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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-09-20 · 38 (20.9.1912) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
38 (20.9.1912)
Date
1912-09-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Dr, Vkochs Wochenschrift Seite 843 Nr. 38 berichte der Loge hervorgeht, beabsichtigt die B'nai B'rith in London, ihre Aktion nach dem Muster ihrer amerikanischen Ordensbrüder zu führen, welche, wie bekannt, hierin einen groben Erfolg ^erzielt haben. Em getaufter Jude in einer palästinischen Kolonie. Ueber einen recht merkwürdigen Fall berichtet das in Palästina erscheinende zionistische Arbeiterorgan „Hapoel Hazair". Vor vielen Jahren kaufte ein russischer Jude in der jüdischen Kolonie Chederah dreihundert Dunam Boden. Es war das eine jener vielen kontraktlosen Erweribungen, wie sie in Palästina, wo den Juden die Erwerbung von Boden eigentlich noch immer verboten ist, durchgeführt zu werden pflegen. Der betreffende Käufer hat das Grundstück unkultiviert liegen lassen. Inzwischen hat er sich jedoch in Rubland taufen lassen und auch seine Familie trat zuM Christentums über. Nun erschien dieser getaufte Jude in der Kolonie, um' von seinem erworbenen Boden Besitz zu ergreifen. Trotzdem sein Uebertritt zum Christentum-e den Leitern der Kolonie bekannt war, haben ihn dieselben bei der Uebertragung des Grundstückes auf seinen Namen mit allen Mitteln unterstützt. Mit Reicht wirft nun das Blatt die Frage auf. was geschehen werde, wenn dieser getaufte Jude, dessen Kinder und künftigen Erben schon eine streng russisch-orthodore Erziehung genietzen, eines Tages den Einfall hat, auf seinem Grund und Boden mitten in der jüdischen Kolonie in Palästina etwa eine russische GedÄchtniskapelle oder etwas ähnliches zu errichten. Uebrigens ist di.es nicht der erste Fall, datz getaufte Juden Grundbesitzer einer jüdischen Kolonie in Palästina sind. Vor mehreren Jahren war es, datz ein Jude, der in der jüdischen Kolonie Rischon le Zion einen Besitz hatte, den er, als er starb, seinen getauften Söhnen hinterlfetz. Damals haben die Kolonisten alle Mittel aufgewMdet, und es ist ihnen auch gelungen^ den^BesitzvoMcheir«Täuflingen zu erwerben, und - dieses Ereignis hatte einen solch liefen Eindruck auf die jüdschen Kolonisten gemacht, datz sie den Tag, an dem sie den jüdischen Bod.en von den getauften Juden zurückerwarben, als einen Festtag feierten. Brandschatzung einer jüdischen Geme'mde durch bulgarische Banden. Dem „Progres de Salonique" wird aus der mazedonischen Strumnitza die folgende, Aufsehen erregende Mitteilung gemacht: Dieser Tage erschien bei dem Rabbiner der Judengemeinde von Strumnitza ein Bulgare und überreichte ihm ein Paket Briefe mit folgenden Worten: „Die Bande des Czernopejeff entbietet ihre Grütze. Wir haben das vollste Vertrauen zur jüdischen Bevölkerung. Hier überreiche ich Ihnen Briefe, welche für Ihre Glaubensbrüder bestimmt sind. Ich selbst habe bereits deren sieben Stück den Adressaten persönlich überreicht." Der erschreckte Rabbiner zögerte zunächst, die geschlossenen Briese zu berühren, aber der Brigant beruhigte ihn: „Haben Sie keine Furcht! Es sind blotz einfache Briefe." „Aber Herr, ich bin blotz ein armer Funktionär der Gemeinde, ich habe gar kein Recht, in ihrem Namen zu sprechen oder zu entscheiden." „Das tut gar nichts," antwortete der Comitadschi. „IM übrigen bin ich an meinen Auftrag gebunden. Ich lasse diese Briefe bei Ihnen zurück und habe den Auftrag, Sie zu ersuchen, dieselben an ihre Adressen gelangen zu lassen. Es steht Ihnen frei, sie zu übernehmen oder sie zurückzuweifen. Es steht Ihnen sogar frei, die Behörden von diesem Vorfall zu verständigen. Wie immer dem sei, ich