und große Teile der städtischen Bevölkerung der Unterernährung und deren schrecklichen Krankheitsfolgen anheimfällt. Ihn berührt es nicht, daß Handel, Industrie und Gewerbe während der großen Kriegsrüstungen enorme Opfer gebracht haben und in den Handelsverträgen mit den Balkanstaaten berücksichtigt werden müßten. Er läßt es auch nicht zu, daß die hohen neuen Steuererfordernisse auch nur zum geringsten Teil auf die Agrarier geschoben werden, was unzählige Millionen bringen müßte. Dagegen läßt er es sehr gerne zu, daß das Flachland aus den städtischen Steuergeldern große Subventionen bekommt, daß die agrarischen Zentralstellen fortwährend mit großen Liebesgaben bedacht werden und daß aus dem erpreßten Zahlsäckel der Städter jedes Nest eine Lokalbahn erhält. So steht der Reichsritter von Hohenblum als der unermüdliche Bauchredner der Agrarier da, deren Ueberappetit gestillt werden muß. mögen alle anderen Stände im Staat darüber zugrunde gehen. Man kann ihm jedoch in einem gewissen 'Grade dankbar sein. Wenigstens wir Iuden. Nichts ist so judenrein wie der Stammbaum und die Partei des Reichsritters von Hohenblum. Seine Anhänger waren und sind die Zutreiber aller reaktionären Politiker, dfe Förderer ihrer Presse, die schärfsten Gegner der Freiheit und der jüdischen Bevölkerung. In ihren Kreisen ist der Antisemitismus entstanden und wird er mächtig unterstützt. Sie haben es verstanden, den lügenhaften Glauben zu erwecken, daß die Iuden in rücksichtslosen Egoismus Ausbeutung betreiben. Die antisemitischen Blätter werden nicht müde darin, dem Zwischenhandel der Iuden die Schuld an der Teuerung beizumessen. Nun aber meldete sich mit überlauter Stimme der wahre Schuldige und sagt, wer eigentlich die vielen Millionen der städtischen Bevölkerung unbarmherzig ausbeule und drücke. Die Agrarier und ihre klerikalen Agitatoren sind harte Steuereinheber und haben einen neuen Bauernkrieg gegen hie Städler beschlossen, die von ihnen in einer neuen Form geplündert werden. Trotzdem aber sind sie die ersten Personen im Staate, der ihnen nur ein Markt ist. und dürfen ungescheut ihre eigenen dunkeln Taten den Iuden andichten. Hoffentlich wird sich aber auch hier er-

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