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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-10-04 · 40 (4.10.1912) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
40 (4.10.1912)
Date
1912-10-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 676 Dr. Blochs Wochenschrfft Nr. 40 vergessen zu haben scheint (Staubschlucken gehört wohl nicht zur Kur), obwohl das sonst den Sommerfrischlern immer — vor allem bei den Preisen — zur Erinnerung gebracht wird. Ein anderes Mal: In dem benachbarten Gainfarn ist Einquartierung und ein Soldat kaust in einem Delikatessengeschäft Aepfel. Als er beim Zahlen einige Heller herunterzuhandeln sucht, wird ihm die Antwort zuteil: „Wenns das haben wollen, müssens nach Polen zu die Juden gehen, bei uns kriegn's das nicht." — Ich glaube, die Antwort hätte geradeso energisch etwas weniger beleidigend gegeben werden können. Wenn die Juden aus diesen Tatsachen die Konsequenzen ziehen würden, wäre das für Vöslau der wirtschaftliche Ruin. Denn im Winter ist dort nichts los und andererseits sind es nur Juden, die sich das bieten lassen, daß man für 15 Kronen Kurtaxe per Person nicht einmal einen Lesesaal zur Verfügung hat und daß bei einer Menge anderer Feste für den Interessen der Kurgäste ganz fern liegende Zwecke, wie es heuer der Fall war, ein zum Zwecke jüdischer Wohltätigkeit geplantes Fest von allen Instanzen kategorisch abgewiesen wird. Ich kann allen Juden raten, die nur etwas auf den Ruf ihrer Religion halten, nicht nach Vöslau zu gehen, vielleicht wird die dortige Bevölkerung doch zur Einsicht kommen, daß das jüdische Geld, das sie so gern hat, ohne Juden nicht hinkommt. Indem ich namens vieler Gesinnungsgenossen für die Aufnahme dieser Zeilen bestens danke, verbleibe ich Hochachtungsvoll L. S. VI., Gumpendorferstraße 63. Innsbruck, 30. September. Verehrliche Redaktion! Die Tiroler Zeitungen berichteten in den letzten Tagen über meinen Besuch, den ich, auf Grund einer freundlichen Einladung des Baron Schoenberg auf Schloß Pallaus,- dem K^ardinallegaten van Rostum abstattete, die meinen Intentionen nicht entsprachen, da in solchen heiklen Dingen, wie dies das Substrat meiner Konferenz bildete, das Schweigen förderlicher geschienen hätte: leider ist das bei dem derzeit herrschenden Geist der Presse ein verlassener Grundsatz und sind wir gezwungen, uns darnach einzurichten. Da davon abgegangen wurde, so erachte ich es schon als unabweisliche Pflicht, die in diesen hohen Kreisen herrschenden Ansichten betreffs unseres Religions- und Volkswesens in Ihrem so weitverbreiteten Organ wiederzugeben, da sie mir von grundsätzlicher Bedeutung scheinen. Das divinae iiumanique res bildete das irreligiöse Verhalten der jüdischen bester gestellten Kreise, eine Erscheinung, die wir wohl nicht von der Hand weisen können und dürfen, wollten wir als ernst genommen werden. Ich habe jedoch die besondere, beruhigende Befriedigung von dieser Konferenz mitgenommen, daß es mir gelungen ist, die Ursache dieses krankhaften Zustandes klarzulegen, daß dieser miervdus terens nicht so sehr im Judentum zu suchen wäre, vielmehr das feindselige Verhalten der christlichen Mitbürger allem Jüdischen gegenüber, nicht zu allerletzt der Regierungskreise dafür verantwortlich sei. Nicht minder überraschte es mich, als meine liebenswürdigen Gastgeber das jüdische Volksproblem anschnitten und sonderbarerweise sich sehr versiert und damit vertraut zeigten, und konnte ich wahrnehmen, welch hoher Wertschätzung das jüdische Volksproblem in der Völkerautonomie sich erfreut, wo das jüdische Volk als solches streng österreichisch in der Arena der Politik sein Recht zu erhalten und zu bestehen hatte. Dagegen wurde die Nachkriecherei und Anhänger ei an die anderen Völker sehr verpönt und verächtlich angegeben. Daß das hinaus über die Verhältnisse leben als absurd und faul bezeichnet wurde, brauche ich wohl nicht hervorzuheben. Ueber mein hauptsächliches Thema, das mich hinführte, zu sprechen, muß ich dermalen noch ablehnen. S. Karlsbad. Die diesjährige offizielle Kursaison, welche am 30. September geschlossen wurde, hat sich in recht unangenehmer Weise empfohlen. Sie hat nämlich im Verhältnis zur Saison 1911 eine Minderfrequenz von nahezu 2500 Kurgästen zu verzeichnen, d. h. es waren in der Saison 1912 um 2500 Badegäste weniger in Karlsbad, als in der Saison 1911. Diese Minderfrequenz machte sich umso unangenehmer bemerkbar, als während des