Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 45 (8.11.1912)
- Date
- 1912-11-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 762 Dr. Vlochs Wochenschrift Nr. 45 gungen und Bedrückungen im Reiche d,es „Gufukruma" geschildert Werden. Der verantwortliche Redakteur und der Herausgeber des Blattes wurden nun deswegen zur Verantwortung gezogen, weil es zu durchsichtig sei, daß unter „Gufukruma" die russische Regierung zu verstehen sei. Die Beschuldigten verantworteten sich nun dahin, daß „Gufukruma" aus den Anfangsbuchstaben der vier reaktionärsten Judenfeinde, Gutschkow, Purischkewitsch, Krupenski und Markow, zusammengesetzt sei und daß alles, was in dem Märchen erzählt wird, sich auf diese beziehe. Und nun kommt das echt Russische. Die Angeklagten wurden empfindlich bestraft, und zwar mit folgender Begründung: Die Deutung des Wortes „Gufukruma" ist eine willkürliche. Es kann darunter nur die russische Regierung, beziehungsweise der russische Staat gemeint sein, aber selbst wenn die vier genannten Judenfeinde darunter verständen werden sollen, so haben die Angeklagten auch Unrecht, denn die vier Genannten sind wohl Judenfeinde, aber sie sind ,es zu Nutz und Frommen ihres Vaterlandes, und die Angeklagten sollten es selbst wissen, daß die Juden selbst die Ursache sind, daß das Gesetz gegen sie alle möglichen Begrenzungen statuiert. Auf Grund dieser Ausführungen wurden die Angeklagten zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Vermischtes. Wien. (Auszeichnung.) Der Kaiser hat Herrn Friedrich K a r b a ch für seine Verdienste bei der Gründung des Wiener Tovküustlerorchesters den Titel eines kaiserlichen Rates taxfrei verliehen. Wie». Sonntag den 10. November 1912, um 2 Uhr nachmittags, findet in Czernowitz die Trauung des Fräulein Ernestine Aufgabel, Tochter des Herrn Salomon Aufgabel, mit Herrn Isidor G r o b t u ch, Direktor des Spar- und Kredit- Vereines in Wien, statt. Wie«. (Verlobung.) Fräulein Nunja Heller, Tochter des Herrn Kantor Leon Heller, hat sich mit Herrn Dr. Georg Daniel verlobt. Jüdische Toynbeehalle. XX., Othmargasse 46. Samstag den 9. d. M. eröffnet die Toynbeehalle mit einem von der Gesangsmeisterin Fräulein Alice Goldberg arrangierten Konzertabend die Vortragssaison pro 1912/13. Sonntag den 10. d. M. findet der erste populär-wiffenschaftliche Bortrag statt, den Herr Professor Dr. Moritz Roseufeld über das Thema: „Moderne Ideen bei Propheten und Psalmisten" abhalten wird. Das Wochenprogramm wurde wie folgt festgesetzt: Montag den 11. November beginnt ein Zyklus aus deutscher Literatur, der an jedem folgenden Montag fortgesetzt wird. Am ersten Abend liest Frau Auitta Müller-Roseuzweig Dienstag den 12. November spricht Herr Dr Heinrich Keller über das Thema: „Die Verweichlichung der Jugend". Mittwoch den 13. November, Herr Dr. I. Lederer über „Verbrechen und Schuld". Donnerstag den 14. November, Fachlehrer Georg Schmiedl „Ueber die Erziehung zum sozialen Wesen". Die Reihe der Bibelvorträge eröffnet Lehrer H. Löw- Vogel am Freitag den 15. d. M. Die Vorträge beginnen: Samstag, Sonntag und Freitag um 7 Uhr, an den anderen Tagen um halb 8 Uhr abends. Eine wesentliche Ausgestaltung erfahren in diesem Jahre die unentgeltlichen Unterrichtskurse der Toynbeehalle. Im XX. Bezirk, Othmargaffe 46, werden Kurse aus: Kaufmännischer Buchhaltung, deutscher,- französischer und englischer Sprache, ferner aus Stenographie abgehalten. Anmeldeformulare sind bei Verwalter Klein, XX., Othmargasse 46, erhältlich. In der Religionsschule der Kultusgemeinde, I., Seitenstettengaffe 2, wird je ein Kurs Englisch für Anfänger und Fortgeschrittene und ein Stenographie-Kurs abgehalten. Die Einschreibungen für d'ese Kurse finden Sonntag den 10. d. M. von 12 bis 1 Uhr mittags und Montag den 11. d. M. von 7 bis 9 Uhr abends im Schullokale statt. Als Einschreibgebühr für diese unentgeltlichen Unterrichtskurse ist pro Kurs der Betrag von einer Krone zu erlegen. „Beth Haam" (Jüdisches Bolksheim) (Wien, XVII., Hormayrgasse 7 a.) Samstag, den 9. d. M., 71/, Uhr abends. Eröffnung der Toynbeehallen-Abende mit einem Konzert, unter freundlichster Mitwirkung der Damen Annie Glücksmann und Elfe Dortheimer und der Herren Oberkantor M. B. Kaufmann, Dr. Josef Llaar und Hugo Juhn. Der Verein „Beth Haam" hat sich die Aufgabe _ gestellt, durch volkstümliche Verbreitung jüdischer Kunst und Wissenschaft, das geistige Niveau der sozial gedrückten jüdischen Bevölkerung der Bezirke XVI, XVII und XVIII zu heben