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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-19 · 16 (19.4.1912) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
16 (19.4.1912)
Date
1912-04-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 260 Dr. Bkochs WochMchrist Nr. 16 schein zum 1. Obmann-Stellvertreter, Leop. Lourie zum 2. Obmann-SteNvertreter, Hugo Tugendhat zum Schriftführer, Dr. Edmund Kornfeld zum Schriftführer-Stellvertreter, Dir. Wilhelm Kur zum Zahlmeister, Mar Frank zum Zahlmeister-SLellver^ treter. In den engeren Ausschuß wurden aus der Vereinsleitung delegiert die Herren: Moriz Sonnenschein, Leopold Lourie, Mar Frank, Gustav Brüll, Karl Klemperer, Dr. Edmund Kornfeld, Josef I. Le in kauf, Josef Mandl, Richard Petschek, Adolf Pick, David Rotter, Kommerzialrat S. Rosenzweig, Alexander Schorr, Kommerzialrat Mar Schweiger, Hugo Tugen hat. Die Redaktion kann nicht umhin, die Aufmerksamkeit der Leser auf das eminent wohltätige Wirken des Galizischen Hilfsvereines zu lenken. Nur dadurch, daß den 600,000 armen galizischen Juden Arbeit und Verdienst zugeführt wird, werden diese unsere Glaubensgenossen nicht nur auf ein besseres materielles, sondern zugleich auch auf ein höheres kulturelles und moralisches Niveau gebracht. Dieser großartige Gedanke, den der Galizische Hilfsverein in die Tat umzuseßen sich bestrebt, bedarf zu seiner Verwirklichung sowohl einer fortgesetzten, unermüdlichen Tätigkeit, als auch der reichlichen Unterstützung der Juden in ganz Oesterreich. Wir bitten daher unsere Leser, ohne Unterschied des Geschlechtes. diesem Vereine als Mitglieder beizutreten und auf diese Weise dieses segensreiche Werk zu fördern. Der mindeste Mitgliedsbeitrag beträgt jährlich 4 Kronen- Beitrittserklärungen find an die Adresse des Hilfsvereines, Wien, IX., Berggasse 4. zu richten. Verein der der Sabbathfreunde „Schomire Schabbos", Wieir. Am 14. April fand die dritte ordentliche Generalsammlung des Vereines im Talmud-Thora-Saale statt. Obmann Herr M. Felsenburg begrüßt den in Vertretung der Kultusgemeinde erschienenen Herrn Rabbiner Kramer, sowie den von schwerer Krankheit genesenen eifrigen Förderer aller jüdischen Bestrebungen, Herrn Professor M. Antscherl. Von der Verlesung des Rechenschaftsberichtes, als in Händen der Mitglieder befindlich, wird Abstand genommen und dem Vorstande das Absolutorium erteilt. Der Jahresbericht weist in den Einnahmen gleiche Ziffern aus: die Stellenvermittlung konnte erfreulicherweise 98 Stellen besetzen, gegen 68 im1 ab gelaufenen Jahre. Vorsitzender spricht dem Kultusvorstande den Dank aus für die Erhöhung des Jahresbeitrages, als erfreuliches Zeichen der Anerkennung. Die Generalversammlung votiert Herrn Dr. Heinrich Haase den Dank für Ueberlassung seiner Arbeit für den Jahresbericht, dem Vorstandsmitglieds Herrn Nathan Pollak votiert die Generalversammlung den besonderen Dank für seine unermüdliche zielbewußte Arbeit im Dienste des Vereines. Die Herren Lamm und Benau geben verschiedene Anregungen zur Förderung der Dereinsziele, welchen der Vorstand eingehende Würdigung zusagt. Herr Abend beantragt die Gründung eines Kindergartens, in dem den Kindern schon im zartesten Alter die jüdischen Religionsbräuche praktisch gelehrt werden. Die Idee wird sympathisch begrüßt, jedoch als nicht eigentlich in den Rahmen der Vereinstätigkeit gehörig bezeichnet. Die Wahlen ergaben die Wiederwahl der austretenden Herren: M. Felsenburg, W. Pappenheim, M. Rasch, G. Austerlitz, sowie der Revisoren Herren Ad. Rosenthal und Elias Weiß. Aus der Kurie der Angestellten wurden die Herren Ad. Breuer und H. Figdor in den Vorstand gewählt. Der Jahresbericht mit dem interessanten Aufsatz „Ueber den Sabbath" wird auf Verlangen jedermäun gratis von der Vereinskanzlei, Wien II., Kleine Schiffgasse 10, zugesandt. Karlsbad. In unserer Stadt ist gegenwärtig ein Kampf im Entstehen, welcher nicht nur von lokalem Interesse ist, sondern der weit über die Grenzen von Karlsbad, besonders aber in jüdischen Kreisen Beachtung verdient. Der Kampf, der bereits begonnen hat, soll entscheiden, wer der Stärkere von zwei Bewohnern Karlsbads ist. Der Eine davon ist Alfred Doroschkin. Redakteur des deutschradikalen Karlsbader Badevlatt, der andere Jur.