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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-05-03 · 18 (3.5.1912) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
18 (3.5.1912)
Date
1912-05-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 298 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 18 die rumänischen Juden entschlossen, wenigstens jene Ungerechtigkeiten, welche selbst im rumänischen Gesetze nicht begründet erscheinen, nicht mehr ruhig über sich ergehen zu lassen und in jedem konkreten Falle energisch Verwahrung einzulegen. So zum Beispiel hat die Regierung verfügt, daß bei den soeben vorgenommenen Wahlen in die Arbeiterversicherungskassen die Juden wohl aktives, aber kein passives Recht haben. Die jüdischen Handwerker von Fokschani haben nun gegen eine solche Verfügung protestiert, indem sie erklärten, daß sie sich nicht zwingen lassen, von vornehmem bestimmte Menschengruppen zu wählen, wenn sie nicht das Recht haben, eventuell auch selbst gewählt zu werden. Der in der Wahlkommission anwesende Regierungsvertreter hat den Protest zu Protokoll genommen und erklärt, daß er in dieser Angelegenheit aus Bukarest Weisungen einholen wolle. Auch die jüdischen Handwerker und Arbeiter der übrigen Städte sind entschlossen, so lange diese Wahlen zu boykottieren, bis die Regierung nicht ihre ungesetzliche Verfügung zurückgezogen haben wird. Jüdische Arbeiter im! Kattowitzer Bergbau. Der Drohobyczer Rabbiner Dr. Margulies erhielt, wie das ...Jüdische Wort" in Drohdbycz berichtet, von Herrn Siegfried Wiener aus Kattowitz ein Schreiben, in welchem er ersucht, bekannt zu geben, ob nicht arbeitskräftige Juden geneigt wären, beim Kattowitzer Bergbau als Arbeiter unterzukommen. Die jüdischen Arbeiter haben Hort auch Aussicht auf lohnenden Verdienst, überdies steht ihnen eine rituelle Küche zur Verfügung and wird an Sabbathen und jüdischen Feiertagen freigegeben. Nähere Auskünfte hierüber sind bei Rabbiner Herrn Margulies in Drohobycz einzuholen. Ein Sammelwerk über die Juden in Bulgarien. Anläßlich des 25jährigen Regierungsjubiläums des Königs Ferdinand von Bulgarien werden die bulgarischen Juden ein großes Werk in bulgarischer Sprache herausgeben, in welchem die Geschichte und die sozialen Verhältnisse der bulgarischen Juden von ihrer ersten Ansiedlung bis auf den heutigen Tag behandelt werden sollen. An diesem Werke arbeiten unter anderem auch der Großrabbiner von Bulgarien, Dr. Ehrenpreis, Rabbiner Dr. Rosenwasser. Prof. Dr. Kohn und mehrere andere mit. Die Hebräische Bibel in neugriechischer Sprache. In Athen erscheint seit vorigem Monate unter dem Titel „La revua Jsraelite" eine jüdische Monatschrift in griechischer Sprache. Im Leitartikel der ersten Nummer gibt die Redaktion unter anderem bekannt, daß sie mit Rücksicht darauf, daß die hellenischen Juden keine griechische Uebersetzung der Bibel besitzen, daran geht, eine solche Uebersetzung zu veranstalten und die wichtigsten Kapitel in der Monatsschrift zu veröffentlichen. Es wird dies wohl die erste Bibel in neugriechischer Sprache sein. Im Programme der Revue ist auch die Verbreitung der alten und neuen hebräischen und jüdischen Literatur, sowie der jüdischen Geschichte unter den hellenischen Juden enthalten. Jubiläumsfeier der „Hazefirah" in Warschau. Der „N. I. K." wird aus Warschau geschrieben: Unter außerordentlich reger Teilnahme fand hier am 17. April im großen Saale der Philharmonie die Jubiläumsfeier der hebräischen Tageszeitung „Hazefirah" anläßlich ihres '50jährigen Bestehens .statt. Es herrschte ein ungeheurer Andrang und große Begeisterung. Zahlreiche Deputationen aus