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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-23 · 34 (23.8.1912) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
34 (23.8.1912)
Date
1912-08-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 34 Dp. Bloch’s Jahrgang yttii Zentralorcjan für die gesamten linteressen des Judentums. -n:._ ~zn- Wien, 23. August 1912 Lrscbeint jeden Lrettsg. um Brief-Adresse: Wie-', IX/i. Hahngaffe 15. Telegramm-Adreffe: Bloch'S Wochenschrift, Wien. OCr- - -—==oe p Srxugsvrri« für Drf!frreirfj: C Halbjädrtg 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Helle'.. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 3 nal gespal» lene Petirzeile 4« Heller. £ O O - ■ —rp : 0(7 o —o o Ä. ft. Pofisparftalsenarnt C Lleartng-Verkebr Nr. 810.976. Redattion und Administration: Vien TK.fi, Hahngaffe Nr. 15. ü) Telefon Nr. 14.847. <J o P -Oo Zuhalt: Leitartikel: Nach preußischem Vorbild. — Was in der Bukowina vorgeht. — Hilfe für die „Selbsthilfe".— Die Zentralisierung der Kinderbekleidung. — Vom Jahrmarkt des Lebens: GioUtti und die Juden. Jüdische Feiertage und Leipziger Messe. Wichtige Konferenzen in Berlin, Paris und London. Unterstaatssckretär Montagu in Indien. Sir Matthew Nathan. Juden in der Diplomatie. Meyerheims Rasse. Französische Grabungen im alten Babylon. Die Gebetrichtung in den altjüdischen Synagogen. Die Erdbebenkatastrophe an der Marmaraküste. Die Zahl der russischen Opfer im russisch-japanischen Kriege. — Korrespondenzen: Kaisers Geburtstag. Emigrantenfürsorge der Israelitischen Allianz zu Wien. Eine antisemitische Wach- und Schließgesellschaft. Der Familientag der Basseuis. Teplitz-Schönau. Prag. Die „Messe" in der Synagoge. Ein antisemitischer Advokat. Sofia. Wie man sich in Rußland jüdischer Dumakandidaten entledigt. Zur Beilis-Affüre. Ein neuer »Tischa-be-Ab«. — Vermischtes. — Feuilleton: Die gelbe Karte. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Mach preußischem Uorbild. Ein Erlaß des Gemeinsamen Kriegsministeriums über die Reform des Referveoffiziersstandes weckt die peinlichste Aufmerksamkeit in weiten öffentlichen Kreisen der Monarchie. Die Auswahl der Reserveoffiziere soll von nun an nach neuen Grundsätzen erfolgen. Nicht mehr Wissen und Kenntnisse, nicht mehr tadellose Aufführung, nein, die äußere Erscheinung des Aspiranten, das Milieu, dem er angehört, die außerdienstliche Eignung sollen eine maßgebende Rolle bei der Ernennung spielen, bei der von nun an mit der möglichsten Rigorosität vorzugehen ist. Mag einer noch so sehr alles wissen und können, was dem Offizier zu wissen und können nottut, wenn die äußere Erscheinung und das Auftreten des Freiwilligen den Berufsoffizieren, denen die Entscheidung obliegt, nicht gefällt, kann er nicht Reserveoffizier werden. Von besonderer Wichtigkeit ist die Abstimmung der Offiziersversammlung über die außerdienstliche Eignung der Einjahrig-Freiwilligen. Das dem Offizierskorps durch diese Abstimmung an bte Hand gegebene Recht verpflichtet es, nur jene Aspiranten aufzunehmen, die alle in der bezeichnten Beilage geforderten Eigenschaften in vollem Maße besitzen. Insbesondere wird hiebei auch das Milieu, dem der Einjahrig-Freiwillige angehört, zu berücksichtigen sein. Diese Abstimmung darf nicht als Formsache betrachtet und summarisch abgetan werden. Was ist das. äußere Erscheinung und Auftreten? Nach welchen Maßstäben wird es beurteilt? In der Regel wird der junge Mann aus höheren gesellschaftlichen Schichten mehr davon besitzen, als der bescheidenen Kreisen entstammende, der robuste, große, rücksichtslose Muskelmensch mehr als der zarte, kleine Gehirnmensch, der Reiche mehr als der Arme. Der Stand des Reserveoffiziers wird dadurch zu einem Privileg der wohlhabenden Klassen der Bevölkerung. Und wenn „das Milieu, dem der