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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-11-01 · 44 (1.11.1912) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
44 (1.11.1912)
Date
1912-11-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 44 Dr. Bkochs ASoAnM»»»,. Sette 747 Vorwand! „Meinetwegen", — sagte P. Schnee — sollen sich die Inden und Soziälistennur verbrennen lassen. Wenn sie sich lebendig (!) verbrennen lassen, trage ich den ersten Scheit herbei!" — Der Mann scheint um den Verstand gekommen zu sein! Dr. Joachim Jakob Unger. Geboren am 25. November 1826 zu Homonna in Ungarn, wandte sich der junge Joachim Jakob schon frühzeitig hebräischen Studien zu, besuchte von 1840 bis 1850 die Talmudschulen zu Ungvär, Ujhely, Szerdahely und Leipnik und erwarb in der zulctzt genannten Anstalt die Autorisation zur Verwaltung eines Rabbinats. Gleichzeitig betrieb er am königlichen Gymnasium zu Trentschin tlassische und von 1854 bis 1858 an der Berliner Universität philosophische und orientalische Studien und wurde am 5. August 1858 an der Universität Halle, wo auch sein intimer Freund, Gehermrat Prof. Lazarus, das Doktorat machte, zum Dokror der Philosophie promoviert. Im Jahre 1908 wurde das Doktordiplom, geziert mit dem Namen Kaiser Wilhelms II., für Dr. Unger erneuert und dessen wissenschaftlicher Tätigkeit in diesen 50 Jahren ehrenvoll gedacht. Die erste hebräische Arbeit des Genannten erschien 1846 in M. E. Sterns „K o ch b 6 Iizchak" und die erste deutsche im Jahre 1849 im „Orient" und seit jener Zeit arbeitete Dr. Unger an 30 Werken und Zeitschriften mit. Seine „Higgajon b'chinnor" betitelten, zuletzt von seinen dankbaren Schülern anläßlich seines 50iährigen Amtsjubiläums als reichlich vermehrte dritte und zwar als Jubelausgabe herausgegebenen „Hebräischen Dichtungen" gehören zu dem schönsten auf diesem Gebiete Geschaffenen. Dr. Unger wich allen Ehrungen, die ihm, dem allbeliebten Seelsorger, zukamen, prinzipiell aus. Das Eine glaubte er von seinen dankbaren Schülern annehmen zu dürfen, die Ne -Herausgabe und erweiterte Auflage seiner „Dichtungen", die neben den Kasual-Reden den exegetischen und „Vermischten Aufsätzen" zum Besten gehören, das er geschaffen. Der berühmte Professor A u g u st Wünsche, war ganz entzückt, als ihm dieses herrliche Unger'sche Dichtungswerk zu Gesichte kam, er bewunderte den genialen, geistesfrischen 85jährigen Meister und Dichter. Als zu Schewuos 5672 dieses Jubelwerk, das in Wien — bei R. Löwit und in der Druckerei der „Industrie" — erschien und dem Jubilar von seinen „dankbaren Schülern und Freunden" eirigeschickl wurde, da erfüllte wahre innere Freude sein Herz, der Schüler Dank tat dem Meister besonders Wohl. Mit der Wiener Großgemeinde stand der Verewigte in stetem Kontakt und er besang in herrlichen bebräischen Sonetten — darin war er unter den hebräischen Dichtern der Neuzeit wohl einer der größten — den Wiener Stadttempel (zum 50jährigen Jubiläum) Mannheimer, Sulzer und sonstige verdienstvolle Männer und die großen Institute der Gemeinde, an denen diese Männer wirkten, in unübertrefflicher Weise. Auch sein sonstiges literarisches Wirken war ein bedeutendes und noch vor wenigen Wochen trug er sich mit dem Gedanken, eine neue wissenschaftliche Arbeit zu publizieren. Es war nur ein Akt der Dankbarkeit, daß beim Vormittagsjugendgottesdienste im Wiener Stadttempel am 26. v. M. seiner in ehrenvoller Weise gedacht wurde. Dr. Unger gehörte nicht nur seiner Gemeinde, in der er volle 52 Jahre, vom September 1860 bis zum Tage seines Hinscheidens am 16. Oktober d. I., verdienstvoll gewirkt hatte und seinen Schülern, er gehörte der Gesamtheit an und wenn man die Besten seines Standes nennt, darf auch sein Ehrenname nicht fehlen. Eine hingebungsvolle Gattin, Frau Johanna Dr. Unger, stand über ein halbes Jahrhundert dem Meister zur Seite, dabei wirkte sie als Präsidentin des israelitischen Frauenvereines sehr segensreich. Ihr und ihren zwei guten Töchtern mit ihren Familien wendet sich die Teilnahme aller zu. die das Hinscheiden des Vaters und Lehrers seiner Gemeinde und seiner zahlreichen Schüler aufrichtig betrauern. Wien. Moritz Antscherl. 