Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 2 (10.1.1913)
- Date
- 1913-01-10
- Page
- Seite 17 (sequence 1)
- Language
- German
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Br. 2 Jahrgang xxx Dr. Bloch’s Zenttalorgan kür die gesamten linteressen des Judentums -er.- Wie», 10. Jäuner 1913 : Brscbeint jeden Freitag, i Brief-Adiesie: Wien» ll/i, Aspernbrückeng. 2 Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. 0(J=— ■ --OG Sexugsprris für DeRrrrriifj: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 5V Helle- Für'» Ausland: Halbjährig lO Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2nal gespal. OG: lene Pekitzeile Heller. S. ft. Poflfparftast'enarnr Sleartng-Verk ebr «r. S10.S76. Redattton und Administration: Wien li/i, Aspernbrückeugaffe 2 Telefon* 146)9 Inhalt: Leitartikel: Ein Erfolg. — Der „fortschrittliche" Antisemitismus in Polen. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Ter türkische Generalkonsul in Budapest über die türkischen Juden in Palästina. „Zoologischer Anvsemitnmus". Der Ebauer der py:enäifchen Bahnen. Die Heldentat eines jüdischen Fremdenlegionärs. Das Londoner Albanienkomitee für die Rechte der Balkcujuden. Amerika. Konferenz griechischer Kultuspräsidenten in Saloniki. — Korrespondenzen: Aus der konstituierenden Plenarsitzung des Wiener israelitischen Kultusvorstandes vom 5. Jänner 1913. Die Errichtung des israelitischen Kinderspitals. Ritualwrrlh>tze in einer österreichischen Volksschule. Zur Gründung einer Talmud-Thora-Schule in Mährisch-Ostrau. Breslau. Italien. Oderrabbiner D". Margulies in Tripolis. — Vermischtes. — Feuilleton: Randglossen zum Balkankriege. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Gin Erfolg« Man erinnert sich noch der vielen beschämenden Vorfälle, die sich aus der Spitalsnot in Wien bis in die letzte Zeit ergaben. Von Krankenhaus zu Krankenhaus verwiesen, weil nirgends trotz der Dringlichkeit ein Platz zu finden war, gingen Kinder in den Armen ihrer Mutier elend zugrunde, stürzten Sterbende auf offener Straße zusammen. Außer den bekannt gewordenen Katastrophen des Elends gab es noch viele andere, viele in einem Winkel der Großstadt verröchelte Menschen, von denen der Polizeibericht melden könnte, daß für sie keine Spitalspflege aufzutreiben war. Alle diese schrecklichen Erscheinungen waren und sind Symptome der christlichsozialen Wirtschaft. Der erschöpfte Krankenhausfonds ist dem Wohlwollen von Staat, Laad und Stadt anheimgegeben, und alle diese drei Faktoren lehnen ihre moralischen Pflichten in gleicher Weise ab. Erst als das Regierungsjubiläum des Kaisers kam und die Stadt Wien wohl oder übel dem Wunsche des Monarchen Nachkommen mußte, die Huldigung durch Akte der Humanität zu begehen, wurde ein städtisches Spital weit draußen in Kainz gebaut, das nur einen Teil der vorhandenen Bedürfnisse decken wird, bis es endlich in Betrieb kommen wird. Das Land aber, in dessen gesetzgebendem Körper ebenfalls die Christlich-Sozialen die erdrückende Mehrheit haben, weigert sich noch immer hartnäckig, für die unglücklichen Kranken etwas zu tun. Geßmann wollte allerdings zu seinen politischen Lebzeiten die Sanierung des Krankenhausfonds übernehmen. Er stellte jedoch die Bedingung, daß die Professoren und Aerzte sich dem Oberbefehl des Beamtenheeres unterwerfen, das er anzustellen gedachte. Die medizinische Fakultät begab sich jedoch nicht in die politische und geistige Sklaverei der. Christlich-Sozialen, und so war denn-Wiederum kein Geld für Spitäler da, obwohl die übel bekannten Ueberschreitungen der Baukosten beim Steinhof genügt hätten, um mindestens ein großes Krankenhaus zu errichten. Das. alles muß man sich vor Augen halten, wenn, mgn die hochherzigen Stiftungen der Juden für Kranke gebürend würdigen will, die in der letzten Zeit unter dem Motto errichtet worden sind: „Seht, wir Juden sind doch bessere Menschen".'Die großen Gemeinwesen, welche über so hohe Steuergelder verfügen, haben die Erfüllung ihrer vornehmsten Pflichten der privaten Wohltätigkeit überlassen. Wären nun die Kranken der christlichen Charitas allein übergeben worden, so wäre nicht das geringste sür sie geschehen. Trotz allen Liedern und schönen Weihnachtserzählungen über das goldene Wiener Herz rührte sich nicht das Mindeste unter den vielen Hunderten christlicher Millionäre, die Wien besitzt, nichts unter den fabelhaft reichen Hochadeligen und Klöstern. Nur Juden waren cs, welche sich an die schönsten Pflichten des Besitzes erinnerten und die Schulden ihres Gemütes an die vom Schicksal am härtesten Getroffenen abstatteten. Dabei mußten die großen und verdienstvollen Wohltäter noch empfinden, wie tief die Wiener Bevölkerung durch die christlichsoziale Herrschaft und Agitation gesunken ist. Als die 20 Millionen-Stiftung des Barons Rothschild für Nervenkranke installiert werden sollte, setzten sich Bezirke und Nachbarn mit allen Mitteln zur Wehr, und erst unter großen Schwierigkeiten wurden die großen Gebäude zwischen Lainz und Mauer, sowie in Döbling errichtet. Man hat auch bisher von einer feierlichen Er-' öffnung der großen Musteranstalten abgesehen, auf welche Wien stolz sein dürfte, wenn es nicht stolzer wäre auf seine Weiskirchner und Steiner, auf Bielohlawek und den Mechaniker Schneider. All das hat aber weitere jüdische Philanthropen nicht abgeschreckt, nach den Satzungen ihrer Religion und den jüdischen Traditionen zu handeln und weitere Stiftungen zu machen, unbeeinflußt von den Stimmungen des Tages. So wird denn inder nächsten Zeit an der Grenze zwischen Leopoldsladt und Brigittenau ein großes Kinderspital entstehen, an welchem alles jüdisch ist, von der Schwelle bis zum Giebel. David Ritter von Gullmann. Herr Pollab von Parnau, Herr Spitzberger, Frau Thorsch und noch andere jüdische Wohltäter haben sich mit dem Spital ein Denkmal gesetzt, wie es schöner nicht gedacht werden kann. Die Energie des Präsidenten der Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, seine Klugheit und