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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-12-27 · 52 (27.12.1912) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
52 (27.12.1912)
Date
1912-12-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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N. 52 Seite 889 br. Bwchs WocheichhM Jsr. Humanitäts-Verein für die westl. Bezirke Wiens. Am 17. Dezember fand die diesjährige General Versammlung dieses Vereines statt. Cie tagte in den neueingerichteten prächtigen Freitischlokalitäten des Restaurants Golner, VI., Nelkengasse 4. Als Ehrengäste wohnten ihr bei: Herr Kultusvorsteher Dr. Jakob Engel in Vertretung des Kultusvorstandes und als Präsident des Tempel-. Vereines für Mariahilf und Neubau, Frau Rosa Taglicht als Repräsentantin des Frauenwohltätigkeitsoereines dieser Bezirke, Herr M. Felsenberg, der Vorstand der orthodoxen Gemeinde, das Ehrenmitglied des Vereines, Herr Dr. Josef Samuel Bloch, der Bezirksrabbiner Herr Dr. I. Taglicht und Herr Oberkantor Simon Dünmann. Der Präsident Herr Dr. Earl Löwy hieß die genannten Persönlichkeiten, sowie die zahlreich erschienenen Mitglieder bestens willkommen und erstattete, nachdem das Protokoll der vorjährigen Generalversammlung genehmigt worden war, den Jahresbericht des Vorstandes, den er mit einem stehend angehörten Nachruf an die verstorbenen Vereinsmitglieder einleitete. Der Präsident gedachte sodann des siebzigsten Geburtstages des um die jüdischen Wohltätigkeilsunternehmungen Wiens hochverdienten Kultusvorstehers Herrn Salo Cohn und beantragte unter lebhafter Akklamation seitens der Versammlung die Absendung eines Glückwunschschreibens an den Jubilar. Aus dem Berichte ist hervorzuheben, das; seit einiger Zeit neben Schulkindern auch Studierende und Praktikanten in den Freitisch Ausnahme finden. Die Kinderbekleidung wurde in diesem Jahre den beiden Bekleidungsvereinrn „Mariahilfer Kinderfreund" und „Flotte Geister" übertragen, während der Humanitätsverein selbst nur solche Kinder bekleidet, die anderwärts abgewiesen wurden. Den durch das Unterbleiben der Kinderbekleidung entstandenen Ausfall an Ausgaben hat der Vorstand in Form von Geldspenden zur Verteilung gebracht. Mit Bedauern hob der Präsident hervor, daß die alljährlich übliche Subvention der Kultusgemeinde in diesem Jahre bisher nicht eingelaufen ist. — Herr Kultusvorsteher Dr. Engel versprach, sich jederzeit tatkräftigst für den Verein einsetzen zu wollen und überbrachte ihm in herzlichen Worten den Ausdruck lebhafter Sympathie des Kultusvorstandes und Tempelvereines. Auf den Jahresbericht und den Rechenschaftsbericht des Kassaverwalters Herrn Hermann König folgten wertvolle Anregungen seitens der Herren Dr. F. Schlichter und Jg. Klein. Schließlich wurde auf Antrag der Revisoren der Leitung e i n st i m m i g das Absolutorium erteilt. Bei den am Schlüsse der Versammlung vorgenommenen Wah- I e n erklärte Herr S. Lemberger, eine Neuwahl nicht annehmen zu können, woraus ihm der Dank für sein langjähriges Wirken im Vorstände votiert wurde. Der Präsident und Herr R. Kepler legten der Versammlung eindringlichst nahe, für einen jungen Nachwuchs im Vorstände zu sorgen. — Das Skrutinium ergab die Wiederwahl der Herren Dr. Carl Löwy und Samuel Weiß, sowie die Neuwahl der Herren Edmund Hacker und Dr. Felix Schlichter in den Vorstand. Zu Revisoren wurden abermals Herr Friedrich Haas und Herr Ernst Schüller bestellt. Auf dis Generalversammlung folgte ein gemeinsames Abendessen der Teilnehmer, welches einen sehr animierten Verlaus nahm, während dessen die Herren Rabbiner Dr. Taglicht, Dr. I. 2. Bloch und Präsident Dr. Löwy Trinksprüche ausbrachten. Rabbiner Bcknjamin Weis gestorben. Aus Czernowitz wird uns geschrieben: Am 12. d. M. starb hier der orthodore Rabbiner Benjamin Weist im Alter von 71 Jahren nach schwerem Leiden. Mit dem Hinscheiden dieses jüdischen Gelehrten erleidet die hiesige