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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-12-27 · 52 (27.12.1912) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
52 (27.12.1912)
Date
1912-12-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 52 Seite *38 200, Dr. Eduard Bir 100. Moritz Deutsch 70, Anton Stern 150, Dr. Elias Münz 140, Rubin Natansohn 10, Benjamin Planer 20- Leopold Weinwurm 40, Gustav Planer 55, Dr. Eduard Thaler.200, Josef Steiner 10, Julius Eröbel 80, Dr. Arnold ftnöi}cl 120, Josef Kowanitz 200, kais. Rat Alois Vogel 225, Albert Saborsky 100, Leopold Libesny 10. Gustav Libesny rvO, Theodor Eistier 250, Jakob Theumann l 300, Alois Theumann 200, Rabbiner Dr. Rosenmann 10, Sigmund Bloch 20, Isidor Schwarz 10, Earl Lemberger 100. kais. Rät Ignaz Wilhelm 20, Ernst Klebinder 20, Samuel Pisk 25, Theodor Klein 50, Sigmund Koller 10’ Baruch Kohn 10, von 80 Personen zulammen Kronen 9958’—. Hofrat Professor David Hcknrich Müller. Von der Wiener Universität und von der kaisertlichen Akademie der Wissenschaften flatterte Sonntag die schwarze Fahne herab: letzten Samstag ist der Vorstand des Orientalischen Instituts, ordentlicher Professor für semitische Sprachen an der Universität und Professor an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Hofrat Dr. David Heinrich Müller, gestorben, der. ein Gelehrter von Weltruf, eine der größten wissenschaftlichen Z-erden der Wiener Hochschulen war. Seit dem Sommer dieses Jahres war Hofrat Müller schwer krank: er litt an Arterienverkalkung. Samstag nachmittag hat ihn der Tod von feinen Leiden erlöst. Professor Müller wurde am 6, Juli 1846 zu Buczacz in Galizien geboren und hat somit ein Alter von 67 Jahren erreicht. Er studierte in Wien, promovierte im Jahre 1875 zuM Doktor der Philosophie, habilitierte sich 1876 und wurde iM Jahre 1880 zum außerordentlichen. fünf Jahre darauf zuM ordentlichen Professor für semitische Sprachen ernannt. Was er in dieser Zeit vermöge seiner profunden Gelehrsamkeit und deines großen initiatorischen Blickes in seiner Wissenschaft geleistet hat, stellt ihn den größten Meistern der Orientalistik würdig an die Seite. Welcher Schätzung er sich erstellte, dafür hatte Man einen Maßstab, wenn man seinen' Hörsaal' beträch Da fanden sich Jünger seiner Disziplin aus Fransteich. England und Amerika Mit solchen aus Deutschland und Rußland zuMmMen. und ebenso Schüler aus der exakten Gelehftenkarriere. wie Mitglieder der katholischen und protestantischen Geistlichkeit. Nicht minder gab die ausgebreitete wissenschaftliche Korrespondenz, die er mit den Fachgenössen aus aller Herren Ländern führte. Zeugnis von der Autorität, die ihm überall zuerkannt ward. Für die Jüdisch-theolog sche Lehranstalt hat er den Organisationsentwurf und Lehrplan geschaffen und. gehörte ununterbrochen ihrem Lehrkörper an. Seine Lebensarbeit ist in einer ganzen großen Folge wertvoller Werke niedergelegt. Er veröffentlichte unter anderm ausführliche Studien über die Burgen und Schlösser Arabiens, ,.Epigraphisches aus Arabien". ..Epigraphische Denkmäler aus Abessinien" und ..Sabäische Denkmäler", die viel gepriesen wurden. Ferner „Die altsemitischen Inschriften von Sendschirli". dfe in zwei Bänden erschienen, sogenannte Hamdanische ,-Geographie der arabischen Halb-, insel". dann die ...Südarabischen Altertümer im Kunsthistorischen Hofmüfeum". Hochinteressant ist sein zweibändiges Werk über die „Mehrt- und Soquotrisprache", das für die Linguisten eine wahre Ueberraschung bedeutete. Er entdeckte da förmlich zwei verschiedene Sprachen, welche außer jedem irgendwie nachweisbaren Zusammenhang mit irgend einer andern jetzt in der Welt existierenden oder je früher rm Gebrauch gewesenen Sprache stehen, und entwickelte mit klassischer Prägnanz die ganze innere E'^eNMäß-gkeit dieser sprachlichen Unika. Bekannt vt -ferner die geistvolle Analyse, der er die Hamurabi'che Gesetzgebung sofort nach ihrer Auffindung unterzog und durch die er di? anfangs so überraschende Behauptung des Wiederauflebens dieser Gesetzgebung in den Gesetzen Mosis und selbst in den römischen Zwölftafeln mit Geist und Glut rechtfertigte. Diel besprochen wurden dann «auch die Theorien d'e er in seinen Schriften über die „Propheten in ihrer ursprünglichen Form" aufstellte, indem er nachwiesdaß sie sich ebenso, man möchte sagen, nach einem inneren Rhythmus gliederten, wie ein Poem der abendländischen Welt nach äußerlich sichtbaren