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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-11-08 · 45 (8.11.1912) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
45 (8.11.1912)
Date
1912-11-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sfitc 764 Dr. Blochs Wochenßchrfft Rr. 45 C^ernowitz. Allgemeine Teilnahme erweckt der Heimaanq des RealllStenbcsitz-rs Herrn David Gerbel, der nach kurzem schweren Leiden im 69. Lebensjahr sanft entschlafen ist. Der Heimc.eaanaene erfreute stch in weiten Kreisen wohlverdienter Sympathien und leine Kinder.- vier Söhne und zwei Töchter, nehmen in der jüdischen Gesellschaft Czernowitz geachtete Stellungen ein. Budapest. Dr. Wilhelm Löbl, der langiährige Oberarzt der freiwilligen Rettungsgesellschaft. ist nach kurzem Leiden gestorben. Dag unerwartete Hinscheiden des wegen seines umfassenden Wissens und seiner Humanität in allen Kreisen der bauvtstädtischen Gesellschaft be liebten Arztes, der erst im 38. Lebensjahre staub, hat überall die tiefste Teilnahme erweckt. Denn Dr. Löbl hat nicht bloß die Agenden der vielen ärztlichen Stellen, die ihm ob seiner Tüchtigkeit und Verläßlichkeit übertraqen wurden, stets mit großer Gewissenhaftigkeit und Arbeitskreudiakeit ausgeübt, sondern auch Muße und Lust gehabt, sich auf dem Gebiete der medizinischen Fachliteratur erfolgreich zu betätiaen. Seine Arbeiten über die Vergiftungen, deren statistische Erfassung er zuerst in Ungarn vollzog, waren auch im Auslande hochgeschäßt. Dr. Löbl war überdies Sekretär des Budavester Aerztekasinos und entfaltete auch in dieser Eigenschaft eine rührige Tätigkeit, die ihm ein gutes Andenken sichert. Das Leichenbegängnis fand Sonntag von der Leichenhalle des neuen israelitischen Friedhofes aus statt. Akademische Verbindunq ..Hasmonaea" in Czernowitz. D'^ Ehargenwablen für das XILIIT. (Winter) Semester ergaben folaendes Resultat: I. U. E. Moses Merlaub iSeniorl. I. IT. C. Mar Straus, (Eonsenior), I. U. C. Sigmund Morgenstern (Schriftführer). I | r Rosa Feigenbaum, gestorben in Paris am 30. Okt. 1912. Fern der Heimat hat ein edles Herz zu schlagen aufgebört und keine der vielen Unglücklichen, denen Rosa Feigenbaum durch ibrc rastlose und tatkräftige Vermittlung so gerne Errettuna vor Rot und Erwerbslosigkeit brachte, konnte sie zur lebten Rub-- stätte geleiten. Namentlich der Frauenbort, dessen erste Schriftführerin sie gewesen ist. emvfindet dies schmerzlich. Für den Tod ihrer Linder und manches Leid suchte sie. welche durch umfassende Bildung und literarische Begabung über die meisten Frauen ihrer Generation hervorragte, Trost und Ersah in unermüdlicher Tätigkeit für die Neugründuna des Herrn Gottlieb Vettelheim. Im Verein mit Gemeinderat Ziffern hat sie die ersten Schritte des Frauenhortes mit ihrer reichen Erfahrung im Vereinswesen begleitet, ihn mutig in Rede und Schrift vertreten, eine treffliche Denkschrift ausgearbeitet, schließlich den ersten Gedanken zu Arbeiterinnenerholungskolonien, den ersten auf dem Kontinent, gefaßt, als die seinerzeitige Frauenenauete das Elend der Wiener Arbeiterin zuerst in weitere Kreise trug. Seit ihrer Uebersiedlnng kämvfte sie in französischen und deutschen Blättern für diese Institution. die der Vorstand des „Frauenbort" unter der glänzenden Führung von Rosa Zifferer im Iubiläumssahre dank einer von der gegenwärtigen Präsidentin Reaine Kopftein erwirkten Spende durch sein Kaiser Franz Josef-Ferienheim in Seebeullein verwirklichen konnte. Frau Feiaenbanm wurde noch die Freude zuteil, daß sie das Heini bei einem kurzen Aufenthalt in Wien besichtigen konnte. Mit musterhafter Treue und Anhänglichkeit ist sie uns bis in die letzten Tage mit Rat und Tat in der Ferne zur Seite gestanden, wie sie uns auch den Ertrag ihrer hochinteressanten, bei Breitenstein in Wien erschienenen Schrift: ..Von Paris bis Sebdou" gewidmet hat. Die ..