Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 44 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 44 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 747 Wien. Einer unserer geachtetsten Mitbürger in Ottakring, Herr Josef S i t t i g. Seniorchef der Firma I. S i t t i g, Wien, XVI/1 und Waidhofen a. d. Thaya, feiert am 6. November in rüstiger Gesundheit sein 70. Wiegenfest. Ein 8e1f made man, hat er nicht bloß seine Fabrikation durch 40 Jahre von kleinen Anfängen zu einer ersten Position erhoben, sondern auch in öffentlichen Angelegenheiten durch viele Jahre tätig sich bewährt und zwar als Mitglied des Ottakringer Gemeinde-Ausschusses, wie als Obmann des seinerzeitigen Tempelbau-Komitees im 16. Bezirkes. Als langjähriger Vertrauensmann und Mitglied dßs Bezirks-Ausschusses, sowie nahezu aller Wohltätigkeits- Anstalten des Bezirkes genießt der Jubilar in weiten Kreisen wohlverdiente Sympathien. Wien. Herr Ad. Blau, Beamter (Schächter) der Jsr Kultusgemeinde in Wien, Il>, Robertgasse 1, III. Stiege, III. Stock, Tür 62, geboren 1839 und seine Gattin Regina Blau, geborene Blau, geboren 1838, feierten am 31. v. M. die goldene Hochzeit im engsten Familienkreise. Nach längerer Krankheit ist Herr Blau soweit wiederhergestelt, daß er diesen Freudentag als Rekonvaleszent mit seinen nächsten Angehörigen freudig verbringen konnte. Wien. Der Kranken- und Unterstützungs- Verein der Lemberger in Wien veranstaltet am 14. November l. I. eine Festvorstellung an der jüdischen Bühne im „Hotel Stefanie", II., Taborstraße 12. Das Erträgnis fällt dem Witwen- und Waisenfond zu. Simon Buchwald. Dem in ihrem geschätzten Blatte vom 25. Oktober d. I. enthaltenen Nekrolog gestatten Sie mir noch einiges aus dem Leben und Wirken des Verblichenen nachzutragen. Als Vorstandsmitglied des „Israelitischen Krankenunterstützungsvereines" verabsäumte er es nicht, durch Jahrzehnte hindurch an allen Sabbaten seine siechen Glaubensgenossen in den diversen Krankenanstalten zu besuchen, denselben Trostesworte spendend und sie um ihre etwaigen Anliegen befragend, und sie konnten auf die Erfüllung ihrer Wünsche nach Tunlichkeit rechnen. Als infolge eingetretenen Greisenalters seine Kräfte es nicht mehr zuließen, die Krankenbesuche persönlich vorzunehmen, wurde über seinen Vorschlag ein mehrgliederiges «Krankenbesuchskomitee", an dessen Spitze sich der verdienstvolle Herr Gabriel Fischer stellte, eingesetzt. Des weiteren ließ der Dahingeschiedene ein Manuskript des mit «E k e w - A n o w o h" betitelten Werkes seines gelehrten seligen Vaters mit einem Kostenaufwande von über 2500 Kronen in Druck legen und widmete den ganzen, 3000 Kronen übersteigenden Erlös dem „Israelitischen Krankenunterstützungsvereine" in hochherzigster Weise. Welche Mühe der Dahingeschiedene für seine Wiener bedrückten Glaubensgenossen aufwandte, steht fast beispiellos da. Er fertigte eine Liste von Gönnern an, bei denen er zweimal des Jahres zugunsten verschämter Armer vorsprach und die ihm oft namhafte Beträge einhändigten, die er den Hilfsbedürftigen in würdiger Weise zukommen ließ. Was der Verblichene an Arme des In- und Auslandes in Werken der Humanitär leistete, davon können uns nur die