Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 52 (27.12.1912)
- Date
- 1912-12-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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?*•«. Dr. Bloch’s Mmm m Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. -n- — n- Wien, 27. Dezember 1912 : Erscheint jeden Lreitsg. i Brief-Adresse: Wie«. Il/t, Asperubriickeug. 2 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie«. OCr . =OC p «HUgaprei» für V»U»rrrUH: Q Halbjährig 8 «rotten: Einzelexemplare 50 Heller. Für » Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die S»algespal» O lene Petttzeile 4a Heller. C, OQ. ■ --^ %G==— . ' :=Üo? B. ft. Pompaefeaa'matnt? Clearings» Werft ebr Wr. 8X0.976. Nedattion und Administration. ft Mir« ll/i, Asperubrückengafse 2 J, Telefo» 14619 J OQ - ——OQ Inhalt: Leitartikel: Der neue Bürgermeister. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Zum Prozeß Hilsner. Die Rechte der Juden in Rumänien. Eine Agitationsreise zugunsten der rumänischen Juden. Die Londoner Juden über die Friedenskonferenzen. Die jüdische Ehe im österreichischen Herrenhaus. Der Fasttag der Friedensfreunde. Durch das Bibelstudium zum Judentum. — Anteil der Juden an der Entwicklung der Versicherung. — Briefe aus Galizien. — Die Beteiligung der Juden am Serischen Welthandel im Altertum. — Korrespondenzen: Aus der öffentlichen Plenarsitzung der Wiener israelitischen Kultusgemeinde vom 23. Dezember 19X2. Hofrat Professor David Heinrich Müller. Israelitischer Humanitats-Verein für die westlichen Bezirke Wiens. Rabbiner Benjamin Weiß gestorben. Jüdische Gendarmen im griechischen Dienste. Für die^Einheit des deutschen Judentums. Konfiskation wegen der Blutlüge. Ein Mtsrachstreit in Johannesburg. Die Audienz der Duma in Zarskoje-Selo und die Juden. Die Entvölkerungsgefahr in Frankreich und das Haus Rothschild. Die Korrespondenz der jüdischen Nationalbank in Jaffa. Fusion der zwei Rabbinerschulen in Italien. — Vermischtes. --Feuilleton: Was sich das jüdische Volk erzählt. — Literatur. — Briefkasten. — Aufruf. — Inserate. Der neue Bürgermeister Die kleine politische Figur Dr. Richard Weiskirchners ist um den Wiener Bürgermeisterstuhl erhöht worden. Wäre m!an durch die Christlich-Sozialen nicht noch an ganz andere Sachen gewöhnt worden, so mühte man sich über diese eine entsetzen. Als der Bürgermeisterstuhl dem Dr. Weiskirchner noch nicht gut genug war, als er gedachte, Ministerpräsident werden zu können, da war ihm das Testament Luegers einfach Hekuba und von ihm aus hätte jeder beliebige Barrierestock den Vorsitz im Gemeinderate führen können. Trotz dieser damaligen Mistachtung jubeln jetzt die Christlich-Sozialen dem Manne zu. der sich jetzt herabgelassen hat. die Null als Bürgermeister umzubringen und sich selbst den schön gewordenen Posten zu nehmen. Wie er zu dieser Gelegenheit gekommen ist, das ist auch ein recht hübsches Stück österreichischer Geschichte im Zeichen des Klerikalismus. Ist etwa der jetzige Wiener Bürgermeister ein Mann, der von seinen Verdiensten emporgetragen wurde? Hat er Fachkenntnisse, ist er auf irgend einem Gebiete eine hervorragende Autorität? Nichts von alledem an Weiskirchner, der aus eigenen Kräften wohl niemals etwas mehr geworden wäre, als ein mittelguter antisemitischer Agitator, welchen man mit einer mittleren städtischen Beamtenstelle belohnt, ist der Segen persönlicher Beziehungen so recht lebendig geworden. „Mein Programm ist Doktor Karl Lueger", hat der Mann einmal als Politiker gesagt, dem Luegers Testament ein leeres Stück Papier gewesen ist und der Lueger schwerlich treu geblieben wäre, wenn ihn die Freisinnigen gestürzt hätten. Nun, auch für den gewöhnlichen Lebenslauf Weiskirchners war das Programm Dr. Karl Lueger. Der Begründer der christlichsozialen Herrschaft hat für den Sohn seines ehemaligen Lehrers so viel getan, dast diesem selbst zu tun fast nichts mehr übrig blieb. Er hat ihn über alle Vordermänner weg zum Magistratsdirektor gemacht, er hat ihn auf die sichersten Mandate vorgeschoben, ihn als Kronprinzen der Partei behandelt, dem von selbst die Präsidentenschaft des Abgeordnetenhauses und ein Ministerportefeuille zufallen mutzten, als diese zu vergeben waren. Allerdings, als sich die wirkliche Volksmeinung bei den letzten Reichstagswahlen im allgemeinen Stimmrecht meldete, da war es mit der ganzen Herrlichkeit und mit dem schönen Traum von der Ministerpräsidentschaft zu Ende. Ietzt kommt Weiskirchner, der Mann mit den siebzigtausend Kronen Pension, zu einer anderen Türe wieder herein. Er benützt das Privilegienwahlrecht, das die Christlich-Sozialen für ihre Gemeinderatsmandate geschaffen haben, und will nun als Bürgermeister zu neuen Würden Vordringen. Man könnte ja begreifen, daß die Christlich-Sozialen in Verlegenheit sind, wenn sie einen halbwegs repräsentabeln Mann für den Bürgermeisterposten Herausstellen sollen. Aber da ihnen Weiskirchner schon einmal einen grotzen Korb gegeben hat und Neumayec gehen mußte, weil er als reicher Mann seinen Bruder aus einem Armenfonds beteilen ließ, so wäre es das Natürlichste gewesen. Dr. Porzer auf den Schild zu heben: Denn dieser ist ein persönlich zuverlässiger Mann von großem Rechtlichkeitsgefühl und er wäre um so notwendiger gewesen, als jetzt die Untergrundbahnen geschaffen werden sollen, bei welchen mit grotzen Summen hantiert werden muß. Man kann sich nun seine Gedanken darüber machen, warum diese großen Verwaltungsfragen nicht gerade Porzer übergeben wurden. Sein Klerikalismus hat ja niemanden in der Partei geniert, deren Organ die ..Reichspost" geworden ist. Aus der Haltung dieses Blattes kann man auch verschiedenes merken. Der Kandidat der ..Reichspost" hätte unbedingt Porzer sein müssen. Statt dessen bringt die „Reichspost" einen schwungvollen Artikel zum Lobe Weiskirchners. Das erweckt den Anschein, als wären hinter den Kulissen interessantere Dinge vor sich gegangen als auf offener Szene. Schließlich kann die Wahl Weiskirchners von einem gewissen Standpunkt aus der Oeffentlichkeit nur recht sein. Jede übermächtige Partei, die sich durch selbstgeschaffene Privilegien stützt, geht schließlich an sich selbst zugrunde. Der neue Bürgermeister wird der zu ungeahnten Kräften erstarkten Opposition durch seine Vergangenheit und gewiß auch durch seine Zukunft Gelegenheit genüg zu Angriffen geben. Trotz allem Ableugnen wird von ihm behauptet, daß er die Klausel geschaffen hat. nach welcher es von Ungarn abhängt, wieviel ausländisches