Österreichische Wochenschrift" verliert in Frau Feigenbaum eine treue Mitarbeiterin. welche französisches und deutsches Vereinsleben einander näher bringen und ihre Aufsätze stets mit ihren vielfachen Kenntnissen und ihrem svrübenden T-^pe:am''nt hpleben konnte. Die alte Phrase von der ..Unersetzlichkeit keines Menschen" findet an Rosa Feigenbaum wieder einmal die beste Widerlegung, denn ich als ihre Nachfolgerin im Frauenhort weiß am besten, wie wenig ich imstande war, die klaffende Lücke auszufüllen, die ihre Uebersiedlung nach Paris in unsere Reihen gerissen. So senden wir schmerzbemegt der treuen Tochter Zerline, die allein ihr geblieben war. unser Beileid. einer Tochter, die dem weitschauenden erzieherischen Blick der Mutter alle Ehre machte, indem sie als eine der ersten Frauen eine hervorragende Stelle im Banstach bekleidet und die mit unermüdlicher Liebe die letzten von Kränklichkeit getrübten Lebensmonate ihrer Mutter verschönte und verklärte. Clotilde Benedikt. Feuilleton. Jüdische Musikanten. (Von Sacher Masoch). Was die Zigeuner für Ungarn, das sind die Juden für die polnischen und kleinrussischen Länder. Wir brachten, so lange mein Vater an der Svitze der Lemberaer Polizei stand, den Sommer jedesmal in dem nahm, sehr hübsch gelegenen Dorie Winiki zu. Nach den Märztagen des Jahres 1848 verließen wir Galizien, und als ich 1857 das erstemal wieder in meine Heimat und nach Lemberg kam. besuchte ich mit Vorliebe den freundlichen, von herrlichen Waldungen umgebenen Ort.- an den sich die schönsten Erinnerungen meiner Kindheit knüpften. Jeden Sonntag spielen in der Kartscha. der Schenke, welche einem Juden gehörte, jüdische Musikanten zuni Tanz, und die Mädchen und Burschen aus dem Dorfe drehten sich' lustig auf den Dielen der Schankstube und stampften tnit den schweren SÄefeln, daß die bunten Röcke und die bebänderten Zöpfe der Tänzer innen hin und herflogen. . — Es waren vier Männer, welche das origenelle Orchester bildeten, alle in langen Kaitans. mit langen Bärten und Löckchen zu beiden Saiten der Stirne, welche der Volkswitz „KorWeher" getauft hat. Zwei ältere Männer svielten di» Geigen, ein junger schlug den Cymbäl und ein Greis mit weißem Patriarchenbart und blinden Augen entlockte der Baßgeige die liefen begleitenden Töne. Sie spielten die nationalen Tanne mit vielem Feuer: wenn ich' ihnen jedoch e'n vaar Gulden aut den Tisch warf, auf dem der Cymbal stand, trugen sie jedesinal aut mein Verlangen hebräische Melodien vor. Die jüdische Musik und der jüdische Gesang vor allem haben sich, nicht nur in der Synagoge erhalten. Neben den religiösen Gesängen gibt es, insbesondere bei den volnischien Juden, zahlreiche Volkslieder, teils dramatischen. balladenartiaen Charakters, teils lyrisch, elegisch. teils komisch. Die letzteren kann man vorzüglich zur Zeit des Purim, des jüdischen Karnevals, hören. Diese hebräischen Melodien bewegten und fesselten mich iedesmal durch ihre Originalität und Schönheit und durch die stlstame Mischung einer kecken Laune mit orientalischem Schwermut. Ja, es war der musikalische Heinrich Heine und vielleicht noch'mehr sein Vorgänger und Vorbild, der svanisch hchräische Poet Je hu da ben Halewi, den*inir diese jüdischen Musikanten zu hören gaben. Eines Abends in der Woche kam ich von der Jagd. Ich hatte auf dem nahen Striche Wildenten geschossen, die im. Sonnenuntergang ziehen, und kam/ als es dunkel geworden war, an der Kartscha vorbei. Da hörte ich' eine wunderbare Melodie durch die Luft ziehen. Sollten meine Juden ausnahmsweise an einem Werktag den Handel der Kunst gegiert haben? Ich trat ein und fand ein merkwürdiges Trio. Ein junger Mann, hoch und schlank gewachsen, mit dunllem Haar und Bart, in einem langen schwarzen Talar, das kleine schwarze Samtkäppchen auf dem Kovfe, ein paar flimmernde, geniale Augen in dem bleichen Gesicht, spielte die Geige. Neben ihm stand ein blonder Knabe von kaum zehn Jahren, welcher dasselbe Instrument spielte. Er war hoch aufgeschossen und sein

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