Einjährig-Freiwillige angehört* entscheidend die Beurteilung beeinflussen soll, dann sind für nationale, konfessiorelle und Rassenvorurteile die Tore weit offen. Ein dem Kriegsministerium so wohlgesinntes Blatt wie der „P e st e r Lloyd* schreibt in "der Sonntagsnummer vom 18. August über diesen Erlaß: „Ein merkwürdiges Schriftstück. Nach der ersten Durchsicht fühlt man sich versucht, es für einen Fastnachtsulk heitergestimmter Leutnants zu hatten, die in ihrer überschäumenden Laune ihre parodisierenden Künste an Stil und Ton der schriftlichen Emanationen ihrer Vorgesetzten üben. Nun sind aber volle vierundzwanzig Stunden seit der Publikation des Erlasses verflossen und von amtlicher Stelle ist sein Wortlaut noch immer nicht als apokryph erklärt. Sollte das, was sich wie ein Ausschnitt aus dem „Simplizlssimus" liest, am Ende gar vltterer Ernst, sollte der diesem Dokument entstrahlende Humor e>n unfreiwilliger und in seiner Ungewolllheit doppelt drastisch wirkender sein? Entscheidend für die Auswahl, heißt es in dem Erlaß, soll „das Maß der Persönlichkeit sein, das jeder Aspirant mitbringt". Das Maß der Persönlichkeit? Kein übler Ausgangspunkt fürwahr, nur ein bischen zu anspruchsvoll bemessen. Ueber den Begriffsinhalt des Wortes Persönlichkeit scheint man sich im k. u. k. Kriegsministerium nicht viel Kopfzerbrechens gemacht zu haben. Der Aspirant ist. zum Kuckuck, doch immerhin eine Person, und was eine Person ist, Donnerwetter, das muß doch auch seine Persönlichkeit haben. Folglich soll fortab unter den Bewerbern auf die Reserveoffizierscharge das Maß der mitgebrachten Persönlichkeit als entscheidender Selektionsfaktor gelten; und die Versammlung der Berufsoffiziere soll zur Beurteiluna des Persönlichkeitsmaßes berufen sein. Daß Persönlichkeit das kostbarste und seltenste Erdengut des Menschen darstellt, daß unter den vielen und allmvielen nur die wenigsten und allerwenigsten auch nur einen Schimmer von Persönlichkeitsweit besitzen, daß ein Heer von Heeren sich zusammenfiaden muß, um aus den Millionen ein spärliches Fähnlein jener Spezies des höhergezüchteten Menschen, der das Adelsprädikat der Persönlichkeit gebührt, auswählen zu können, all das hat die Urheber dieses Erlaffes nicht angefockten. Der Vollklang des Wortes halte es ihnen angetan, und als sie es niederschrieben, war mehr ihr Ohr, als ihr Gehirn dabei." „Soll dafür ein Beweis erbracht werden? Der Erlaß selbst besorgt das in reichlichem Maße und mit einer. Ueberzcugungskraft. die jeglichen Zweifel hinwegbannt. Da steht nämlich schwarz auf weiß zu lesen, was bei der Beurteilung des Persönlichkntsmaßes als Kriterium zu dienen habe. Ein ausreichendes Maß von Kenntnissen etwa? Oder die Fähigkeit des Aspiranten, dieses W ssen in praktischer Weise zu verwerten? Keine Spur. Ausdrücklich heißt es in dem Schriftstück» es komme nicht allein auf diese Dinge an. Also: wer all vas weiß, was ein Reservoffizier zu wissen hat, und wer obendrein auch noch die soldatische Tüchtigkeit bekundet, diesen geistigen Inhalt praktisch zu betätigen, dem ist die Eignung zu der Würde noch nicht zuzutrauen. Hat er nicht mehr, als das vollgerüttelte Maß von Wtsien und Können, so ist der Aspirant bloß ein Mann von Fleiß und Gewandtheit, Dinge, die bei dem Reserveoffizier nicht gerade überflüssig, aber — wie es scheint — nicht die Hauptsache sind. Um des goldenen Portepees würdig zu werden, muß der Aspirant auch noch eine äußere Erscheinung aufweisen, die sich vor der Front sehen läßt, und einem Milieu angehören, das dem Standesansehen des Offiziers ebenbü.tig ist. W as aber sind die Merkmale eines Exterieurs, das „die Autorität nicht untergraben und dadurch der Disziplin nicht schädlich werden soll? Wie krumm darf die Nase des Aspiranten ftin? Wie viel

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