Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 31 (2.8.1912)
- Date
- 1912-08-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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irt Dr. Bloch’s Zentraloroan für die gesamten Interessen des Zudentums. -n—~p- Wien, 2. August 1912 Erscheint jeden Lreitag. Brief-Adreffe: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie«. ——^———————i—M» Inhalt: Leitartikel: Jüdische Politik in Böhmen. — Nachklang zum neunten Ab — Sonntagsruhe. — Jüdische Forschungsreisende. — Ueber ein Kapitel mittelalterlicher Kulturgeschichte. — Ueber die Propheten Israels. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Eine Sefer Tyora aus Chma in der Wiener Hofbidliothek. Die jüdische Auswanderung im Monat Mai. Handelskrise infolge Judenvertreibung. Das Londoner jüdische Theater geschloffen. Ein jüdischer Offizier in — Rasiland. Eil Gortesdielist in Esperanto. J-saja und die eleganten Frauen seiner Zeit. Von „Jiddischen" Kolonien in Belgien. — DaS jüdische Milieu. — Korrespondenzen: Tlscha-bead in W:en. Eine Rabbiner Meisels-Straße in Krakau. Der Eid mors judaico ln Kroatien. „Dina d'Malkula dina." Feierlicher Empfang des jüdischen Aviatikers Abramovicz in Rußland. Die Folge der Prozentnorm. Verleihung von Kriegsmedaillen an Rabbiner. Die Mutter von Schalem Aleichem gestorben. Der Eindruck der Angola-Resolution der Jto-Konferenz in Portugal. Die B'nai B'cith-Medaille für Präsidenten Taft. Dumadeputierter Niffelowitsch über die Aussichten der Juden in der Duma. Die Gedenktafel am falschen Orte. Ein jüdischer Kandidat für den russischen Staatsrat. Oswiecim. Ein Denkmal für den huhen Rabbi Löw. — Vermischtes. — Feuilleton: Der älteste Roman in der Weltliteratur. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. OU' .-=oo p &*ptg#pvtto Tue ©eRrrreftfp Q Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die Srial gefpat» O tene Petitzeile 4» Heller. C nP .--Qo =0 o r D. fc. PofisparNaffenmni 2leartng--verkebr Mr. 810.976. RedaMon und Administration, wirn n/i. Hahngaffe Nr. 15. j, Telefon Nr. 14.847. J QO ■ — - - Qo Indische Politik in Köhnren. Die Verhandlungen über den Prager Ausgleich sind bis zum Herbste verschoben worden. Nach mehrmonatlichen Verhandlungen war es weder den tschechischen noch den deutschen Unterhändlern möglich, in fortgesetzter Beratung ohne jede Pause Aber die wichtigsten Punkte einig zu werden, welche gerade auf die Tagesordnung kamen. Ob die kühlen herbstlichen Tage besser geeignet sein werden, die große Verständigung zu beschleunigen, ist eine offene Frage. Wünschenswert wäre es wohl, daß die nationalen Streitigkeiten endlich beseitigt werden, unter deren Druck nicht nur das politische, sondern auch das wirtschaftliche Leben der diesseitigen Reichshälfte so lange gestanden ist und in deren Folge durch die Lähmung des Prager Landtages das Land Böhmen trotz seiner Reichlümer dem Bankerott entgegensteuert, bereits Schwierigkeiten hat in der Bezahlung der Lehrergehalte und der Verpflegsgelder für seine Kranken. Aber auch das Zentralparlament kann nicht in Ordnung kommen ohne die Schlichtung der Streitigkeiten in jener Provinz, die in verkleinertem Maßstabe wieder das Schicksalsland Oesterreichs ist, wie zu hen Zeiten Ottokar II. und Ferdinand I. und vieler Kriege seit dem Mittelaller. Von hochintelligenten und fleißigen Volksstämmen bewohnt, sollte Böhmen geistig und materiell eines der blühendsten Länder der Erde sein. Der Geist des Zwistes und der Gehässigkeit hat es bisher gefesselt, — auch ein Lehrbeispiel für österreichische Regierungen. Run wird man wohl mit Macht daran gehen und alles aufwenden, um den schrecklichen Dauerzustand zu beenden und vielleicht wird dieser Herbst trotz aller Schwierigkeiten der angestrengten politischen Arbeit des Fürsten Thun Früchte bringen. Das bringt auch für die Juden Böhmens Verpflichtungen mit sich. Ihre Intelligenz sollte veranlaßt werden, eine Organisation zu bilden und durch diese zu veranlassen, daß der Prager Ausgleich nicht gegen sie und nicht ohne sie geschlossen werde. Jedenfalls müßten die Juden vernünftige Anleitungen dafür bekommen, wie sie sich in der Zwischenzeit im Stadium der Vorbereitungen benehmen sollen. Denn man muß sich ein Moment vor Augen hallen: Solange die deutsch-böhmischen Streitigkeiten gedauert haben, waren die Juden oft geschützt durch den Umstand, daß die Entscheidung bei ihnen lag, und man wagte es von keiner Seite, ihnen allzu starkes Unrecht zu tun. Wenn jedoch die beiden Stämme des Landes ihre Machtgebiete getrennt haben werden, so werden sie kerne Rücksicht mehr nehmen müssen und den Juden vergelten, wie sie sich in nationalen Fragen benommen haben. Bisher haben die böhmischen Juden eine rein idealistische Politik getrieben und, entsprechend ihrer deutschen Bildung, den Deutschen,unbedingte Gefolgschaft geleistet. Im praktischen Erfolg.-war das die übelste Taktik. Denn die Ursprünglich sehr toleranten Tschechen propagierten den Antisemitismus, während die meist dünkelhaften Deutschen ihren Antisemitismus nicht, aufgaben, trotzdem die Juden noch schöner als Schönerer dis schwarzrotgoldeneil Ideale hochhielten und einer Fahne folgten, welche oft eine Kriegsfahne gegen sie selber war. Es wäre nun eine sehr verfehlte Taktik, in das andere ErtreM zu verfallen und etwa den Tschechen zu starke Konzessionen zu machen. Die Juden haben überhaupt keine nationalen Kämpfer und Vorkämpfer zu sein, denn der Zorn des Gegners lenkt sich dann in erster Linie gegen sie selber. Sie haben keine andere , als jüdische Politik zu betreiben und in jedem' Bezirk ihre Stellungnahme so einzurichten, daß vor allem der wirtschaftliche und moralische Antisemitismus dadurch zu Schaden kommt. Ein solches Vorgehen wird jeder Vernünftige bei ihnen billigen und kein Politiker wird es anders von ihnen verlangen. Um diesem Willen Ausdruck zu geben, müssen sie aber so rasch als möglich in Prag eine Zentralstelle schaffen, welche ihren Willen verkünden kann, und müssen in jeder einzelnen Stadt untereinander ein vernünftiges Abkommen treffen, bei. welchem nichts anderes maßgebend, sein darf, als abgeklärtestes Erwägen der vorhandenen Tatsachen. Jedenfalls sollten sie sich während der Zwischenzeit bis zum Ausgleich von jeder nationalen Agitation zurückziehen, um sich nicht zu präjudizieren. Was die Landesorganisation betrifft, haben die Juden Böhmens Verbände