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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-10-25 · 43 (25.10.1912) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
43 (25.10.1912)
Date
1912-10-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 724 Nt. 43 Dr. Blochs Wochenschrift Die Kolonie auf El-Arisch!. Vor drei Jahren erschien im Rahmen der Publikationen des jüdischen Kolonisationsvereines in Wien „Das Projekt zur Anlage einer Kolonie im heiligen Lande oder in einem seiner Nebzenländer" von Baurat Wilhelm Stiaßny. Es ist dies das erste Projekt zur Anlage einer städtischen Kolonie, zur Schaffung eines Gemeinwesens jüdischer Kolonisten auf Grund eines Statutes, das einer aufs beste organisierten Stadtgemeinde entspricht. Nicht nur einer ländlichen Bevölkerung, welche Acker-, Obst- und Weinbau betreibt oder sich der Viehzucht widmet,, auch den bisher unter städtischen Verhältnissen lebenden Handwerkern und Kunsthandwerkern, Gewerbetreibenden und Kaufleuten, sollte a priori das Feld für eine ehrenvolle und lohnende Tätigkeit eröffnet werden. Alle diese solltest bei einer Einwanderung in Palästina nicht mehr gezwungen sein, ihren bisherigen Beruf aufzugeben, um, den neuen Lebensbedingungen Genüge leistend, einen ländlichen Beruf zu ergreifen. Die von Baurat Stiaßny projektierte Kolonie stellt eine Stadt mit .ihrem Gebiete dar. Wohl wird uns bas Terrain, das hiefür ausersehen war, in leuchtenden Farben geschildert, wohl malt uns der schaffende Techniker, her ein Menschimalter hindurch selbst in der Entwicklung und Regeneration einer Weltstadt mitgewirkt, das Bild der werdenden Stadt mit allen ihren Einrichtungen und dem ganzen Getriebe, allein kein Wort verrät den Ort, an welchen: diese jüdische Stadtkolonie erstehen solle. Und doch mußte es einem jeden Leser dieses Elaborates klar werden, daß es den Ausdruck eines ganz bestimmten Projektes, eines konkreten Beispieles bildet. Den Wenigen aber, denen Baurat Stiaßny den Schlüssel zum Schlosse gab, diesen nannte er auch den Namen jenes Platzes, an welchem die Stadt erstehen sollte: an der Meeresküste, in einer Ausdehnung von ungefähr 50 Kilometern und einer durchschnittlichen Tiefe pon 40 Kilometern sollte das Terrain teils erworben, teils vertragsmäßig sichergestjellt werden. Das Gebiet wird in seiner Mitte durchs einen, sich direkt ins Meer ergießenden Fluß von nur geringer Länge durchzogen, dessen Wassermenge sich — je nach der Jahreszeit — in starkem Wechsel befindet. Roch auf dem Boden des heiligen Landes und doch, nicht mehr im Bereiche der türkischen Provinz, nur an einer einzigen Stelle tonnte und sollte die „Stadt" entstehen: * am nördlichsten Punkte des khedivischen Reiches, im Gouvernorate El-Arisch. Das egyptische Gouvernorat El-Arisch bildet den größten Teil der Südgrenze Palästinas. Dasselbe ist außerordentlich schwach bevölkert (ca. 4500 Einwohner, darunter an 1000 Beduinen). Von Gaza nach Südwesten wandernd, erreicht man in ca. 57» Stunden die egyptische Grenze; hier sollte das Terrain beginnen und, sich bis an das egyptische Festungswerk erstrecken, welches das Talbett des el Arisch (Bach Egyptens: IV. Mos. 34/5 und Jes. 27/12) beherrscht. Hier lag das uralte Rhinocolura, das seinen Namen wohl der „Sitte" der Pharaonen verdankt, die an diesem Verbannungsorte den Gefangenen die Nasen abschneiden ließen. Zur Zeit der Kreuzzüge erhielt der Ort die Bezeichnung Laris, in welchem König Balduin I. von Jerusalem, auf einem Zuge gegen Egypten begriffen, 1118 starb. Noch einmal — bereits unter dem Namen El-Arisch — sollte der Ort in der Weltgeschichte auftauchen: Napoleon eroberte es 1799 (durch General Kleber), mußte aber, durch dies bekannten Vorgänge gezwungen, den Engländern und Türken weichen, welche von