Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 27 (5.7.1912)
- Date
- 1912-07-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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lfr27 DrBBloch’s ,^P,#IX1X Zentralorgan für die gesamten Interessen des Zudentums. ——p~ ~n- Wien, 5. Juli 1912 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien,!X/i. Hahugaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. OO-- ■ -OO ’p Driugsprri» Mr ©*Rrrr*idj: Q Halbjährig 8 Kronen; Sinzelexemvlare 56 Heller. Für's Nuoland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig -0 Kronen. Anzeigen: Tie 2jurt gespal» 3 lene Pelirzeile -»a Heller. C CsO ..—Q O OO— —o o r A. ft. PoUfparftaflenamt Q GlearingslDerftebr Mr. 8X0.976. Lkedattion und Administration. Wien IX/i. Hahugaffe Nr. 15. j) 'Telefon Nr. 14.847. <1 QP - On Inhalt: Leitartikel: Die „Jto"-Konferenz. — Eröffnungssitzung der „Jto"-Konferevz in Wien. — Vom Jahrmarkt des Leben-: Schärfere Tonart im Gemeinderat. Juden in der „Jfa". „Emigrantenelend". Ein Mustertempel der Menschenliebe. Ein Marnsist gegen die Taufe. Von der Ausstellung polnischer Maler in Barcelona. Jüdische Nomaden. — Korrespondenzen: Antisemitisches aus der Laibacher Handelskammer. Wien. Das vierzigjährige Professorenjubiläum des Hofrates Professors Dr. Karl S. Grünhut. Alfred GrünfeldS 60. Geburtstag. Nikolsburg. Konferenz der französischen Rabbiner. Ein Blatt aus der Geschichte der rumänisch» n Juden. Smyrna. Jerusalem. Die Sabbathru'he der Newyorker Bäckermeister. Cincinnati. — Vermischtes. — Feuilleton: Handel und Wandel in Alt-Babylon. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Die „Ito"-Konferrn;. Von Dr. Heinrich Schreiber. So hatte denn auch ich eine offizielle Einladung zur Jto-Konferenz erhalten.. Orientiert war ich vorweg nicht. Mein Gott, ich hatte mich bisher (von flüchtiger Zeitungslektüre abgesehen) mit den Aufgaben und Zielen dieser Organisation nicht allzu eifrig befaßt. Doch darf man es mir glauben: Der Name war mir voll geläufig und ebenso die These des Programms, das sich im „Triogramm" verkörpert. Das war mir klar: Die Jto ist eine Abart des Zionismus, wenn man es vielleicht auch nicht ganz eingestehen will. Sie ist eine Art Sezession des Zionismus. Ist der Zionismus das zwingende Problem der gesicherten Heimstätte in Palästina, so steht es der Jto als fakultatives Ziel an der Stirne geschrieben, daß sie irgendein Land für Juden schaffen will, die es der Heimat vorziehen. Das Losungswort bekennt es frank und frei: Die Jto will Land für jene Juden erlangen, welche in den Ländern, in denen sie jetzt leben, nicht leben können oder nicht leben wollen. Der Zionismus ist die Verkörperung der nationalen Idee, des Volks-Ideals; die Jto ein wirtschaftliches Projekt einer Emigrations- und Kolonisationsbestrebung. Der wahre Gegensatz ließe sich noch straffer ziehen, ich unterdrücke aber den Vergleich, weil er möglicherweise doch nicht ins Schwarze trifft und ich nicht so tief eingedrungen bin, um eine apodiktisch sichere Erkenntnis aussprechen zu können. Doch der Belehrung ist niemand zugänglicher als ich. War Theodor Herzl, der Wiener Herzl, der Vater des Zionismus, so ist der Prophet der neuen territorialistischen Lehre Israel Z a n g w i l l, der verehrte jüdisch-englische Dichter, wie es im Prospekte der Konferenz mit Recht volltönend hieß. Also auch ein Mann der Feder und von Geist. Das, lockt. Ich habe Herzl gekannt; welcher Jude und Wiener hätte sich nicht dazugedrängt. Ich war begierig, den fremden Gast zu sehen, dessen Ruf und Ruhm auch als Literat vollwichtig zu uns gedrungen ist. Ich kam und sah und hatte ihn auch gleich aus der Menge herausgefunden, obwohl ich ihm nie zuvor begegnet war. Dieses glattrasierte Schaufpielergesicht mit den markigen, scharfkantigen Zügen, die grauen Augen hinter blitzenden Gläsern. Eine verhältnismäßig niedere Stirne beschattet dichter Haarwuchs, dessen Schwärze ziemlich angegraut ist. Ganz gegen englische Sitte ist die Frisur in der Mitte gescheitelt, das Haar lebhaft gewellt. Jetzt erhob er sich; eine stattliche Tonrnure. Und jetzt las er. Er hielt feine Programmrede, nicht frei, sondern aus dem englischen Manuskript, wie etwa Thronreden oder Ministererklärungen verkündet werden. Kurze, knappe Sätze, nicht phrasenhaft, sondern einfach, klar und deutlich. Man hat sie ohnehin in der letzten Nummer dieses Blattes gelesen. Das Organ nicht allzu hell, eher dunkel, aber doch noch gut vernehmlich. Die Sprechweise durchaus geschäftsmäßig, ernster Tonfall, kaum ein Pathos, höchstens gegen den Schluß zu, um die Aussichten und die Tragweite seiner Bestrebungen in das Licht zu setzen und alles dies in ruhiger, gelassener Haltung und mit sparsamer, fast zu spärlicher Gebärde. Man klascht und man erkennt, es ist ein grundgesckieiter, viel erfahrener, bedächtiger Mann, nüchtern und ohne lieberschwang, der sich streng zurückhält, die Leidenschaften zu reizen oder Begeisterung künstlich zu entfachen. Wie hat er es willkommen geheißen, und daraus wuchs mir diese Erkenntnis, daß er am Sitze einer kaufmännischen Körperschaft seine Ideen entwickeln konnte. Spekulativ gewissermaßen setzt er Baustein auf Baustein, reiht zyklopeuartig Tatsache an Tatsache und richtet so allmälig und behutsam sein Gebäude auf mit dem Vorsatze, es fest und stark zu begründen, nicht als schwächliches Gebilde eines flüchtigen Luftschlosses oder als schwankes, wackeliges Kartenhaus. Indessen fällt es schwer, wer möchte dies bestreiten, diesen Eindruck schlechthin festzuhalten. Man denke doch, welche Territorien in einem Atem vorgeführt werden. Da hört man von der Kolonisation der Cyrenaika, in deren heißem Sande der Krieg jetzt tobt. Da spricht man von der Wiederherstellung Mesopotamiens, des Zwei-Flüssereiches mit großen weitausgreifenden Entreprisen und Kommunikationen. Man zählt Solum auf, das die Türkei jüngst verpfändet, und Kanada und West-Australien und Mexiko, zuletzt aber Angola, der afrikanische Besitz der portugiesischen Republik. All dieses sollte oder soll Jto- Land, Judenland werden auf selbstverwalteter Grundlage. So will es Zangwill, so hat es sein Programm erdacht und ersehnt. Dann wird noch leichthin die Galveston-Kolonie gestreift und leichthin darüber hinweggegangen. Und jetzt ist er