Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 38 (20.9.1912)
- Date
- 1912-09-20
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seile 650 Nr. 38 Dr. Vlochs WoWnschrfft Literatur in der Mitte seines Volkes sehr viel getan, hat vortreffliche Uebersetzungen der großen, der größten deutschen Meisterwerke geliefert. Er war eben von dem Genius beseelt, der keine Scheidungswand zwischen den Nationen und Konfessionen kennt, nicht das hervorhebt, was uns scheidet, sondern was uns verbindet. Das ist und bleibt ja der hohe Zweck der „Weltliteratur", wie sie Herder und Goethe so richtig erkannten. Vrchlicky wurde beiin letzten Pairsschub auch in unser Herrenhaus berufen. Er paßte in diese Verisammlung. Ein freier Geist war er, der das Große bei allen Völkern und Bekenntnissen erkannte und würdigte. Ihm sei dafür Dank gesagt, daß er durch seinen „B a r - K o ch> b a", durch die „W e i s h e i t des Rabbi" auch zur gerechten Würdigung des Judentums beigetragen, in einer Zeit der Zersplitterung, des Hasses, in einer Zeit, in der der Jude wie ein Zerrbild auf der Bildfläche der literarischen Hrrvorbringungen erscheint, Liebe verkündete. Wie sagt Vrchlicky's Rabbi am Schluffe unseres Lustspiels: „Immerdar soll uns die Liebe leuchten, diese heiligste, goldene Sabbatlampe." So bewährte sich an Vrchlicky der Ausspruch unserer Lehrer: „Die Frommen aller Völker haben Anteil am ewigen "Leben." Brünn. Dr. M. Grünfeld. Kteratur. Woher stammt das Wort „Macliser“? Heute, am Vorabende des Neujahrsfestes, entnahm ich wie immer meinen Geheibüchern das Festgebetbuch, T.inö genannt, (Mehrzahl cntno). Oft schon drängte sich mir in Stunden der Andacht die Frage auf: Woher das Wort -nna stammt, womit speziell unsere Festgebetbücher betitelt werden? Das Gebetbuch, Dpa1? E“K J'S pböbl dem auch Gedenkblätter als Familien-Chronik beigeheftet zu werden pflegten, wird von uns stets hoch und heilig gehalten. Und wir sollten nicht einmal Bedeutung, Sinn und Wortbildung des Gebetbuchtitels kennen? Nach vergeblicher Umfrage h erüber bei mir bekannten und befreundeten jüdischen Gelehrten, erlaube ich mir auf diesem Wege diese Frage, das »Fremdwort« "mno betreffend, zur öffentlichen Diskussion zu stellen. Wien, rmi MH 31?, 5673. Alexander Schorr. Das Leben der Propheten nach der arabischen Legende. Ins Hebräische übersetzt von Dr. J. Eisenberg (Dobriscli). 2. Lieferung: Das Leben Abrahams. Gedruckt in 100 Exemplaren. — Nachdem uns der Verfasser in der ersten Lieferung die Sagen um Moses und Hiob, wie sie sich in der arabischen Legendentradition wiederspiegeln, vorgelegt hat, gibt er uns in seiner soeben im Selbstverläge erschienenen 2. Lieferung die arabische Sagenparaphrase des Lebens Abrahams. Der Verfasser hat mit bemerkenswertem Fleiß die alten arabischen Quellen zu fortlaufender Darstellung vereinigt und sie in ein gutes, leicht lesbares Hebräisch übertragen. Halten wir diese Motivkonglomerate der biblischen Darstellung gegenüber, so fühlen wir sofort die arabische Atmosphäre, hinter der die gerührigen Züge der Patriarchenzeit sich nur verschwommen erkennen lassen. Viel ziellose Kampflust, die Freude an bunten, fortwährend sich jagenden Ereignissen, sich fanatisch betäubender Despotismus, und lastend über allem da;: unabwendbare Verhängnis, in dem sogar die breite, ethische Tendenz aufzugehen scheint: alle diese Charakterzüge der arabischen Literatur verleugnet auch die vorliegende Prophetenlegende nicht. Für die Völkerpsychologie und die vergleichende Literaturgeschichte könnten viele Motive nutzbar gemacht werden, doch fehlt gerade für eine vergleichende Wissenschaft, hier die eigentliche Basis, nämlich die genaue Angabe der Quellen und der Herkunft des übersetzten Textes. Dahin konnte die Absicht des Herausgebers natürlich nicht gehen, was ja schon aus seinen fleißigen Anmerkungen hervorgeht, die hauptsächlich Namen und Geschehnisse zu kommentieren und zu beleuchten suchen. Wir werden uns freuen, diese Lieferungen bald fortgesetzt zu sehen. Dr. Th. Fulda, Aladdin und die Wunderlampe und Engel, Kapitän Speker und sein Schiffsjunge. Ullstein u. Co., Berlin. Preis Mark 1.