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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-06-21 · 25 (21.6.1912) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
25 (21.6.1912)
Date
1912-06-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr 25 ppa BlOCh’S ******* Zenttalorgan kür die gesamten Interessen des Judentums. -n —□- Wien, 21. Juni 1912 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adreffe: Wien, IX/i, Hahngaffe 18. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. Oü - ■ =DO "P V-rugspr-k« für VrsterrrUh: *7 Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 8 na! gespal» j tene Petitzeile 4« Heller. C oO - ■ —Qo? ®. ft. Pofisxardast'rnsmlr Clearlng-Verkebr «r. 810.976. Redattion und Administration: Wien IX/1. Hahngaffe Nr. 15. l) Telefon Nr. 14.847. np! - -—röo Inhalt: Leitartikel: Israel Zangivill in Wien. — Emigrantenelend. — Dr. Friedrich Graf Schöaborn über ein Buch des verewigten Rabbiners Dr. Samuel Bäck in Lissa. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Antisemiten als Feinde der Humanität. Leroy-Beaulieu. Die Juden in der italienischen Armee. Die Verhandlungen über das Angola-Projekt. Oberlandesgerichtsrat Spitzkopf. — Ein Besuch beim New-Uorker Judentum. — Korrespondenzen: Das Festmahl der PragerBeerdiaungSbrü'verschast. Wien. Aus den Geheimnissen des Klosters der Felizianerinnen. Galizische Selbstbilfe. Steigende Einwanderung Aeminitischer Juden nach Palästina. — Vermischtes. — Feuilleton: Palästina- und Orientreisen „außer Saison" zu bedeutend ermäßigten Preisen. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Israel ZangwiU in Wien. Bald Werden wir die Ehre und das Vergnügen haben, Israel Zangwill ln den Mauern Wiens begrüßen zu können, einen Mann, dessen Leben und Wirken den Juden den größten Ruhm gebracht hat. Bevor wir zu dem Zwecke seiner Reise und seiner politischen Wirksamkeit übergehen, müssen wir der Persönlichkeit und dem Schriftsteller die wohlverdiente Ehrenbezeigung leisten. Zangwill gehört in das große und leuchtende Dreigestirn hinein, welches über der Wiege des modernen politischen Zionismus geleuchtet hat. Gleich Herzl und Rordau war er einer von jenen Persönlichkeiten, welche als Geber zu jeder Bewegung kommen, welcher sie sich anschließen wollen. Dieser Sohn russischer Emigranten, der ehemalige Lehrer an jüdischen Schulen in Whitechapel, der Armenstadt Londons, hat sich Weltruhm und Lorbeer geholt durch die Fülle seiner Phantasie, durch die feine Beobachtungsgabe und den sonnigen Humor in seinen vielen Werken, die in einer so eleganten und flüssigen Sprache geschrieben sind, daß er von den schärfsten englischen Kritikern unter die ersten Federn der Nation gestellt wird. Die ersten Verlagsanstalten, die angesehensten Blätter stehen im Wettbewerb um jede Zeile aus Zangwills Hand, dessen Meisterwerke „Der König der Schnorrer" und „Kinder des Ghetto" wohl jedem gebildeten Juden der ganzen Welt bekannt und ans Herz gewachsen sind. Zahllos sind aber außerdem noch seine anderen Romane und Novellen, von denen viele noch jüdischen Inhalts sind und in ihrer Schreibweise zugleich an das Herz und die Sinne greifen. Eine Weltberühmtheit des Judentums also ist der vornehme Mann mit der mittelgroßen, hageren Gestalt und den brillenbewafsneten klugen Augen in dem überaus interessanten, häßlichen, schwarzgelockten Kopf. Als er zum Zionismus kam, brachte er den Glanz eines großen Namens mit, wurde mit offenen Armen empfangen und arbeitete mit Feuereifer in Reden, welche die Runde durch die Presse der ganzen Welt machten, funken? sprühenden Manifesten und Artikeln. Das hinderte aber alles nicht, daß ihn ein erbarmungsloses Scherbengericht verurteilte, als Zangwill es wagte, eine eigene Meinung zu haben. Auf dem letzten Kongreß, der noch in Base! abgehalten wurde, brachte der englische Führer bereits seine Gattin mit, eine zarte Schönheit. Diese Frau wurde die erregte Zeugin eines unerwarteten Vorgehens. Eine von dem Russen Ussischkin zusammengebrachte Majorität wollte auf dem Kongreß den Ugandaplan .des seligen Herzl mit der Wurzel wieder ausrotten und historisch feststellen, daß nur Palästina und kein anderes Land für den Zionismus in Betracht käme. Zangwill wollte nun einen prinzipiellen Paragraph durchsetzen, daß die Mittel der Palästinabank auch für die Erforschung von Ländern außerhalb Palästinas verwendet werden dürften. Er agitierte nur von der Rednertribüne herab in glänzenden, überraschenden und fesselnden Worten, und er hätte sich wahrscheinlich gefügt, wenn man ihn einfach überstimmt hätte. Aber man ließ den berühmten Mann gar nicht ausreden, der Zorn der Masse brach los, man ließ ihn nicht zu Worte kommen, obwohl er mit einer geradezu erhabenen Gebärde den Rockaufschlag mit dem Delegiertenzeichen in die Höhe hob, das ihm unbedingt hätte Redefreiheit verschaffen sollen und müssen, wenn es nicht schon früher die persönliche Achtung tat. Da ging Zangwill vom Kongreß weg mit einer ungeheuer erregten Gefolgschaft, und noch in der gleichen Stunde wurde von einer Sezession der Zionisten unter Zangwills Vorsitz die Iewish Territorial-Organisation gegründet — Jüdische Landgesellschaft — kurz Jto. Eine Zeitlang waren die Differenzen nicht groß, und der Zionismus hätte wahrscheinlich Gelegenheit gehabt, sich seinen glänzenden Vertreter zurückzuholen. Man tat jedoch nichts dergleichen, die Ito blieb mit ihren Ortsgruppen und Landesverbänden bestehen und Zangwill arbeitete nun für diese Gesellschaft in hervorragender Weise. Er setzte es sich nun zum Ziele, ohne jede Unterschiede des Erdteils ein Land zu suchen, das die Juden in geschlossener Masse besiedeln und bewohnen könnten. Man knüpft politische Verbindungen an. gründet Gruppen und wirbt um Mittel. Jetzt steht der Kongreß der Jtoisten bevor, der für Wien anberaumt wurde. Man wird Gelegenheit haben, die Fortschritte und Absichten

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