Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 9 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Br. 9 Dl*n XXX Zcntralotgan für die gesamten Interessen des Judentums. -□__□- Wien, 28. Februar 1913 : LrscbeLnt jeden Lrettsg. i Brief-Adresse: Wien» ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Inhalt: Leitartikel: Der Vorfall in Königsberg. — Berühmte Jndengemeinden des osmanischen Reiches. — Ein Lynkeus-Abend in der Toynbeehalle. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Lage der europäischen Inden. Ein offizielles Memorandum zur Wahrung der jüdischen Interessen ans dem Balkan. Die Zustände in Saloniki. Präsident Wilson und Rabbi Wise. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 19. Februar 1913. Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender. Oberbürgermeister Franz Heltai. Oberbürgermeister Dr. Heltai beim Kaiser. Budapest. Eine jüdische Deputation beim Fürstprimas. Die Tragödie des Gefeierten. Lemberg. Prag. Die russischen Studenten in Deutschland. Schwere Lage der Juden in Gallipoli. Die Juden in der Konstantinopler Bürgergarde. Die Zahl der Inden in den okkupierten Gebieten. Hakki Pascha. Auszeichnung des Gcoßrabbiners von Algier. Die russische Regierung und die Auswanderung der Juden. ^Maßnahmen gegen den Boykott in Russisch-Polen. Antisemitismus in einem amerikanischen Regiment. Ein Verband jüdischer Bildungsanstalten in Newyork. Jüdische Landwirte für Australien. Das Fiasko des Pastors Ruffel. Johannesburg. — Vermischtes. — Feuilleton: Aus guter alter Zeit. — Kunst und Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. OCF -------=0^ p Sefug&prafa für ßellrrtr? Jj: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Helle:. Für s Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig '.0 Kronen. Anzeigen: Die nal gefpal- 2 tens Pelilzeile »8 Heller. C O P -Q ü. fi. Postsxarkaflrnamt Sleurtng-Verk ebr «r. S10.S76. Redaktion und Administration. Wien!i/i, Praterstraße 9 Telefon 14847 ss Die Redaktion u. Administration der „Oesterreichischen Wochenschrift“ befindet sich von nun an Wien, II|i, Praterstrasse Nr. 9 Telephon 14.847. Der Norfall in Königsberg. Ein Vorfall, der sich in Königsberg während der Jahrhundertfeier abspielte, illustriert Gesinnung und Charakter der derzeitigen germanischen Intellektuellen in solch grellen Farben, dass die Akten über die Vorgänge der Nachwelt überliefert zu werden verdienen. Anlässlich der Anwesenheit des deutschen Kaisers in Königsberg veranstaltete die Königsberger Studentenschaft am Tage der Hundertjahrfeier einen 'Fackelzug, der sein Ende auf dem Schlotzhof des königlichen Schlosses fand. Bei dieser Gelegenheit sollte von einem Mitglied der Studentenschaft ein Hoch auf den Kaiser ausgebracht werden. Nach dem Hoch sollten dann fünf Vertreter der Studentenschaft im Schloss vom Kaiser empfangen werden. Unter diesen fünf Studenten befand sich der Vertreter des Vereins deutscher Studenten, wahrend der Verein jüdischer Studenten nicht vertreten war. Unter den studentischen Korporationen war im Einverständnis mit dem Rektor der Universität vereinbart worden, dass durch das Los entschieden werden solle, welche Verbindung den Redner für das Kaiserhoch stellen solle. Es wurde in Gruppen gelost und das Los fiel auf die Gruppe der konfessionellen Verbindungen und in dieser wiederum auf den Verein jüdischer Studenten. Als der 'Fackelzug auf dem Schlosshofe angekonkmen und ein Lied abgesungen war, wollte der Vertreter des Vereins jüdischer Studenten, als der Kaiser am Fenster erschien, das Kaiserhoch ausbringen, wurde jedoch an seinem Vorhaben dadurch gehindert, dass der erste Chargierte des Vereins deutscher Studenten das Hoch bereits ausbrachte. Nach dem Hoch wurde ein zweites Lied gesungen und der Vertreter des Vereins jüdischer Studenten brachte nunmehr ein zweites Hoch auf den Kaiser, der sich: jetzt erst am offenen Fenster zeigte, aus. Der Verein jüdischer Studenten wandte sich am nächsten Tage an die llniversitätsbehörde mit der Anfrage, weshalb das Kaiserhoch entgegen der getroffenen Vereinbarung von einem Mitgliede des Vereins deutscher Studenten ausgebracht worden sei. Es wurde die Antwort erteilt, dass das O b e r h o f m a r s ch a l l a m t g e w ü n s ch t habe, das Kaiserhoch solle nicht von einem Herrn aus der konfessionellen Gruppe, sondern von einem Kaiserdeputierten ausgebracht werden. Das „Kaiserhoch" sei eine „Ansprache", die nur derjenige halten könne, den der Kaiser nachher empfange. Die Universitätsbehürde bezeichnete es lediglich als ein Versehen des Universitätssekretürs, dass dem Verein jüdischer Studenten dieser Wunsch des Oberhofmarschallamts nicht mitgeteilt worden sei. Das Präsidium des Bundes jüdischer Korporationen hat sich nun telegraphisch an das Oberhofmarschallamt mit der Anfrage gewandt, ob tatsächlich eine solche Anordnung getroffen Morden sei. Das Oberhofmarschallamt in Berlin antwortete verneinend, man sei über den ganzen Vorgang gar nicht unterrichtet. Als sodann der Vorfall in der gesamten unabhängigen Presse in einer für die Künigsberger Universitätsbehörden nicht sehr schmeichelhaften Weise erörtert wurde, entschloss sich die Königsberger Universität zu nachstehender Publikation. IkiokUgstsUuLg der Vorgänge beim Königsberger Kaiserboch Die Ehrenämter für den Seiner Majestät darzubringenden Fackelzug am 5. Februar wurden vom Prorektor unter Zustimmung der Studentenschaft derart verteilt, dass die fünf Deputationsmitglieder, welche von Seiner Majestät empfangen werden sollten, von den Corps, Burschenschaften, Tumerschaften, schwarzen Verbindungen und Nichtinkorporierten zu stellen seien; das auf dem Schlosshof auszubringende Kaiserhoch wurde der Gruppe der konfessionellen Verbindungen übertragen; die in dieser Gruppe vereinigten fünf Verbindungen losten dieses Ehrenamt aus, und dasselbe fiel dem Verein jüdischer Studenten zu. Dieses waren die seitens der Universität und der Studentenschaft getroffenen Vereinbarungen, als der am Tage vor dem Fackelzug hierselbst eingetroffene Herr Hausmarschall