Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 50 (13.12.1912)
- Date
- 1912-12-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 50 Dr. Bloch’s Jahrgang XIIX ° cf n> Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums ~oo M. ft. paßfpachaffntamt? -CE O Cr Clearings» ID erhebt «r. 810,976. RedaMon und Administration. t BP te« li/i, Aspernbrückengasse 8 Telefow 1461» nO ... . - - --on Wien, 13. Dezember 1912 : Lrscbetnt jeden Freitag.! Brief-Adresse: Wie». Il/i, Afpernbrückeng. 2 Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wie». -c P BrjutjÄprria kür Orstrrrrirh: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 56 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. ü> n fi Inzetgen: Die Snalgespal lene Peltizeile rr, Heller Inhalt: Leitartikel: Freunde und Freunder!» im Rathaus. — Zur gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage Galiziens. — Anteil der Juden an der Entwicklung der Versicherung. — Eine für die rechtliche Natur des Dienstverhältnisses der KultuSgemeinde- Angestelllen wichtige Entscheidung. — Korrespondenzen: Salo Cohn. Das neue Heim des Kaiserin Elisabeth Pflegerinnen - Instituts. Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim. Kurialrichter Dr. Desider Markus. Die Pester Juden für die ungarische Kultur. Enthaftung des jüdischen Kammerdeputierten Caraffo. Lionel de Rothschild vor seinen jüdischen Wählern. Spanien für den Schutz der Juden. Zum Bodenverkaufsverbot in Palästina. Ein guter Anfang. Judenfreundliche Stimmung in Rumänien. Energischer Kampf der russischen Großindustriellen gegen die Regierung. Die SNllungnahme der jüdischen Dumadeputierten. Ein Jude Mitglied des neuen amerikanischen Kabinetts. Senator Isidor Rayner. Ableben eines jüdischen Burenkämpfers. Eine Protestaktion der kanadischen Juden. — Vermischtes. — Feuilleton: WaS sich das jüdische Volk erzählt. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Freunde und Frerrrrderln im Uathans. Schon vor acht Tagen haben wir über Vorgänge im Gerichtssaale berichtet, welche ein eigentümliches Licht auf den Nachfolger Luegers werfen. Christlich-Sozialer und Urteutone zugleich, ist Dr. Neumayer sowohl Anhänger hes germanischen Reinheitsideals, wie auch Verteidiger der Heiligkeit und Unlösbarkeit der Che. Man hat trotzdem von ihm behauptet, daß er sich benommen habe, wie ein von Vergani gezeichneter Jude, und bat angeblich von ihm' stammende Liebesbriefe produziert. welche ohne jede Rücksicht auf vorhandene E hegatten geschrieben sein sollen. Man hätte nun geglaubt, daß ein Sturm der sittlichen Entrüstung unter den christlichsozialen Korruptionsreinigern und Volksrettern ausbrechen und Dr. Neumäyer vom kurulischen Stuhl hinwegfegen werde. Aber nichts rührte sich dergleichen im Kreise der Rathausgewaltigen. Trotzdem gibt es eine Bürgermeisterkrise. Aber sie ist nicht von der Entrüstung und Empörung hervorgebracht worden, sondern nur von schlauer Berechnung. Von einer Seite, die sich noch niemals über ungehörige Vorkommnisse aufgeregt hat. wurde die Beschuldigung der Unsittlichkeit zu einem kleinen Vorstoß benützt. In Abwesenheit des Bürgermeisters wurde gegen ihn eine donnernde Anklagerede gehalten und schließlich eine Deputation zu ihm geschickt, welche Aufklärung verlangen sollte. Diese Gesandtschaft erinnert lebhaft an die Sbirren des Rates' der Zehn in Venedig. Wenn diese in einem Palazzo erschienen, so war dessen Besitzer der Folter und des Todes sicher, auch wenn die Beschuldigung gegen ihn noch gar nicht erwiesen war. Die Deputation also erschien beim Bürgermeister und nun weiß alle Welt, welches Schicksal ihm verschiedene seiner lieben Freunde anzutun gedenken. Es braucht niemanden zu täuschen, daß der Bürgermeister vorderhand noch gesiegt hat. Als er persönlich im Bürgerklub erschien, sind ihm seine guten Freundemit christlichsozialer Offenheit und dem gewohnten Mut der Ueberzeugung ausgewichen und der Antrag wurde angenommen, die Angelegenheit bis nach dem Prozeß mit dem Abgeordneten Schuhmeier zu vertagen, der gerne vor Gericht die Würdigung Neumayers für den Bürgermeisterstuhl beleuchten möchte. Der Bürgermeister kann sich darauf verlassen, daß recht viele seiner politischen Freunde seinem politischen Feinde aus vollem Herzen Erfolg bei dem Prozesse wünschen, der ja zeigen wird, ob die Liebesbriefe Neumayers und die Beschuldigungen gegen ihn gefälscht sind. Als ob wir nicht aus unzähligen anderen Gründen einen anderen Bürgermeister und andere Gemeinderäte als die christlichsozialen bekommen sollten! Als ob sich nicht bei der bevorstehenden Budgetdebatte zeigen müßte, wie bankerott die gegenwärtige Verwaltung an allen Ecken und Enden ist. Wie sie den Schuldenstand der Gemeinde in schwindelhafte Höhe und die Lebenshaltung in unglaubliche Tiefen gebracht hat. Deswegen könnte man wohl sagen, daß diesem Bürgermeister bestimmt nichts Besseres nachkommt, wenn es wieder ein Christlich-Sozialer wird. Wer es fein möchte, geht aus der Vorgeschichte der gegenwärtigen Krise mit größter Deutlichkeit hervor. Man sieht da die Freunde des Herrn Weiskirchner aufmarschieren, dieser schönen politischen Erscheinung, dieses Beweises, daß in Oesterreich die Iudenhetze genüge, um Präsident des Reichsrates und Minister zu werden und schließlich einen Rekord an Pensionen alljährlich einzustecken. Als Luegers Testament erfüllt werden sollte, da hat sich Weiskirchner geweigert, seine Bestimmung zu erfüllen, weil ihn der schöne Traum einer Ministerpräsidentschaft erfüllte. Jetzt aber könnte man den stark verblaßten Glanz wieder auffrischen und seine Pensionen um den Gehalt des Bürgermeisters vergrößern. So wird denn eben die sittliche Entrüstung hervorgesucht und unter dem Bürgermeisterstuhl von guten Freunden ein kleines Feuerchen angemacht. Schon sind aber andere da. welche das politische Erwerbsleben auch sehr gut kennen und die Beute selbst wegtragen möchten, wenn es eine gibt. Vielleicht werden diese dann den Vorstoß unterstützep und finden, daß sie sich auch sittlich entrüsten sollen, damit es für sie neue Stellen gibt, das einzige, das erste und das ausschließliche christlichsoziale Motiv. Er ist sehr ästhetisch, dieser Kamipf