Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 9 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022035-3022045--21922-3047041- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 158 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 9 Kunst und Literatur. Hemmrm Struck m der Lemberger Galcre. Aus Lemberg wird uns geschrieben: Vorige Woche wurde in der hiesigen städtischen Gemäldegalerie eine Kunstausstellung eröffnet. Unter den Ausstellern befindet sich auch der bekannte jüdische Maler Hermann Struck, der zum größten Teile jüdische und Palästinamotive zur Ausstellung brachte. Die polnischen Blätter loben diese Bilder, die zum größten Teile hebräische Aufschriften tragen, in längeren Besprechungen, und der gewesene Statthalter von Galizien, Graf Pininski, einer der hervorragendsten Schriftsteller, hat sich über die Werke Struck's in überschwenglichen lobenden Worten ausgesprochen. Die Ausstellung wird sehr stark besucht und man nimmt an, daß die Bilder Struck's auch bei Nichtjuden Käufer finden werden. Literarische Neuigkeiten aus Rutztand. In einem Wilnacr jüdischen Verlag erscheint demnächst unter dem Namen „Der Pinkas" eine sehr interessante Saminlung persönlicher Erinnerungen älterer Zeitgenossen über die politische und soziale Entwicklung der Juden in lltußlaud. Unter den Autoren dieser tagebuchartigen Erinnerungen figurieren auch die bekannten jüdischen Schriftsteller A. S. Abramowitsch, I. L. Perez und I. Dienesonn. Gleichfalls in Wilna erschien unter dem Titel „Die Nadel" ein sehr anregendes Buch über den Anteil der Juden an dem Schneidergewerbe, das sehr lehrreiche Daten über -das jüdische Arbeiterleben in Rußland und im Auslände enthält. 25 Jahre amerÄamschi-jüdische Literatur. Am 5. April d. I. findet das 25jährige Bestandsjubiläum der ,Jewish Publication Society" von.Amerika statt. Die Feier, zu welcher alle bedeuteirderen jüdischen Organisationen von Amerika durch Delegierte vertreten sein werden, wird in Philadelphia dem Gründungsorte der Gesellschaft, abgehalten werden. Eingeleitet wird die Feier mit einem Autorenabend unter Vorsitz Dr. David Philippsohns aus Cincinnati. D'e „Jewish Publication Society" hat während ihres 25jährigen Bestandes sehr wichtige Arbeit geleistet, indem sie einerseits jüdische schriftstellerische Talente förderte, andererseits das jüdische Publikum und insbesondere die jüdische Jugend mit wissenschaftlich einwandfreier Literatur aus allen Zweigen des jüdischen Lebens versah. Es kann als sicher angenommen werden, daß zur Feier dieser angesehenen Gesellschaft auch von ausländischen jüdischen Gelehrten wissenschaftliche Beitrage eingesendet und während der Festversammlung zur Verlesung gelangen werden. Man schreibt uns aus Nikolsbnrg: Ein altes, bisher brachgelegenes und von Unkraut überwuchertes Feld jüdischer Kulturgeschichte ist durch die Arbeit unseres Rabbiners Dr. Lewin freiuelegt worden. Die Vergangenheit der jüdischen Gemeinde Nikolsburg gehört der jüdischen Geschichte an, denn die Wiege berühmter Männer des Judentums stand dort. An der Hand der vom Rabbiner Dr. Lewin im Laufe von 2 Jahren geschaffenen Arbeit eines Geschlechtsregisters aller Nikolsburger jüdischen Familien seit dem Jahre 1769, in chronoglogischer Folge geordnet und mit den nötigen Daten und Quellen versehen, erhebt sich vor unseren Augen in kürzester Frist der Stammbaum grosser Familien, die ihren Ursprung auf Nikolsburg zurückführen. Das Werk, in Grossfolio geschrieben, umfasst 978 Seiten und zählt im ganzen 900 verschiedene Familiennamen mit 21.870 Personen. Mit diesem ungemein mühseligen und für alle Zeiten nützlichen Werke, das den h»imgegangenen Rabbinern Nikolsburgs gewidmet ist, hat unser verehrter Herr Rabbiner die Gemeinde überrascht und ihr dasselbe zum Geschenke gemacht. Diese Arbeit reiht sich würdig dem vom Rabbiner verfassten Bibliothekskataloge des hiesigen Beth hamidrasch an, den er gleichfalls der Gemeinde zur Hebung des Thorastudiums widmete. Die Dankbarkeit der Gemeinde brachte der am 16. d. M. deputativ bei Herrn Dr. Lewin erschienene Gemeindevorstand durch eine Adresse zum Ausdruck, die Zeugnis ablegt von den ungeteilten Sympathien der Gesamtgemeinde und der Dankbarkeit für des Rabbiners Verdienste während seiner achtjährigen Wirksamkeit in Nikolsburg. Baron Paul Henri Benjamin d’Estournelles de Constant. Auszug aus der Rede bei der Eröffnung des Kongresses des Verbandes für internationale Verständigung, in Heidelberg, am 5. Oktober 1912. Deutsche autorisierte Uebersetzung. Kriefkasteu. Abonnent