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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-09-06 · 36 (6.9.1912) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
36 (6.9.1912)
Date
1912-09-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Dp. Bloch’s JMOT,nB Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. . -□ —D- Wim, 6. September 1912 Lrscbeinl jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Inhalt: Leitartikel: Zum eucharistischen Kongreß. — Theodor Gomperz. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Zur Frage der ' Zentralisierung der Bekleidungsvereine in Wien. Zur Lage der Juden in Galizien. Zur Naturgeschichte der Täuflinge. Zur Naturgeschichte der antisemitischen Rasse. Eine geniale antisemitische Erfindung. Juden im Sport. Ein Institut für jüdische Erfinder. Ein jüdischer Generalprokurator in Kanada. Forschungsreisender Aurel Stein. Funde israelitischer Matze und Gewichte. — Der Konflikt Wassilko—Straucher. — Korrespondenzen: Kaisers Geburtstag in einer Londoner Synagoge. Pogromangst in Galizien. Naturalisierung der marokkanischen Juden. Die Verlegung eines Jahrmarktes wegen des jüdischen Versöhnungsfestes. Die unsicheren Zustände bei der Klagemauer. Die Juden auf der Nischni-Nowgoroder Messe. Ein Pogrom in Petrikau. Die englischen Juden und die russische Paßfrage. Interessantes aus dem Jahresberichte der englischen Bibelgesellschaft. Ein Schauflug zu Gunsten einer jüdischen Wohltätigkeitsgesellschaft. Roosevelt über den Einwanderungskommissär Williams. Eine Millionenspende. — Vermischtes. — Feuilleton: Die jüdischen Theater in New Uork. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. O o . - . =0 O "p Vrxugsprri» für Vrstrrrrirh: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig ~0 Kronen. Anzeigen: Die 3nal gespal» O lene Peltrzeile -ia Heller. Q oO — —Qo °G= P ~ — --U o Ä. kr. PoMparkraffenarnl C CleatinflsälDeckebt Mr. 810.976. Redaktion und Administration. Wien XX/if Hahngaffe Nr. 15. i) Telefon Nr. 14.847. £ nO - Oo Zum eucharistischen Kongreß. Was ist ein Kongretz? Gewöhnlich eine Versammlung von Menschen einer bestimmten Klasse mit gleichem Bildungsniveau, gleichen wissenschaftlichen, politischen oder ökonomischen Interessen und Bestrebungen. Da werden Ansichten und Meinungen diskutiert, neue Entdeckungen und Experimente milgeteilt, Vorschläge über neue Unternehmungen und Ziele gemacht und geprüft, überhaupt alles, was die gemeinschaftlichen Interessen der Teilnehmer betrifft, in Verhandlung gezogen. Was soll aber ein eucharistischer Kongretz, dessen , Mitglieder den verschiedensten Ständen und Berufen angehören, von Erzbischöfen und Herzogen herab bis zu Taglöhnern und Bauern, welche die sit venia verbo — „Verhandlungssprache", wenn da von Verhandlungen die Rede sein kann, nicht verstehen, oder gar selbst in ihrer Muttersprache Geschriebenes nicht lesen können? Soll bei diesem Kongretz über das heil. Abendmahl diskutiert, etwa Vorschläge zur Aenderung des Ritus gemacht werden? Aber das ist vollkommen ausgeschloffen. Das Abendmahl ist ein Sakrament der katholischen Kirche, das nicht geändert werden, an dem nicht gerüttelt werden darf und worüber am allerwenigsten vor und mit Laien debattiert werden darf. Soll gepredigt werden? Das geschieht ohnehin in jeder Kirche. Soll Religion gelehrt werden? Das geschieht ohnehin in den Schulen. Söll gegen Andersgläubige gehetzt werden? Das wird doch von antisemitischen Zeitungen, Flugschriften und Abbildungen genügend besorgt. Oder soll Reklame gemacht, eine Revue des klerikalen Heerbannes abgehalten werden? Unwillkürlich fallt uns dabei ein, was Profeffor Wendland (Hie belleniseb-römisebe Kultur in ihren Beziehungen zu Judentum und Christentum) von den letzten Zeiten des Heidentums sagt: »Die tiefere Seele echten religiösen Lebens vermißt man ebenso bei der neuen Kultur und Festen der Höfe, wie bei den mit viel Reklame in Szene gesetzten festlichen Veranstaltungen der Städte. Das Sakrale wird auch hier immer mehr zur äußeren Etikette und leeren Form, zum Deckmantel politischer Berechnung und kommunalen Ehrgeizes.« Aber für die Wahl von Wien zum Kongretzort und gerade des Monats September 1912 für dessen Abhaltung ist keine Erklärung aufzufinden. Aber was geht den Juden der katholische eucharistifche Kongretz an? fragt vielleicht ein Antisemit. Darauf brauchen wir eigentlich keine Antwort zu geben, denn jede Zeitung, die in Wien erscheint, hat das Recht, ja die Pflicht, über wichtige Vorgänge in der Reichshauptstadt zu berichten, zu ihnen Stellung zu nehmen. Wir Juden haben aber noch mehrere besondere Gründe, uns mit diesem Kongretz zu beschäftigen. Denn erstens sind Inden oft wegen Entweihung, Vernichtung und Beschmutzung von Hostien angeklagt, deshalb gefoltert, getötet und beraubt worden. Und zu den Kosten dieses Kongresses haben ja auch nach Orden und Standeserhöhungen lüsterne jüdische Snobs beigetragen. Zweitens hängt die Einsetzung des Abendmahls mit der letzten jüdischen Osterfeier Iesu eng zusammen und ist eigentlich eine christlich modifizierte Pessachfeier. wie ich noch zeigen werde. Und drittens. . . Das Dritte sollen diejenigen, welche diesen Aufsatz bis zu Ende lesen, am Schlüsse zur Belohnung erfahren. Es war nicht immer leicht für die Judenfeinde, ein christliches Kind, noch schwerer einen erwachsenen Menschen zu finden, den man im geheimen töten konnte, um ihn als Opfer der Juden auszugeben, das alte Märchen vom „Ritualmord" wieder als Mittel und Vorwand zur Verfolgung der Juden zu gebrauchen. Hostien^ geweihte oder ungeweihte, konnte man leicht bekommen, durchbohren, mit Blut bestreichen und dann in irgend einem Judenhause verstecken, gelegentlich auch ein durch sie yerrichtetes Wunder erfinden. Im Jahre 1556 hat sogar der päpstliche Nuntius in Polen. Alois Lippoman, Bischof von Modron, im Verein mit andern Geistlichen ein Komplott gebildet und drei Juden angeklagt, Hatz sie' von der Christin Dorothea Lacicka eine Hostie erworben, sie mit Nadeln durchstochen und eine ganze Flasche Blut aus ihr gezapft haben, „das sie bei Beschneidung ihrer Kinder benutzten". Die Juden wurden ergriffen, furchtbar gefoltert und, obwohl sie ihre Unschuld bis zuletzt be-

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