mache Sie aufmerksam, datz wir nach Verlauf von drei Tagen uns eine Antwort holen werden. Während dieser Zeit haben Sie die Adressaten dieser Briefe zusammenzurufen, und diese haben Ihnen ohne Umschweife eine endgültige Antwort auf die Briefe zu erteilen." Hiemit verlietz der Brigant den verblüfften Rabbiner. Dieser besichtigte nun die dreizehn Stück Briefe, welche die Adresse der reichsten Juden von Strumnitza trugen, denen, wie aus dem Inhalte hervorging, die Bande den strikten Auftrag erteilte, durchschnittlich 25 türkische Pfund innerhalb drei Tagen beim Rabbiner für die Zwecke der Bande des Czernopejeff zu hinterlegen. falls sie nicht in die unangenehme Lage kommen wollen, dann unfreiwillig viel mehr als das und auch viel mehr als Geld herzugeben. In dem Berichte wird nicht erwähnt, wozu sich der Rabbiner und die Juden von Strumnitza entschlossen haben. Jedenfalls zeigt dieser Vorgang, datz die mazedonischen Banden, welche bisher blotz die christliche Bevölkerung gegen die Mohammedaner und umgekehrt gehetzt haben, die Juden aber aus ihrem grausamen Spiel ließen, ihre Taktik zu ändern beginnen. Reosevett Wer den, LinwanderungskommMc Williams. In einem Gespräche, welches der Redakteur der Newyorker Zeitung „Die Wahrheit" mit Theodor Roosevelt hatte, machte letzterer interessante Aeutzerungen über die Zustände auf Ellis Island und hauptsächlich über den Einwanderungskommissär Williams. Sie kennen — sagte Roosevelt — meine Stellung zu diesen Fragen und wissen, was ich diesbezüglich zur Zeit meiner Präsidentschaft getan habe. Ich ernannte Oscar Strauß zum Mitglied des Kabinetts und übertrug ihm das Ressort für Handel, öffentliche Arbeit und Einwando rungswesen. Ich möchte Ihnen blotz meine Meinung * über Williams sagen, der „der Schrecken der «Emigranten" genannt wird. Ich war der erste, der Williams nach Ellis Island gebracht hat, ich sandte ihn dahin, weil ich wußte, datz er ein ehrlicher Mensch ist, und dieser Posten bedurfte eines ehrlichen Menschen. Ich kam jedoch bald zur Ueberzeugung, daß Williams für diesen Posten nicht passe. Als ich einmal Ellis Island besuchte, fand ich dort eine Frau in einem Kabinett des Aufnahmsgebäudes eingeschlossen, während ihre Kinder in einem anderen Zimmer verschlossen waren. Diese Grausamkeit veranlatzte mich sofort, Williams zu versetzen und an seine Stelle Watchhorn zu nominieren. Wer Watchhorn war, das wissen Sie. Sie kennen meine Auffassung über die Behandlung der Einwanderungsfrage. Williams ist wohl ein ehrlicher Mensch, würde ich einen Waldheger brauchen mit der Aufgabe, die Waldbestände und das Wild zu hüten, ich würde für diese Stelle keinen geeigneteren Menschen finden, als Williams, aber nur nicht für Ellis Island. Er ist völlig ungeeignet für einen Posten, wohin Emigranten kommen, die von Menschen behandelt werden müssen, die nicht nur Verstand und Takt besitzen, sondern auch gute, weiche Herzen und menschliche Seelen, von Menschen, die ein Mitgefühl haben mit ihren Mitmenschen, ein Verständnis für die menschliche Natur besitzen und fähig sind, Sympathien zu bekunden, wo Sympathien am Platze sind. Ich weiß es wohl, datz es mitunter nicht klug und nicht praktisch ist, sich, auf den Wellen von Sympathien und menschlichem Gefühl tragen zu lassen, aber es ist immer noch besser, nach dieser Richtung hin zu weit zu gehen, als in anderer Richtung. Der amerikanische Zaagwitl. Einer der bekanntesten und meistgelesensten Skizzen- und Novellenschreiber von Amerika ist gegenwärtig, wie einem Berichte aus Newyork zu entnehmen ist, unstreitig der jüdische Dichter Montague Glatz, dem die Amerikaner bereits den Ehrentitel der amerikanische Zangwill ver-

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