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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-12-06 · 49 (6.12.1912) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
49 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Gelte 836 Nr. 4» Dr. Brün« (T o yn b e e b al le.) Mit einem glänzenden Vortrage deS hiesigen Rabbiners, deS Herrn Dr. L- Levy. eroffnete die hiesige jüdische Tchnbeehalle ihre heurige Vortragdiaison. Herr Dr. Lkvy sprach über «Das amerikanische Judentum" und erntete reichlichen Beifall, zumal er es in geistreicher Weise verstand, die zahlreiche Zuhörerschaft bis zum Schluffe im Banne feiner reizvollen »Plauderei" zu halten. Diesem Eröffiungsvortrage folgten Vorträge des Herrn Prof. Dr. R. Cchorstciu, der über „Karl Emil Franzos" sprach, des Herrn Prof. Dr. Al. Werner über „Moliöre" und des Herrn Dr. M. Friediger, Rabbiner in Pohrlitz.über die „Emanzipationsbestrebungen der Juden im 18. und 19. Jahrhundert". Einer bescheidenen L o r m f e i e r, bei welcher anläßlich des zum zehnten Male sich jäbrenden Todestages des Dichters Hieronymus Lorm. Herr Dr. I. Eckstein die Festrede gehalten hat, soll, gleichwie in den Vorjahren, eine große Kinder-Channkafeier folgen. Daneben geht der im Vorjahre inaugurierte hebräische Sprachkurs unter der Leitung des bekannten Lehrers I. L Rabbinowitsch aus B o s k o w i tz einher, so daß über eine Untängkät der Toy iveehalle wohl nicht geklagt werden kann. Das Begräbnis eines Kriegsveteranen. Aus Stanislau in Galizien wird uns geschrieben: Vorige Woche starb hier der Trafikant Baruch Fischler, ein Invalide, dem beide Beine fehlten, im Alter von 80 Jahren. Es waren bereits olle Vorbereitungen für das einfache, den rituellen Vorschriften entsprechende Leichenbegängnis getroffen, als ein Abgesandter des Platzkommandos im Trauerhause erschien und die Leiche reklamierte, um ihr eine militärische Ehrenbestattung zuteil werden zu lassen. Fischler war näml ch in seinen jungen Jahren Soldat und machte den Feldzug im Jahre 1866 mit, verlor dort die beiden Beine, nachdem er heldenmütig kämpfend in der Front stand. Fischler erhielt auch damals die Topferkeitsmedaille und eine Trafik, aus deren Erträgnissen er sein Leben fristete. Das Platzkomm indo wollte nun dem tapferen Krieger eine Ehrenbestattung nach militärischer Vorschrift zuteil werden lassen, doch die Familie des Verstorbenen lehnte höflichst ab, indem sie darauf hinwies, daß F'schler sein ganzes Leben hindurch ein gottesfürchtiges frommes Leben führte und es durchaus nicht seinen Intentionen entspreche, ihn nicht nach streng jüdischem Zeremoniell zu bestatten. Es kam schließlich das Kompromiß zustande, wonach die Zeremonie noch strcngjüdischem R tus beibrhalten wurde, andererseits aber eine Ehrenkompagnie deS Stanislauer Regimentes an dem Leichenbecängnisse teilnohm, welche dem verstorbenen Kameraden am offenen Grabe den Ehrensalut abfeuerte. Das Leichenbegänonis hatte in der Stanislauer Judenguffe begreiflicherweise großes Aufsehen erregt. Uuqarisch-Brod. Am 24. d. M. veranstaltete der Verein „Chorebh" wieder einen Vortragsabend und hat fich der neue Vorstand, der sehr rührig ist. um das Gelingen desselben sehr verdient gemacht. Es ist demselben gelungen, den bekannten Kanzelredner Se. Ehrwürden Dr. Josef Hoff- Bisenz zu veranlassen, hier zu sprechen, der über das interesiante Thema: „Jüdische Kulturbilder aus dem frühen Mittelalter" referierte. Reicher und langanhaltender Beifall war der Lohn für die Bemühungen Sr. Ehrwürden. In Abwesenheit des Obmannes Herrn Konrad begrüßte Herr k. k. Steuerassistent Tauber Herrn Rabbiner Dr. Hoff und am Schlüsse dankte demselben Herr Bernhard Kohn, ein alter Veteran des Vereines „Chorebh", namens desselben. Hohe Auszeichnung au einen jüdischen Industriellen. Kaiser Franz Joseph hat, wie das ungarische Amtsblatt meldet, dem Mirgliede des ungarischen Magnatenhauses Baron Alexander Hatvani-Deutsch als Ze chen der Anerkennung für seine auf wirtschaftlichem und industrilllem Gebiete erworbenen hervorragenden Verdienste taxfrei das Komtburkreuz des Franz Joseph-Ordens verlieben. Als ältester Chef der g ößten und angesehensten unt r Men ungarischen Privatfirmen, die nun schon auf eine nahezu hundertjährige Vergangenhert zurückblickt, entfaltete Baron Alexander