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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-02-14 · 7 (14.2.1913) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
7 (14.2.1913)
Date
1913-02-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 120 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 7 Diejenigen Objekte, die, wie z. B. alte Familienporträts, im allgemeinen gut aufgehoben sind und auch kaum an das „Museum" abgetreten werden dürsten, sollen in photographischer Reproduktion das Museum zieren. In dieser Beziehung hat das Komitee bereits einen Erfolg zu verzeichnen, da Herr Paul Diamant fast sämtliche Porträts aus dem 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Preßburger Juden darsteblen, auf eigene Kosten photographieren lieh und die künstlerisch ausgefertigten Photographien dem Museumkomitee zum Geschenke gemacht hat. Die AMmchM und die .Juden. Die Londoner Delegierten der albanesischen Regierung, Rassist Dino, MehMed Konitza und B. Noggasf, richteten an die Redaktion des „Iewisst Chronicle" Kn London das nachfolgende, in französischer Sprache abgefatzte Schreiben: „In Beantwortung einer Anlage Ihres Korre- - spondenten beehren wir uns hiermit, zu erklären, daß es selbstverständlich ist, daß die Juden in Manien ohne Unterschied dieselben Rechte geniesten werden, wie dis übrigen, den verschiedenen Kulten angehörenden,' Bürger. Genehmigen Sie rc." Dir Judengjememde von Gallipoli. Gallipoli, wo jetzt so hochwichtige Ereignisse sich vollziehen, Hit eine angesehene IudengeMeinde, die in den letzten Jahren verschiedene Katastrophen durchzumachen hatte. Die letzte dieser Katastrophen war das furchtbare Erdbeben vor einem Jahr, durch, welches das Judenviertel vonGallipoli fast vollständig zerstört wurde. Eine Sammlung, an -welcher sich, die Juden der Türkei stark beteiligt hätten, sowie eine Unterstützung stitens der jüdisch-europäischen Organisationen machte es den Juden in Gallipoli möglich, ihre öffentlichen Anstalten wieder auszubauen, und wenigstens den am härtesten Betroffenen eine Eristenzmöglichkeit zu sichern. Interessant ist. dast das lokale Hilfskomitee in Gallipoli wegen ihres angeblich nicht ganz einwandfreien Gebarens einer scharfen Kritik ausgesetzt war und dah erst dieser Tage die Unhaltbarkeit dieser Angriffe nachgewiesen wurde. Erst vor einigen Tagen meldete ein Brief aus Eallüpoli, dah die Judenstadt daselbst fast wieder vollständig aufgebaut sei, und nun wird diese so oft heimgesuchte Gemeinde wieder den Schrecknissen der Belagerung ausgesetzt. . j der Nähe der jüdischen Geschäfte herumlungern, um jeden polnischen Käufer durch Zureden oder gewaltsam zu verscheuchen. Infolge dieses Kampfes ist die Existenz von Tausenden jüdischer Geschäftsinhaber, namentlich derer in den polnischen Biertein, vom Ruin bedroht. Gleichwohl drucken die besonders rabiaten Zeitungen immer noch ganze Listen' solcher Firmen ab, die durch die. Namen ihrer Inhaber nicht deutlich genug als jüdische zu erkennen sind. Neuerdings richtet sich der Kampf besonders heftig gegen die zahlreichen jüdischen Vertretungen ausländischer und innerrussischer Firmen. Die Polen verlangen - unter Drohungen das; die russischen Firmen ihre jüdischen Vertreter durch Polen ersetzen sollen. Ueberhaupt greift die polnische patriotische Presse die jüdischen Vermittler an und führt eine heftige Kampagne gegen die Kommissionäre, Spediteure und Handelsreisenden, die sich bislang zum größten Teil aus Juden rekrutieren. Eine wütende Kampagne istzu allerletzt auch gegen die jüdischen Advokaten eröffnet worden. Unter dem Druck terroristischer Drohungen hat bekanntlich die Warschauer Philharmonie sämtliche jüdischen Mitglieder ihrer Kapelle entlassen, und nicht weniger als 200 jüdische Musiker sind insgesamt bereits unter den Einwirkungen des Kampfes brotlos geworden. Die Bevollmächtigten der offiziellen städtischen Kreditgesellschast fordern, daß die polnischen Eeldverleiher