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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-31 · 5 (31.1.1913) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Irchrgang XXX Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums, 0(7^- ■ ■ =D o Y «. h. P«*aipachaaenatnJ Q: Clearing s Vergebe «r. 810.976. RedaMon und Administration. Wir« H/1, Asperrlbrükkeugaffc 2 *> Telefon 146 ilf oP ■■ — ■ On Wien, Bl. Jänner 1913 O Cr.- .- =Ö^ "p *ejugaprri» Tür JOectirreirfi: C1 Halbjährig 8 «tonen; Einzelexemplare 5C Heller. : Lrscbetnt jeden Freitag, i- Brief-Adresse: Wie«, ll/i, Asperubrückeng. 2 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie«. Fur's Ausland: Hald^ahrig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Krrn«n. Anzeigen: Die nalgespol- >! 2 lene Pekitzeile 4t, Heller. C O o .—..-Q ' Inhalt: Leitartikel: Erzherzog Rainer. - Episoden aus dem Leben des Erzherzog Rainer. — Berühmte Judengemeinden des osmanischen Reiches. — Jüdische Sprache und jüdische Rationalität. — Korrespondenzen: Aus der öffentlichen Plenarsitzung vom Sonntag den 26. Jänner 1913. Generalversammlung des Tempelvereines für den IX Bezirk. Die Generalversammlung des israel. Tempelvereines Wieden-Margarethen. Generalversammlung des Josefstävter Tempelbauvereines. Religiöser Norstand im Praterviertel. Das „Ludwig Zwiebcck-Kinderheim" in Purkersdorf. Schlußfeier der Mitglicderaufnahme der Pester Ch,wra-Kadischa. G-dächtnisseier für Dr. Lndwig Bendiener. Karlsbad. — Vermischtes. — Feuilleton: Jüdisch-Soziale Frauenarbeit in Frankfurt a. M. Die Geschichte der Juden in Amerika. — Literatur. — BrieikaÜen. — Notizen. — Inserate. Erzherzog Rainer An der allgemeinen Trauer des Reiches um den verblichenen Erzherzog Rainer nehmen die Juden besonders herzlichen Anteil. Schon ihre Verehrung für jeden Grossen des Geistes begründet ihren Schmerz, der noch vergrößert wird durchs ihre treue, loyale Gesinnung und ihr aufrichtiges Mitgefühl bei allen Freuden und Leiden der Dynastie. Vor ihren Augen ragt die Gestalt des verblichenen Erzherzogs als die eines Führers der Wissenschaften hervor, in deren Akademie er nicht nur die Ehren, sondern auch die große und durch ihre Erfolge denkwürdige Arbeit des Präsidenten hatte. Die jüdischen Traditionen, welche besondere Verehrung für jeden hervorragenden Mann der Wissenschaften gebieten, folgen mit besonderer Trauer dem dahingegangenen Doyen des Kaiserhauses in die Gruft seiner Väter. Die jüdischen Traditionen, welche die Güte des Herzens und das Mitleid für die Menschen verlangen, heischen den höchsten Tribut der Dankbarkeit und Achtung für einen Grossen dieser Erde, der die Schaffung und Förderung der Poliklinik an die Spitze jenes gewaltigen Teiles seines Lebenswerkes gestellt hat, welches sich mit der Humanität beschäftigte. Der jüdische Patriotismus, der in der Grösse und Macht des Vaterlandes feine höchste Genugtuung findet, trägt Trauerkränze herbei für den Schwiegersohn des Siegers von Aspern, für den genialen Schöpfer der Landwehr, des neuen Heeres für Oesterreich. Die jüdische Demokratie bewundert noch in seinem Grabe den leutseligen, hohen Herren, der keine Schranke zwischen sich und der Bevölkerung kannte und Freude und Herzlichkeit überall hkntrug, wo man ihn nur sah. Aber ein eigenes hohes Monument hat sich Erzherzog Rainer bei den Juden als der Anwalt der Freiheit errichtet, welche nach den Tagen des Konkordats und der schwersten Reaktion die Verfassung und die Menschenrechte aller Bürger brachte. Der große Tote hat mit seinem ganzen Mut und mit Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit als Anwalt des Volkes vor dem Throne den ernannten und kleinen Reichstag in das von der Bevölkerung gewählte Parlament verwandelt. Mochte auch das Ministerium Schmerling, dessen Vorsitz der Erzherzog als erster Ministerpräsident führte, an steuerpolitischen und an ungarischen Fragen untergehen, so ging doch seine Grundidee, die Freiheit und Verfassungsmäßigkeit, niemals mehr verloren. Denn Erzherzog Rainer und seine Helfer hatten diesen Grundstein des Staates durch die Wucht ihres Auftretens, durch die schwere ihrer Argumente so tief versenkt, daß er allen weiteren Gelüsten nächtlich dunkler Schatzgräber widerstand. Es war damals eine große Versuchung, mit den Juden eine Ausnahme zu machen und ein seit urdenklicher Zeit bestehendes Unrecht weiter zu erstrecken. Aber Erzherzogs Rainer geklärter Sinn, der die Dinge an ihrer Wurzel sah und erkannte, sich nach den Prinzipien richtete und nicht nach Stimmungen, schloß alles aus. was irgend eine Gruppe von Manschen hätte beeinträchtigen können, als die Freiheit für alle kam. Unter seiner Führung kam das große Werk der Erlösung zustande, auf welchem unsere politische Eristenz heute noch fußt und das sich niemals auch nur im geringsten geändert hätte, wenn der verblichene Fürst am Steuer geblieben wäre. Denn der Erzherzog hat in denkwürdigen Momenten gezeigt, daß für ihn wenigstens die Staatsgrundgesetze nicht Papier, sondern Ueberzeugung sind. Er hat verdammt. wenn eine Gruppe der Bevölkerung der anderen Gleichberechtigung und Freiheit nehmen wollte. Darum war er auch gegen den Antisemitismus und ein Schützer der Juden. Er kannte die Juden von seiner großen, geistigen Arbeit her und wußte von ihnen, wieviel ihnen die Wissenschaften und Künste zu verdanken haben. Er kannte die Juden von den Stätten der Wohltätigkeit und schätzte ihr stets hilfsbereites, gutes Herz. Er hatte aber auch sehr.viel jüdische Offiziere und Soldaten als Oberkommandant der Landwehr beobachtet und zeigte wiederholt, daß er sie allen Kameraden gleich stellte. So lehnte er denn die ungerechte Verfolgung und Beleidi-« gung der Juden für seine Person wiederholt und mit entschiedenen Ausdrücken ab, machte in feiner huldvollen Förderung des geistigen Lebens niemals die geringsten Unterschiede. Seine erhabene Art der Ueberzeugung ver-

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