Hatvani-Deutsch eine hervorragende Tätigkeit in der Entw cklung der ungarischen Industrie. Baron Alexander Hatvani-Deutsch wurde nunmehr für diese Verdienste mit der höchsten, jemals einem Kaufmanne zuteil gewordenen Ordersauszeichnuag bedacht. Antwerpen. Allgemeine Teilnahme erweckt das Ableben des sehr achtbaren Herrn Jakob Saul Steinberg, der in der Blüte seines Mannesalters, im 56. Lebensjahre, vom Tode hingerafft wurde. Sein Heimgang reißt eine unausfüllbare Lücke. Der Verstorbene war ein Bruder des allgemein bekannten gelehrten Herrn Abraham M. Steinberg. Rabbiner zu Brody, bei welchem der Verblichene eine Reihe von Jahren Unterricht genommen hat. Der Dahingegangene hat hier zwei verheiratete Kinder, die angesehene Stellungen einnehmen, ihretwegen hat er sein Domizil vor mehr als einem Jahre hieher verlegt. Ungeachtet daß er hier nur kurzen Zeitraum wohnte, erfreute er sich wegen seiner bekannten Herzensgüte und seines edlen Charakters einer allgemeinen Beliebtheit und Achtung. Mit Freude spendete er Jedermann Hilfe, stets bereit zu Rat und Tat. In den freien Stunden befaßte er sich mit der jüdischen Wissenschaft; er wich von den Traditionen seiner Väter nicht ab und lebte in Frömmigkeit und Gottesfurcht, allen ein edles Beispiel und Vorbild. Unter zahlreicher Beteiligung aller Volksschichten fand Mittwoch den 20. v. M. das Leichenbegängnis statt und trotz des von hier weit entfernten Friedhofes gab ihm eine größere Menschenmenge das letzte Ehrengeleite bis dahin. Am Gottesacker angelangt, hielt Se. Ehrwürden Herr Jakob Rosenblatt eine V2 Stunde währende, tieferregende Trauerrede, in welcher er das Leben und den Charakter des Verblichenen ergreifend zeichnete. Gesegnet bleibt das Andenken dieses edlen Mannes. S. Grün. Feuilleton. — (Stachdrucl verboten.) Ma« sich das jüdische Kolk erzählt. Historisches Allerlei vom jüdischen Volkshumor. Von fö.iigl. Bibliothekar Dr. Heinrich Loewe. (IV. Fortsetzung.) In Strelitz knüpften alte Volkserzählungen mit Vorliebe an das mecklenburgische Städtchen Sternberg an. Dort waren im Jahre 1492 die Inden beschuldigt worden, geweihte Hostien vom Abendmahl käuflich erworben und dann gestochen und gemartert zu haben. Die Hostien hätten geblutet und geschrien. Daraufhin wurde den Juden der Stadt der Prozeß gemacht und alle Sternberger Inden öffentlich auf einem Berge vor der Stadt verbrannt, alle -mecklenburgischen Juden aber für ewige Zeiten des Landes verwiesen. Die Legende erzählt nun, daß der Rabbiner vor dem Feuertode der Inden am Berge vor das versammelte Christenvolk hingetreten sei und ihnen verkündigt habe, daß die Stadt bis auf die Iudentafeln abbrennen würde. Die Christen stürzten hinzu, um ihn zu fangen, über plötzlich war der Rabbiner ver^ schwunden. Nur an der Stelle, wo er barfuß gestanden, waren seine Füße so tief in den harten Fels eingedrückt, daß die Fußspuren noch bis zum heutigen Tage im Felsen eingedrückt zu sehen sind. Rach der Verbrennung der Juden zerstörten die Christen alle jüdischen Häuser und verwandelten di-e Synagoge in eine Marienkirche. Aber bald darauf legte eine große Feuersbrunst ganz Sterne berg in Asche. Zuletzt kam der Brand bis zur früheren Synagoge. Auch diese Kirche geriet in Flammen. Doch als die Glut an die Stelle kam, wo die Iudentafeln!, die Gesetzestafeln mit den hebräischen zehn Geboten hingen, da stand der Brand, und dies blieb allein von der Stadt übrig. Sie wurde freilich wieder aufgebaut, und auch die Iudentafeln in einer neuen Kirche an einer Seitenwand aufgehängt. Als aber bald daraus die Stadt zum zweitenmale nsederbrannte, blieb wiederum nichts von der ganzen Stadt übrig, als nur die Mauer, an der die Iudentafeln hingen. Hier stand wiederum das Feuer still. So sehen wir hier das antike dem Mittelalter überkomwene Motiv der Legenden, das besonders Marienbilder, in der Neuzeit aber auch Martin Luthers Bildnis vom Feuer unversehrt gerettet in der Asche Wiederfinden oder an der einzig stehen gebliebenen Wand erhallen sein läßt, in der jüdischen Legende wieder. In diesem selben Sternberg, so erzählte man in Strelitz, hatte schon einmal lange vor der Iudenverbrennung ein eifriger Geistlicher versucht, die Inden entweder mit Gckvalt zum Christentum zu bekehren oder aber

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