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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-11-15 · 46 (15.11.1912) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
46 (15.11.1912)
Date
1912-11-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 770 Dr. Vlochs Wochenschrift Nr. 46 Bosheit oft stärker sind, als der gute Wille, werden die Pforte vielleicht zu rauhen Maßnahmen zwingen und es ist Gefahr vorhanden, daß die großen Opfer ver?- geblich gewesen sind, welche von jüdischer Seite für eine Einwanderung und Besiedelung in Palästina gebracht worden sind. Die mohammedanische Bevölkerung von Kleinasien beginnt rasch zu wachsen, und es wäre sehr unangebracht, vor dieser historischen Tatsache die Augen' zu verschließen. Erst kürzlich hatte man Gelegenheit, prächtige Lichtbilder aus den jüdischen Kolonien Palästinas zu sehen, welche der tüchtige Forschungsreisende Leo Kann auf einem mehrwöchentlichen, beschwerlichen Ritt durch das Land hat sammeln können. Diese Dörfer und Felder, Fruchthaine und Wiesen sind nun nicht mehr so sicherer Besitz in den Händen der Juden, wie sie es noch vor wenigen Wochen waren und mindestens ist ihre weitere Entwickelung sehr in Frage gestellt. Wie ein Heuschreckenschwarm sind die Auswanderer aus dem mohammedanischen Balkan in Kleinasien eingefallen, schon ist Brussa überfüllt, der Zug geht weiter und schwillt und wächst, und wir Juden stehen vor einer neuen Wendung unserer Dinge an einer bisher unangetasteten Zufluchtsstätte. Vielleicht ist es noch zu früh, besorgt zu sein/ vielleicht nimmt die Entwickelung einen anderen Weg. Niemals zu früh aber ist es für die Vorsicht und Erfahrung. Nun müssen wohl unsere großen Organisationen sich mit dem neuen Problem befassen und mindestens in kurzer Zeit das Ergebnis ihrer Erhebungen und Studien mitteilen, damit die Arbeiten für eine Verbesserung der jüdischen Eristenz nicht durch eine, falsche Methode vergeblich werden. zu stellen, und so nicht nur den Glanz und das Ansehen dieser großen Organisation zu wahren und zu mehren, sondern auch den Bestand und die' Ehre des Gesamtjudentums gegen alle äußeren und inneren Feinde zu Vierter!-, digen. Wir rufen daher alle Wähler ohne Unterschied der Parteistellung auf, ihre Stimmen am 24. November für die folgenden Kandidaten abzugeben: a) Für die sechsjährige Mandatsdauer: (weißer Stimmzettel) Emanuet' Aoffmann, Hausbesitzer, XVIII., Karl Ludwigstraße 27 Ar. Kustav Kohn, Hof- und Gerichtsadvokat. IX., Hahngasse 25 Ar. ZosefZ*ol'l'aK, k. k. Universitäts-Professor, I.) Annagasse 4 Adolf Schrameli, k. u. k. Hoflieferant, Kohlenhändler, II., Novaragasse 21 Leopold Simon, k. k. Kommerzialrat, Metallwarenfabrikant, I., Freisingergasse 1 Ar. Maximilian Steiner, Privatier, IX., Günthergasse 2 Ar. Alfred Stern, em. Hof- und Eerichtsadvokat, II., Untere Donaustraße 27 A« die geehrte« Mahler der israel. Kultusgemeinde! Am 24. diovemder d. I. findet die statutenmäßige Wahl aus der allgemeinen Wählerklasie für den 'Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde statt, bei welcher neun Mandate zur Besetzung gelangen. In aller Not und Bedrängnis war es die jüdische Gemeinde, welche dem Judentum einen festen Rückhalt Änd jedem einzelnen seiner Glieder eine sichere Zuflucht bot. Diese hohe Aufgabe hat auch die altehrwürdige Wiener israelitische! Kultus gemeinde: Sie soll ein Schutz!-, wall sein gegen Verfolgungen von außen und gegen das Erschlaffen des jüdischen Geistes im Innern. Diese Grundlage alles jüdischen Lebens zu erhalten und auszubauen, ist oberste Pflicht jedes Juden und doppelte Pflicht in den gegenwärtigen ernsten Zeiten. Darum haben sich die Unterzeichneten Wahlkomitees geeinigt, der geehrten Wählerschaft für die bevorstehende Wahl eine gemlckirsame Kandidatenliste zu empfehlen. Die friedliche Entwickelung der Gemeinde auf der Bahn stetigen kulturellen und sozialpolitischen Fortschrittes liegt uns allen gleichmäßig am Herzen und bedarf angesichts unserer wachsenden Sorge um das jüdische Gemeinwohl der eifrigsten Förderung von allen Seiten. Bei der Auswahl der Männer, die wir dem Vertrauen der Wählerschaft empfehlen, waren wir von dem Grundsätze geleitet, daß in der Wiener Kultusstube nur Persönlichkeiten von unanfechtbarem Charakter und warmer Empfindung Kr alle Bedürfnisse' der jüdischen Allgemeinheit Platz finden dürfen. Zu jenen, die schon bisher mit tiefem sachlichen Ernste und unermüdlicher Hingebung sich den großen administrativen Aufgaben der Gemeinde widmeten, gesellen sich junge, arbeitsfrohe Kräfte, deren Schwungkraft auch Br die Zukunft einen frischen Pulsschlag in unserem Gemeindeleben verbürgt. All' diese Männer sind beseelt von dem rühmlichen Eifer, ihr bestes Wollen und Könnet in den DKM der Gemeinds Ingenieur Kovert Stricker, Oberkommissär der k. k. Staatsbahnen, III., Vechardgasse 24. b) Für die zweijährige Mandatsdauer: (blauer Stimmzettel) Ar. Jakob KhrtiH, Hof- und Eerichtsadvokat, I., Neuthorgasse 16. Für das Z e n t r a l- W a h l k o m i t ee: Dr. Jakob Ornstein, Hof- und Eerichtsadvokat, Vize-Präsident der „Oesterr.- Jsrael. Union" Dr. Josef Winternitz, Hof- und Eerichtsadvokat. Josef Schaalmann, Gottlieb Bettelheim, Vergwerks-Produktenhändler Fabriksbesitzer Für das zionistische Wahlkomitee: Dr. I. H. Körner, Isidor Gewitsch, Zahnarzt Kaufmann Ingenieur Emil Fried, Oberkommissär der k. k. Staatsbahnen. Glosse« pxnt Kompromiß mit de« Zionisten anläßlich der Kultuswahlen 1912. Von Dr. Oswald Byk. Die bevorstehend en Ergänzung sw ahlen in den Kultusvorstand haben eine langgehegte Idee zur Reife gebracht und in die Tat umgesetzt, eine Tat, die nicht bloß ein Gewinn Br die Wiener Kultusgemeinde, sondern von weittragendem und sagen wir gleich: w o h l t a t U gem Einflüsse filr die gesamte Judenschaft Oesterreichs- Ungarns sein wird: ja, wir wagen sogar zu behaupten.

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