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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-10-25 · 43 (25.10.1912) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
43 (25.10.1912)
Date
1912-10-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 43 I«hrg«»g tih Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Interessen des Zudentums. o —o o ' Ä. h. PostlxarksffrnLUll Q Slearing-Verstebr •Kr. 810.976. Redaktion und Administration. Wien IX,i. Hahugaffe Nr. 15. l> Telefon Nr. 14.847. <1 nP _ -Qo Wim, 25. Oktober 1912 Lrscbetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie", IX/i, Hahugaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wocheuschrist, Wie«. O (J=-~ ... — - ■ - —O p «rjugairrri» für Vrkkrrrrirst: Q halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig ‘20 Kronen. Anzeigen: Die Snalgesyal- 2 tene Pettizeile 4« Heller. £ QO -■ -O.i Inhalt: Leitartikel: Kreuz und Halbmond. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Ern Vorschlag des Minist.rs Sawuow. Die Juden in den kriegführenden Balkanstaaten. Der Doyen der französischen Generäle. Ein jüdischer Bü:germeister in Norwich. Eine Bibelausstellung. Die Wiedererbauung des Salomonischen Tempels. S. Fr. Beer. Die Kolonie auf El-Arisch. — Korrespondenzen: Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Kultusvorstandes am 13. Oktober 1913. Enthüllung des Grabdenkmals für Baurat Wilhelm Stlaßny. K.llser Franz Joseph über die Frömmigkeit der Juden. Der Sadagorer Hof und der Balkankrieg. Eine Richtigstellung, Bukarest. Karlsbad. Allgemeine jüdische Kolonisations-Organisation. Die jüdische Patronage in Tripolis. Ein Melodrama aus dem jüdischen Leben im Londoner Ly,eumtheater. Univerfitätrprofrssor Dr. David Blaustem. Eine antisemitische Suffragette. — Vermischte«. — Feuilleton: Die Wunderkur. — Literatur. Briefkasten. — Noti en. — Inserate. Kreuz «rrb Kalbmond. Wenn die Großmächte zu einem Raubkriege ausziehen, so pflegen sie ihrem Beginnen ein moralisches Mäntelchen umzuhängen und sprechen in ihren diplomatischen Noten und Proklamationen von der Notwendigkeit, Kultur und Zivilisation in dem Lande zu verbreiten, das sie einem anderen Staate Wegzunehmen wünschen. Die Balkanräuber, welche in der Hoffnung auf die italienische und russische Hilfe von vier Seiten aus über die Türkei hergefallen sind, können dieses edle Motiv nicht gut voranschieben, ohne sich bor Europa lächerlich zu machen. Denn wenn sie Kultur Md Zivilisation zu verbreiten wünschen, haben sie reichlich Gelegenheit, bei sich selbst anzufangen. Ihnen schien noch zum größten Teil die Volksschulen, das Weib ist bei ihnen ein Lasttier, Ackerbau und Industrie stehen noch auf einer sehr tiefen Stufe. Also können sie den Türken das nicht bringen wollen, was sie selbst nicht besitzen. Weil es aber schon einmal Mode ist, den Krieg aus einem edeln Motiv zu beginnen, so wird ein Kreuzzug gepredigt und die vier Balkanfürrsten, von denen drei täglich und stündlich um Thron und Leben zittern müssen, rufen ihre Völker im Namen der Religion zu den Waffen und proklamieren einen Feldzug des Kreuzes gegen den Halbmond. Wenn mit dieser Parole besagt sein soll, datzi es der Krieg eines heiligen Ideals gegen asiatische Barbareien sein soll, daß man die macedonischen Brüder befreien müsse, so ist eine größere Lüge niemals ausgesprochen word!en. Sogar dfe Wiener „Reichspost" lehnt die Anwaltschaft der Balkanstaaten für die Sache des Kreuzes ab. Da sind einmal die Montenegriner, deren Schwierigkeiten beim Unterschieiden zwischen Mein und Dein aNe Grenznachbarn wiederholt und empfindlich! zu spüren bekamen. Da sind die Bulgaren, welche sich einfach für russische Rubel haben kaufen lassen, um ihren vorigen Fürsten zu verjagen«. Da sind die Griechen, deren Feigheit im Kriege mit der skrupellosen Geriebenheit wetteifert, welche sie unter den Kaufleuten des Orients berüchtigt macht. In Serbien gar — sind König Alexander und Draga Maschfn etwa im Namen des Christentums ermordet worden? Und wie unduldsam sind alle die vier Natiönchen! Wer nicht des richtigen Glaubens ist, wird zum Erbfeind erklärt und di« wilden Religionskämpfe an den Grenzen und im Innern der vier Balkanländor sind unausrottbar an der Tagesordnung. Wenn die Duldsamkeit und Nächstenliebe «in Grundsatz des Christentums ist, dann sind die Türken die Wahren Christen! Denn die Massacres gegen die Armenier haben nicht etwa aus religiösen Gründen stattgefunden, sondern wegen der moralischen Verkommenheit dieses Volksstammes. Sonst aber i,t die religiöse Freiheit nirgends so groß wie in der Türkei, jedermann steht die Art und Anzahl seiner Götter vollkommen frei. Das beste Zeichen dieser Duldsamkeit ist es wohl, daß djer Minister, der jetzt die auswärtige Politik der Pforte gegen die christlichen Balkanstaaten leitet, Nordhungian Pascha sich zum Christentum bekennt. Ein anderer Beweis ist die Tatsache, daß die türkische Garnison in Jerusalem die Wache in der Grabeskirche beistellt. Denn die Praxis hat erwiesen, daß fortwährend blutige Schlägereien ausbrechen, wenn man im größten Heiligtum der Christenheit die verschiedenen christlichen Konfessionen unter sich läßt. Das gleiche Verhältnis herrscht in Macedonien, von welchem die vier Balkanstaaten im Namen des KreuzrS sich ein Stück aneignen möchten. Man könnte vielleicht! nach den Kriegsproklamationen und den politischen Erklärungen glauben, daß in der genannten türkischen Provinz die Christen von den Mohammedanern drangsaliert und massakriert werden. Davon ist nun nicht im geringsten die Rede. Allerdings werden Dörfer niedergebrannt. ganze Familien geschlachtet und Landstrichs verwüstet. Aber es sind nicht etwa türkische Mordbrenner, welchen diese Greueltahen zur Last fallen. Historisch wahr ist es vielmehr, daß es die Angehörigen der vier kriegführenden Balkanstaalen sind, welche einander in Macedonien so grimmig befehden und einander die nationale Zugehörigkeit und das christliche Bekenntnis ihrer Fasson mit Feuer und Schwert betzubringen suchen. Die Griechen behaupten, Macedonien sei griechisch und unierter Religion. Die Serben werben mit Bomben für

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