Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 5 (31.1.1913)
- Date
- 1913-01-31
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 86 Dr. Bkochs Wochenschrift. Nr. 5 Meran. Dienstag den 21. Januar fand in Meran die Trauung des Frl. Fanni Kirsch, Tochter des Karlsbader Restaurateurs und Hotelbesitzers Herrn C. Kirsch, mit Herrn Marcus Kohn aus Budapest statt. In Dr. Vermann's Sanatorium „Waldpark" war die große Terrasse in einen Blumenhain geschmackvoll umgewandelt und dort die Lhuppa aufgestellt. Die kantoralen Funktionen versah der allgemein beliebte Herr D. Grünbaum, Kantor der Königswarterstiftung, in vorzüglicher Weise. Den Trauakt nahm Herr Rabbiner Dr. V. Kurrein vor, der die Vorzüge des Brautpaares und der beiden Häuser Kirsch und Kohn betonte. Das Diner, das in Vermann's Restaurant „Starkenhof" stattfand, vereinigte eine illustre Gesellschaft und hielt sie bis in die Mitternachtsstunden bei Musik und poetischen Darbietungen in animierter Stimmung vereinigt. Aussig. (Ehrung eines Rabbiners.) Dem Herrn Rabbiner i. R. S. Baß, derzeit in Wien, ist von unserem Kultusoorstande anläßlich des Ablebens seiner Gemahlin, unter dem 19. Jänner d. I., nebst einem in wärmsten Ton gehaltenen Beileidsschreiben die Mitteilung zugegangen, daß der Vorstand die folgenden Verfügungen getroffen hat: „1. Während des Trauerjahres ist durch den Vorbeter täglich für die Dahingeschiedene b.'im öffciitl ulj^u Pottesdienstdas Kädkuschgebet zu verrichten. 2. Alljährlich am Jahrzeittage ist das Jahrzeitlicht anzuzünden, am vorhergehenden Abende, sowie am Morgen des Jahrzeittages ein Gottesdienst adzuhalteir und durch den Vorbeter das Uaddgchgebet zu rezitieren. 3. An den Tagen des Seelengedächtnisses ist für immerwährende Zeiten zunr ehrenden Gedächtnis der Name der Dahingeschiedenen zu nennen." Auch vom israelitischen Frauenverein in Aussig ist das Andenken der Dahingeschiedenen, welche Vizepräsidentin und Ehrenmitglied dieses Vereines war, durch Errichtung einer Sofie Batz-Stiftung geehrt worden. Baden. In das Kaisergebet vor der offenen Bundcslade hat am Samstag Herr Rabbiner Reich in Baden ein Gebet sür die Genesung des Erzherzogs Rainer eingeflochten. Väg-Szered. In Vaag-Szered wurden bei der om 22. Jänner d. I. abgehaltcnen Neuwahl der israelitischen Kultusgemeinde der Stärkefabrikant Herr Armin Freund, dtffen Vater Herr Julius Freund dieses Ehrenamt 28 Jahre hindurch innehatte, zum Präsidenten, der Großkaufmann Herr Beno ParkuLz zum Vizepräsidenten gewählt. Newyork. Richter Mayer S alz b erg er erhielt von dem Amerikanischen Jüdischen Komitee, dessen Gründer er ist, anläßlich seines Rücktritts von der Präsidentschaft dieser angesehenen Organisation einen Ehrenbecher mit Widmung. Jennie B len er, die am 1. Dezember in St. Louis starb, hinterließ 100.000 Dollar für jüdische Wohls ahrtsinstitutionen. Dr. Charles Zhitlorosky, der Herausgeber der literarischen Jargon-Monatsschrift „Das neue Leben", feierte sein 25jähriges Schriftstellerjubiläum. Zhitlowsky, der 1863 in Witebsk (Rußland) geboren wurde, ist radikaler Sozialist, steht aber auf jüdisch-nationalem Boden. 1897 erschien von ihm „Gedanken über die historische Mission des Judentums". Die Trauer im Londoner Ghetto. Aus London schreibt man uns: Das Londoner East End hat wohl seit seinem Bestände noch keinen solchen Trauerzug gesehen, als das Leichenbegängnis des vorige Woche verstorbenen Rabbiners und geistigen Führers der orthodoren Juden von London, Rabbi Aba Werner. Die Zahl der Teilnehmer an dem Leichenzuge wird auf über 10.000 geschätzt, die alle durch die engen Gassen des Londoner Ghettos ihrem geliebten Rabbiner bis auf den Friedhof das letzte Geleite gaben. Außerdem fuhren die Leidtragenden in nahezu 300 Equipagen, abgesehen von den vielen Tausenden, die mit der Bahn auf den Friedhof fuhren, und dort den Leichenzug cr-s warteten. In dem Tempel der Machsike hadaß hielten fünf Rabbiner Nachrufe. Trotzdem der Zug sich durch die schmalen Gassen des Ghettos bewegen mußte, hatte das starke Polizeiaufgebot keinen Anlaß zum Einschreiten. An der Spitze der zahlreichen Deputationen schritt Lord Swaythling, der bekanntlich ein Förderer der konservativen Richtung in London ist. Feuilleton. Indisch-Soziale Frauenarbeit in Frankfurt am Main. Voi Stephanie Forchhefmer, Frankfurt am Main.