der Festung besitz ergriffen. Der Vortrag von El-Arisch (1800) bietet gleichfalls einiges Interesse. Heute dürfte die „Stadt" nicht viel über 3000 Einwohner haben; sie liegt auf einem Felsen, fast 1 Kilometer vom Meere entfernt und besitzt einen kleinen Hafen am Fuße desselben. Die kurze, aus Kairo kommende Nachricht besagt nur, daß eine Vereinigung russischer Juden in der Nähe von El-Arisch, an der Küste des Mittelländischen MeeMs, einen größeren Landstrich.erworben hätte. Möge die Kolonie, nach den alten Grundsätzen der Landwirtschaft dienend, möge sie, basierend auf dem großartig angelegten Projekte Stiaßnys, ihrer Gründung entgegen gehen: in ihrer Verwaltung wird sie, dank ihrer glücklichen Lage, das erreichen, was die Meister der Kolonisation, die Engländer, zum Prinzipe gemacht hatten und was Vaurat Stiaßny in seiner Monographie als conditio sine qua non bezeichnet: die finanzielle, wie politische Selbständigkeit, frei von allem Drucke reaktionärer Machthaber. Dr. St. Ikorrespondenzen. Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Kultusvorftandes am 13. Oktober 1912* Unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Alsred Stern. Im Einlaufe befindet sich an Spendest: Von „Anonymus" für eine auf den Namen Regine Landeis lautende Stipendium-Widmung für ehemalige Zöglinge der Hermstätte für verlassene jüdische Kinder, welche ein Handwelk erlernen wollen öst. Kronenrente K 2000.— Von zwei ungenannt sein wollenden Spendern für den gleichen Zweck... „ 2000.— Von Frau Sidonie von Taussig, Herren Dr. Karl und Georg Ritter von Taussig anl. des Versöhnungstages für verschiedene Wohl ätigkeitövereine.; ......... „ 1700— ferner für die Funktionäre „ 300.— Von Herrn B-rnhard Hirsch anl. der Vermählung seines Sohnes Paul für nachfolgende Vereine je K 100, und zwar Armenanstalt, Spital, Blindeninstitut, Altersversorgungsheim, „Frauenhort" im IX. Bezirk. Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger Warsen, Taubstummeninstitut, Frauen-Wohltätigkeitsverein, Ocsterr.-israel. Union, Volksküche, zusammen . . . ... . . . . . „ 1000.— Von Herrn Charles Landeis und seiner Schwester im Sinne der verewigten Frau Regine Landeis für Arme . . . „ 200.— Von Herrn Salo Cohn zur Verteilung an besonders hilfsbedürftige Kinder, die in das Königsberg'sche Institut nicht ausgenommen werden konnten .„ 250.— Von Herrn Gustav Margulies für Arme.. . „ 100.— Von Herrn Heinrich Kunstadt das Honorar für Schofarblafen im Stadttempel für wohltätige Zwecke.. 100.— (Herr Kunstadt versieht seit 25 Jahren dieses Ehrenamt und w'dmet das ausgesetzte Honorar stets wohltätigen Zwicken. Red.) Von Herrn Dr. Adolf Blau, Beregszasz für den Studentenunterstütz ingsverein.... „ 70.— Von Frau Louise Hechter, Bukarest, zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten Solomon Hechter für nachfolgende Vereine je K 10, und zwar: Altersversorgungshaus, Blindeninstitut, Kinderbewahr - Anstalt, Volksküche, Waifen-Unterstützungsverein, Handlungskrankenverein zusammen ..60.— Von Frau Karl Förster den Erlös für die Weitervermietung der Betsitzkarte für die Versorgungsanstalt. . „ 40.— Von Frau Therese Kann für wohltätige Zw.cke.„ 30.-^ Von Frau Jenny Messing anl. des Todestages ihrer Mutter für 2 arme blinde Frauen ............. 10.— Von Herrn Dr. Moriz Neuwirth, Holicz bei Göding, für Arme .... .. 10.— Von Herrn Salomon Tauber, Mistek, Spende anl. einer Alijah... . . . . ... ... 10.- Von Herrn I. Sommerfreund. Nadvorna, Galizien, für den Verein für rituelle Verköstigung der jüdischen Armen im Allgem. Krankenhause. Wien ... 10.— Von Her>n Emil Deutsch für den Verein Kaiser Franz Josephs-Ferienheim . . . ....... . . . . . „ IO.— Von Herrn F. Ernst für Arme . „ 4.—

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