Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 5 (31.1.1913)
- Date
- 1913-01-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 5 Seite 81 Dr. Bkochs Wochenschrift. Schließlich erwähnt der Bericht, daß ein zahlreicher Besuch des Gottesdienstes, insbesondere an Freitag Abenden, sehr erwünscht wäre, da alles getan wird, um den Gottesdienst würdig und andachtsvoll zu gestalten. Insbesondere wird dem Chorgcsange besondere Pflege gewidmet und gelangen neben Sulzer's unsterblichen Gesängen auch die neuen Kompositionen der bekanntesten Meister, wie auch Originalwerke unseres Chormeisters Herrn «alomon Braslewsky, ehem. kais. russ. Militärkapellmeister, dzt. Abiturient der k. k. Musikakademie, zur Aufführung, welche in unserem mit reichen Stimmitteln begabten Oberkantor Herrn Sim. W e i ß die würdigste Vertonung finden. Die Predigten unseres Vereinsrabbiners Chrw. H. e i ch, Religionsprofessor und Ortsschulrat, geschöpft aus den Quellen seiner reichen jüdischen Gelehrsamkeit und Talmudkenntnis, sind geeignet, Herz und Gemüt der Zuhörer zu erbauen und zu stärken. Sie werden jeden 1. und 3. Freitag im Monate abgehalten. Mögen insbesondere die Frauen und Mütter an dem Gottesdienste teilnehmen, um den religiösen Sinn in den Familien wieder zu beleben. In den folgenden Debatten der Tagesordnung griffen die Herren Iosef Kohn, Oppenheimer. Steinhardt, Dr. Bernhard Singer, Samuel Kreutz u. a. ein. Mit anerkennenden Dankesworten des Kultusgemeinde-Delegierten, Herrn Amtsleiter G. Fuchsgelb, schloß die Versammlung. Die Neuwahlen ergaben die Wiederwahl der zum Austritte gelangten Herren Ignatz Fischer. Jakob Herlinger. Arnold Selke, Dr. Bernhard Singer und Ignatz T a u tz i k in den Vorstand. Generaiioersimtmlung des Josefstädter Tempelbauoerernes. Am 26. Januar d. I. fand um 10 Uhr vormittags im Gebäude des Josefstädter Tempels. VIII. Neudeggergasse 12, die ordentliche Generalversammlung pro 1913 des Tempelbauvereines der Stadt Wien statt. Der Vorsitzende Herr Hermann Beck begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste, namentlich den Delegierten der Kultusgemeinde, Herrn Gottlieb Bettelhefm, Herrn Rabbiner Dr. Moritz Bauer und den Vertreter des Hietzing« Tempelvereines, Herrn I. Bernfeld. Mit Worten tiefer Rührung gedachte der Vorsitzende des Ablebens des verewigten 1. Vizepräses Herrn Jacob Modern und des Obmannes der Finanzsektion Herrn Samuel Steiner und schilderte in beredter Weise deren ausgezeichnetes Wirken und deren Verdienste um den Verein. Hierauf erstattete der Schriftführer Herr Dr. Sigmund Goldberger den Verwaltungsbericht, in welchem auf die eingehende Tätigkeit des Vereines, insbesonders auf dem Gebiete des Kultus., des religiösen Jugendünterrichtes verwiesen wurde. Der Bericht wird mit beifälliger Zustimmung zur Kenntnis genommen. Auf die Verlesung des Kassaberichtes wird verzichtet und über Antrag des Revisors Herrn Hermann Stern, der die Richtigkeit des Geschäftsberichtes bestätigt, dem Ausschutz einstimmig das Absolutorium erteilt. Der Delegierte der Kultusgemeinde, Herr Bettelheim, zollte dem hervorragenden Wirken des Präses, wie auch dem gesamten Ausschüsse Worte lebhafter Anerkennung und betonte, datz der Verein im VIII. Bezirke sich zum Muster für andere Tempelvereine heroorgehoben habe. Er werde nicht ermangeln, die hervorragenden Leistungen desselben zur Kenntnis der Kültusgemeinde zu bringen. Bei den Wahlen wurden die turnusmäßig ausgeschiedenen Aussch'Utzmitglieder, Herr Architekt^ Leopold Fuchs, Herr Dr. Sigmund Goldberger, Herr Hermann P o l l a k, Herr S. S i d o n. Herr kais. Rat Dr. Ludwig Weiß wieder und Herr Philipp Weiß als Ausschußstellvertreter