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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-10-04 · 40 (4.10.1912) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
40 (4.10.1912)
Date
1912-10-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite «78 Dr. Vlochs Wochenfchrfft Nr. 40 durch eine Allerhöchste Ordensauszeichnung anerkannt. Ueber den Lebenslauf und die Wirksamkeit des Gefeierten entnehmen wir der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Oktober 1910 folgende Daten: Rabbiner Dr. Adolf R o s e n z w e i g ist am 20. Oktober 1850 in Turdoffin (Ungarn) geboren. Er besuchte die jüdische Volksschule seines Geburtsortes, dann das Gymnasium tn Budapest und kam nach Absolvierung desselben nach Berlin, wo er sich an der Universität dem philosophischen Studium widmete und zugleich einer der ersten Hörer der damals begründeten „Hochschule für die Wiffenschaft des Judentums" wurde (1872—1876). Als erster Schüler dieser Anstalt, an der damals Cassel. Geiger, Lewy und Sleinthal lehrten, ging er auch in die praktische Tätigkeit über, als er 1875 als Rabbiner nach Pasewalk berufen wurde. Später wirkte er in Birnbaum und Teplitz. seit 1887 in Berlin. Trotz seiner umfangreichen und angestrengten amtlichen Tätigkeit als Rabbiner und Predigter benutzte Dr. Adolf Rosenzweig die ihm gegönnte Mutze zu schriftstellerischer Arbeit auf verschiedenen Gebieten der jüdischen Wiffenschaft. Geschichtliche Studien hat er niedergelegt in seinen Abhandlungen: „Ueber das Jahrhundert nach dem babylonischen Exil" (Berlin 1885), „Der politische und religiöse Charakter des Flavins Josephus" (Berlin 1889) und „Jerusalem und Caesarea" «.Berlin 1890). Als besonders wertvolle Beiträge zur Kulturgeschichte des Altertums sind die zum Teil in früheren Jahrgängen der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" erschienenen Arbeiten: „Das Auge in Bibel und Talmud" (1893), „Geselligkeit und Geselligkertsfreuden in Bibel und Talmud" (1895) und „Kleidung und Schmuck im biblischen und talmudischen Schrifttum" (1905) zu erwähnen. Erst auf Grund solch eingehender Arbeiten, wie sie Dr Adolf Rosenzweig in den erwähnten Abhandlungen geliefert hat, konnte an die Abfassung einer talmudischen Archäologie gedacht werden, wie sie Profeffor S. Krauß-Wien beabsichtigt und zum Teil bereits fertiggestellt hat. Von sonstigen Veröffentlichungen nennen wir: „Zur Einleitung in die Bücher Esra uud Nehemia" (Dissertation 1875), Zum 100. Geburtstag des „Nathan der Weise" (1878), „Künstler und Jugendbildner". Eme pädagogische Parallele (1886), „Schiller im Ghetto" (zum 100. Todestag Schillers, auch in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" erschienen 1905), schließlich eine von echtem Humor erfüllte Schilderung „Aus den Kinderjahren der Lehranstalt für die W-ffenfchast des Judentums" in der Festnummer von Ost und West, Nov. 1907. Auch einzelne Predigten und Reden bei besonderen Anläffen sind von Dr. Rosenzweig veröffentlicht worden. Rosenzweig bat es verstanden, sich durch sein mildes, allen Parteiungen fernes Wesen in weiten Kreisen Sympathien zu erwerben. Als ein wirklicher Vater der Armen, als treuer Seelsorger ist er unermüdlich tätig. Eine große Familie verehrt ihn als würdiges und geliebtes Oberhaupt. In frischer Kraft übt er eine weitverbreitete Tätigkeit aus. Möge ein heiterer Lebensabend ihm und seinem Wirken bcschieden sein! Die sprechende Uhr des jüdischen Erfinders. Der in Büdszentmihaly in Ungarn wohnhafte jüdische Uhrmacher Salomon Wiesver hat eine Wunderuhr konstruiert, welche die Zeit nicht durch Schläge anzeigt, sondern mit klarer Vernehmbarer Stimme ausspricht, wieviel Uhr es sei. Der Erfinder wollte seine Uhr patentieren lassen, doch fehlte es ihm an dem hiezu nötigen Gelde. Er richtete nun an die Kabinetskanzlei des Kaisers ein Bittgesuch, in welchem er um einige hundert Kronen bat, damit er seine Erfindung patentieren lassen könne und legte seine Wunderuhr bei. Jetzt ist das Gesuch an die kompetente ungarische Behörde zurückgelangt, ohne daß eine Bemerkung angefügt worden wäre. Diese Uhr spricht wirklich Bände. Getaufte Juden als Schauspieler im Jüdischen Theater. Aus Warschau wird uns geschrieben: In einem der hiesigen jüdischen Theater tritt jetzt unter Anderem auch der Schauspieler Schermann auf, den das Publikum wegen seiner hervorragenden künstlerischen Leistungen bei jedem Auftreten stürmisch