Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 52 (27.12.1912)
- Date
- 1912-12-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 886 Dr. Blochs Wochenßchrfft Nr. 53 sonst kern geeigneter Raum' in beiden Hausern vorhanden war, in den 3. Stock verlegt Werden, und Man braucht nur die Treppe anzusehen, deren sich die Beamten, wenn sie mit dem Präsidium in Verbindung treten wollen — und das kommt täglich einigemale vor — bedienen Müssen, um zu dem Schlüsse zu kommen, so Letzt es nicht weiter, hier Muh Abhilfe geschaffen Weiden; wir haben gesorgt, daß wir, wenn wir '.nicht mehr sind, eine ewige Ruhestätte haben, sorgen wir jdäfür, daß das Heim, in dem unsere Beamtenschaft arbeitet und in welchem wir Mitglieder des Vorstandes die Angelegenheiten unserer Gemeinde beraten, in welchem täglich Hunderte unserer Gemeindemitglieder verkehren, ein den Verhältnissen und der Größe unserer Gemeinde entsprechendes sei. Und so schließe ich, indem ich! den Antrag stelle: Die vorliegenden Voranschläge der Einnahmen und Ausgaben unserer Kultusgemeinde Kr das Jahr 1913 anzunehMen. Die Ausführungen des Redners werden von der Versammlung wiederholt mit zustimmenden Beifallskundgebungen begleitet, die sich am Schluß zu stürmischem Applaus steigern. Der Präsident Dr. S t e r n, der inzwischen den Vorsitz übernommen, spricht hem Referenten den Dank der Versammlung aus Kr das vortreffliche Referat und gibt seiner Verwunderung Ausdruck, daß derselbe in so kurzer Zeit das g^aMte Budget so genau durchgearbeitet, um ein lichtvolles Gesamtbild der Gebarung im Gemeind ehäushalt Zu schaffen. (Lebhafter Beifall.) Zur Sache selbst bemerkte der Präsident, daß er in die Zukunft keineswegs pessimistisch schaue, er besorge auch nicht besondere Ausfälle in den Steuereingängen, und erwähnt die großen Aufgaben, vor welchen die Gemeindeverwaltung stützt. Und wenn der Referent als solche die Instandsetzung des neu erworbenen Friedhofes und die Herstellung eines würdigen Amtsgebäudes genannt habe, so will er nicht unterlassen, auch feine Lieblingsidee, die Erbauung eines neuen würdigen Tempels fflr den I. Bezirk in Erinnerung zu bringen. Kultusvorsteher Dr. K uffner verweist darauf, daß das vorgelegte Budget in vielen langandaüernden Sitzungen gründlich durchberaten wurde und durch die glänzenden AusKhrungen des Referenten nach allen Richtungen eine erschöpfende Beleuchtung erfahren habe, so daß auf eine weitere Detallberatung verzichtet werden dürfe, und beantragte en b1oe-Annahm«e des Budgets. Kultusvorsteher Dr. Heinrich Schreiber wünscht eine gründliche Besprechung aller Teile des Budgets. Er. beglückwünscht den Referenten, welcher der vorjährigen Budgetberatung infolge schwerer Erkrankung ferngeblieben war, daß er nunmehr rüstig und geistesfrisch zu aller Freuds ein solch gründliches instruktives Referat erstatten konnte. (Lebhafter Beifall.) Das Budget zeigt nur ein scheinbares Defizit und es wäre richtiger, wenn die norMalinäßigen ordentlichen Ausgaben von den außerordentlichen buchhalterisch gesondert würden. Redner gibt seiner Genugtuung Ausdruck über die im vollen Einvernehmen mit dem Vereinsvorstand erfolgte befriedigende Ordnung der Verhältnisse tm1 XX. Bezirk: er bespricht das Kinderspital und die Rabbinerfrage der Leopoldstadt und gibt der Erwartung Ausdruck, daß die Besetzung des Rabbinerpostens in deM Leopoldstädter TeMpel endlich erfolgen werde. Aufrichtiges Bedauern weckt die absolute Teilnahmslosigkeit, welcher die Verwaltung der Gemeinde in weilen Kreisen der GemeindeMitglieder begegnet, wie sich das bei den letzten Wahlen offenbart hat. Aufgabe des Vorstandes sei es, durch zweckdienliche Maßnahmen das Interesse der Gesamtheit Kr die jüdische Verwaltung wiederum zu wecken. Vizepräsident Hofrat Dr. Rappaport bespricht das Budget und bemerkt, daß der Gemeinde neue Ausgaben'auch noch aus einem anderen Posten bevorstehen, nämlich durch die notwendig werdende Neuregulierung der Gehakte für Beamte und Funktionäre, wodurch das Budget eine starke Beeinflussung erfahren Müsse. 