Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 47 (22.11.1912)
- Date
- 1912-11-22
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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’Jtr. 47 Dl. AioHs Wochenschrift >cue 807 alles auszuschalten, wodurch das Chaos, clas hinsichtlich der Matrikelführung der Juden in Oesterreich ohnehin herrscht, nur vergrößert worden wäre. Das, was zur Kenntnis der Geschichte des Matrikelwesens im allgemeinen und der Matrikelführung der Juden im besonderen zu wissen notwendig ist, hat der Verfasser mit fachmännischer Umsicht in sein Werk aufgenommen und auch jede der zahlreichen Eventualitäten, die sich dem jüdischen Matrikelfiihrer angesichts der großen Judenwanderung von Ost gen West fast täglich ergeben, ins Auge gefaßt. Von großem Werte sind die zahlreichen Mustertabellen und genau nach Vorschrift ausgefüllten Formulare für jeden einzelnen Fall, welche mit Berücksichtigung der letzten Entscheidungen entworfen und ausgefüllt wurden. . Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Buch Bosenfelds, das sich hauptsächlich durch die Gewissenhaftigkeit, mit welcher es bearbeitet wurde und durch die Fülle des Inhaltes, und nicht zuletzt durch die l'ebersichtlichkeit des behandelten Stoffes auszeichnet, in kürzester Zeit nicht nur bei Rabbinern und Matrikelführern, sondern auch bei Advokaten, Notaren, überhaupt bei jedeunann zu linden sein wird, der sich rasch und verläßlich über Fragen der jüdischen Matrikelführung in Oesterreich verläßliche Information verschaffen will. Das Buch ist aber auch so beschaffen, daß es dem Forscher als sicherer Führer durch das Labyrinth der vielen Patente, Erlässe und Entscheidungen auf dem Gebiete des jüdischen Matrikelwesens sich bewähren wird. J. Kr. Der Königspsalm. Komponiert von Oberkantor H. Z i v i- Elberfeld. (Dem Großherzog von Baden gewidmet.) Unter den zeitgenössischen Synagogenkomponisten verdient Zivi eine-besonders ehrende Erwähnung, da er nicht nur auf gottesdienstlichem Gebiete Ersprießliches geleistet hat, sondern die hebräische Musik durch seine Babylon- Sinfonie erstmalig auch orchestral zur Geltung brachte; der neue Königspsalm zeigt denn auch wieder alle oft gerühmten Vorzüge des Komponisten, wir bewundern die reine, glatte Form, eine edel gestaltete Melodik, fein gefügte Harmonien und interessante Rhythmik; bei all diesem von gediegener Schulung und großer Formgewandtheit zeugenden Können drängt sich nirgends eine Jbestaubte Gelahrtheit . auf, die uns den Eindruck manch modernen Synagogenwerkes trübte; Zivi hat den Psalm in zwei Teile geteilt; der erste re ist ein Solo für den Kantor, der zweite ein im Anfänge fingierter Istimmiger Chorsatz; das Solo besticht durch weihevolle Einfachheit, Wort und Ton verschmelzen sich günstig, vor dem Chor tritt eine wirksame Steigerung auf, jeder schwülstige Ausdruck ist Ude.eh vermieden, die Orgel stützt den musikalischen Gedanken oder spinnt ihn trefflich fort; der Chorsatz zeigt uns den gewandten Meister des ^stimmigen Satzes; da.s ganze Opus* imponiert durch eine zielbewußt-sclbstäudige Fassung, die sich nirgends in schwächlichem Epigonentum verliert; schon aus diesem Grunde glaube ich, alle Freunde moderusynagogaler Kunst auf dieses neueste Zivi-Opus aufmerksam machen zu müssen, da hier nicht nur ein dankbares, sondern auch originelles Musikstück zur weiteren Ausgestaltung eines Festgottesdienstes geschaffen wurde. Oberkantor Singer- Kattowitz. Siegmund Münz, Oesterreichische Profile und Reminiszenzen. Wien und Leipzig 1912. Deutsch-Oesterreichischer Verlag. Einer der hervorragendsten österreichischen Publizisten, der Redakteur der „Neuen Freien Presse“, Dr. Siegmund Münz, der sich der regsten Beziehungen zu allen Kreisen der Gesellschaft erfreut und wiederholt als Autor bedeutender zeitgeschichtlicher Werke hervorgetreten ist, hat in einem soeben erschienenen Essaybande den gelungenen Versuch gemacht, das Oesterreich der Gegenwart in einem literarischen Spiegel aufzufangen. Aus reichen persönlichen Eindrücken, aus Aufzeichnungen über Begegnungen mit Männern aller Berufsklassen, deren Wirken für unser Vaterland von Einfluß geworden ist, aus Briefen an den Verfasser und ähnlichen Quellen von wertvoller Unmittelbarkeit hat Münz eine Art Memoirenwerk geschaffen, welches noch in späten Zeiten von Publizisten und Historikern mit vielem Nutzen wird gebraucht werden können.’ Er spricht über Radetzky, Kaiser Max von Mexiko, über die verschiedenen Metternichs, über die einstige Kronprinzessin, über Aehrenthal und Lueger, an dessen Persönlichkeit und Wirken er eine scharfe Kritik übt, er zieht die Würdigung der politischen Tätigkeit des Barons Ludwig Oppenheimer in den Kreis seiner Betrachtungen, beschäftigt sich mit den Gelehrten aus den Kreisen des Liberalismus, Adolf Beer, Alfred von Arneth und Wilhelm von Hartei, und widmet ein liebevolles Blatt des Gedenkens Adolf Fischhof, dem Freiheitskämpfer von 1848. Auch Karl Morawitz, der Präsident der Anglobank, ein gebürtiger Iglauer, welcher es heute zu einer der führenden Größen der internationalen Bankwelt gebracht hat, wird in einer trefflich geratenen Studie in allen Belangen gewürdigt. Erfreulich wirkt es, daß der Verfasser, ein gebürtiger Leipniker, auch seiner Vaterstadt gedacht hat. Dieser Heimatsliebe verdanken wir zwei entzückende Kleinstadtminiaturen, in denen uns allerlei Gestalten und Würdenträger aus dieser blühenden Judengemeinde vorgeführt werden. Das Buch des Dr. Münz verdient überall dort gelesen zu werden, wo man sich für die neuzeitliche Entwicklung Oesterreichs interessiert. Dr. F. F. Marwine Griiuwald. »Gott ist mein Licht und mein Heil«, Psalm 21, Vers 1. Chanuka-Lied. Preis K 1.20. Im Selbstverläge der Verfasserin, Wien, 111/2, Radetzkystrasse 17, I. KriefKaste«. 'Abs. eandidat Philos Auffällig ist allerdings, das; fast alle führenden Geister auf philosophischem Gebiet heutzutage unter den Juden anzutreffen sind! Cohen, Husserl, Cassirer, Vergsou, Simmel, Nelson usw. A. Wolf, Prerau. Die Stelle findet sich im Sohar zum 1. Buch M., Kap. 21, Bers 9. Ste ist zu umfaugreiä) um sie wörtlich abzudrucken. Abgefaßt in der Sprache der Kabbalisten verträgt sie feine wörtliche Uebertraguug. Wer mit den Formeln und ihrem Sinn vertraut ist, weiß, was die Stelle he agen will und das; sie eine 'Niederlage des osmanischen Reiches nach entern unglücklichen großen Kriege für das Jahr 5673 ankündigt. K. L-, Petersburg. Der hervorragende Nierenspezialin Berlins, Professor James Israel. ist gestern nach Rußland abaeredt und seine Umgebung wählt strengstes Stillschweigen über Zweck und Ziel seiner Reise. Man glaubt, daß er nach Zarskoje Selo berufen wurde, um eine Untersuchung am Ke nkenlager des russischen Thionfo'gers vorzunehineu. Diesem Juden wtrd somit der Etntttlt in das heilige Rußland nicht verweh t. _ Notizen. Jüdische Bühne. Direktion: M. S i e g l e r. „Hotel Stefanie". II., Tavorstcaße 12. Freitag den 2'. Samstag den 23 und Sonntag den 24 November lsl2: „Die Straßeukinder". von S. Lnb in. Sonntag den 24. halb 4 Uhr Nachmittag: „Bas Schema". Montag den 24. November: „Der Gemetnderat". Volksstück von M. R i ch t e r. Dienstag den 26. November: „Kreuzer-Sonate", von I Gor d in. Mittwoch den 27. November: „Der Prinz von Bethlehem". Operette von P oftssrr Horowitz. Donner tag den 28. November: „Der Unbekannte", von I. G o r d i n. Auftreten des Fräulein Zagarskaja. Neue Verkehrswege. Nach Nw-Ao-k sowohl w e nach Südamerika kann u an jetzt von T iest aus mit den P achtdampfern der ..Austro-Amer cara" fah nt, von denen besonders der „Kaiser Franz Joseph l." und die „Martha Wrihingto ." sich bereits einen lnteruationalen Ruf erworben haben. Die Sch ffe sind in j'der Beziehung erstklassig, bteten jeden modernen Komfort, aber auch die 111. Klasse kann jetzt in eigenen Kabinen reisen und die Zw schendcckpassagiere haben geräumige Speisesäle, in welchen ihnen das Eff n serviert wird und wo sie, an Tischen fitzend, i>! Ruhe ihre 'Mahlzeit verzehren können. Der Weg über Triest dauert zwar etwas länger als über die nördlichen Häfen, aber das hängt davon ab, daß man das Adriatische und Mittelländische Meer durchfahren mvß Diese Reise ist jedoch eine wahre Vergnüngungsreise, auf der mau schöne und seltsame Länder kennen lernt und die man ganz umsonst macht, weil der Preis für die gesamte Fahrt so billig ist, als sonst für die Ueberfahrt allein. Zur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen diejenigen unserer Abonnenten, welche noch mit der Abonnementsgebühr im Rückstände sind, lie zur Einhebuiig derselben von uns versendeten Postaufträge gefälligst honoriere« zu wollen. TM« Administration. Kompa.iist Oskar Straus-Widmung für junge Musiker. Anzahl der Plätze: Einer im Betrage von K 37.—. Bewerbungsberechtigt sind: Arme israel., der Musik beflissene Knaben, Jünglinge oder Mädchen. Verleihungstag: 1. Feber 1913 (24. Schebat). Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, Studienzeugnisse. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 30. November 1912. Einreichstelle: I., Seitenstettengasse 4, II. Stock (Einreichungsprotokoll).