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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-11-08 · 45 (8.11.1912) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
45 (8.11.1912)
Date
1912-11-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr-45 Dr» Bloch’s ,#wn“ Zentraloröart für die gesamten Unteressen des Judentums, Wien, 8. November 1912 Lrscbetnl jeden Freitag. — Brief-Adresse: Wie ». IX/i, Hahngasse 15. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wie«. Inhalt : Leitartikel: Religion am Schlachtfeld. — Die Pcosely en-Gemeinde in Ungarn. — Die Notwendigkeit de»- konfess onellen Gestaltung der BerufSvormuudschaft. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Sabbatruhe der jüdischen Postbeamten in England. Der Bericht über die Expedition nach Angela. Militärische Belobung. Heldenmütiges Verhalten jüdischer Soldaten des Königreiche? Serbien. Die Heldentat einer Aerztin. Eine Preisfrage der Königlichen Akademie von Belgien. Zum Fall Cnssirer. Der Eindruck des Schreibens Poincares über die Paßfrage. — Wie schützen wir unsere Jugend gegen sittliche Entartung? — Korrespondenzen: Emigranten-Fürsorge der Israelitischen Allianz zu Wien. Die Ursachen des Mangels an Rabbinergrößen in Oesterreich-Ungarn. Eine Selbstbeschuldigung des Mordes an Agnes Hruza. Berlin. Der Militärdienst der türkischen Juden im Kriege. Die Notlage der Juden in Bulgarien. Ein Jude von den Kosaken gewählt. Ausweisung eines berühmten jüdischen Künstlers. „Gufukruma". — Vermischtes. — Feuilleton: Jüdische Musikanten. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. OCr— - =DO Bemgsortia für DsKerreitfj: < alvjäbrig 8 Kronen: Etnzelexemvlare 50 Helle: Für s Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig .0 Krorcen. Anzeigen: Die 2r»al gespal» lene Perttzeile Heller. CI oP ■■■ --O og p Hk. ft. PostlparkaffensmU <Neartng-Verk ebr «r. 610.976. RedaMon und Administration. W irn TK.lt, Hahngaffe Nr. 15. Xelefon Nr. 14.847. v)o C\ OG: £>o Lokalveränderung. Die Redaktion und Administration der „Oesterreichischen Wochenschrift“ befindet sich von nun an Wien, 11/1, Aspernbrückeng. 2-w Hotel de I'Europe Telephon 14619 Religion am Schlachtfeld. Der antisemitischen Presse ist es naturgemäh sehr unangenehm, was jetzt durch die kriegerischen Ereignisse am Balkan bewiesen wird und von uns hervorgehoben wurde: dass die Juden mit nimmermüdem patriotischen Eifer auf allen Seiten und in allen kriegführenden Staaten ihre Pflicht erfüllen, während die Türkei durch den Verrat ihrer christlichen Bürger, und Soldaten zugrunde geht. Sogar die „Reichspost" hat ohne jede Bemerkung die erhärteten Berichte veröffentlicht, datz die christlichen Regimenter der türkischen Armee sich in ihrer Gänze dem Feinde zu erkennen gaben und zu ihm übergingen. Gegen diese schmählichen Massendesertionen und die von ihnen gerissenen weiten Lücken in der Schlachtfront konnte die löwenkühne Tapferkeit der mohammedanischen Truppen nicht aufkommen, und so gingen Kirkkilisse und Lille Burgas verloren. Ein schönes Gegenstück dazu bietet die Haltung der Iud.en, welche nach allen Berichten sich in den Kämpfen aus dem Balkan hervorgetan und ihre hochstehende Moral bewiesen haben. Das wurde von uns behauptet, und nichts anderes. Dah wir aber damit die antisemitische Presse in das Herz und in den Kernpunkt ihrer Verlogenheit getroffen haben, geht aus einem Tobsuchtsanfall im „Deutschen Volksblatt" hervor. Unter dem Titel „Der „tapfere" Rabbi Bloch" wird ein tüchtiger Griff in das Arsenal der antisemitischen Bildung getan, ein Regen von Schimpfwörtern geht auf uns und auf die Juden des Balkans nieder. Der Moral der Judenfeinde sieht es ganz ähnlich. datz sie das Vorgehen der türkischen Christen im Kriege vollkommen in Ordnung finden. Denn jetzt sei eine Auseinandersetzung zwischen Christentum und Islam im Gange, und niemand Gerechter werde es daher den Christen im türkischen Heere verargen, wenn sie sich weigern, ihre Haut für den Islam zu Markte zu tragen und gegen Leute gleicher Religion vorzugrhen. Vor Tische las man das freilich ganz anders. Als nach der Absetzung Abdul Hamids die Verhältnisse in der Türkei ihre neue Gestaltung erfuhren, da verlangten und erhielten auch die Christen ihre volle Gleichberechtigung als Staatsbürger, also auch die Einreihung unter die Verteidiger des Vaterlandes. Auch sie haben dem Sultan den Treueid geschworen und haben von der Staatsverwaltung ihre Waffen bekommen. Durften sie also Eid und alle heiligen Begriffe brechen und verleugnen, weil es sich um einen vorwiegend andersgläubigen Staat handelt? Wenn der Mann im „Deutschen Volksblatt" auf diesem Standpunkt steht, so ist das eine recht Helle Beleuchtung der antisemitischen Vorwürfe, dass die Juden dem „Goi", dem Andersgläubigen gegenüber angeblich alles für erlaubt Hallen. Der Verrat in offener Feldschlacht aber, wenn es sich um Leben und Sterben des Vaterlandes handelt, ist wohl der Gipfelpunkt des Verwerflichen. Es handelt sich ja in Wirklichkeit auch gar nicht um einen Kampf auf Leben und Tod zwischen Christentum und Islam. Dieser hätte zur Voraussetzung, dass die Mohammedaner die Zwingherren ihrer christlichen Untertanen sind und sie anEhrje, Eigentum und Leben so bedrohen, wie es etwa der Mechanikus gegen die Juden wünscht. Der gerade jetzt abgedankte türkische Minister des Auswärtigen, der türkische Botschafter in Wien waren Christen. Mehr über die Duldsamkeit der Osmanen ist wohl nicht zu sagen, in deren Reich sich em.e wahre Musterkarte der religiösen

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