Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 28 (12.7.1912)
- Date
- 1912-07-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Iahrgsng ytii Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. -n _ n- Wien, 12. Juli 1912 Lrscbelnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, IX/i. Hahugaffe 15. Telegramm-Adreffe: Bloches Wochenschrift, Wien. O Q- ==ö O p VrzuAg-prrl» für Vrfirrrrirst: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Nuslnnd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die Smal gefpa!» 2 tene Petitzetle 4tj Heller. C OQ -QO og O F. K. Pofifparkaffenamr Slearing-Verkebr Vir. S10.976. Redattion und Administration: wir« IX/i, Hahugaffe Nr. 15. Oo c Telefon Nr. 14.847. oG= Inhalt: Leitartikel: Los von Tirol! — Zum 70. Geburtstage des Geheimrates Professor Hennarn Cohen. — Juden als Richter. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Judentum und Weltkultur. Tödlicher Unfall eines jürischen Aviatikers. Der Präsident der republikanischen Konvention in Amerika. Demolierung einer karaitischen Synagoge. Die Bibel als Literaturbegründerin. Religiöse Strömungen in Judäa während und nach der Zeit des babylonischen E ils. — Korrespondenten: Die „jüdische Politik" des Lucianismus. Spende des Kaisers für eine orthodoxe Synagoge. Wiern. Der neue Rektor der Lemberger Universität. Ungarische Minister über die Autonomie der jüdischen Konsesiion. Ein neuer israelitischer Tempel in Triest. Berlin. Der König und Kronprinz von Griechenland als Gast bei Familie Coten. Rumänisches Recht. Ein Nachruf über „Leroy Beaulieu" in der Alliance Israelin Universelle. Auszeichnungen in Italien. Eine resultatlose Preisausschreibung. — Vermischtes. — Feuilleton: Die jüdische Oper in London. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Kos van Tirol! Man Muß es zweimal! sagen: Trotz der scharfen Abwehr von mehreren Seiten dauert die Hetze gegen die Juden in Tirol noch weiter an und man mutz schlüssig werden, was jetzt zu geschehen hat. Denn es ist zu bedenken, datz die Tiroler Landbevölkerung — alle guten Eigenschaften vorausgesetzt — keineswegs in dem Bildungsstand ist, datz sie nicht die Verleumdungen glauben würde, die ihr durch die Blätter zugetragen werden. Es ist anzunehmen, datz sie die Juden auf deren Gebirgswanderung schwerlich erkennt, weil es ja bei den wenigsten notorische Kennzeichen gibt und weil der Augenblick der Begegnung rasch vorüber geht. Aber wenn sich jüdische Sommerfrischler dauernd an einem Orte ansiedeln und ein Pfarrer den Ehrgeiz hat, den Anweisungen der klerikalen Organe zu folgen, so kann den jüdischen Gästen des Landes Tirol der Aufenthalt sehr verleidet werden, wenn nicht gar böse Folgen eintreten. Namentlich im Pustertal ist die Bewegung sehr lebhaft, und die Juden werden sehr gut daran tun, ihr scharfes Augenmerk auf diese Tatsache zu richten. Als loyale Staatsbürger und Schätzer alles Guten und Schönen haben wohl die Juden große Sympathien für das Land Tirols die sich zusammensetzen aus histo? rischen Erinnerungen und aus der Kenntnis des harten und einfachen Landlebens, des prächtigen Volkslebens in der gebirgigen Südfestung unserer Monarchie. Auch die Liebe zur Natur bringt sehr viel Juden in die Herr? liche Bergwelt, die von den Tauern bis zu den Dolw miten und dem Ortler ein so herrliches Panorama ist. Aber zwischen den sonst so braven Einwohnern, zwischen der Majestät der Natur und den bereitwilligen Gästen steht eine Horde von Brunnenvergiftern, welche ohne Unterlaß Hatz und .Gefahr aussät und es für alle Juden recht bedenklich macht, ihren Aufenthalt in Tirol zu nehmen. An erster Stelle ist da der klerikale „Tiroler Anzeiger" zu nennen, ein sehr weitverbreitetes Blatt, das in jeder Nummer gespickt ist mit antisemitischem Gift. Diese Zeitung ist vorbildlich für eine ganze Reihe von Lokalblättern, welche in einer wahren Berserker'- wut gegen die Juden losziehen. Wer nun auf Ferien und auf Urlaub geht, will doch alles eher als Kämpfe und Unannehmlichkeiten und soll daher den Tiroler Antisemiten den Gefallen tun, auszubleiben, wenn er ein Jude ist. Vor zwei Wochen wurde bereits an dieser Stelle die Erwartung ausgesprochen, datz an matzgebenden Stellen des Landes Tirol Energie und Vernunft zum Durchbruch kommen und den antisemitischen Brandstiftern ihr Handwerk legen dürften. Denn die Juden haben in Tirol doch wirklich niemals etwas anderes getan, als sich an der Schönheit der Natur erfreut — alles andere ist nichts als Verleumdung. Die jüdischen Wanderer und Sommerfrischler sind daher kein geringer Teil des großen Fremdenstromes durch Tirol, der von der größten volkswirtschaftlichen Bedeutung ist und dem das Bett zu ebnen eine eigene Abteilung des Arbeitsministeriums sich bemüht. Es ist noch nicht lange her, datz man an diese ersprießliche Agitation gegangen ist, und man sollte füglich erwarten, daß man das mühselig Geschaffene nicht gleich wieder teilweise zerstört. Mit einigem guten Willen hätte man also die paar klerikalen Blätter, ihre Helfer und Hintermänner, sowie die deutschnationalen Radauantisemiten wohl zum Schweigen bringen können. Was aber geschieht rn Wirklichkeit? Von besonders vertrauenswürdiger Seite, die zur Zeugenschaft bereit ist, wird uns mitgeteilt, daß die oberste Landesstelle in Tirol nun auch das Gebot des „Anzeiger" befolgt. Der Tiroler Landesverband für Fremdenverkehr Hat in seine Zirkulare die in Kitzbühel geborene antisemitische Phrase ausgenommen, deren Schluß die bezeichnenden Worte enthält: „Bei der großen Zahl der zu vermies tenden Wohnungen und Hotels ist es oft nicht zu vermeiden, daß auch jüdische Parteien als Mieter aufftreten. Man ist jedoch bemüht. . ." Wir haben diese Zirkulare trotz Bemühung nicht erlangen können, unser Gewährsmann ist jedoch eine offizielle amtliche Per-« sönlichkeit. Das also ist die Antwort auf die Verwahrungen gegen den Radauantisemitismus in Tirol. Was der Landesverband für Fremdenverkehr in seine offiziellen