zu feiern pflegte. Vorige Woche wurde es nun plötzlich bekannt, daß Schermann nicht mehr dem Judentume angehöre und sich längst getauft habe. Diese Entdeckung hat unter dem Publikum, das naturgemäß aus lauter Juden besteht, große Erregung hervorgerufen, und als er tags darauf in seiner Glanzrolle in dem Stücke „Das große Erbe" auftrat, nahm ein Teil deS Publikums gegen den Schauspieler Stellung. Man rief ihm zu: „Nieder mit ihm, Täufling, hinaus mit chm!" Merkwürdigerweise hat ein anderer Teil des Publikums für den getauften Juden Partei ergriffen und es entstand im Zuschauerraum ein solcher Lärm und die Demonstration für und gegen den Täufling nahm bereits so bedrohliche Dimensionen an, daß die Polizei einschreiten und eine Anzahl Verhaftungen vornehmen mußte. Bemerkenswert ist es, daß, als man aus diesem Anlasse weitere Nachforschungen hielt, es sich herausstellte, daß nicht nur in diesem Theater, sondern auch auf anderen Warschauer.jüdischen Bühnen getaufte Juden als Schauspieler wirken. Die Bereinigung der jüdischen Jugend Frankreichs. Unter dem Namen „Association des jeunes juifs“' hat sich vor kurzem in Paris eine Vereinigung der jüdischen Jugend in Frankreich gebildet, welche alle diejenigen jungen Juden zum Anschlüsse auffordert, welche „wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentume zu leiden hatten." Das Programm dieser Vereinigung gipfelt in dem folgenden Punkte ihres Aufrufes: „Indem wir vor allem unsere unverbrüchliche Loyalität zu dem republikanischen Frankreich feierlich zum Ausdrucke bringen, wollen wir alle jungen Juden zum Zwecke der gemeinsamen Verteidigung gegen das Unrecht und zur gemeinsamen Förderung der Erziehung der jüdischen Jugend vereinigen und zusammenschließen." Ableben des Grand Rabbin der Gironde. Im Alter von 77 Jahren starb vorige Woche der Grand Rabbin der Gironde Jsac Levy in Paris. Er war zur Zeit des deutsch-französischen Krieges Rabbiner in Kolmar, verließ jedoch diesen Posten, als Elsaß von Deutschland annektiert wurde, um französischer Bürger bleiben zu können. In Anerkennung dieses seines patriotischen Verhaltens hat die französische Regierung im Jahre 1872 eigens für Levy das Oberrabvinat von Vesoul geschaffen, von wo er im Jahre 1887 nach Bordeaux berufen wurde. Levy war der Verfasser einer ganzen Anzahl religionswiffenschaftlicher und geschichtlicher Werke und hauptsächlich seine „Histoire Sainte“ wird in Fachkreisen als ein klassisches Geschichtswerk bezeichnet. Die Juden als Stützen des russischen Weiuhandels. Aus Petersburg schreibt man uns: Aufsehen erregt ein offener Brief den die Organisation der russischen Weingartenbrsitzer Beffarabiens in dem Regierungsorgan „Rossia" veröffentlichte. Der Brief ist an die Regierung gerichtet, welche eine eigene Enquete einberufen hat, um über die Frage schlüssig zu werden, ob den Juden, welche keine eigenen Weingärten besitzen, auch fernerhin erlaubt werde, Weinhandel zu treiben. Diese Enquete tagt gegenwärtig im russischen Handelsministerium und aus diesem Anlässe wurde auch der offene Brief veröffentlicht. Die Organisation der bessarabischen Weingartentesitzer warnt in diesem Briefe die russische Regierung davor, den Juden den Weinhandel zu verwehren, da durch ein solches Verbot die gesamte Weinkultur in großen Teilen Rußlands hauptsächlich aber in Beffarabien einen solchen Schaden erleiden müßte, daß sämtliche Gutsbesitzer und Bauern, welche sich heute mit Weinkultur beschäftigen, diese aufgeben müßten. Heute werde der gesamte Weinhandel durch Juden vermittelt, wodurch dem Lande eine große Einnahmsquelle gesichert ist und zahlreiche Bauern ihre Existenz finden. Die oben erwähnte Organisation der Weinbauern protestiert daher gegen jeden Versuch, im Wege einer Ausschaltung der Juden vom Weinhandel das Land auf so empfindliche Weise zu schädigen. Der neue Direktor der Bank von Bombay. Wie aus London gemeldet wird, wurde Herr Mayer Niffim von der Firma David Sassoon & Co. zum Direktor der Bank of Bombay, des bedeutendsten Bankinstitutes von Indien, ernannt. Der Vater des neuen Direktors Charles Niffim hatte diesen einflußreichen Posten viele Jahre hindurch inne. Die Familie Niffim hat auch für die Juden in Indien sehr Vieles geleistet und sich hauptsächlich um die Erziehung der jüdischen Jugend in Indien durch Errichtung von Schulen Verdienste erworben.

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