-Dr. Hans Wiederer, k. k. Bezirksrichter beim hiesigen Bezirksgericht, der einer alten ehrenwerten christlichen Familie entstammt. Alfred Doroschkin ist natürlich ein fanatischer Deutschradikaler, Dr. Hans Wiederer ist seit einiger Zeit Obmann des deutschfortschrittlichen Klubs im Karlsbader Stadtverordnetenkollegium. Die Geschichte dieses Kampfes ist folgende: Alfred Doroschkin ist der Sohn eines Russen, der sich vor mehr als 50 Jahren im benachbarten Orte Asch ansiedelte. Der Mann sprach kein Wort deutsch. Sein Sohn Alfred, von Geburt somit Russe, spricht auch natürlich gut russisch und deutsch, aber sein Typus, seine Gesichtszüge, auch sein Charakter und manche Gewohnheiten verraten den Russen, in dessen Adern russisches Blut fließt. Dieser, väterlicherseits V o l lb l u t r u s s e, ist — man staune — in Karlsbad einer der wichtigsten Führer der Deutschradikalen; er ist eigentlich der wichtigste, der einflußreichste Deutschradikale Karlsbads, er ist seit langen Jahren die Geißel der Karlsbader Juden, der Todfeind der Tschechen; er beherrscht die Gemeindevertretung, die Bezirksvertretung, die antisemitische und die deutschfortschrittliche Presse hier uub auswärts, er beherrscht den Bürgermeister, die Stadträte und das Stadtverordnetenkollegium — kurz er ist der mächtigste Mann in Karlsbad, der wie ein König durch die Straßen der Stadt geht, vor dem alles den Hut zieht und dessen Morgenzeitung, wenn sie am späten Vormittag erscheint, jeder Beamte ängstlich erwartet, um zu sehen, ob? nicht irgend etwas seinen Zorn erregt hat und dem die Juden mit einer gewissen Aengstlichkeit Nachsehen und sich zurufen: „Dort geht der Doroschkin". Das ist durchaus keine Uebertreibung, sondern die reinste Wahrheit: Der Russe Doroschkin, Führer der Deutschradikalen Karlsbads, ist der Mann, der den Deutschradikalismus, den Antisemitismus in Karlsbad großgezogen hat, ihn erhält und ihn nach Belieben steigen und fallen läßt, und gegen ihn hat nun der k. k. Bezirksrichter Dr. Hans Wiederer die Streitaxt ergriffen und in einer Sitzung der Deutschfortschrittlichen ausgerufen: „Ja meine Herren, mit den Badeblattberichten (diese Zeitung wird von Alfred Doroschkin redigiert) bitte ich etwas vorsichtig zu sein. Wenn man olles berichtigen wollte, was das Badeblatt bringt, kämen wir aus den Berichtigungennicht heraus." So sprach ein k. k. Richter, der es gewöhnt ist, seine Worte zu überlegen, besonders wenn sie ein Urteil enthalten; freilich, andere Leute würden sich etwas deutlicher ausgedrückt haben und hätten vielleicht gesagt: Das Karlsbader Badeblatt ist die unverschämteste Lügnerin unter den antisemitischen Blättern von Oesterreich-Ungarn. Nun, man muß die Rachsucht und die Bösartigkeit des Karlsbader Badeblatt kennen, um zu erfassen, was daraus wird. Bereits zweimal wurde Dr. Wiederer angegriffen und er hat bisher gut geantwortet; allein mit solchen Mitteln, wie sie das Badeblatt gegen seine Gegner anwendet, kann eben ein k. k. Bezirksrichter nicht kämpfen^ und wenn es irgend ein Mittel gäbe, um Dr. Wiederer an seiner makellosen Ehre, an seiner Berufstätigkeit, an seiner sozialen Stellung und an seinem Vermögen zu schädigen, dann würde dies vom Badeblatte wie seit 20 Jahren gegenüber seinen Widersachern versucht werden. Alfred Doroschkin hat die deutschantisemitische Bewegung in Karlsbad geschaffen; er ist Stadtverordneter und übt als solcher auf die gesamte Stadtverordnetenschaft, auf die Stadträte, ebenso wie auf die Beamtenschaft einen vollständigen Einfluß aus. Dadurch, daß er Mitglied des Bezirksausschusses ist. reicht sein Einfluß auch auf den Bezirk. Als Obmann des Preßausschuffes der Stadt hat er die gesamte Presse in der Hand; er ist Obmann der Bezirkskcankenkasse, isNim Ausschüsse fast aller antisemitischen Vereine Karlsbads; er sitzt im Vorstand des Preßausschuffes des deutschen Preßvereines in Böhmen, und man darf sagen, es gibt in Karlsbad keinen Menschen, der in so vielen Vereinen sitzt und so viele Vereinsstellen einnimmt, wie Alfred Doroschkin. Wenn das Karlsbader Badeblatt heute einen Artikel erscheinen läßt: Der und der Funktionär muß gehen, so muß auch die deutschfortschrittliche Presse Karlsbads in denselben Ruf einfallen, denn er hat durchgesetzt, daß die andern Blätter das tun müssen, was das Badeblatt will, und heute ist es soweit gekommen, daß die Gastwirtegenoffenschaft, der Theaterverein, an dessen Spitze der Bezirkshauptmann steht, der Landtagsabgeordnete Fritz, die jüdischen Korrespondenten auswärtiger Blätter seitens des Badeblattes unter Boykott stehen, und daß es z. B. auf Veranlassung des Herrn Doroschkin den städtischen Beamten verboten ist, den Korrespondenten jüdischer Konfession irgendwelche Auskünfte zu erteilen — dies ist, nebenbei bemerkt, seit Jahren der Fall, und die Macht des Herrn Doroschkin geht so weit, daß die deutschfortschrittlichen Stadtverordneten und selbst der deutschfortschrittliche Bürgermeister von Karlsbad sich außer Stande erklären, diese Verhältnisse zu ändern und gegenüber dem Herrn Doroschkin machtlos sind. Dies ist auch die Ursache, warum in der internationalen Kurstadt Karlsbad die deutschfortschrittliche Partei total niedergerungen ist, denn

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