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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-05-10 · 19 (10.5.1912) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
19 (10.5.1912)
Date
1912-05-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Blocks Wochenschrift Sette 317 Sabbatarier dem unsterblichen ungarischen Dichter Maurus Iokai die Anregung zu seinem Roman „Gott ist einzig" gegeben. Wieder ein interkonfessionelles Kinderspital von Juden gegründet. Aus Arad in Ungarn wird uns geschrieben: Vor einigen Monaten starb hier der reiche Fabrikant Samuel Neumann, dessen 6 Millionen Kronen betragendes Vermögen seinen Geschwistern zufiel. Namens der Erben teilte nun Herr Adolf Neumann dem Bürgermeister der Stadt Arad brieflich mit, daß sie, nachdem der Erblasser zu Lebzeiten den Wunsch hatte, ein Kinderspital zu errichten, beschlossen haben, mit einem Kostenaufwands von 250,000 Kronen ein Kinderspital mit 60 Betten für infektiöse Krankheiten zu bauen und mit der modernsten Einrichtung zu versehen. Gleichzeitig erlegten die Erben Samuel Neumanns eine weitere Spende von 100,000 KroMN für verschiedene Araber Wohltätigkeitsanstalten. Ein Bischof über die jüdische Orthodoxie. Aus Budapest wird uns gemeldet: Dieser Tage weilte der katholische Bischof Graf Mikes in Janoshaza im Eisenburger Komitat. Bei dieser Gelegenheit empfing der Bischof unter den verschiedenen Deputationen auch eine Abordnung der dortigen jüdischen Gemeinde, welche unter Führung des Rabbiners Lazar Weiß bei ihm erschienen war. Auf die Ansprache des Rabbiners erwiderte der Bischof in einer längeren Rede. Er danke freundlichst für das Erscheinen der Deputation, gab insbesondere seiner Sympathie für das orthodoxe Judentum Ausdruck, welches, wie er hervorhob, auch unter schweren Kämpfen und großen Opfern von der traditionellen Treue zum angestammten Väterglauben nicht äbließ. Zum Schluffe sprach Bischof Graf Mikes von der Eintracht und dein Frieden unter den verschiedenen Konfessionen, wofür er in der Vergangenheit stets ein Fürsprecher gewesen und auch in Zukunft immer bleiben wolle. Der Bischof erkundigte sich noch über die Eemeindeverhältnisse und verabschiedete sich von der Deputation aufs freundschaftlichste. Jirdenmassaker in Fez. Das deutsche Bureau der „Alliance Jsraälite Universelle" in Berlin-Eharlottenbury veröffentlicht folgenden an das Zentralkomitee gesandten Bericht des Direktors der Allianceschule in Fez. Elmaleh. über die gelegentlich des jüngsten Aufstandes erfolgte Plünderung des Iudenviertels: Die Plünderung des Mellah (Judenviertel) durch die scherifischen Truppen begann am Mittwoch den 17. April, mittags. Man hatte mich benachrichtigt, daß an den Toren des Mellah Schüsse gewechselt würden. Ich glaubte zunächst an einen belanglosen Auflauf. Mit jeder Minute aber wurden die Meldungen beunruhigender. Fünftausend gutbewaffnete Soldaten, berichtete man mir, wären im Anmarsch auf das europäische Viertel und auf das Mellah. Die Tore des Mellah wurden geschlossen, blieben aber unbeschützt, weil die Israeliten weder Gewehre noch Munition hatten. Der Angriff war so plötzlich erfolgt, daß es unmöglich war, die Verteidigung zu organisieren. Jeder suchte sich mit den Seinen in seinem Hause zu verteidigen. Unsere Schulen füllten sich mit Massen von Frauen und Kindern, die nicht wußten, daß unsere Gegenwart ihnea zum Verhängnis werden konnte, denn die Empörer suchten alle Franzosen in Fez niederzumetzeln. Um 2 Uhr mittags hatten die Räuber die Tore des Mellah niedergebrannt und waren in die Stadt eingedrungen. Die Plünderung begann. Wir hörten Verzweiflungs¬ und Todesschreie vieler Menschen. Nachrichten, die ich um teures Geld an den französischen Gesandten und in das zwei Kilometer entfernte französische Lager von Dar Dbibag gesandt hatte, waren nicht in die Hände der Adressaten gelangt. Die Truppen des Generals Brulard, der nur über etwa 800 Mann verfügte und um jeden Preis die französische Gesandtschaft und das europäische Viertel erreichen wollte, zogen, anstatt den kürzesten Weg durch das Mellah zu nehmen, außerhalb seiner Mauern vorbei. Wir blieben daher unserem Schicksal überlassen. Nach einer furchtbaren Nacht, die ich inmitten meiner Familie, umgeben vom Personal der Schulen verbrachte, forderte