Winters 1911 bis 1912 zahlreiche große Neubauten errichtet wurden, darunter das Hotel „Imperial" mit mehreren hundert Zimmern; das Hotel Pupp baute auf das große bestehende Hotel ein Stockwerk mit einer großen Zahl neuer Zimmer auf; das Gleiche tat Hotel Post; es wurde das Hotel Monopol resp. Goldener Schild neu eröffnet, ebenso zahlreiche neue andere Gebäude aufgeführt; endlich erfolgte der Ausbau von einer großen Zahl höherer Stockwerke, Mansarden etc., welche im ganzen Karlsbad mit etwa 600 bis 800 neuen Kurwohnungen resp. Kurzimmern oder Appartements versorgten. Also einerseits 600 bis 800 neue Zimmer, zu deren viermaliger Vermietung während der Saison immerhin 2500 neue Badegäste erforderlich gewesen wären, und anstatt dessen kamen ebensoviele Kurgäste weniger nach Karlsbad, so daß man gegen die normale Berechnung mit etwa 5000 Kurgästen weniger rechnen mußte, als wie sie im Jahre 1911 anwesend waren. Die Stadthäupter und die gesamte Bevölkerung nehmen das größte Interesse an der Frage: Aus welchem Grunde waren in der Kursaison 1912 um 2500 Badegäste weniger in Karlsbad, als wie im Vorjahre? Und man gibt darauf die Antwort: Daran war das schlechte Wetter schuld. Es gibt aber viele Karlsbader Bewohner. welche nicht recht daran glauben; diese sagen: Bisher nahm man den Standpunkt ein: Wer nach Karlsbad gehen muß, der geht hin, und besonders die deutschradikale Partei in Karlsbad stützte sich darauf, wie seit Jahren, wenn man ihr zurief: „Nehmt euch in acht; ihr schädigt mit euerer Haßpolitik den Kurort." Wenn also die Annahme, an der man so fest in Karlsbad hängt: „Wer nach Karlsbad gehen muß, der geht hin", richtig ist. dann konnte doch wohl das schlechte Wetter keinen gar so schädigenden Einfluß auf die Badegäste ausüben; dann konnte dies doch nicht so viele Leute abhalten, nach Karlsbad zu reisen, um die so dringende Kur zu gebrauchen? Sicherlich das Wetter, das in diesem Jahre so schlecht war. hat einen ungünstigen Einfluß auf die Saison ausgeübt; allein die einzige Ursache war es nicht, und wenn man ein wenig Umschau hält und der Sache uachgeht, da wird man andere Ursachen ebenfalls entdecken, umsomehr als z. V. in Wiesbaden trotz des schlechten Wetters um 15.000 Kurgäste mehr waren, als wie im Vorjahre. Am Vor- .tage des JomRpurs hat sich in Karlsbad ein Ereignis abgespielt, welches sowohl im Inland als im Ausland Aufsehen erregt hat: Das jüdische Hotel Glattauer hat den Konkurs angemeldet. Merkwürdig! In der Weltkurstadt Karlsbad, in welcher wenigstens 20.000 Juden die Kur gebrauchen, müßte eigentlich ein jüdisches Hotel — das größte in Europa; wenigstens war es ehedem das größte — reich werden. Anstatt dessen muß es den Konkurs anmelden! „Wir hatten in der heurigen Saison eine Mindereinnahme von 40.000 Kronen", erzählte Einer, der dem Hotel nahesteht. Was lehrt das? Daß in Karlsbad während der Saison 1912 etwa 1200 bis 1500 Juden weniger waren, als im Vorjahre 1911. Vielleicht war die Zahl größer, vielleicht kleiner, etwas Sicheres läßt sich nicht behaupten. Nun wird man mit Recht fragen: „Warum sollten in der Saison 1912 weniger Juden nach Karlsbad gegangen sein, als im Jahre z!uvor? Das werden wir später aufklären; einstweilen sei aber hier eine weitere interessante Mitteilung gemacht. Eine veröffentlichte Statistik von Karlsbad lehrt uns, daß mit Ausnahme der Kriegsjahre 1848; 1859 und 1866, niemals ein großer Frequenznachlaß stattgefunden hat, mit der einzigen Ausnahme vom Jahre 190 0, in welchem Jahre um 1135 Badegäste wenigerin Karlsbad weilten, als im Jahre 189 9. Und nun kommt die Aufklärung: Im Jahre 1899 entstand die deutschradikale Bewegung in Karlsbad, an deren Spitze als der heftigste Gegner und größte Feind der Juden der Karlsbader Buchhändler Herr Hermann Jakob stand, der in öffentlichen Plakaten zur Bekämpfung der Juden aufforderte; am 1. Mai 1699 erschien dann in Karlsbad jenes entsetzliche Schandblatt „Die Wacht an der Eger", welches fortgesetzt die unflätigsten Beschimpfungen gegen die Juden enthielt, und besonders im Winter 1899/1900 in unglaublichen Roheiten gegen die Juden ausartete. Und im folgenden Sommer 1900 waren in Karlsbad um — 1135 Kurgäste weniger, als im vorhergehenden Jahre 1899, in welchem um 3702 Kurgäste mehr in Karlsbad waren, als wie im Jahre 1896. Also 1699 war ein Zuwchs von 3702 Kurgästen, und 1900, nachdem in Karlsbad dN Antisemitismus

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