1. Vizepräsident Dr. Gustav Kohn reflektiert auf die . AusKhrungen dies Kultusvorstehers Dr. Heinrich Schreiber, bespricht ausKhrlich die Notwendigkeit des Kinderspitales und den Segen eines! Ambulatoriums Kr die atme jüdische Bevölkerung und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß das zu schaffende Institut würdig der hochherzigen Spender ausgeKhrt werde. Kais. Rat Jonas Weil kann als Kaufmann gegenüber djeM Optimismus des Präsidenten bezüglich der Einnahmen in der Zukunft der Besorgnisse sich nicht ganz entschlagen. Trotz alledem darf man die wichtigsten Aufgaben nicht vernachlässigen. Redner erinnert daran, daß er seit vielen Jahren die Gewohnheit hätte, bei der Budgetberatung an die Errichtung eines Kinderspitals zu Mahnen: er erschien allen als ein Utdp i st, denn woher, so fragte jeder, sollten die Mittel Herkommen? .Das hat ihn nicht gehindert, immer wieder von dem Kinderspital zu sprechen. Vielleicht hat die suggestive Wirkung dieser wiederholten Mahnungen mit beigetragen, daß hochherzige Stifter sich gedrängt ge- Khlt haben, Mittel Kr das Kinderspital zur VerKgung zu stellen, und nun stehen wir bereits fo weit, daß die einstige Utopie lebendige Wirklichkeit wird. So wende er denn fetzt sein Augenmerk einer zweiten großen Aufgabe, welche Kr die arM!e jüdische Bevölkerung Wiens nicht Minder wichtig ist. In warmen, zu Herzen gehenden Worten plädiert der Redner Kr eine weitere Ausgestaltung der Kinderhorte, deren Notwendigkeit und Segen er ausKhrlich schildert. Gegenüber einem Vorredner, welcher Mn msangelstdes Interesse der Gemeind emitglieder Kr die Kultusgemeindeverwallung m der geringen Beteiligung der Wähler bei den letzten Wahlen erblicken wollte, sehe er in jener Erscheinung nur das Resultat des Kompromisses, welches einen Wahlkampf vermieden hat, was er von seinem Standpunkt nur als höchst willkommen begrüßen kann. In diesem Sinne erklärt Redner Kr das Budget zu stimmen. Kultusvorsteher S. Brod widmet seine AusKhrungen speziell dem JugendgottesdiLnst, erwähnt mehrere Unzukömmlichkeiten, die er wahrgenommen. und gibt die Anregung, die Bezirkskommissionen mit der Aufgabe zu betrauen, den Jugendgottesdienst in den einzelnen Bezirken zu inspizieren. Die Obmänner der BezirkskomMissionen möchten je drei Mitglieder zu dem Dehufe delegieren, um! bei dem' Jugendgottesdienst anwesend zu sein, diese hätten ihre Wahrnehmungen und eventuellen Vorschläge durch die Obmänner an das Präsidium zu erstatten. Dadurch werde eine wichtige Aufgabe gelöst, welche von einem einzelnen Schulinspektor unmöglich erledigt werden kann. Kultusvorsteher phil. Dr. jur. Markus Spitzer gibt seiner Genugtuung Ausdruck über den warmen, echt jüdischen Ton, der das ausgezeichnete Referat durchtönt. Redner bespricht ausKhrlich die koscher Fleischsrage und die Friedhofsangelegenheit, erwähnt mit hoher Dankbarkeit der großen Leistung des gegenwärtigen Präsidenten Dr. Alfred S t e r n in der Erwerbung eines eigenen jüdischen Friedhofes. Seit dem Jahre 1874 besitzt die Gemeinde bloß eine Abteilung im allgemeinen Zentralfriedhof, welche Abteilung wohl in unser eigenen' Verwaltung steht, jedoch nicht eigenes und ausschließliches Eigentum der Wiener Judenschaft bildet. NunMehr aber besitzen wir einen Friedhof, der uns. allein gehört und unser ausschließliches Eigentum bildet, dank