80,000 jüdische Feldarbeiter in Rußland. Aus Petersburg wird uns berichtet: Vor einigen Tagen fand hier die Generalversammlung der Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und der Landwirtschaft unter den Iuden Rußlands statt. Großes Interesse erweckte ein Referat des Schriftstellers Bruzkus über die nächsten Ziele und Aufgaben der Gesellschaft, hauptsächlich auf dem Gebiete der Verbreitung landwirtschaftlicher Tätigkeit unter den Iuden. Auf Grund amtlicher statistischer Ausweise stellte Bruzkus fest, daß es in Rußland nicht weniger als rund 80,000 Iuden gibt, die füh ausschließlich mit der Bearbeitung des Bodens als Lebensberuf beschäftigen. In dieser Ziffer ist nicht die großch Zahl der Iuden inbegriffen. welche sich in Befsarabien mit Tabakkultur befassen und die ganze hiezu nötige Feldarbeit selbst besorgen. Ueberdies finden sich viele Iuden in Gärtnereien, hauptsächlich in den Gouvernements Grodno, Mohilew, Minsk, Kowno und in Polen. Im Gouvernement Minsk und Grodno versorgen die Iuden die Gärtnerarbeit sogar für die Bauern. Auf Grund der Erfahrung in der Vergangenheit kommt nun Bruzkus zu dem Schluffe, daß den Iuden für Feldarbeiten sowohl als auch für Gärtnerei in Rußland selbst im abgegrenzten Ansiedlungsgebiete noch ein ziemlich breites Gebiet offen stehe. Seiner Meinung nach müßten in dieser Richtung behufs Erschließung neuer Gebiete Versuche gemacht und auch bei der Förderung der Handwerke besonderes Gewicht auf diejenigen Gewerbe und Klein Industrien gelegt werden, welche mit der Landwirtschaft im Zusammenhänge stehen. Die Generalversammlung hat den mit großem Beifalle aufgenoinmenen Anträgen des Referenten zugestimmt und beschlossen, sie in kürzester Zeit in die Tat umzusetzen. Ein jüdisch-politischer Kongreß in Rußland. Die eben vor sich gehenden Wahlen in die vierte Reichsduma haben, wie uns aus Petersburg gemeldet wird, trotz der verschiedenen Beschränkungen seitens der Regierung auch die jüdischen Wähler zu lebhafter politischer Betätigung angespornt. Die Zahl der jüdischen Wahlmänner in den einzelnen Wahlbezirken ist eine ziemlich große, was ein Zeichen dafür ist, daß die Iuden selbst bei den nicht jüdischen Progressiven in politischen? Ansehen stehen. Diese Aktion hat in Warschau einen eklatanten Sieg der sogenannten jüdischen Liste gegen die Liste der Allpolen, die sich in der ganzen WaWkampagne in bezug auf die Iudenfrage stark kompromittiert haben, zur Folge gehabt. Diese jüdischen WahK Männer bilden nun die Kerntruppe einer jüdisch-politischen Repräsentanz der Iuden Rußlands. Vor einigen Tagen fand nun in Petersburg eine Beratung der dortigen jüdischen Führer statt, zu welcher auch einige Vertreter aus der Provinz zugezogen wurden. In dieser Beratung wurde nun der Beschluß gefaßt, im Dezember dieses Iabres. vorausgesetzt, daß die Regierung keine Schwierigkeiten macht, eine große Konferenz aller jüdischen Wahlmänner der bisherigen vier Reichsdumas einzuberufen. In den interessierten Kreisen hegt man die! Zuversicht, daß es gelingen werde, die Zustimmung der Regierung für einen solchen Kongreß zu erlangen. Die Solidarität der Intelligenz. Aus Kiew wird uns geschrieben: In dem unseligen Beihliß-Prozeß hat Professor Sikorski von der Kiewer Universität bisher wohl die traurigste Rolle gespielt. Er verflieg sich zu einem' „Gelehrten-Gutachten". in welchem er die Erklärung abgab. daß der Ritualmord bei den Iuden angeblich gestattet sei. Dieses Gutachten war die ursprüngliche Grundlage für den ganzen Ritualmordprozeß. Dieser Tage hatte nun der famose Professor

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