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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-26 · 17 (26.4.1912) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
17 (26.4.1912)
Date
1912-04-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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wr 17 Dr. Bloch’s Zenttalorgan kür die gesamten Interessen des Judentums« -n~~ □- Wien, 26. April 1912 Erscheint jeden Lreitag. Brief-Adreffe: Wien. IX/i, Hahugasie 15. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. Inhalt: Leitartikel: Der Anfang vom Ende. — Ein Besuch beim New-Aorker Judentum. Vom Jahrmarkt des Lebens: Künstlerhaus. Die Juden von Irland und die Homerule. Die Repatriierung der spaniolischen Juden in Spanien. Das Peffachopfer der Samarianer. Ein Besuch beim Tmm zu Babel. — Die Preßlakeien des Luzionismus. — Korespondenzen: Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Kultus Vorstandes am 21. April 1912. Enthüllungen über den Bürgermeister Neumayer. Ein jüdisches Gymnasium in Wien. Thora und Arbeit. Vom mährischen Landesrabbinate. Berlin. Tausend Juden in Fez ermordet. Tagelange Pöbelherrschaft in der Hauptstadt Marokkos. Juden als Förderer der Kultur in Italien. An die Freunde des heiligen Landes und seiner Literatur. — Vermischtes. — Feuilleton: Das Montefiore-Heim in New-Iokk. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. O Cr-= ■ ■ =DO p 9xpig»pxzi0 für Drstrrrrirh: C Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausl«nd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 3 «al gesyal» 2 lene Petttzeile 4« Heller. C, O P — - - OG O öo Q V. K. Pofisxarkaffrnamr alearlng-Verkebr *Wt. 810.076. RedaMon und Administration. Wien EC/i, Hahngaffe Nr. 15. _ Telefon Nr. 14.847. oP -On Der Anfang vom Ende. Das Ende des schwarzen Vierteljahrhunderts ist nun doch gekommen. Fünfundzwanzig Jahre haben Wien und Oesterreich geschmachtet unter der brutalen Herrschaft aller Kräfte der geistigen Finsternis. Die im Jahre 48 mit Blut und Feuer verscheuchten Geister kamen in den Achtzigerjahren wieder zurück, hatten sich einen neuen Namen gegeben und drückten das arme Land. Wir wollen nun von den Juden gar nicht sprechen. Sie, deren Beleidigung und Schädigung das Gesamtprogramm der christlichsozialen Meute war, sind jetzt ganz zurückgetreten. Wer wollte von ihren schlechten Eigenschaften agitatorisch noch wirksam reden, da es doch gerade die Antisemiten sind, welche den gelben Fleck der Korruption riesengroß an sich tragen? Wohl aber soll jetzt daran erinnert werden, welche schlechte Rolle die Monarchie seit dem Auftreten der Christlich-Sozialen gespielt hat, die solange die Regierung und das öffentliche Leben beherrscht haben. Das war die natürliche Folge einer Politik, welche nicht von Kapazitäten und hellen Köpfen, sondern von den ärgsten Demagogen und von Elementen gemacht wurde, bei denen nicht die Tüchtigkeit, sondern die Gesinnungstüchtigkeit entschied. So wie bei dem Einzelnen, wenn er weder Kenntnisse noch den Willen zur Arbeit hat, die persönliche Stellung durch Herabwürdigung der Strebsamen und Guten, durch Verhetzung und persönliche Jntriguen gehalten wird, so konnten natürlich die Christlich-Sozialen, vollkommen unfähig, arbeitsscheu und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht, nur vom Angriff, von der Hetze leben und Trübnis anrichten, um darin nach Macht, Geld und Orden zu fischen. Das haben sie denn auch aus allen Kräften getan und waren dabei die Lehrmeister aller Übeln Elemente im Staate, denen sie zeigten, daß cs nur der Rücksichtslosigkeit, der Verachtung der Gesetze und der Brutalität der Straße bedürfe, um sich Erfolg zu verschaffen. Seit dem Auftreten der korrupten Wiener Rathauspartei ist denn auch in Oesterreich der Streit aller gegen alle ins Maßlose gestiegen, gerade die turbulenten und schlechten Elemente in den Vordergrund gezogen, die Politik dadurch geradezu vergiftet, der gegenseitige Haß verschärft, Kunst und Wissenschaft unter eine wahre Schreckensherrschaft gestellt, der persönliche Vorteil zum obersten Programmpunkt der meisten Politiker gemacht. Das sind furchtbare Schäden für einen Staat, in welchem nur die Einigkeit die Macht bedeutet. Wenn es wirklich wahr ist, daß sich die Christlich- Sozialen einer hohen Protektion erfreuen, so ist das gewiß kein Vorteil des Patriotismus. Diese Partei hat wie die Hunnen in der diesseitigen Reichshälfte gehaust, und erst nach ihrem Verschwinden wird man die von ihr angerichteten Schäden übersehen können. Das Verschwinden hat nun am Dienstag begonnen und wird radikal fortgesetzt werden. Von Grillparzer ist das Wort, daß die Zukunft nur das Tor ist, durch das die Vergangenheit wieder einzieht. Das historische Vertrauen hat nicht getäuscht. Demagogische, revolutionäre Bewegungen, die eine Sturzflut von Schlamm mit sich führen, haben immer nur ein kurzes Dasein gehabt. Auch den Christlich- Sozialen konnte es nicht anders gehen, obwohl sie alle Anstrengungen gemacht haben, sich eine Herrschaft für die Ewigkeit einzurichten und obwohl man auf dem Gipfelpunkt ihrer Macht fast alle Hoffnung auf eine Besserung aufgegeben hatte. Die Iden des April sind aber noch vernichtender ausgefallen als die Juniwahlen in den Reichsrat. Unerbittliches Walten der Logik! In einer Partei, in welcher alles auf den persönlichen Vorteil losging, mußten endlich die Interessen feindlich aufeinander stoßen und der Kampf der Korruption sich der Bevölkerung offenbaren. Von Hraba bis Silberer dann eine riesige politische Sittenkomödie, deren Katastrophe die Wahlen waren. Es ist gar nicht zu verwundern, daß das erste Resultat nicht die vollen Siege der freiheitlichen Parteien gewesen sind, sondern nur Stichwahlen. Die Wahlordnung ganz nach den Bedürfnissen der Christlich-Sozialen zurechtgezimmert, die Wahltechnik teils Brutalität, teils Betrug, ein Heer von städtischen Angestellten und Beamten, die auch zur Agitation gepreßt wurden, die Leidenschaft der Hatzlianer für ihre Fütterung, das Rathaus eine große Krippe, die Legitimationen nicht zugestellt, die Wahlbeteiligung für die Oppositionellen mit aller Macht verhindert, offene Gewalttätigkeit bei Versammlungen und bei der Agitation, skrupellose Verleumdungen der Gegner — das alles sind Momente, welche im Resultat zum Ausdruck kommen mußten. Trotzdem hat sich der freiheitliche Gedanke über das alles hinweggesetzt.

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