den jüdischen Hausbesitzern die Hypotheken kündigen, da-! mit ihre Häuser zu billigen Preisen in polnische Hände übergehen sollen. Ja, nicht einmal die Armee der jüdischen Handwerker, deren Dasein ohnehin ein geradezu klägliches ist, wird geschont. Auch gegen sie wird mit den ärgsten Mitteln des offenen Terrors gekämpft." Der russische Senat gegen den FinanzmrnMer in einer Judenfrage. Das erste Departement des russischen Senates hat dieser Tage über eine interessante Klage entschieden, die die jüdischen Weinhändler in der Krim gegen den Finanzminister angestrengt haben. Vor einiger Zeit hat nämlich der Finanzminister im Wege einer Zirkularverordnung angeordnet, daß Juden Weinhändel nur dort betreiben dürfen, wo Juden ständiges Wohnrecht besitzen. Außerhalb dieses Gebietes dürfen Juden nur in eigenen Häusern Weinhandel treiben. Die Krimer jüdischen Weinhändler klagten nun den Finanzminister im Senat an, daß seine Verordnung gegen die bestehlenden Gesetze verstoße; daß der Minister mit dieser Verordnung eigentlich ein neues Gesetz, eine neue Begrenzung der Rechte der Juden sta- - tuiere, wozu er jedoch gesetzlich ohne Ermächtigung seitens der Duma nicht berechtigt ist. Man hat der Entscheidung des Senates, die für die Juden von großer prinzipieller Bedeutung ist, mit Spannung entgegergefehen. Der Senat hät nun nach eingehender Beratung und nach Anhörung des Ministers die Verordnung Kokowzews tatsächlich seinem Inhalte und seiner Form nach für ungesetzlich erklärt. Die Senatsentscheidung hat großes Aufsehen hervorgerufen. Jüdische Deputationen bei der Romanow-Feier. Der Judenboykvtt in Warschau. Der Bokott der Polen in Warschau gegen die dortigen jüdischen Kaufleute dauert noch imMer fort. Er wurde, wie wir bereits milgeleilt, zur Strafe dafür verhängt, daß statt des nalionatpolnischen Kandidaten Dmonski der Sozialist Jagiello mit Hilfe der jüdischen Stimmen zum ReichsduMamitglied gewählt worden ist. Straßengesindel wurde gemietet zur Terrorisierung von Christen, die bei Juden kaufen. Die Leute bekommen dafür einen Rubel Tagelohn. Die „Russische Korresp." schreibt u. a.: „Es ist ein durch seine Brutalität einzigartiger Boykott, der mittelalterlichen Fanatismus . und raffinierte moderne Methoden vereinigt. Der Appell: „Kauft nur in christlichen Läden!" (gemeint sind natürlich polnische) wird durch eine große Zähl von Zeitungen Warschaus und der Provinz sowie durch eine Unzahl von Flugblättern, Proklamationen, Reklamen seit Wochen bis in' die fernsten polnischen Hütten hinausgetragev und gar in vielen polnischen Geschäften prangen jetzt grelle Plakate mit der Aufschrift: „Hier ist ein christlicher Laden, kauft nur bei Christen!" Aus den Straßen kann man aber beobachten, wie vornehme Damen und elegant gekleidete Herren, freiwillige Agitatoren aus der Studentenschaft, halbwüchsige Burschen in Aus Petersburg wird berichtet: Die Petersburger jüdische Gemeinde hät aus der Mitte ihres Vorstandes 3 Mitglieder und den Rabbiner als Delegation bei der Feier des dreihundertjährrgen Jubiläums der Romanow- Dynastie gewählt. Auch die übrigen großen Judenstädte Rußlands haben zu dieser dynastischen Fe'er Deputaftionen entsendet. In vielen Gemeinden wurden aus diesem Anlässe Wohlfahirtsinstilutionen geschaffen. TraubriikurpMe in dm Mischen Kolonien Rußlands. Bekanntlich gibt es im Chersoner Gouvernement ausgedehnte Mische Vauernkolonien, die einzigen in Rußland. In diesen Kolonien, in denen sämtliche Juden sich ausschließlich mit Ackerbau beschäftigen, wurden jetzt mit Hilfe der Jca Versuche ausgedehnter Traubenkulturen gemächt. Diese Experimente sind in solchem Maße gelungen, daß einzelne Kolonien jetzt hauptsächlich der Traubenkultur zugeführt und allmählich in größere Traubenkurplätze verwandelt werden sollen. Mit Rücksicht darauf, daß den Juden die Benützung ähnlicher Kurplätze in Rußland immer mehr erschwert wird, hat diese

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