jüdische Gemeinde einen schweren, unersetzlichen Verlust, und sein Tod wird nicht nur hier, wo der verehrte Seelsorger sich ungeteilter Liebe und Wertschätzung erfreute, sondern auch weit über die Grenzen des Landes schmerzliche Teilnahme seiner Glaubensgenossen auslösen. Rabbiner Weist war ein jüdischer Gelehrter aus der guten alten Zeit, der die reichen Schätze des jüdischen Wissens in unermüdlichem gründlichem Studium seit frühester Kindheit gesammelt hat und Mit einem überaus scharfen Geiste zu verwerten wustte. Seine Autorität auf takmudischem Gebiete wurde in allen 'Gelehrtenkreisen unbestritten anerkannt und man bewunderte nicht nur sein 'profundes Wissen, sondern auch die Art, wie der orthodore jüdische Gelehrte sich in die Bestrebungen einer Modernen Welt einzufinden, ihnen Verständnis abzugewinnen vermochte. Rabbiner Weist hatte auch ein reiches profanes Wissen erworben, und seine andächtigen Zuhörer staunten oft über die schöne deutsche Blumensprache, die der orthodore jüdische Gelehrte in seinen Predigten führte. Rabbiner Weist wirkte mehr als 40 Jahre als Rabbiner der hiesigen jüdischen Kultusgemeinde, und die GeMeinde nahm wiederholt Veranlassung, ihm Beweise inniger Verehrung zu bieten. Gelegentlich des 40jährigen DienstjubiläuMs wurden ihm von nah und fern begeisterte Huldigungen dargebracht, und auch die allerhöchsten Auszeichnungen wurden ihm' zuteil. Rabbiner Weist wurde durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes und später durch Verleihung der Krone zu diesem Verdienstkreuze ausgezeichnet. Auch die Stadtgem'einde Czernowitz ehrte den Gelehrten, indem sie ihn zum Ehrenbürger der Landeshauptstadt ernannte. Rabbiner Weih war von überaus schlichtem, biederem Wesen und empfand eine förmliche Scheu vor der Oeffentlichkeit: vor allen ehrenden Kundgebungen flüchtete er sich stets in seine Gelehrlenstube. Dabei kannte,er aber das Leben und die Verhältnisse gründlich wie keiner. Er war der gesuchteste Schiedsrichter in allen strittigen kaufmännischen Fragen, und seine Bescheide wurden von den Parteien wie salomonische'Urteile respektiert. ' ' Berlin. Das Zentralkomitee des HilfsvereiueS der deutschen Juden hat einstimmig Herrn Oskar Tietz, Berlin, in den geschäftsfübrenden Ausschuß und Herrn D. Wifsotzky. Moskau, in das Zentralkomitee gewählt. Beide Männer haben sich bereits seit langem um das ausgebreitete Werk des HilfsvereinS in hohem*Maße verdient gemacht. Für die Einheit des deutschen Judentums. Die „R. I. K." Meldet: In Berlin wurde soeben ein Komitee zur Erhaltung der Einheit der deutschen Iudenheit auf breitester Basis gegründet, welches es sich zur Aufgabe setzt, gegen die drohende Gefahr einer schisMatischen Zerklüftung innerhalb der deutschen Iudenheit VorbeugungsMahregeln zu treffen. Dieser Bewegung kann sich jeder Jude anschliesten. der dieses Programm des Komitees anerkennt. Dem Komitee gehören Herren aller Richtungen an. Jüdische GMdarmM in griechischen Diensten. Aus Saloniki wird uns berichtet: Der griechische Gouverneur von Saloniki hat an den Grohrabbiner Jacob Meir die Mitteilung ergehen lassen, dast die griechischen Behörden die Absicht haben, Juden kn den Verband der griechischen Gendarmerie aufzunehmen. Tatsächlich hat sich eine Anzahl von Iud^n bereits gemeldet. Konfiskation wegM der BdrtDge. Aus Fiume wird uns berichtet: Heber Antrag des Staatsanwaltes hat der Untersuchungsrichter das hier erscheinende kath. Wochenblatt „II Risveglio" wegen eines blutrünstigen Hetzartikels, in welchem auf Grund von gefälschten Talmud und Bibelstellen und anderen Dokumenten der Glaube erweckt wurde, dast die Juden angeblich zu Ritualzwecken Christenblut brauchen, konfisziert. Das genannte Blatt treibt schon seit längerer Zeit eine gefährliche antisemitische Hetze, die schon längst Anlast zum Einschreit,en des Staatsanwalts geboten hat,, die jedoch erst jetzt erfolgt ist.

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