in Raab. Der neugewählte Chief-Rabbi von England Dr. Hertz hat seine rabbinisch-theologischen Studien an dem Rabbiner-Seminar des Dr. Schächter in New-Jork absolviert. D. G- Der Mörder der Brüder Berger, Emil A l t m a n n aus Neutra, ist nicht, wie das „Deutsche Volksblatt" höhnisch meldet, ein ..Jude", sondern gehörte trotz seiner jüdischen Abstammung „aus Neutra" zu den Gesinnungsgenossen des „Deutschen Volksblattes'; er hat das Judentum gehaßt, ist aus der jüdischen Gemeinschaft ausgetreten. Er war als ..konfessionsloser' einer der Wurzellosen, welchen nichts heilig ist, weder Volk noch Familie. Er hatte mit dem Judentum nichts gemein. Dagegen der Mörder Kunschak war ein ausgesprochener und gläubiger chrrstlichsozialer Parteimann und hat aus seiner dem „Deutschen Volksblatt" verwandten Parteigesinnung heraus den heimlükischen Mord an S ch u h m e i e r begangen. Oberlehrer R-, XIX., Hardtgaffe, lieber Geschichte und Entstehung des Kolnidre-Gebetes haben wir bereits vor mehreren Jahren einen ausführlichen Artikel gebracht. Das Gebet war bereits zurzeit der Gaonim bekannt, als in einzelnen Gemeinden üblich. Wir haben Grund zur Vermutung, daß dieses Gebet in beit Kreisen zwangs christliche r Gemeinden unter der Herrschaft der Westgoten entstanden ist. Die nähere Begründung für diese Vermutung hier nochmals zu bieten, ist unmöglich. K. F. Die Zahl der Juden in Wien beträgt 180 000 Seelen. Landrabbiner. Ein anderer Bericht ist uns bereits früher zngekommen und in Satz gegeben. Eifriger Leser. Ob die Tochter eines Herrn I. R. „in der Kirche einen russischen Goj aus Lodz geheiratet", können wir unmöglich kontrollieren; es ist auch nid)t unsere Aufgabe, derlei Vorgänge zu melden. Im übrigen, wer in anonymen Zuschriften Anklagen erhebt, richtet sich selber. „Arzt". Für einen jüdischen Arzt, der sich auf dem Lande niederlassen will, ist Gelegenheit dazu in einer sehr einträglichen und vorteilhaften Ortschaft. Auskunft bei der Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift". _ Notizen. K. lc. priv. Giselaverein, Lebens- und Aussfceuerversiclierungsanstalt a. G. Der uns vorliegende Geschäftsbericht dieser Anstalt pro 1912 zeigt, daß deren Leitung in umsichtiger und energischer Arbeit auf die Mehrung des Versicherungsstockes und der Reserven gleicherweise bedacht ist. Durch eine Neuproduktion von 42 4 Millionen Kronen Kapital, ist der Versicherungsstand auf 266 4 Millionen Kronen Kapital, verteilt auf 211.000 Polizzen, angewachsen. Auf die Versicherung kleiner Kapitalien ohne Arztuntersuchung entfallen hievon 27'2 Millionen Kronen. Die Leistungen an Versicherte nahmen 1912 die Summe von 9 1 Millionen Kronen in Anspruch. Die Prämien- und Zinseneinnahme betrug 16 5 Millionen Kronen. Die Rücklagen behufs Erfüllung der Versicherungsverbindlichkeiten stiegen auf 88 Millionen Klonen. Der ansehnliche Jahresgewinn von 884.60) Kronen gestattet, den bezugsberechtigten Versicherten eine Dividende von 6 Prozent der Jahresprämie zu überweisen. Im Dividendenfonds erliegen bereits 2 03 Millionen Kronen, welche zusammen mit dem Gewinn aus 1913 im Jahre 1914 an die Versicherten ausgezahlt werden. Die Sicherheitsreserven sind auf 1 05 Millionen Kronen, die humanitären Fonds auf eine Million Kronen angewachsen. Der Pensionsfonds hat ein Vermögen von 13 Millionen Kronen. Aus den Fonds zur Ausstattung armer Mädchen wurden im Berichtsjahre 140 Bräute mit Geldstipendien beteilt. Jüdische Bühne. Direktion: M. S i e g l e r. „Hotel Stefanie", II., Taborstraße 12. Freitag, den 28. F lunar: „Der jüdische Hamlet", L-b nsbild in 4 Auszügen van Salotorewski. Samstag. den L und Sonntag, den 2. März: „Das fremde Kind", Operette in 4 Auszügen von Obeikantor I H a l v e r n. Sonntag, den 2. März, Vs'4 Uhr nachmittags: „Ben Jacob". Montag, den 3. März: „I m b e r - V o r l e s u n q", nachher „Die Kreuzer-Sonate^. Drama in 4 Aufzügen von I. G o r d i n. Dlenstao, den 4 März: Russischer Verein „Brüderlichkeit^: „Zurückgekimmeu", von S. A s ch. H erauf „Menschen", Komödie in I Aufzug von Schalem Aleichem. Mittwoch, den 5. Mär;: „Das jüdische Herz". Donnerstag, den 6. März: Bemsiz der Frau Weint raub, „Die weiße Sklavin", Drama in 4 Aufzügen von Salotorewski. Danksagung. Die P. T. Leitungen der Anstalten und Korporationen, alle Freunde und Bekannte, die meiner anlässlich meines 70. Geburtstages in so liebevoller Weise gedacht haben, bitte ich vorläufig auf diesem Wege meinen verbindlichsten Dank entgegenzunehmen. Wien, im Februar 1913. Hofrat Dr. Benjamin Rappaport.