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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-16 · 33 (16.8.1912) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
33 (16.8.1912)
Date
1912-08-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 33 Jahrgang im* Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. -□ _□- Wim, 16. August 1912 LrscbeLnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. O G=--- -o Drrugsprris für JOrlt?rrr{tfi: *-T Halbjährig 3 Kronen: Einzelexemplare '>0 Heiler. Für's Sunland: Halbjährig IG Kronen. Ganzjährig ÜO Kronen. Anzeigen: Die 3 „al gespal» 3 tene Peliizeile 4« Heller. Ci oO — - -Or —.o? Äft. Pofisparkaffenaml Lieartng-Verkebr ■Kr. 810.976. Redattion und Administration. EX/i, Hahugaffe Nr. 15. »> Telefon Nr. 14.847. oP—.... .Oo Inhalt: Leitartikel: Appell an Amerika. — Der Konflikt Wassilko-Straucher. — Schaffung einer jüdischen Militärseelsorge. — Die nördliche Richtung der alijüdischen Bethäuser in Galiläa. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Rasche Eintreibung einer Kultussteuer. Die Juden in Oxford. Die Sprachenfrage in Palästina. Familienrat der Nachkommen Baffewis. Rabbi Hirsch Dänemark. An Herrn Poircare! Der internationale Eugenistenkongreß und die jüdische Hygiene. Die Memoiren des Kapitän Dreyfus. Eine wackere Tat. Eine christliche Retterin des jüdischen Theaters in London — Korrespondenzen: Auszeichnung eines orthodoxen Gemeindepräsidenten. Oberrabbiner Dr. Armin Schnitzer. Millionenvermächtnis e nes Juden. Auszeichnungen in Frankreich. Der Direktor des Semi-Gotha. Juden in den türkischen Offiziersschulen. Die Enropareise des Gr oßrabbiners der Türkei. Eine Rabbinerdeputation beim Präsidenten Taft. Der Militärdienst der russischen Juden. Letzte Ehrm g eines jüdischen Arztes. — Vermischtes. — Feuilleton: Die jüdische Gemeinde in Lissabon. Ter Rabbi und der Kaiser. — Literarur. — Briefkasten. — Inserate. Appell m Amerika. Wenn wir uns heute an die Führer der amerikanischen Iudenheit wenden, so geschieht das wahrlich in sehr ernster Stunde. Die Provinz Galizien der österreichisch-ungarischen Monarchie steht bereits mitten in der Gefahr, für die Juden ein ebensolcher antisemitischer Bagno zu werden, wie Nutzland und Rumänien. Wir wollen nicht sagen, daß die österreichische Gesetzlichkeit zu schwach ist, um blutige Vorfälle zu verhindern, die allerdings als natürliche Folge fortgesetzter Agitation gegen die Juden in Galizien schon stattfanden und zu befürchten sind. Es gibt jedoch andere Methoden genug, um unseren Stammesgenossen von Biala bis Sadagora das Dasein zu einer Hölle und zu einer .Rette von Verzweiflung zu machen, die jede Menschlichkeit zur Empörung bringen mutz. Wir bitten nun unsere amerikanischen Freunde und Helfer, sich nicht mit einem allgemeinen Mitgefühl zu begnügen. Sie mögen vielmehr die Tatsachen genau betrachten und ihre Entschlüsse dann mit jenem Edelmut, jener Tatkraft und Menschenliebe fassen, durch welche die Juden der Union sich bisher rühmlich ausgezeichnet haben und welche im gegenwärtigen Augenblick nötiger sind denn je. Man mutz die polnischen Machthaber, die Schlachzizen und ihr Gefolge, in ihrer ganzen Heuchelei erkannt haben, um zum schärfsten Widerstand gegen sie entschlossen zu sein. Wenn sie ihrem Jagello ein Denkmal errichten, so deklamieren sie schwungvoll von der alten polnischen Kultur. Wenn sie im deutschen Reichstage oder in der russischen Duma das Wort ergreifen, so verlangen sie in flammenden Tiraden Gerechtigkeit für ihre brutal unterdrückte Nation. Wenn sie im Wiener Reichstag sprechen, dann geben sie sich als Muster von unparteiischen Machthabern über Juden und Ruthenen, als Träger des geistigen und wirtschaftlichen Lebens im Lande aus. Sind sie jedoch zu Hause in ihrer Statthalterei, im Landtag und in den Bezirkshauptmannschaften, wo sie nicht sitzen, sondern residieren, nicht Gesetze ausgeben, sondern Befehle, dann streifen sie Europens übertünchte und ihnen so lästige 'Höflichkeit wieder vollständig von sich ab und werden ungeschminkt, was sie sind: Verächter des Ideals und der Menschlichkeit, beutegierige Krautjunker, welche glauben, datz alle Leute ihre Hörigen und Sklaven sind und mit der Peitsche zum Gehorsam gezwungen werden können. Weil jedoch die Ruthenen im Lande grotz an Zahl sind und kräftig durch ihr geschlossenes Wohngebiet, da sie es ferner in ihrem politischen Widerstand bis zur bewaffneten Erhebung kommen lassen, so tobt sich die Brutalität der Schlachzizen gegen den andern, den wehrlosen Volksstamm im Lande aus, gegen die Juden. Diese sind zwar auch eine Million Köpfe stark, aber ihre Kraft sind lauter Nullen. Man hat es bis in die neueste Zeit verstanden, sie im Mittelalter zu lassen, sie systematisch zu berauben, durch die wirtschaftlichen Gesetze in steter Abhängigkeit zu halten und jeden Versuch zu einer Organisation durch die stärksten Gewaltmittel zu brechen. So blieben die Juden immer in der Rolle der antiken Sklaven, die in ihrer Zahl sogar größer waren als ihre Herrenvölker, aber ohnmächtig durch die Furcht und die Unmöglichkeit eines Zusammenhaltes. Immerhin gelang es den galizischen Juden mit dem Aufgebot ihrer bekannten großen Intelligenz, sich mühsam und unter dem bittersten Elend in allen Judengassen des Landes über Wasser zu halten. Natürlich mutzten sie sich zumeist dem Handel zuwenden, wenn sie auch alle gelehrten und gewerblichen Berufe mit grotzem Fleiß ergriffen. Aber die Masse war aus den Handel angewiesen, da das Land eine Industrie nicht besitzt und in der Landwirtschaft die schärfsten antisemitischen Tendenzen herrschen. Nun werden sie jedoch vom letzten ihrer Gebiete, dem kaufmännischen, systematisch vertrieben. Man spricht und spricht mit Recht derzeit von einem wirtschaftlichen Pogrom in Galizien und in der Bukowina. Vor einigen Monaten sind Tausende von galizischen Schänkern durch die Straßen Wiens gezogen, um die Hilfe des Kaisers und des Parlaments gegen ihre Massenkündigung anzurufen. Jetzt häufen sich die Fälle geschäftlicher Zusammenbrüche jüdischer Kaufleute in einer erschreckenden und unerhörten Art. Das sind die traurigen Folgen davon, datz jetzt das polnische Volk unter

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