neu, ferner die Herren Ignaz B ä - räny, Salomon Bauer und Hermann Stern als Revisoren gewählt. Ter Antrag des Ingenieurs Herrn I. To bell, dem Rabbiner Herrn Dr. Bauer sowie den übrigen Funktionären des Tempels den Dank für ihre anerkennenswerten Leistungen abzustatten. wird einstimmig angenommen. Herr Tr. Bauer erwidert mit dem Danke für das Vertrauen, insbesonders aber für die lebhaften Sympathien, die ihm stets entgegengebracht werden. Der Vorsitzende Herr Präses Beck dankt den Anwesenden für ihr Erscheinen und schließt die Versammlung. Religiöser Notstandim Praterviertel. (Aufruf an edelherzige Glaubensgenossen.) Es dürfte wenigen jüdischen Bewohnern Wiens außerhalb des Praters bekannt sein, datz im heutigen Praterviertel. ein Gebiet, das noch vor 100 Jahren den Juden verschlossen war, sich derzeit eine stattliche Anzahl von weit über 6000 Personen jüdischer Bewohner befindet. Trotz dieser bedeutenden Zahl jüdischer Bevölkerung, wie sie heutzutage wenige selbst große Provinzgemeinden aufzuweisen haben, befand sich bis zuni vorigen Jahre kein jüdisches Bethaus im Prater und der Gottesdienst mutzte an den Feiertagen in Gasthäusern abgehalten werden. Um diesem Uebelstande abzuhelfen. haben sich mehrere Geschäftsleute bewogen gefühlt, einen Bethausverein zu gründen, was ihnen allerdings nur nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten gelang. Doch schon im ersten Jahre seines Bestandes hatte dieser Verein mit mannigfachen finanziellen Hindernissen zu kämpfen, welche sich noch durch die infolge der enormen Mietzinssteigerung des Betlokales notwendig gewordene Uebersiedlung bedeutend vergrößerten. Ter neue Hausherr war nämlich, trotz bestimmter Zusage, schließlich doch nicht in der Lage, alle von her Behörde verlangten Aenderungen und Umbauten durchzuführen, und der Verein mutzte alle diese von der Behörde gewünschten baulichen Aenderungen selber vornehmen und die Kosten bestreiten. Der Verein besieht größtenteils aus unbemittelten Mitgliedern, und die Hoffnung, daß durch Mieten eines geeigneten Betlokales auch die befsersituierten Praterbewohner dem Vereine beitreten, hat sich leider nicht erfüllt. Durch die Errichtung der Talmud-Thora- Schule, in welcher zirka 220 Kinder (davon zirka 160 unentgeltlich) unterrichtet werden, hat der Verein bisher ein allmonatliches bedeutendes Defizit zu verzeich nen. Das hat naturgemäß den Eristenzkampf des Vereines ungeheuer erschwert. Durch alle diese tristen Verhältnisse ist der Bestand des Bethausvereines und seiner Talmud-Thora ernstlich in Frage gestellt. Bedenkt man. daß das Nächstliegende Bethaus erst in der Fugbachgasse, bezw. in der Pazmanitengasse gelegen ist, so bedeutet die Auflösung unseres Vereines, daß eine jüdische Bevölkerung von 6000 Seelen religiöser Verwahrlosung überlassen bliebe. Diese Entfernung ist für viele, namentlich ältere Leute, ein wirkliches Hindernis, das Gotteshaus aufzusuchen: anderen vielleicht eine Ausrede, um sich selber vor dem eigenen Gewissen zu entschuldigen, daß man das ganze Jahr dem Gottesdienste fernblieb. In einer solchen Zeit, wie die unsrige, sollte man dem Juden es nicht so schwer machen, religiöse Pflichten zu erfüllen, vielmehr alles anwenden, das religiöse Gefühl zu stärken und zu befestigen, das religiöse Gewissen zu wecken. Wer für das Judentum warm empfindet, wird gerne beitragen, diesem religiösen Notstand Abhilfe zu bringen. Jeder, der in der Lage ist, zu helfen und die Hilfe verweigert, ist für die religiöse Verwahrlosung, die platzgreift, mit verantwortlich. Der Vorstand gestattet sich daher, edlen Glaubensgenossen die Bitte zu unterbreiten, durch werktätige An-