und hörbaren. Rhythmen gegliedert erscheint. Hofrat Müller war Besitzer des Leopoldordens und des schwedischen Rordsterno-dens, wirkliches Mftglnd der Akademie der Wissenschaften, Ausschußrat der Anthropologischen Gesellschaft, ordentliches Mitglied des Oesterreichifchen archäologischen Instituts, Ehrenmitglied des Akademischen oriental'schen Vereines in Berlin und Mitalied zahlreicher wissenschaftlicher Körperschaften, und bekleideteim Studienjahre 1900/1901 die Würde eines Dekans der philosophischen Fakultät. Wie offiziell gemeldet wird, hatte Se. Majestät der Kaiser mit Allerhöchster Entschließung vom 20. Dezember dem Gelehrten aus Anlaß der erbetenen Versetzung in den Ruhestand den Adelstand verliehen Le'der sollte Hostat Müller diesen hohen Gunstbeweis nicht mehr erleben. Hostat. Müller hinterläßt außer der Witwe zwei Söhne, von welchen der eine Assistent an der Klinik des Hofrates. v. Roorhen und der andere Redakteur der „Reuen Freien Preise" ftt. sowie eine Tochter, welche mit dem Professor Dr. Joseph verehelicht ist. Unter zahlreicher Beteiligung fand Dienstag, 24. d. M.. vormittags, die Beerdigung statt. Unter andern fanden sich in der Zeremonienhalle der israelitischen Abteilung auf dem Friedhofe ein: der Präsident und der Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften Geheimer Rat Ritter v. Böhm-Bawerl und Hofrat Professor Dr. Viktor Lang, der Generalsekretär Professor Doktor Becke, die Mitgli"der Hofrat Vrofestar Dr. Tol^t. Prorektor Professor Dr. Oswald Redlich. Hofrat Professor Dr. Grobben. Sektionschef Dr. Winker und Professor Dr. Dopsch. Dann als. Vertreter des- Ministeriums, für Kultus und Unterricht -Geheimer Rat Sektionschef Doktor Cwik'inski und Sektionsrat. Dr. Leithe, in Vertretung des Dekanats der pbilosovbischen Fakultät der Direktor des Archäologischen Instituts Hofrat Professor Dr. Reisch; austerdem die Hofräte und Professoren Dr. v. Weitstem. Dr. v. Ottenthal, Dr. Fournier, die- Professoren Doktor Lothar von Frankl-Hochwart, Dr. Lampa lPraal. Doktor Oberhummer. Dr. Gener. Beth von der evangelisch-theologischen Fakultät. Dr. Brastloff, Dr. Wesseln, der Vizedirektor der Universitätsbibliothek Reaierunasrat Doktor Frankfurter: die Dozenten Dr. Hartmanu, Dr. Junk und Dr. Hroznn, Regierunasrat Professor Dr. Wilhelm Jerusalem, Kubas Wesseln, die Professoren Tn-. Adolf Weih und Dr. Kobn: dann der Präsident der isr. Knltusqemeinde Dr. Alfred Stern mit dem 1. Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn und dem Ersten Sekretär last. Rat Dr. Lieben sowie den Kultusvorständen Dr. Markus Snitzer, Karl Lemberger, den Betbausvorständen Anton Beck und Theodor Kohn, der Rektor des israelitisch-theologischen Seminars Dr. Schwarz, mit dem Lebrknrver und den Mitgliedern des Kuratoriums, weiter Hofrat Dr. Schlag. Reicbsratsabneordneter Stern, die Hol- und Gericktsadvokaten Dr. Adolf Stein und Dr. Rnumgarten. der Schriftführer der historischen Kommission Julius Braun. Religionsinsoektor Kamst, die Rabbiner Dr. Feüchtwang. Dr. Funk sPrestburgt. Dr. Mandl, Dr. Rosenmann und Dr. Taqlicht. Bezirksschulrat Jokef Fuchs, die Schriftsteller Dr. Josef S. Block. Dr. Dub. Jakob Herzoo u. v.. a. Mit dem Vortraqe der Trauervsalinen durck den Oberkantor Don Fuchs wurde die Trauerfeier eingelejlel. Dann sprach Oberrabbiner Dr. Güdemann in tiefgefühlten Worten von dem erfolg- und arbeitsreichen Leben des großen Forschers, der. eine Kierde der Wiener Universität, doch immer der einfache und bescheidene Mann blieb und dem es nicht gegeben mar, das Bewusttsein seiner Bedeutung zur Schau zu tragen. Die ihm vom Kaiser unmittelbar vor seinem Ableben zuteil gewordene Auszeichnung durch Verleihung des Adels hat er nicht mehr erfahren. Nach Oberrabbiner Dr. Güdemann sprach Hofrat Professor Dr. Reisch Worte ehr»nder Anerkennunq und pries den Verstorbenen als glänzenden Vertrete'- der Wissenschaft, als einen T-orlcher mit inniaer Liebe für die Wissenschaft, der immer neuen Ansporn für weitere Leistungen emvfing und stets mit seiner ganzen Persönlichkeit kür fies sich einsetzte. Selbstlos, wenn es um seine Person aina, habe er immer mit liebevollster Fürsorge seiner Schüler gedacht.' Dann lvrach namens der Jsraelitisch-theoloaischen Lehranbalt Rektor Schwarz. Am offenen Grabe svrach sodann noch Dr. Gandz im Namen der Hörer der Jüdisch-theologischen Lehranstalt. Um 1/ol2 llljt war die Feier zu Ende.

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