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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-10-04 · 40 (4.10.1912) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
40 (4.10.1912)
Date
1912-10-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Bloch’s Jahrgang xxu l Zentralorgan für die gesamten Unter essen des Judentums. -cnzzo- Wien, 4. Oktober 1912 Lrscdetnt jeden Lrettag» Brief-Adresse: Wie». IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie«. OC71 - --=^>o p Arxirgsprek» für Vrgrrrrich: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Hellei. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 3mal gespal» O tene Petttzeile 48 Heller. C nO ■ -Qo Jt. k. Pvfffpatkaffemmt Llearing-Verkebr «r. 810.976. Redaktion und Administration. Wien IX/1. Hahugaffe Nr. 15. i) Telefon Nr. 14.847. J nO ■ ■ --On Inhalt: Leitartikel: Der Ausgang der Wiener Wahlen. — Die Ulsacke des Mangels an Rabbiner-Größen in Oesterreich und Ungarn. — Vom Jahrmarkt beS Lebens: Der russisch-amerikanische Handelsvertrag. Was uns not tut. Die Sabbatarier von Bözödnjfalu. Ehrung eines jüdischen Künstlers. Die Geschichte einer tausendjährigen Synagoge. Jüdische Ringkämpfer. — Geadelte jüdische Familien in Ungarn. — Korrespondenzen: Antisemitismus in Vöslau. Innsbruck. Karlsbad. Die Union der ungarischen Juden. Ehrung eines jüdischen Gelehrten. Berlin. Die sprechende Uhr des jüdischen Erfinders. Die Vereinigung der jüdischen Jugend Frankreichs. Ableben des Grand Rabbin der Gironde. Getaufte Juden als Schauspieler im Jüdischen Theater. Die Juden als Stützen des russischen Weinhandels. Der neue Direktor der Bank von Bombay. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Rothschilds. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Der Ausgang der Wiener Wahlen. Es ist genau so gekommen, wie es die Einsichtigen mit Sicherheit erwartet haben. Das Reichsratsmandat auf der Landstraße wurde von den Sozialdemokraten erobert, das Mandat von Fünfhaus für den Gemeinderat ist an die Christlich-Sozialen gefallen, ebenso wie die Bezirksvertretung von Ottakring. Dieses Resultat hat sehr natürliche Ursachen, deren Wesen einen großen Trost für alle Freunde der Kultur und des Fortschrittes birgt: Für die Wiener Allgemeinheit sind die Christlich-Sozialen abgetan. Sonst wäre eine große Majorität gegen sie bei der Ersatzwahl in den Reichsrat nicht, möglich gewesen, bei welcher die breiten Massen stimmen. Die Wahl auf der Landstraße war ein Prüfstein auf den Ausgang der Juniwahlen in den Reichstag, bei welchen die Christlich-Sozialen eine so vernichtende Niederlage erlitten. Sie haben immer gesagt, daß diese Verluste nur durch eine Ueberrumpelung und Ueberraschung möglich gewesen wären. Auf der Landstraße hatten sie nun Gelegenheit, diese Behauptung zu erweisen. Die Wiener Wahlmacher haben denn auch alle ihre Künste aufgeboten, um einen Sieg zu erringen. Aber alle ihre Versprechungen, ihr Terrorismus und ihre Anstrengungen vermochten nicht, ihren Prochaska durchzubringen, den sie als einen ihrer denkenden Köpfe als Kandidaten aufgestellt hatten. Man erinnerte sich in dem Bezirke, mit welchen Verleumdungen der verstorbene Abgeordnete Silberer von den Christlich-Sozialen verlästert worden war, ehe noch die Leiche des Armen auf dem Hundstein gefunden wurde. Man erinnerte sich daran, welche Korruption bei den letzten Gemeinderatswahlen getrieben würde. Die breite Masse, deren gesundes Empfinden durch keinen Wortschwall erstickt werden kann, gedachte der riesigen Verwaltungssünden der Christlich-Sozialen, deren Führer sich bereichern, während das Volk im Elend versinkt und weder Wohnung noch Nahrung für seine Kinder erschwingen kann. Darum ballte sich denn eine Wolke des Zornes gegen die schwarzen Herren von Wien zusammen. So verschiedene und scharfe Gegensätze zwischen Bürgern und Arbeitern, Freisinnigen und Sozialen bestehen, fanden sich doch alle Parteien in dem Wunsch zusammen, daß das Mandat keinem Christlich- Sozialen zufallen dürfe. Zum zweiten Male wurde der Bezirk den Rathausgewaltigen abgenommeu, zum zweiten Male haben sie die Niederlage bei den Reichsratswahlen erlebt und sie werden sie immer erleben, wenn das Volk seine Stimme abgibt und nicht einige ausgesuchte Klassen, die man noch im Rathaus geschickt am Bande und an der Nase führt. Aber es ist nicht ein Mandat überhaupt den Christlich- Sozialen abgejagt worden, sondern ein historisch sehr bedeutsames Mandat. Der dritte Wiener Bezirk ist die Wiege und Hochburg des Antisemitismus. Von hier ist Lueger ausgezogen, um mit seinen Schlagwörten gegen die Juden zur Macht emporzusteigen. Hier hat der Ehrenbürger Vergani das Auditorium für seine gehäßigsten Reden gefunden, hier wurden die schwarzen Prinzen und Führer bejubelt, hier hat man Schwur geleistet, daß der Bezirk den Christlich-Sozialen für alle Zeit erhalten bleiben müsse. Aber zum zweiten Male wurde diese ganze Tradition der Vergangenheit zu einer Farce gemacht, wurde er von den Christlich-Sozialen befreit. Da nun Herd und Ursprung für immer dem Freisinn gesichert wurde, muß man nicht zur Ueberzeugung kommen, daß den gleichen Weg, den der Antisemitismus gemacht hat, auch sein Niedergang machen wird? Dagegen fällt es fast nicht in die Wagschale, daß das Gemeinderatsmandat in Fünfhaus und der Bezirksrat in Ottakring an die Christlich-Sozialen verloren gingen. Um sich ihre Herrschaft in der Stadt zu erhalten, haben die Rathausgewaltigen eine Wahlarithmetik betrieben, die ein Kunstwerk genannt werden kann. Jedes Kind weiß auch, wie sie es auszunützen verstehen, daß sie den Wahlkataster machen, daß sie die Legitimationen versenden, daß sie ein Heer von Beamten und von Bediensteten zur Verfügung haben und daß ihnen die Geldmittel der Klöster und der Banken zur Verfügung stehen. Sie haben denn auch ihre ganze Kraft auf die Bezirke geworfen, wo die städtischen Mandate zu holen waren, und es wäre ein Herkulesstück gewesen, alle Köpfe der christlichsozialen Korruptionshydra abzuhauen. Die von der herrschenden Partei erzielten Majoritäten sind denn auch in Wirklichkeit keine Mehrheiten. Sie sind das Ergebnis der Skrupellosigkeit in der Art, zu wählen und Siege mit allen Mitteln zu erringen. Es ist besonders schade, daß der überaus tüchtige Forstner bei dem künstlichen Wahlrecht privilegierter Klassen für die Gemeinde nicht in die Rat-

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