Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 41 (11.10.1912)
- Date
- 1912-10-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021981-3022023--21535-3046634- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 694 Dr. Vlochs Wochenfchrfft Nt. 41 daß die „Times" in einem größeren Artikel gegen den/ Zionismus hetzt und die englische Regierung glauben zu machen versucht, daß der Zionismus angeblich in dem, Diensten Deutschlands stehe. Y 3U Verbot einer hebrWchen Zeitung m Italien. l Die italienische Regierung hat der in Jerusalem erscheinenden hebräischen Zeitung „Hacheruth" den Postdebit entzogen. Das genannte Blatt hat in der letzten Zeit sehr scharfe Artikel gegen Italien publiziert, was die italienische Regierung zu der genannten Maßregel veranlaßt hat. „Ein Autogramm Alfred Dreyfus." Die berühmteste und interessanteste Autogrammsammlung befitzt gegenwärtig Ludwig Barth, über dessen seltsames „Menzel- Album", schon so viel geschrieben und gesprochen wurde. Mit bewundernswerter Ausdauer hat Barth wohl das seltenste Autogrammaterial zusammengetragen. Wie Marcel Zappler in der internationalen Sammlerzeitung schreibt, spricht man in den Kreisen, die dieses Album zu sehen Gelegenheit hatten, von ihm als von einem Curiosum und Hofmarschälle melden, wenn Barth zur Audienz kommt, den „Ungar mit dem Menzelalbum". Denn die kleine rote Bibel, die auf ihrem Ledermantel das Monogramm „A. v. M." trägt, kommt von Dr. Adolf von Menzel, der „kleinen Exzellenz". Auf seinen Reisen traf Ludwig Barth auch mit dem unglücklichen Verbannten von der Teufelsinsel, Exkapitän Alfred Dreyfus, zusammen. Er sah sich einem beklagenswerten Greis mtt weißen Haaren gegenüber, dessen zitternde Hand kaum die Feder halten zu können schien. Als Barth ihn deutsch anredete, sagte Dreyfus: „Ich spreche diese Sprache nicht." Und mit einer unsagbaren Trauer in den Augen schrieb Dreyfus auf das Blatt, das Barth ihm vorgelegt hatte, in französischer Sprache dieses kurze aber bezeichnende Merkwort: „Man soll sich immer an die Grundsätze der Gerechtigkeit und' Wahrheit halten!" Das Organ der Union Liberale Jfraelite. In Paris erschien dieser Tage die erste Nummer des „Rayon", Organ der Union Liberale Israelite von Frankreich. Das Blatt, das einmal monatliche erscheint, stellt sich zwei Hauptaufgaben, und zwar einerseits eine bessere Bekanntmachung mit den Gesetzen der Geschichte. Literatur und der Rolle Israels an dem allgemeinen Zivilisationswerke und andererseits die Vermittlung der großen Ideen, der großen Männer aller Länder und aller Richtungen und aller Zeilen. Die Folgen des französischen Protektorats in Marokko. Als eine der günstigen und segensreichen Folgen des französischen Protektorats in Marokko kann zunächst die Schaffung eines jüdischen Munizipalrates (Medschiliß) im Iudenviertel in Fez betrachtet werden. Dieser Munizipalrat besteht aus dem Pascha von Fez als Präsidenten. den Direktor der Allianzschule als Schriftführer und Kassaverwalter, dem Schejik-el-Jhud (Vorsteher der Iudengemtzinde) und sechs Mitgliedern, welche von der Mellah, das ist den Mitgliedern der Gemeinde, gewählt werden. Die Aufgabe dieses jüdischen Munizipalrates besteht in Erstattung von Vorschlägen und Durchführung derselben, betreffendie öffentlichen Bauten, die Aufsicht über die Reinlichkeit und Hygiene des Iudenviertels.. die Gründung von öffentlichen Wohlfahrtsanstalten, Spitälern und aller Institute, welche dem Wohle der Bewohner des Judenviertels dienen können. Das Budget dieses Munizipalrates setzt sich aus