und das Zusammengehörigkeitsgefühl aller Juden dieser Bezirke neu zu beleben. Zu diesem Zwecke veranstaltet der Verein zweimal wöchentlich (Mittwoch und Samstag) Vorträge und Konzerte, bei welchen den Besuchern Tee und Gebäck verabfolgt wird. Um dieses vorgesteckte humane Ziel erreichen zu können, appellieren wir an jene Persönlichkeiten der Kunst und Wissenschaft, denen das geistige Wohl unserer armen Glaubensgenossen am Herzen liegt, durch Anmeldungen von Vorträgen oder Mitwirkungen bei Konzerten uns in unseren Bestrebungen zu unterstützen. Zur Notlage der ungarischen Proselytengemeinde. „Der Israelit", Frankfurt a. M-, Nr. 44, vom 31. Oktober 1912, bringt folgende Notiz: „B ö z ö d - U j f a l u. Die hiesige Gemeinde, die aus lauter pnst na besteht, ist am Sukkoth von einem harten Schlag ereilt worden. Unsere baufällige Synagoge, in der man noch zur Not beten konnte, wurde behördlich gesperrt. Das Beten in dieser Ruine war schon mit Lebensgefahr verbunden. Die hiesigen Vereine haben kein geeignetes Lokal, um ihre Andacht zu verrichten und find aller Mittel entblößt, um eine Synagoge bauen zu können." Wien-Josefstadt. Am Sonntag den 3. Novmber d. I. wurde im Sitzungssaale des Tempels, VIII., Neudeggeraasse. zum Ander.ken an den verstorbenen Vizepr'äses Herrn Architekten Jakob Modern s. A. sein vom Vorstande gewidmetes Porträt feierlich enthüllt, bei welcher Gelegenheit der Präses Herr Hermann Beck dem Dahinoeschiedenen einen tiefempfundenen Nachruf hielt. Nachher fand im Tempel ein Requiem vor zahlreichen Trauergästen statt. Außer der Familie des Verblichenen fanden sich zur Trauerfeier ein: der gesamte Vorstand des Vereines mit dem Präses Herrn Hermann Beck an der Spitze, als Vertreter der Kultusaemeinde die Herren Kultusvorstände Brod, Griinwald, Dr. Schreiber, Herr Generalsekretär kais. Rot Lieben, ferner die Herren Rabbinen Dr. Rosenmann, Dr. A. Schwarz, Schulinipektor Kanitz, der Präsident des Tempels im IX. Bezirke Herr Gottlieb Bettelheim, das Vorstandsmitglied des Mariahilfer Tempels Herr Hermann König, als Vertreter des Fugbacher Tempelvereines Herr Ehrenfeld, vom Tempel des XIX. Bezirkes Herr Flaudrak, weiters die Herren Alfred v. Straßer, Generaldirektor Horch, die Herren und Damen des Vorstandes des Rekonvaleszentenheim „Pbilanthropia", dessen Ehrenmitglied der Verstorbene war, mit seiner Präfidentin Frau Amalie Beck, zahlreiche Vereinsmitglieder u. A. m. Herr Oberkantor Neumann leitete die Trauerfeier mit dem von Professor S. Snlzer komponierten Pialm, Kap. 49, in würdevoller und erhebender Weise und unter andächtiger Stimmung der Anwesenden ein, worauf Rabbiner Dr. Bauer in gediegener und tiefempfundener Rede dem Verewigten einen wohlverdienten, warmen Nachruf widmete. Hierauf brachte Oberkantor Neumann das »LI mole rachamimc mit künstlerisch vollendetem Geschmack zum Vortrag. Das Mincka- und Maariv-Gebet versah Herr Kantor Grob unter Chor- und Orgelbegleitung zur vollsten Anerkennung. Wien. (Trauerfeier.) Für Herrn Simon Bnchwald, dem verewigten Obmann der Synagoge und des Bet-ha-Midrasch „Talmud Thora" im II. Bezirke, fand am verflossenen Sonntag- Abend ein „Hesped", eine Trauerfeier, im Bethause daselbst statt, die so recht zeigte, wie verdienstvoll der Verewigte gewirkt und wie beliebt er bei allen war, die in Beziehungen zu ihm getreten waren. Unter den Anwesenden waren der Vizepräsident der Kultusgemeinde Herr Landesschulrat Dr. Gust. Kohn mit dem Kultusvorsteher Ad. Schramek. kais. Rat Kauders, S.Brod u.Jnspektor Braun mit vielen Beamten unserer Gemeinde. Von der „A d a s I i s r o e l", der „Scb'ffichul", waren Herr Rabbiner Fürst und die Vorsteher, die Herren Markus Bondi, Dr. Reiniger. Wolf Pappcuheim, außerdem die Behaus- und Vereinsvorsteher Jakob Fuchs. Berufeld, Schiff. Deutsch und Felsenburg, Bankdir. Kohn. Belf. Weil, Fischer, Hofbauer, Singer Frommer, Gabriel, Fischer, Felsheim, Raubitschek, Paschkus und viele onstrge Ehrengäste, die das Gotteshaus in allen Räumen füllten. Den trauernden anwesenden Familienmitgliedern wurden von allen Seiten Beweise der Teilnahme zuteil. Die Trauerrede, gehalten von Herrn Rabbiner H. Schenk, machte allseits tiefen Eindruck und der liturgische Teil wurde von den Kantoren Löwy und Dukes würdig absolviert. Man las es von den Mienen aller ab, daß es ihnen ein Herzensbedürfnis gewesen, das Andenken des verewigten Herrn Simon Bnchwald. auch nach seinem für uns viel zu frühen Hinscheidett, voller Dankbarkeit in Ehren zu halten.