Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 51 (20.12.1912)
- Date
- 1912-12-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Dr. Bloch’s ****?& Zentraloroan für die gesamten Unteressen des Judentums. -n——□- Wien, 20. DezemLer 1912 : Lrscbetnt jeden LreLtag. i Brief-Adresse: Wien, ll/i, Asperubrnckeng. 2 Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. O Lr - ■ ■ -■=0 o p Vrrugsprrks für Vefirrrrich: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Dusl«nd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2nal gespal» 2 rene Perttzeile 48 Heller. G Ci O - - -O O RedaMon und - Administration: ft UM * « H/i/ Aspernbriickeugafse 2 Telefon 14619 A. k. Postsparkalsenamt Slearing-Verkebr Inhalt: Leitartikel: Die Juden der Dobrudscha. — Der Religionszwist in der deutschen Judenheit. — Anteil der Juden an der Entwicklung der Versicherung. — Korrespondenzen: Salo Cohn. „Kinderspitäler" für unsere armen — körperlich gesunden Kinder. Ein jüdischer Bauer. Neu-Palastinenser. Der Grundbesitz in Galizien. Straßenbenennung nach einem jüdischen Staatssekretär. Der fromme Mönch Jliodor und seine Abbitte an die Juden. Aufruf an die jüdische Bevölkerung Wiens. Eine interessante Kundgebung der Juden von Athen an die Juden von Saloniki. Starke Judenauswanderung aus Saloniki. Ein Jude, leitender Choleraarzt in Konstantinopel. Freilassung jüdischer Kriegsgefangener. Lucien Wolf über Angola und allgemeine jüdische Fragen. Der Chachambaschi der Türkei im Palast des Sultans. Zum Andenken an Jda Straus. — Vermischtes. — Feuilleton: Was sich das jüdische Volk erzählt. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Die Jude« der Dobrudscha. Im Laufe der Woche werden die in London akkreditierten Botschafter aller Großmächte zusammentreten, um das Werk der in der englischen Hauptstadt tagenden Friedenskonferenz der Balkanstaaten zu vervollständigen. Auf dem Balkan haben alle europäischen Staaten so gewichtige Interessen, daß sie diese der Willkür der kriegführenden Parteien nicht überlassen können. Es soll ein Ausgleich gefunden werden auf einer billigen und gerechten Grundlage, und die Verhandlungen der Botschafter sollen alle Schwierigkeiten aus dem Wege räumen. Hoffentlich wird auch diesmal gelingen, was bei der noch größeren und gefährlicheren Marokkoaffäre gelang, daß nämlich die Diplomaten das Eingreifen der Heere und Flotten überflüssig machen. Allerdings werden sie ein riesiges Programm absolvieren müssen. Von Durazzo bis Saloniki und durch die Dardanellen bis Konstantinopel geht jeder Schritt durch Gegensätze und Machtfragen. Eine der wichtigsten und interessantesten Angelegenheiten der Botschafterkonferenz wurde nun durch einen Balkanstaat aufgeworfen, der bis jetzt noch keinen Krieg geführt hat, nämlich durch Rumänien. Dieser Staat kann es nicht zulassen, daß fein Nachbar Bulgarien durch den bevorstehenden Gebietszuwachs in Ostrumelien und Thrazien übermächtig würde und Rumänien schon durch seine Ausdehnung erdrücken könnte. Aus diesem Grunde nun hat Rumänien die Frage einer Gebietsentschädigung aufgeworfen und dürfte zur Vertretung seiner Ansprüche bei der Botschafterkonferenz zugelassen werden. Die Bukarests Regierung verlangt von Bulgarien die Abtretung der sogenannten Dobrudscha, das ist eines Gebietes, das etwa in gerader Linie von Rustschuk bis zum Schwarzen Meere reicht und die wichtige Grenzfestung Sllistria anschließt, welche bisher die Eisenbahnlinie Bukarest-Constanza, das Delta her Donau und damit wichtige Lebensnerven des bulgarischen Handels beherrscht und bedroht. Rumänien bringt für seinen Standpunkt vor, daß die politische Karte des Balkans jetzt nach dem Prinzip der Nationalität reguliert wäre. In der bulgarischen Dobrudscha sind nun die überwiegende Anzahl der etwa 600.000 Einwohner Kutzowalachen, die sich zur rumänischen Nationalität bekennen und deren Gebiet daher Rumänien zuzuschlagen wäre. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird Rumänien mit seinen Ersatzansprüchen wenigstens teilweise Erfolg haben. Damit entsteht nun eine sehr wichtige Frage auch für die Iuden, welche in der Dobrudscha sehr zahlreich ansässig sind und hei der politischen Verschiebung einen sehr schlechten Tausch machen würden. Die bulgarischen Iuden haben bisher nicht den mindesten Grund zur Klage. Man aberkennt ihren werktätigen und tapferen Patriotismus, welchen sie seit der Gründung des Königreiches bewiesen haben, und läßt sie in jeder Weise an den Rechten der Staatsbürger teilnehmen. Nun sollen sie jedoch von bulgarischer unter rumänische Herrschaft kommen. Das wäre gleichbedeutend mit einer Verbannung in die Hölle. Man weiß wohl in der ganzen Welt, wie Rumänien seine Iuden behandelt. Obwohl es am Berliner Kongreß die Verpflichtung übernommen hat. seinen jüdischen Bürgern die Gleichberechtigung zu geben, hat es mit brutaler Verletzung internationaler Rechte gegen die Iuden eine lange Reihe der schärfsten Sondergesetze erlassen, welche mit Raffinement ausgedacht wurden, um eine vollständige politische Entrechtung und Materielle Knechtung herbeizuführen. Die Sondergesetze bestimmen, daß die Iuden weder Grund besitzen, weder Landwirtschaft noch Gewerbe betreiben dürfen, daß sie Militärdienst leisten müssen, aber nicht einmal den Grad eines Unteroffiziers erreichen können, daß sie für ewige Zeiten nicht einmal das formale Recht erlangen, als Staatsbürger zu gellen, sondern als Fremde behandelt werden. Dazu kommen noch entwürdigende Bestimmungen aller Art, wie der Eid ..more iudaico" systematische Judenverfolgungen mit Assistenz der Behörden, um das Bild des finsteren Mittelalters zu ergänzen.! Unter ein solches Regime sollen nun die vielen Iuden der Dobrudscha fallen. Das wäre gleichbedeutend mit ihrer Sklaverei und zwingt den jüdischen Organisationen die Pflicht auf, Schritte bei der Botschafterkonferenz