Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 7 (14.2.1913)
- Date
- 1913-02-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Dr. Bloch’s ******* Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Judentums. ——- Wien, 14. Februar 1913 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Inhalt: Leitartikel: Ein jüdischer Oberbürgermeister von Budapest. — Berühmte Judengemeinden des oSmanischen Reiches. —Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Juden in Frankreich. Hilfskomitee für die y:menitischen Juden. Nietzsches Stellung zum Judentum. Jüdische Emigranten im Hafen von Newysrk im Jahre 1912. Jüdische Auswanderung im Monate Dezember. Das unterirdische Ghetto. Rabbiner Dr. Josef Kodak. Ein christlicher Gelehrter über den Siddur. — Korrespondenzen: Der Mord an Schuhmeier. Ableben eines jüdischen Tafelrichters. Ein wichtiger Erlaß des ungarischen Honvedministers. Die Gründung eines jüdischen Museums in Preßburg. Die Albanesen und die Juden. Die Judengemeinde von Gallipoli. Der Judenboykott in Warschau. Der russische Senat gegen den Finanzminister in einer Judenfrage. Jüdische Deputationen bei der Romanow-Feier. Traubenkurplätze in den jüdischen Kolonien Rußlands. Der Marannenfriedhof in Petersburg. Eine jüdische Ausstellung in Cincinnati. Die Juden in Südafrika. — Vermischtes. — Feuilleton: Aus guter alter Zeit.— Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. oo= =00 9tpxgapvzi» für Drstrrrrirh: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausl»»d: Halbjährig 10 Kronen. Sanzjährtg 20 Kronen. Anzeigen: Die aralgespal tene Petitzeile 48 Heller, o P - - - --Q o og M. Ir. Postfxarkastenamk Clearing** IDetftebt «r. 810.976. Redaktion und Administration; Wien »/i, Praterstraße 9 Do o ü oG= Telefon 14847 =ÜO Die Redaktion u. Administration \A/i£^n H i Dt»£|f ArctrCIQQO Q der „Oesterreichischen Wochenw¥ ICrl 1| 11/1, rl QIGI 0(1 aOOC schritt“ befindet sich von nun an ■= ~ ■=■ Telephon 14.847 j=_j„.- -=.==-= Ein jüdischer Oberbürgermeister von Kubapest. Der Munizipalausschuß der Stadt Budapest wird über Aufforderung des Ministerpräsidenten Ladislaus t>. Lukacs in den nächsten Tagen zu einer außerordentlichen Generalversammlung zusammentreten, in welcher die Wahl des Oberbürgermeisters vorgenommen werden soll. Außerordentlich ist diese städtische Versammlung vor allem wegen der Kandidaten, deren Ternavorschlag der Monarch bereits genehmigt hat. An erster Stelle des Vorschlages steht nämlich die Person Dr. Franz Heltais, des berühmten Schriftstellers und Journalisten, welcher auch als Vorstand der Pensionskassa der Redakteure fungiert. Dr. Heltai wird ohne Zweifel die Majorität erhalten, da er die Unterstützung der Regierung und die voraussichtliche Mehrheit der Stimmen besitzt. Damit wird eine kulturhistorische Tatsache von größtem Interesse geschaffen sein. Der Kandidat der ungarischen Regierung ist ein Jude und seine Proklwmierung ein strahlendes Zeichen jenes Freisinns, der Ungarns große Fortschritte ermöglicht hat. Es wird selbst unter den Juden nicht wenig Kritiker geben, welche diese Bewerbung abfällig beurteilen möchten unter dem beliebten Grundsatz, daß sich die Juden nicht vordrängen, sondern namentlich in der Politik int Hintergründe halten mögen. Wohin soll es aber kommen, wenn /wir uns selbst als Staatsbürger zweiten Ranges betrachten und behandeln wollen? Damit soll nicht einer gewissen Art der Ueberhebung Vorschub geleistet werden/ welche sich breit macht, ohn^ ein moralisches Recht und geistige Fähigkeiten zu besitzen. Wenn aber jemand einen so geachteten Namen und eine so erprobte Tüchtigkeit besitzt, daß er sogar von nichtjüdischer Seite auf den Schild gehoben wird, dann ist sein Erfolg und seine Größe eine Ehre für das ganze Judentum, und die Genugtuung soll tief und aufrichtig sein. Zumal im gegenwärtigen Falle, in welchem niemand die erwiesen patriotischen Motive leugnen kann, unter welchen Dr. Heltai in sein Amt eintritt. Durch die Anforderungen seines neuen Berufes wird er den alten nicht mehr ausüben können. Das bedeutet für ihn einen sehr großen materiellen Verlust. Der Schriftsteller Heltai braucht auch nicht mehr internationalen Ruhm und Ehre, als er bereits besitzt. Ls ist sehr fraglich, ob man von dem Bürgermeister Heltai so viel sprechen und schreiben wird wie von dem humorvollen und glänzenden Schriftsteller. Höchstens darum wird man ihm eine größere Aufmerksamkeit schenken, weil er ein Jude ist. wie denn auch Herr Nathan, der Bürgermeister von Rom, wegen seiner Religion in di: internationale Debatte kam. Uebrigens, und das i t besonders nötig und wichtig zu bemerken, ist die den Antisemiten höchst verdächtige jüdische Solidarität auch an der Budapester Wahl ganz unschuldig. Der heftigste Gegner Dr. Heltais ist vielmehr ein einflußreicher jüdischer Politiker. Dr. Vaszony. Es bleibt also nichts übrig an Verdächtigungen als nur die Tatsache, daß dem jüdischen Oberbürgermeister die Fähigkeiten zugetraut werden, die bisher oppositionelle Hauptstadt und weiterhin alles in ihrer Einflußsphäre gut zu verwalten und im Sinne der Regierung, das ist der endgültigen ruhigen Entwicklung der Stadt und des Landes, zu beeinflussen. Trotzdem hat es der reichlich bekannte Herr Geza Polonqi mit seiner Ehre und seinem Patriotismus für unvereinbar gefunden, daß ein Jude zum Oberbürgermeister von Budapest gewählt werbe/ Der ehemals große Politiker, von dem heute keine anständige Partei etwas wissen will, wirbt mit Berufung auf die bevorstehende