einem Beitrage der Araberstadt, ferner aus den Einnahmen der Judengemeinde selbst an Fleisch-, Kultus- und anderen Steuern zusammen. Der Zuschuß der Araberstadt an die Judenstadt beträgt ein Zehntel der gesamten städtischen Einnahmen und macht gegenwärtig 60.000 Fr. jährlich aus. Demgegenüber hat jedoch auch die Iudenschaft einen bestimmten Anteil der Gesamtauslagen der ganzen Stadt übernehmen. Die Juden von Fez sind mit dieser Neueinrichtung außerordentlich! zufrieden und hoffen, daß sie für sie den Ausgangspunkt einer neuen viel verheißenden Entwicklungsära Hilden werde. Eine Talmud-Thora-Schule für Mädchen. In London wird demnächst eine sehr nützliche und nachahmenswerte Institution geschaffen werden. Es ist dies eine Talmud-Thora-Schule für jüdische Mädchen. Man wird den Wert einer solchen Anstalt am besten zu würdigen verstehen, wenn man. bedenkt, daß es in London mehr als 8000 jüdische Mädchen gibt, welche der Schule entwachsen sind und dem jüdischen Leben vollständig entfremdet werden. Die Juden-Missionäre, welche in England und hauptsächlich in London eine wahre Plage bilden, nützen diese Situation aus und werfen ihr Netz hauptsächlich auf diese Mädchen, die durch ihre mangelhafte jüdische Erziehung zu berrt Judentums nur in sehr loser Beziehung stehen. In dem Kampfe gegen das Missionsunwesen wird diese Talmud-Thora- Schule für Mädchen hoffentlich eine erfolgreiche Waffe bilden. Eine interessante Affäre in England. Vor einigen Monaten entsandte die große Newyorker Kinematographen-Gesellschaft Kalem einige bedeutende Schauspieler nach Palästina, um an Ort und Stelle Studien zu machen, welche für die kinematographische Darstellung der wichtigsten Episoden aus dem Leben des B?grü ,de>. s der christlichen Religion und hauptsächlich der Kreuzigung verwertet werden sollen. Die Aufführung dieser kinematographischen Produktion soll nun in London stattfinden. In gewissen Kreisen forderte man nun von der englischen Regierung, daß diese Schaustellung inhibiert werde. Die konservativen christlichen Kreise verwiesen darauf, daß die Darstellung biblischer Vorwürfe auf der Bühne durch die Zensur wiederholt verboten wurde und daß es demnach ebenso am Platze wäre, solche Darstellungen durch den Film hintanzuhallen. Auch von jüdischer Seite wurden Bedenken gegen di>e Vorführung dieser Szenen vor einem Kinematographenpublikum erhoben. Trotz dieser beiderseitigen Proteste hat der Minister der Innern eine Intervention abgelehnt und deshalb erscheinen in den Londoner Blättern Aufrufe an Christen und Juden, diese Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen und die geplanten kinematographischen Vorstellungen mit Gewalt zu verhindern. tDermtecbtes. Wien. (Eine Regine Landeis-Stiftung). In der Kuratoriums-Sitzung der Heimstätte für verlassene jüdische Kinder vom 1. Oktober d. I. wurde zum ehrenden Andenken an die unvergeßliche Protektorin Regine Landeis die Schaffung eines Regine Landeis-Fondes angeregt. Ein anonymer Spender hat für diesen Fond den Betrag von 2000 Kronen übermittelt. Von anderen Seiten sind zwei Beträge ä 1000 Kronen eingelaufen. Dieser „Regine Landeis - Fond" soll dazu dienen, den Schützlingen der Heimstätte, nachdem sie dieselbe verlassen haben, in berücksichtigungswürdigen Fällen beizustehen und sie eventuell zu unterstützen. Wien. Im Tempel der israelitischen Kultusgemeinde, XV., Turnergaffe 22, findet Montag den 14. Oktober l. I., V*6 Uhr nachmittags, für die ver ewigte Präsidentin verschiedener Wohlfahrtsvereine Frau Regine Land eis eine Gedenkfeier statt.