Petersburg, Moskau, Brest-Litewsk. .Bialystock, Lublin, Lodz, Riga und anderen russischen und polnischen Städten, sowie aus.dem Auslande (Königsberg i. Pr. usw.) waren zur Feier erschienen. Nahezu sämtliche jüdischen Anstalten, Vereine, Redaktionen in Warschau und Lodz hatten ihre Vertreter entsandt. Die Feier wurde mit einer Ansprache des Herrn L. Kaplan eröffnet, der die Entwicklungsgeschichte der „Hazefirah" in kurzen Worten skizzierte. Hierauf stimmte der Kantor der Warschauer jüdischen Gemeinde, Herr G. Sirota, mit Chorbegleitung eine eigens verfaßte hebräische Iubelhymne an. Sodann hielt einer der ältesten Mitarbeiter der „Hazefirah" und Begründer der ersten hebräischen Tageszeitung „Hajom", Rabbiner Dr. I. L. Kantor aus Riga, eine glänzende Festrede, in der er den Entwicklungsgang der modernen hebräischen Presse in Rußland schilderte und eine interessante Charakteristik des ersten Redakteurs der „Hazefirah", des Mathematikers und Astronomen Ch. S. Slonimski, sowie seines gegenwärtigen Chefredakteurs Nahum Sokolow entwarf. Die Festrede Dr. Kantors wurde oft durch stürmischen Beifall unterbrochen. Nach Dr. Kantor sprach der bekannte jüdische Gelehrte Dr. Samuel Posnanski (Warschau). Es folgte nun der Empfang der verschiedenen Abordnungen, deren Sprecher Herrn Sokolow und dem Jubiläumskomitee die Glückwünsche ihrer Auftraggeber übermittelten und zum Teil Glückwunschadressen überreichten. Es hielten ferner Reden in hebräischer Sprache die Herren Rabbiner Dr. Josef Mohilewer aus Bialystock und Hillel Zlatopolski aus Kiew. Nach verschiedenen hebräischen Chorgesängen des Gesangvereins „Hasamir" gelangte ein hebräischer Einakter „Hajobel" („Das Jubiläum") zur Aufführung. Schließlich sprachen noch — ebenfalls hebräisch — die Herren Dr. I. Thon aus Krakau und Chefredakteur Nahum Sokolow, der den von nah und fern herbeigeeilten Festteilnehmern gerührt dankte. Mit einer Vorführung von lebenden Bildern endete die imposante Feier, die ein literarisches und gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges im Warschauer jüdischen Leben bildete. Donnerstag, den 18. April, abends, fand im' „Schweizertal" ein Festmähl zu Ehren der „Hazefirah" statt, an dem über 500 Personen teilnahmen. Das Festmuhl wurde durch eine Ansprache des Herrn Abraham Podlischewski eröffnet. Trinksprüche hielten u. a. die Herren H. Zlatopolsky (Kiew), E. Kaplan (Warschau), Dr. Bernstein (Lodz), Dr. Kantor (Riga), Grünbaum (Odessa) und Chefredakteur Sokolow. Die Warschauer hebräischen Verlagsgesellschasten „Achiassaf", „Tuschijah" und „Safruth" haben beschlossen, aus Anlaß des Jubiläums der „Hazefirah" eine Anthologie der hebräischen Zeitschristenlileratur herauszugeben, die in chronologischer Reihenfolge charakteristische Proben aus den verschiedenen hebräischen Zeitschriften und Tageszeitungen von dem Berliner „Meassef" des Mendelssohnschen Kreises angefangen bis auf den heutigen Tag enthalten soll. Auch die Titelblätter der einzelnen Zeitschriften, sowie bibliographische und literarhistorische Notizen über dieselben sollen der Anthologie beigegeben werden. Diese Sammelschrift wird demnach gewissermaßen eine Geschichte der hebräischen Presse mit wertvolle Quellenmaterial darstellen.. Verbot einer territorialistischen Gesellschaft in Rußland. Aus Petersburg wird uns berichtet: Die Behörden verweigerten der territorialistischen Gesellschaft zum Studium der Kolonisationsfrage die Statutengenehmigung mit der Begründung, weil die Statuten dieser Gesellschaft große Aehnlichkeit mit denjenigen des Minsker zionistischen Vereines aufweisen, welche seinerzeit gleichfalls verboten wurden.

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