—. Diese von dem überaus rührigen, um die Popularisierung guter Literatur hochverdienten Verlag herausgegebenen Jugendbücher zeichnen sich durch1 vollendet künstlerische Behandlung, für die schon die Autorschaft unserer bekanntesten Literaturgrößen bürgt, sowie durch geschmackvolle Ausstattung aus. Auch der Jude wird von Engel sympathisch behandelt. S. H. Mosenthal. Bilder aus dem jüdischen Familienleben. Ergreifendes Sittengemälde eines edeldenkenden Juden. Verlag von Max Koch, Leipzig, Brüderstr. 15. „Die Stimme“. Zentralblatt für Stimm- und Tonbildung, Gesangunterricht und Stimmhygiene. Unter Mitwirkung der hervorragendsten Fachgelehrten herausgegeben von Prof. Dr. Theodor 8. Flatau und Rektor Karl Gast. 6. Jahrgang. September 1912. Trowitzsch & Sohn, Berlin. Fritz Dunge. Jud Süß. Ein Schauspiel. Frankfurt am Main 1912. Verlag von J. Kau ff mann. „Ost und West.“ Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Organ der Alliance Israelite Universelle. XII. Jahrgang. Heft 9. September 1912. Inhalt: A. Benesra: So zwitschern die Jungen. — Constantin Brunner: Gedanken aus dem Werke: Die Lehre von den Geistigen und dem Volke (mit Porträt). — Paul Barchan: Leo Bakst (mit 14 Illustrationen). — Felix Halle: Ueber die Notwendigkeit einer Genealogie jüdischer Familien. — Bemerkungen der Redaktion. — Dr. Max Steif: Einiges über das Verhältnis jüdischer Väter zu ihren Söhnen. — Sch. Gorelik: Elul. — Prof. Dr. Ermano Loevinson, Rom: Die Juden Italiens (I) (mit 5 Illustrationen). ,— Arno Nadel': „Am Tor des Abends“. — Abraham Zewi Idelsohn, Jeru-, salem: Reste althebräischer Musik (II) (mit Noten). — Mitteilungen des Zentralkomitees der. Alliance Israelite Universelle. — Notizen. — Dr. L.; Zamenhof (mit Porträt). — Literarische Rundschau. — Inserate. — Verlag Ost und West Leo Winz, Berlin-Charlottenburg, Knesebeckstr. 32. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Z. Frankel. Organ der Gesellschaft .zur- Förderung, der - Wissenschaftdes - Judentums. Heraüsgegeben von Dr. M. Brann. 56. Jahrgang. Heft 7/8. Neue Folge, 20. Jahrgang. Juli—August 1912. Inhaltsverzeichnis: Heinrich Loewe: Die Juden in der Marienlegende. (Fortsetzung.) — Louis Ginzberg: Eine unbekannte jüdische Sekte. (Fortsetzung.) — W. Bacher: Aus der Bibelexegese Joseph Ibn Kaspis. (Schluß.) — Ignaz Schipper: Beiträge zur Geschichte der partiellen Judentage in Polen um die Wende des XVH. und XVIEL Jahrhunderts bis zur Auflösung des jüdischen Parlamentarismus (1764). — J. Scheftelowitz: Die Grundlagen einer jüdischen Ethik. (Schluß.) — Besprechungen. — Koebern’sche Verlagsbuchhandlung (Barasch und Riesenfeld), Breslau, Schmiedebrücke 17/18. The Jewish Review. Edited by Norman B e n t w i c h and Dr. Joseph Hochmann. Contents: Editörial Notes: The Need for a Kehillah. — M. Gast er: The Biblical Lessons: A. Chapter on Biblical Archaeology. — Dr. M. Brann: Prussian Jewry, a Century Ago and Now (translated from the German by Bella Löwy). — J. Abelson: Rabbinical Interpretations of the Genesis Cosmogony. — Herbert M. Adler: Jewish Religious Education: A Reply. — Alexander B e hr: The Judaism of Ferdinand Lassalle. — Some Unpublished Leiters of Dr. Mandelstamm (translated by Miss L. Ollendorff). — Reviews of .Books. — Sept. 1912. Vol. III. No. 15. Geo. Routledge & Sons, London. Jenny Durege. J u d e n t u m im Christentum. Vorlrag, gehalten in Prag am 12. Februar 1912 im Säulensaal des Deutschen Hauses 1912. Verlag R. Zacharias, Magdeburg N. Ein nach Form und Inhalt ausgezeichneter belehrender Vortrag, dem man die weiteste Verbreitung wünschen möchte. Prochaskas Hlustrierfce Jahrbücher. — Illustriertes Jahrbuch der Erfindungen, herausgegeben von Hans Eiden. Zwölfter Jahrgang 1912. Mit einem Titelbilde und zahlreichen Textillustrationen. Kart. M. 1.50. Verlag von Karl Prochaska, Wien, Tetschen, Leipzig. Auch dieser Jahrgang zeigt, wie der nimmer ruhende Menschengeist bestrebt war, unsere Lebensbedingungen angenehmer zu gestalten und welche bedeutende Rolle die Industrie auf dem Gebiete der Hygiene einnimmt. Namen wie Lassar, Löwy u. a. jüdischer Herkunft begegnen uns unter den Erfindern. . Die leicht verständliche, angenehm lesbare Darstellung, unterstützt von einer großen Zahl guter Illustrationen, machen dieses Jahrbuch zu einer ebenso bildenden wie interessanten Lektüre, die nur bestens empfohlen werden kann.