Armenanstalten der „Israelitischen Kultusgemeinde" und sonstige Wohltätigkeitsinstitutionen Aufschluß geben. Wer von dies- oder jenseits des Ozeans hilfesuchend nach Wien kam, suchte Simon Buchwald auf und es wurde allen durch Inanspruchnahme seiner Intervention tunlichst geholfen. Er war im buchstäblichen Sinne des Wortes der Armenvater Wiens. Noch sei erwähnt, daß der Verblichene allmonatlich für einen namhaften Betrag Speisemarken jüdischer Volksküchen anschaffte, um selbe an Hungernde zu verteilen. Sein Wohnhaus, ebenso auch das Bethaus „Talmud-Thora" wurden läglich von Armen bestürmt. Damit aber auch die Aermsten der Armm zurzeit seines Sommerlandaufenthaltes nicht verkürzt werden, übertrug er die Verteilung der Speisemarken dem Schreiber dieser Zeilen. sp!. g gotjn. * * * An der Bestattung nahmen in Preßburg am Dienstag den 22. Oktober, nachmittags, eine große Anzahl Wiener Trauergäste und viele Honoratioren von Preßburg teil. In der Friedhofshalle sprachen die Herren Rabbiner Samuel Donat, Rabbiner Flesch, Zoüschau, Wolf Pappenheim und Brody und am Grabe Herr Gabriel Fischer; alle rühmten die Verdienste des Hingeschiedenen und gaben dem Schmerze um den großen Verlust, der uns alle getrcff n, beredten Ansdruck. Zahlreich sind die Trauerkundgebungen von Nah und Fern, die der trauernden Familie zukamen. Das Bethaus und das Bet- Hamidrasch „Talmud-Thora', Wien, II., Malzgasse 16, veranstalten daselbst Sonntag den 3. November d. I. um halb 5 Uhr nachmittags eine solenne Trauerfeier um den langjährigen und vielfach verdienten Obmann, dessen Andenken ein gesegnetes bleiben wird. M. A. Austritte aus dem Judentum Vom 20. Oktober bis inkl. 26. Oktober 1912. Beck Karl, Mechanikergehilfe, geb. 11. Jänner 1891, Wien, VII.. Zieglergasse 81. Beck Otto, Kellner, geb. 4. September 1895, Wien, V., Wiedner Hauptstrasse 118. Epelbaum Eliaser, geb. 8. Jänner 1884 a. St., Krementschny, Rußland, II., Kleine Sperlgasse 5. Epelbaum Marie geb. Fiedler, geb. 14. Dezember 1878 a. St. Kiew, Rußland, II., Kleine Sperlgasse 5. Fleischmann Antonie, Kleidermacherin, XVII., Nattergasse 20. Grossmann Elisabeth, geb. 21. September 1886, Roßdorf, Preußisch- Schlesien, IX., Liechtensteinstraße 24. Horvath Jeanette, Kaufmannsgattin, geb. 7. Dezember 1854, Szill, Somogy, Ungarn, VIII., Albertgasse 5. Koref Dr. Hans Leopold, Advokalurskandidat, geb. 5. November 1885, XIX., Greinergasse 23. Lechner Hedwig geb Jerusalem, Private, geb. 6. Jänner 1883, Wien, VII., Siebensterngasse 33. Lechner Hans Heinrich, (Kind,) geb. 17. April 1908, Wien, VII., Siebensterngasse 33. Placzek Rosalie, Gemischtwarenhändlerin, geb. 24. Juni 1879 in Brunowitz, XVI., Albrechtskreithgasse 20. Reiner Dr. Fritz, Ingenieur, geb. 7. Oktober 1886. Rohoncz, VII., Stollgasse 4. Rosenkranz Louise Friederike geb. Hutter, Private, geb. 14. September 1865, IX., Liechten stein gasse 24. Schiller Emma, Privat, geb. 6. Juni 1875, Wien, IX., Fuchsthallergasse 11. * * Dr. Moriz Kapp, Distriktsarzt in Döschen, Bezirk Jamnitz, ist zur protestantischen Kirche Augsburger Konfession übergetreten. Lazar Gestettner. Am 4. d. feierte der verdienstvolle Vorsteher der orthodoxen Gemeinde Preßburg, Herr Lazar Gestettner. das 