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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-30 · 35 (30.8.1912) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
35 (30.8.1912)
Date
1912-08-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 590 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 35 Behelfe gibt die Schulz so dah also einem Kolonisten die Ansiedlung fast gar nichts kostet. Vom Ertrag des Landes führt der Kolonist die Halste an die Schule ab (Metayers), während er den Rest, abzüglich der für das nächste Jahr aufzubewahrenden Saatfrucht, oerkaufen kann. Wenn jetzt noch in Betracht gezogen wird, daß dem Kolonisten Naturprodukte eigentlich nichts kosten, da er sie ja im Eigenbau gewinnen kann, und dah ihm der Verkauf des halben Ertrages ca. Ltg. 80—100 jährlich einträgt, so wäre eigentlich anzunehmen, daß die Leute ganz gut leben könnten. - Dies trifft aber leider nicht zu, denn wie die Verhältnisse nun schon einmal sind, hat der jüdische Landwirt bedeutendere Ansprüche an das Leben, als sein fremdgläubiger Berufskollege. Der Türke beispielsweise, der mit seiner Familie in einer elenden Hütte wohnt, von Käse und Brot lebt, der würde sicher mit dem Einkommen, das der jüdische Kolonist hat, gut auskommen. Nicht so der Jude. Und darum sah ich auch allenthalben in den Häusern, die ich besuchte, nicht jene freudigen und glücklichen Mienen, die ich erwartet hatte. Aber auch hier läßt sich ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft richten, denn die Erträgnisse steigern sich von Jahr zu 2ahr und werden sicher bald ein Ergebnis liefern, das auch dem jüdischen Landwirt die Befriedigung seiner verfeinerten Bedürfnisse gestatten wird. Als ich dann am nächsten Morgen die „Or Jehuda" verlieb, da ging es mir so durch den Sinn, dah das Werk, das die Ica hier zu bauen beginnt und von dem der schönste Anfang bereits getan ist, den vollsten Beifall der jüdischen Oeffentlichkeit verdient und dah dieser Beifall auch der Leitung der ganzen Institution und jior allem dem tatkräftigen und zielbewuhten Direktor Herrn Zuckermann gezollt werden mühte. Endlich wird die Kolonisation in und außerhalb Palästinas doch jener Faktor werden, von dem die Juden in Rußland, Rumänien und Galizien die Erlösung aus schwerem Elend erkennen werden, nur mühte dieselbe auf eine breitere Basis gestellt sein, deren Voraussetzung die Vereinigung aller drei gröhten jüdischen Kolonist^ tionsvereine zur gemeinsamen Arbeit bilden mühte. Literatur. Fedor von Zobeltitz, Der Herr Intendant. Roman. Ullstein u. Co. Berlin. M. 1.—. Ein farbenreiches, von Humor und feinster Beobachtung erfülltes Bild aus dem Theater- und Hofleben entrollt Fedor von Zobeltitz in diesem Roman. Rur aus einer genauen Kenntnis des Bühnenlebens und einer sicheren Beherrschung des höfischen Milieus vermochte dieser überaus fesselnde Roman hervorzugehen, den viele glänzend gesehene ernste und drollige Gestalten aus dem Schauspielervolk und der Höflingswelt beleben. Von den „Ausland-Büchern“ (jeder Band 1 Mark) sind in demselben Verlag bisher erschienen: Jerome, Drei Mann in einem Boot. Tolstoj, Kosaken. Lagerlöf, Unsichtbare Bande. Maupassant, Der schöne Georg. Diese Auswahl verrät wieder eine gewandte, treffsichere Hand. Rudolf Herzog, Zum weißen Schwan. Roman. Ullstein u. Co., Berlin. Preis M. 1.—. Rudolf Herzog gehört heute zu den unbestrittenen Lieblingen des deutschen Lesepublikums. Der Roman „Zum weißen Schwan“ ist, wie bei Herzog zu erwarten, aus dem arbeitsreichen und doch von aller natürlichen Anmut umgebenen Leben in einer rheinischen Stadt geschöpft und erzählt mit Laune und Behagen die Schicksale der Bewohner eines groCen Kaufmannshauses. Alle die Frische, Heiterkeit und Liebenswürdigkeit, die die besten Schöpfungen Rudolf Herzogs auszeichnen, schmücken auch dieses anmutige Werk des rheinischen Dichters., „Die Wunder der Natur“. (65 Lieferungen zu je 60 Pf., Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin.) In den eben erschienenen Lieferungen 7 und 8 des reich illustrierten Prachtwerkes schildert der bekannte Berliner Zoologe Prof. Dr. R. Hesse die seltsame Lebensweise der Kranken. Prof. Dr. Walter Maunders, der Direktor der Greenwicher Sternwarte spricht über die „Flammen auf der Sonne“, die Sonnenprotuberanzen, Dr. A. Gradenwitz über die aus anorganischen Stoffen zu züchtenden künstlichen Pflanzen, Prof. Dr. iW. Migula über das Wesen der schlimmsten Feinde des Menschen, der Bakterien, Doktor M. Küstenmacher über das Entstehen eines Bienen- Staates usw. Alle diese Aufsätze sind durch zahlreich auserlesene Naturphotographien illustriert. Das Werk ist auf das Wärmste zu empfehlen. Natur und Kultur der Völker der Erde. (Vollständig in ca. 40 Lieferungen a M. 1.