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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-11-15 · 46 (15.11.1912) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
46 (15.11.1912)
Date
1912-11-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 782 Dr. Bkrchs Wochenschrift Nr. 48 des würdigen Jubilars gewiß herzlichst begrüßen. Herr Lehrer Kollek, eine Zierde und Hauptstütze der leider an Zahl immer mehr abnehmenden Judenschaft Koritsäans. erfreut sich deS hohen Glück s einer bald fünfzigjäh naen. höchst harmonilchen Ehe, welcher nebst dem in Una.-Hrad sch ansässigen Advokaten Dr. Emil Kollek auch noch drei Töchter entstammen; möge dem in allgemeiner Hochachtung stehenden und allbeliebten, wahrhaft wackeren Schulmann an der Seite seiner feinsinnigen Gattin noch eine ganze Reihe glücklich r Jahre in seinem lieben Kontzchan beschicden sein. L. S. Holleschau. Bei der am 10. d. M. vorgenommenen Kultusvorstandewadl wurden Herr Carl Beer einstimmig zum Kultusvoi stchrr, Herr Abraham Grätzer zum ersten Kultusrat und Herr Leopold Lustig zum zwerl-n Kultusrat wiedergewäblt. Herr Kultusvorsteher Beer, der in Meran weilt, wurde vom Gesamtausschuß zu seiner Wiederwahl telegraphisch beglückwünscht. Aus Loudou wird uns berichtet: Herr Rabbiner Marmorstein aus Skotschau hat am 1. November sein Amt als Professor am Londoner Rabbiner-Seminar (Jcws College) angetreten. Dr. Marmorstein geht der Ruf voraus, ein Gelehrter ersten Ranges zu sein und wird er allgemein sehr sympathisch begrüßt. Seine Hörer veranstalten ihm zu Ehren am Chanukah ein festliches Diner, zu dem die führenden Elemente des Londoner Judentums und der Gelehrtenwelt geladen werden. Wie b kannt hat Dr. Marmorstein trotz seiner Jugend chon mehrere hervorragende Werke (Religionsgeschichtliche Sludien, Talmud und Neues Testament, Der Pseudo-Jonathan Targum) veröffentlicht und ist es leicht vorauszusetzen, daß er in England, wo ihm die größten jüdischen Bibliotheken der Welt wie die im British Museum und in der Bodl.yrna zur Beifügung stehen, noch viel für die jüdische Literatur leisten wird. Kammerpräsident Moritz Dattner gestorben'. Dieser Tage starb in Krakau nach längerer Krankheit der Präsident der Krakauer Handels- und Gqwerbekanimer, Herr Moritz Dattner. Der Verstorbene war seit dem Jahre 1885 Mitglied der Krakauer Handelskammer und seit 1907 der Präsident derselben. Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes Galizien ist zum großen Teile sein Werk. Dattner, der auch Ritter des Eisernen Kronenordens und des Franz-Josephordens war, gehörte viele Jahre hindurch dem Krakauer Gemeinderate sowie dem österreichischen Eisenbahnrate, Jndustrierate und zahlreichen von der Regierung eingesetzten Handels- und Industrie-Kommissionen an. Kammerpräsident Dattner genoß m allen gesellschaftlichen Kreisen große Achtung und Wertschätzung. Im jüdischen öffentlichen Leben von Warschau hat der Verstorbene gleichfalls regen Anteil genommen. Eine Lilienausstellung in VudapG. Die Redaktion der in ungarischer Sprache erscheinenden Revue „Mult es Jövö" (Vergangenheit und Zukunft) in Budapest veranstaltet dieser Tage eine große Lilienausstellung. Für'die Ausstellung des weltberühmten Grafikers, deffen Werke in Deutschland, England und Holland bereits große Anerkennung gefunden haben, gibt sich in Ungarn großes Interesse kund. Zur Eröffnung der Ausstellung wird auch Lilien in Budapest eintrefsen. Werke aus dem jüdischer Leben von Friedrich Beer. Der jüngst in Florenz verstorbene Bildhauer Samuel Friedrich Beer hat, wie „La Settimana Jsraelitica" in Florenz mitteilt, auch einige hervorragende Werke aus dem jüdischen Leben gMaffen, in denen sich nicht nur sein großer schöpferischer Geist, sondern auch sein großes jüdisches Herz offenbarte. Hierher gehören hauptsächlich seine Gruppe „Die Verheißung", ferner das „Sche- . ma