40jährige Jubiläum als Vorstandsmitglied dieser Gemeinde. Herr Lazar Gestettner wurde noch zu Lebzeiten des Ksav Sofer Van in den Vorstand berufen und wirkt seit dieser Z it ununterbrochen zum Wohle unserer altehrwürdigen Gemeinde. Sein Bestreben war stets, das traditionelle Judentum aufrecht zu erhalten, in welcher Beziehung er den heutigen Kultusvorstehern als Muster dienen möge, da er diesen Standpunkt auch in seinem Privat, leben v.'rtritt. Abgesehen davon, daß derselbe einen streng religiösen Lebenswandel führt, hat er auch seine Kinder auf Basis der Thoroh Jeroh und Gemilus Chasodim erzogen und trägt dabei den Anforderungen der Neuzeit Rechnung, indem er bestrebt ist, der Heranwachsenden Jugend Gelegenheit zu bieten, sich in den neuerbauten Gemeindeschulen moderne Bildung in Verbindung mit echt jüdischer Religiösität anzueianen. Hsrr Lazar Gestettner wurde vom Jahre 1872 bis heute in 14 Wahlgängen immer wiedergewählt, ist auch Mitglied der Stadtrepräsentanz, Vorsteh:r der Chewrah Kadischah, des Knaben- Waisenhauses und noch mehrerer Vereine. Sein Wirken als Vorsteher ist stets leschem schomajim, ziert ihn eine besondere Bescheidenheit, daß sein Wahrspruch lautet Hazoneh leches im haschem elokechoh. Der Gemeindevorstand hat aus Anlaß des 40jähngen Jubiläums eine kunstvoll ausgestattete Adresse anfertigen lassen, deren Text Herr Freuder, ein Meister der jüdischen Sprache, verfaßt hat. Die äußere Ausstattung dieser Adresse, ein Kunstwerk der Plastik, hat Herr Rabbinatskandidat Josef Grünsfeld jun., Sohn des Religionsprofessors und Sekretärs der Rabbinerschule Herrn Adolf Grünsfeld, sehr gelungen ausgeführt. Diese Adresse wurde von allen Ausschußmitgliedern unterfertigt und. dem Jubilare feierlichst überreicht. Herr Wilhelm Grünsfeld, Sekretär der Gemeinde, überreichte eine eigen- ' händig angefertigte hebra.sche Adreffe und verlas das Protokoll, welches anläßlich der ersten Wahl des Jubilars im Jahre 1872 geschrieben wurde. Die Gemeinde hat auch eine Lazar Gestettner Jubiläums- Stiftung errichtet, welche die Söhne des Jubilars mit einer Spende von 5000 Kronen ergänzten. Oberhollabrunn. Samstag den 9. November 1912, 11 Uhr vormittags, findet im israelitischen Tempel zu Oberhollabrunn die Barmizwah-Feier des Bürgerschülers Max I e l l i n e k, Sohn des Kantors und Religionslehrers S. Jellinek und deffen Frau Berta, geb. Schäfer, statt. Galgoez. (Ehrung eines Rabbiners.) In erhebender Weise feierte unsere Gemeinde am letzten Sabbath den 70. Geburtstag ihres geliebten Oberrabbiners, Ehrwürden Josef Rosenfeld, zugleich mit der Feier seiner 40jährigen Wirksamkeit im Rabdinatsamt. Herr Oberrabbiner Jakob Liebermanu aus Leva, Schwiegersohn des Jubilars, hielt im vollbesetzten Tempel die Festrede, welche alle Zuhörer tief ergriffen hat. Wirkungsvoll war auch der vom Oberkantor Ludwig Salzmann verfaßte und zum Vortrag gebrachte schöne Mischeberach. In der Wohnung des verehrten Jubilars richtete der Gemeind Präses. Herr Jakob Fuchs, an denselben eine schöne Ansprache und kündigte ihm aus Anlaß dieser Feier eine Gehaltserhöhung an. Im Namen der Chewra-Kadischa sprach Herr Simon Rofenfeld, für den Frauenverein Frau Dr. Jakob Händler, für den Mädchen-