*) „Der Wille der Frau, sich nicht abzuschließen vom Volksinteresse, ist im tiefsten Sinne der Inhalt der Frauenbewegung". Diesem schönen Gedanken, den Gertrud Bäumer gelegentlich des deutschen Frauenkongresses in Berlin (Februar 1912) zum Ausdruck brachte, liegt eine bedeutungsvolle Wahrheit, zugrunde. Es muß sich der Frauenwille den Werken zuwenden, die der Lösung sozialer Fragen und Probleme gelten. Wohl hat seit jeher die Frau ihr Teil beiqetragen in dem Kampfe gegen Leid und Not der Menschheit, wenn auch in früheren Zeiten nicht in dem Sinne, in dem wir heute die Frauenbewegung erfassen. Da war es noch nicht die Gleichstellung der Rechte von Mann und Frau, für die die Frauen heute kampfesmutig in die Schranken treten: aber aus ihrem tiefsten Wesensinnern heraus übten sie in allen Zeiten die freie Liebestätigkeit. Die Caritas bildete stets das Leitmotiv des beginnenden sozialen Lebens des Weibes. Und die jüdische Frau ist vor allen anderen durch Schulung und Tradition wahrhaft berufen, die Wohlfahrtspflege auszuüben. Ihre Aufgabe war es seit jeher, die Kranken zu pflegen,- die Hungrigen zu speisen und die tägliche Not der Armen zu lindern. Sie folgte dem Gebote der Religion wie dem Zuge ihres Herzens, indem sie diese caritative Betätigung planmäßig den wachsenden Bedürfnissen einer vorwärtsdrängenden Zeit anpaßte. Denn die Wohlfahrtspflege kann heute nicht mehr nur Sache des Einzelnen sein, um den Anforderungen, die aus' den Schichten des ringenden Volkes gebieterisch herantreten., gerecht zu werden. Es genügt nicht, aus bloßem Mitleidsgefühl Trost und Hilfe zu spenden, wenn uns der Bedürftige begegnet. Den Gefahren und der Not. denen Tausende preisgegeben sind, muß planmäßig entgegengetreten werden, um wirksam gegen sie anzukämpfen. Das Räderwerk der Maschine unseres modernen Lebens saust mit täglich wachsender Kraft, in seinem Kreislauf die weniger Widerstandsfähigen unbarmherzig zermalmend. Dieser Gewalt unserer Zeit kann nicht Einhalt geboten werden, doch vervielfacht sie die Pflichten gegen die Schwachen, die sonst in dem Kampfe gegenüber den Machtvolleren unterliegen müßten. Und so brachte es die Entwicklung, daß aus der freien Liebestätigkeit, der Frau soziale Arbeit wurde. Auf dem weiten Gebiete der Fürsorge hat die Frau vor allem den Beweis erbracht, daß sie selbständige Arbeit zu leisten vermag. Zahlreich sind die Anstalten und Organisationen, die, von Frauen ins Leben gerufen und geführt, sich der allgemeinen großen Kette von Wohlfahrtsbestrebungen segensreich und wirksam anschließen. Unter all den deutsch-jüdischen Gemeinden, die anerkannte Leistungen aus dem Gebiete der Wohlfahrtspflege aufzuweisen haben, darf Frankfurt a. M. wohl mit an erster Stelle genannt werden. Es wird wohl kaum eine zweite Stadt im Deutschen Reiche geben, deren jüdische Wohlfahrtspflege von altersher auf solch' breiter --- . — •' "i«r-.nw«äWa’' *) 'Wir benützen gerne die Gelegenheit, unseren Lesern diesen in der Januar-Nummer der Monatsschrift „Ost und West“ in Berlin erschienenen vortrefflichen Aufsatz der in den Kreisen unserer Stadt in angenehmster Erinnerung verbliebenen Autorin, der Tochter des bekannten Wiener Advokaten Dr. Hermann F i a 11 a, zu vermitteln, welche sich als Frau Forcklieiiner mit dem ganzen Elan ihrer Jugendlichkeit und mit der Fülle ihrer reichsten Begabung in Frankfurt a. M., ihrem jetzigen Wohnsitze, der gemeinnützigen Betätigung auf dem . Gebiete der sozialen Fürsorge mit stets wachsendem Erfolge widmet. Die Redakt'ion.