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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-09-13 · 37 (13.9.1912) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
37 (13.9.1912)
Date
1912-09-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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»■" Dr. Bloch’s Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Zudentums. Q>r -ü o r A. k. PostspLrkrsffrnsrnr? Elesrtng-VerKebr «r. 810.976. Redattion und Administration: Wir» TS.lt, Hahugaffe Nr. 15. L) 'Telefon Nr. 14.847. J nO - -Oo Wien, 13. September 1912 : Lrscdetnt jeden Freitag, i Brief-Adreffe: Wie», IX/i, Hahugaffe 15. Telegramm-Adreffe: Bloch’K Wochenschrift, Wie». oo- ■ .==öo p 9tpxg0pvtia fiir Vesterrrich: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller» Für'» Aunlsrrd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 3«algespal- 2 tene Petttzeile 48 Heller. C nP -j)o Inhalt: Leitartikel: Gedanken am Eingang des neuen Jahres. — Die Juden im statistischen Jahrbuche der Stadt Wien für das Jahr 1910. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Nachwort zum „deutschen Jnristentag* und Vorwort zu unserem Neujahr. Ein Archiv zur jüdischen Familienforschung. Theodor Gomperz. Der Rooseveltsche Kandidat für den New-Io ker Gouverneurposten. Jaroslav Vrchlicky gestorben. Das älteste jüdische Denkmal in Ungarn. Maimonides in der spanischen Literatur. Die heutigen Marannen in Portugal. — Korrespondenzen: Der deutsche Juristentag und die Rev fion des Hilsnerprozeffes. Emigranten- Fürsorge der Israel. Allianz zu Men. Die Tragödie des Antisemitenführers. Generalversammlung des Verbandes der Rabbiner Mährens und Schlesiens. Gegen die Verleumder der rusiischen Studenten. — Vermischtes. — Feuilleton: Ein Reis vom alten Stamme. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Den geehrten Lesern, Gönnern und freunden wünschen wir aus klnlass des Jahreswechsels Die Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift“ Dr. JOS. S. BLOCH. Gedanken am Gingang des nenen Jahres. Eine Betrachtung von Iba Oppenheim. Wie die Natur im Herbst gleichsam als Abschiedsgrub uns ihre reichen Gaben, den Segen und die Frucht der säenden Hand in den Schatz schüttet, so führt uns die vollendete Zeitspanne das alte Jahr in gedrängter Uebersicht alle Ereignisse vor die Seele, die es in sich geborgen. Unsere säende Hand hat zu seinem Beginn in froher Hoffnung warmer Begeisterung und frischer ilraft dem jungen Jahr seine keimende Arbeit anvertraut, hat m Sonnengluten, in Regenschauern, in Dürre und Not um sie gezittert und hat endlich am Schlutz die Ernte empfangen, die das Schicksal ihm gewährt. Der eine hat jubelnd seine Ueberfülle geborgen, der andere scheint leer und freudlos davon zu gehen. Und dennoch ist niemand so arm, datz er nichts sein eigen nennt, wenn es auch nach auhen scheint, datz er hungrig von den Tafeln des Lebens gegangen. Eine allgütige Vorsehung hat auch ihn bedacht. Denn nicht nach äutzevem Gelingen bewertet sich das Glück, unser wahres Schicksal liegt in der Gemütsruhe, in dem Gleichgewicht, das schlietzlich zwischen den unlösbaren Fragen des Himmels und den ungewissen Antworten unserer Seele eintritt. Wir lernen allmählich uns bescheiden und lernen begreifen, datz das Glück von innen herausstrahlen mutz, um Uns zum Segen, zu reichlicher Ernte zu führen. Und dennoch^ wenn ein reiches Los nicht unerlätzlich ist, wenn es an sich wenig genug vorstellt, so mutz jeder es trotzdem erstreben und alles tun, um es zu erlangen. Unsere Pflicht ist es, an allen Kämpfen teilzunehmen, an allen Wohnsitzen des Ruhmes, der Tätigkeit, des Glückes anzuklopfen, und öffnet sich auch keine ferner Pforten unserem heitzen Bemühen, so war das Streben selbst Ersatz für alle Arbeit. Ringen, Streben, Handeln ist Lebenserhalt, heitzt unserem Nachdenken weitere Erfahrungsgebiete angliedern. Handeln ist auch nicht notwendig triumphieren, nein, es ist auch versuchen, warten, sich! gedulden. Handeln ist auch Hinhören und sich sammeln, Handeln ist auch schweigen. So arbeiten, in sich, mit sich und um sich, belebt, befruchtet, bereichert und befriedigt. Es nimmt selbst den harten Enttäuschungen den Stachel, sind sie doch oft das erste Lächeln der Arbeit für uns, zeigen sie doch, wo wir gefehlt und wie wir geirrt. Man Mutz gelitten haben, um gut zu sein und glücklich zu werden. Es gibt Samenkörner, die in unserer Seele nur unter dem Regen der Tränen aufgehen. Dieser Same bringt heilsame Früchte. Wir brauchen den Schmerz, wie wir die Freude brauchen, ein Mitzlingen ist so notwendig, wie ein Gelingen. Wie in der Natur der Wechsel von Sonnenschein und Regen befruchtend und fördernd wirkt, so bringen uns die wechselnden Vorgänge unserem Ziele näher und tragen zu unserer Reffe bei. Das Unglück kommt zu uns, aber es tut in uns nur das, was man ihm befiehlt, je nach der Weisung, die es auf unserer Schwelle eingeschrieben fand. Das Glück ist zugleich mehr oder weniger beneidenswert, als man denkt, weil es etwas ganz anderes ist, als sich diejenigen vorstellen, die nach ihm sich sehnen. Heiter sein heitzt nicht immer glücklich sein, und glücklich sein, heitzt nicht immer fröhlich sein. Nur das kleine Glück des Augenblicks lächelt und schließt die Augen. •A, tr i m

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