Israel" und ein anderes Werk „Im Schweiße deines Angesichtes". Im „Schema Israel" sowohl, wie in der „Verheißung" wird das tausendjährige Schicksal der Juden in ergreifender Weise symbolisiert, während „Im Schweiße deines Angesichtes" eine Verherrlichung der Arbeit darstellt. Zum Ableben der Madame Judith. Anläßlich des Ablebens der einst gefeierten großen französischen Schauspielerin Madame Judith wird auch das folgende Erlebnis aus ihrer Jugendzeit erzählt: Als Julie Bernard, dies der wirkliche Name der Madame Judith, in Paris die Schule besuchte, wurde sie, deren jüdische Abstammung dem Pfarrer nicht bekannt zu sein schien, mit allen übrigen Schülerinnen zur ersten Kommunion vorbereitet. Die beste Schülerin sollte einen schönen Preis erhalten. Sie selbst erzählt hierüber in ihrer Autobiographie. Keiner von uns konnte die große Liste der Hauptsünden und Haupttugenden besser hersagen, als ich, und keine von uns rannte sich in den Jrrgängen des Satans und den Schleichwegen der Versuchung theoretisch besser aus, als ich. Als dann der große Moment gekommen war, und ich vorgerufen wurde, um den Preis in Empfang zu nehmen, fragte ich zitternd: „Entschuldigen Sie, Herr Pfarrer, hat es nichts zu sagen, daß ich Jüdin bin?" „Was," schrie der Pfarrer entsetzt aus, „Du bisk' eine Jüdin?" „Ja," antwortete ich jetzt gefaßt, „ich bin es." „O, wie schade, wie schade. Eine Jüdin, eine Jüdin," lamentierte der Pfarrer. „Unter solchen Umständen kannst du natürlich weder die erste Kommunion, noch den ersten Preis empfangen." Ehrung Dr. Zamenhofs. Der Begründer der Esperanto-Sprache, Di«. Ludwig Zamenhof, erhielt, wie aus Warschau berichtet wird, dieser Tage die offizielle Mitteilung, daß die spanische Stadt Earasso sowie andere Städte Spaniens ihm die Auszeichnung zuteil werden ließen, eine Straße nach ihm zu benennen, lleberdies wurde er zum' Ehrenbürger dieser Städte ernannt. zfemlleton. (Nachdruck verboten.) Wa« sich das jüdische Uolk erzählt. Historisches Allerlei vom jüdischen Volkshumor. Von königl. Bibliothekar Dr. Heinrich Loewe. II. Zuweilen ist der in der midraschischen Literatur überlieferte Volkshumor nicht religiös polemisierend. Dann aber hat er eine nationale oder eine palästinisch-lokale Seite, die diese ersetzt. Das entspricht dieser ganzen Literatur, die nur das schriftlich niederleg Le, was eine religiöse oder nationale Bedeutung haben konnte. Auch die Geschichte vom verspotteten Athener wäre nicht ln die Ueberlieferung hineingekommen, wenn sie nicht zeigen sollte, wieviel gescheiter die Jerusalemer als die vielgepriesenen Athener waren. Ein Athener, der sich auf die geistige Größe seiner Landsleute, auf ihre Findigkeit und Schlagfertigkeit nicht wenig zugute tat, kam auf der Reise auch nach Jerusalem, wo er mit seiner scharfen Zunge alle und alles verspottete, sehr zum Aerger der Jerusalemer. Ein Jei'usalemer nimmt es auf sich, den Spötter mitten in den Straßen Jerusalems zu verulken, daß er es nicht wieder wagen werde, fernen Spott an den Jerusalemern zu üben. .Inzwischen aber verläßt der Athener Jerusalem und kehrt in sein,e Heimat zurück. Einige Monate später fährt der Jerusalemer, der die merkwürdige Aufgabe übernommen hatte, ihm nach Athen nach, und weiß es so einzurichten, daß er mit ihm bekannt wird und in seinem Hause als Gast ein- und ausgeht. Als sie eines Tages zusammen durch die Straßen spazieren, reißt dem Hebräer ,eine Sandale. Er zahlt dem Schuster für eine neue, ohne nach dem Preise zu fragen, ein Goldstück. Der Athener macht Augen, aber schweigt. Als wenige Tage später die zweite Sandale entzwei geht und der Jerusalemer wieder als selbstverständlich ein Goldstück dem Schuster hinwirft, da ruft der Athener ganz erstaunt: „Du mußt ja Gold wie Heu haben, daß du damit wie mit Steinen um dich wirfst!"

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