—, München-Berlin, Allgemeine Verlags-Gesellschaft, m. b. H.) 13. Lieferung von „Der Mensch aller Zeite n“. Die Bronzezeit Europas und die Welt des Aegäischen Meeres kommt in der eben erschienenen 13. Lieferung von Mensch aller Zeiten zur Darstellung. In Rückblick auf diesen nun abgeschlossen vor uns liegenden Band, der auch das hebräische Altertum behandelt, ist es uns Bedürfnis, auf die Fülle und hohe Bedeutung des Inhaltes, die Gründlichkeit und wissenschaftliche Akribie und die fesselnde Darstellung hinzuweisen. Der Verfasser'Professor Dr. Hugo Obermeier wie der Verlag verdienen uneingeschränkten Dank und Anerkennung. F. Gräfin zu Reventlow, Von Paul zu Pedro. Umschlag- und Einbandzeichnung von Alphons Woellle. Geheftet 2 Mark, gebunden 3 Mark. Verlag von Albert Langen, München. Nach langer Pause hat auch Gräfin Reventlow ihren Lesern, deren nicht wenige sind, wieder etwas zu sagen. Und wieder ist es ein Bekenntnisbuch wie die „Ellen Olestjerne“, aber so ganz anderer, wenn auch natürlich gewordener Art. Es ist ein Buch, das durch seine Ehrlichkeit läuternd zu wirken geeignet ist. Jewisli Colonization Association. Rapport de L’Administration Centrale Conseil D’Administration pour L’Annee 1911. Presente a L’Assemblee Generale du 7. Juillet 1912. Jewish Colonization Association, Paris, 2, Rue Pasquier. Jüdischer Jugend-Kalender. 5673. Jüdischer Volksschriftenverlag, G. m. b. H., Frankfurt a. M. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden. Berlin C. 2, An der Spandauer Brücke 15. Schriftleitung: Dr. Bruno Blau, Berlin. Doppelnummer. 8. Jahrgang. Heft Nr. 7 — 8. Juli—August 1912. Inhalt: I. Abhandlungen. 1. Regierungsrat L. K n ö p f e 1, Darmstadt: Die jüdische Bevölkerung im Großherzogtum Hessen nach dem Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dezember 1910. — 2. Dr. 8. Weißenberg, Elisabethgrad: Das Leben der jüdischen Studenten in Rußland. — 3. Die österreichische Volkszählung von 1910 .— 4. Geburten und Sterbefälle im Großherzogtum Hessen im Jahre 1910 mit Rückblicken. — 5. Dr. 8. Weißenbe r g, Elisabethgrad: Die jüdische Bevölkerung> der Stadt Wologda. — II. Statistisches Archiv: Geburten und Sterbefälle im Königreich Bayern im Jahre 1910 mit Rückblicken. — Geburten und Sterbefälle im Großherzogtum Baden im Jahre 1910. — Die Eheschließungen Im Königreich Württemberg im Jahre 1909. — Eheschließungen im Königreich Sachsen im Jahre 1909. — III. Literatur. Mit diesem Heft geht der Verlag der Zeitschrift auf die Buchhandlung Max Schildberger, Inh. Arthur Schlesinger, Berlin W. 62, Schillstraße 3, über. Kriefkasten. I. R Anfrage: „Bei uns »xlstlert lediglich eine von der Kultusgemeinde erhaltene Orgelsynagoge; als orthodoxer Jude Will ich an den hohen Feiertagen in meiner eigenen Wohnung mit eingeladenen 10 Personen Minjan, d. h. Privatgottesdienst abhalten. Kann der Kultusvorstand mir das verbietend" Antwort: „Ein solcher Privatgottesdienst mit blos eingeladenen 10 Personen trägt den Charakter einer „häuslichen Andacht", kann unmöglich verboten werden. Ueberdies ist der Kultusvorstand gesetzlich verpflichtet, für die religiösen Bedürfnisse der konservativen. Gememdemitglieder in erster Linie Sorge zu tragen und wenn seine Mittel nicht hinreichen, einen doppelten Gottesdienst zu veranstalten, so hat der Ritus in der Hauptsynagoge den traditionellen Gebräuchen entsprechend eingerichtet zu werden. Gegen eine etwaige ungerechte Verfügung des Vorstandes wendet man sich an die k. k. Bezrrkshauptmannschaft". Th. —el. In Bezug auf Max Reinhardt lautet die Meldung: „Einer Berufung Reinhardts steht zunächst sein Glaube im Weg und auf diesem Gebiet würde er unter gar keinen Umständen eine Konzession machen." Ernst B Wenden Sie sich an das Wiener Rabbinat.

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