ich am Morgen, um neues Unglück zu verhüten, die Bewohner der benachbarten Hä sser auf, zu entfliehen. Ich selbst verließ mit den Meinigen und unseren Flüchtlingen das Haus. Es war eine Flucht unter Schrecken und Bestürzung, die nicht zu schildern ist. G e h e tz t und v e r f o l g t gelangten wir in einem Garten, der an den Palast des Sultans grenzte, wo wir den Rsst des Tages zubrachten. Am Abend öffnete uns der Sultan, von Mitleid erfüllt, die Höfe des Palastes. Etwa 2000 Israeliten fanden an diesem Abend dort Aufnahme. Der Sultan ließ freigebig Lebensmittel an sie verteilen. Die Militärbehörde, die französische Gesandtschaft, der englische Konsul haben Brot geschickt. Die am Mittwoch begonnene Plünderung setzte sich ununterbrochen bis Sonnabend morgen fort. Getötet sind 50 Israeliten, zirka 25, zum Teil schwer, verwundet. Ich habe mich bemüht, alle Verwundeten im Bürgerhospital zu vereinigen. Der französisckie Gesandte Herr Regnault begab sich in Begleitung einiger Aerzte, Offiziere und Architekten in das zerstörte Mellah. Ich veranlaßte Herrn Regnault zur Besichtigung zahlreicher Häuser, um ihm einen Begriff von der G öße des Unglücks zu geben. Auch den in den Höfen des Palastes untergebrachten Israeliten stattete Herr Regnault einen Besuch ab. Auf Anregung des Herrn Regnault hat der Sultan eine offizielle Kommission eingesetzt, die die Fürsorge für die Israeliten übernommen bat. Dieser Kommission gehören an Si Mohammed Tasi, Minister der öffmtlichen Arbeiten, als Präsident. Elmaleh, Direktor der Allianceschulen in Fez, als Sekretär und Schatzmeister, Herr Mercier, französischer Konsul, Herr Tranchanr de Lunel, Architekt, Herr Dr. A. Weißgerber und zwei andere französische Aerzte. Ich bitte Sie inständigst, uns so viel Mittel zu senden, als Sie irgend können und in der ganzen Welt, überall, wo sich Glaubensgenossen befinden, Sammlungen unter Ihrer Führung zu veranstalten Elmaleh. Di: Schächtfrage in Finnland. Der finnkändische Senat unterbreitete der Regierung ein Memorandum, in welchem um die Erlaubnis angesucht wird, Gesetzesvorlagen vorzubrreiten. auf Grund welcher den Juden und Mohammedanern in Finnland gestattet fei, das Schächten nach ihren rituellen Vorschriften vorzunehmen. Begründet wird dieses Begehren des Senates damit, daß infolge des bestehenden Schächtverbotes in Finnland die Juden fast vollständig jeder Fleischnahrung entbehren, was sowohl wirtschaftliche, wie auch andere Nachteile zur Folge hat. Bekanntlich war das Schächten in Finnland unter dem Regime des Gouverneurs General Bobrikow gestattet, wurde jedech später auf Drängen der Finnländer verboten. Man hofft, daß durch das Einschreiten des Senates das Schächten sowohl filr die Mohammedaner, wie auch für die Juden endgültig freigegeben werden wird. Eine jüd'sche Richten« nr Australien. Die Tochter des Richters Jsaacs. Fräulein Nancy Jsaacs, wurde, wie aus London berichtet wird, zur Richterin am Appellationsgerichtshofe in Melbourne (Australiens ernannt. Diese Ernennung hat in Australien großes Aufsehen erregt, da Fräulein Jsaacs die erste Richterin in Australien ist, und man in ihrer Ernennung einen Sieg der Frauen-Advokaten erblickt. Ihr Vater, Richter am Obersten Gerichtshöfe, ist ein gebürtiger Melbourner, war schon einmal Justizminister von Australien und spielt auch sonst im politischen Leben des Landes eine große Rolle. Richter Jsaacs ist ein treuer Jude, der an der Spitze fast sämtlicher bedeutender jüdischer Institutionen in Australien steht. Ein jüdisch;r Minister in Neuseeland. Mr. Arthur Myers wurde dieser Tage, wie uns aus London gemeldet wird, zum Minister in Neuseeland ernannt. Er erhielt drei Portefeuilles, und zwar dasjenige der Finanzen, des Volksschutzes und der Eisenbahnen. Mr. Myers ist gegenwärtig 45 Jahre alt, war lange Zeit Bürgermeister von Auckland und hat mährend der Zeit seiner Bürgermeisterschaft in Auckland viele nützliche Reformen durchgeführt, welche ihm die Sympathien der gesamten Bevölkerung verschafften. Im Jahre 1909 wurde Myers zum erstenmale zum Depupierten des Parlaments von Neuseeland gewählt, welcher Körperschaft er bis zum heutigen Tage angehört. Er hat auch in der Armee den Rang eines Majors inne. Die

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