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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-19 · 16 (19.4.1912) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
16 (19.4.1912)
Date
1912-04-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 258 Dr. Vlochs WochMfchrift Nr. 16 an Schulgeld 50—60 Kronen jährlich und soviel würden die Kosten einer gut frequentierten Schule per Schüler ausmachen. Daß übrigens dieses Cheder selbst die extrem-orthodoxen Kreise nicht mehr befriedigt, beweist am besten die im März d. J. in Czernowitz stattgefundene Konferenz der Großrabbiner Ostgaliziens und der Bukowina. Zwar hatten bedauerlicherweise zu dieser Konferenz selbst die Vertreter der jüdischen Presse keinen Zutritt und es wurde auch über diese kein Communique herausgegeben, aber wir haben doch alle Ursache, anzunehmen, daß die in der „Oesterr. Wochenschrift“ über den Gegenstand der Beratungen gebrachten Mitteilungen, wonach sich die Konferenz mit der Reformierung des Cheders beschäftigte, richtig sind. Zwar wird auch in dieser Mitteilung von der Gründung von Handels- und Gewerbeschulen, an anderer Stelle sogar von jüdischen Gymnasien erwähnt, aber diese Anstalten kommen erst in zweiter Reihe und für diese unsere Ausführungen gar nicht in Betracht. Ich möchte aber schon an dieser Stelle eindringlichst davor warnen, schon jetzt die Errichtung jüdischer Gymnasien in ihren Wirkungskreis zu ziehen, denn, abgesehen davon, daß es verkehrt wäre, bei Volkserziehung mit Gymnasien zu beginnen, würde man bei solcher Aktion noch andererseits auf solche ernste Schwierigkeiten stoßen, die die ganze Aktion im Keime ersticken würden. Dagegen aber ist es unumgänglich notwendig, ja unaufschiebbar, eine moderne Jeschiboh zur Heranbildung von staatlich anerkannten Religionslehrern und Rabbinern zu errichten. Auf die Organisation dieser Jeschiboh werden wir noch später zurückkommen und wollen uns an dieser Stelle nur mit den zu gründenden Volksschulen beschäftigen. Wir verkennen zwar nicht den Einfluß der Großrabbiner auf das Gros der jüdischen Bevölkerung Galiziens und der Bukowina und es ist wohl zu erwarten, daß es ihnen von dieser Seite sowohl an moralischer, als auch an finanzieller Unterstützung nicht fehlen wird, aber selbst diese wird bei weitem nicht hinreichen, eine entsprechende Schulreform ins Leben zu rufen. Zur Schulgründung selbst in bescheidenem Maßstabe gehören nämlich, wenigstens in den ersten Anfängen, bedeutende Gründungsfonds, eingeschulte Lehrkräfte und erfahrene Schulmänner. In Ermangelung dieser Faktoren kann von einem Erfolge die Rede nicht sein und die ganze Aktion müßte im Sande verlaufen. Glücklicherweise ist auf diesem Gebiete in den letzten dreißig Jahren ein schönes Stück Vorarbeit geleistet worden. Und wenn diese Aktion es verstehen sollte, sich diese zunutze zu machen, wenn es nämlich gelingen sollte, die Institution, die sich seit dreißig Jahren mit der Errichtung von Schulen in Galizien und Bukowina beschäftigt, für ihre Idee zu gewinnen, dann kann sie sich den Erfolg sichern. Diese Stiftungen verfügen nicht nur über die nötigen Fonds, sondern auch, was die Hauptsache ist, über einen geschulten Lehrkörper mit erfahrenen Schulmännern und einer beträchtlichen Anzahl gut eingerichteten, meist mit Oeflentlichkeitsrecht ausgestatteten Schulen. Es läßt sich nicht leugnen, daß die Wege der bereits bestehenden Schulgründer und die der Veranstalter der Rabbinerkonferenz noch verschiedene sind, da aber diese beiden, im Grunde genommen, dasselbe Ziel verfolgen, so *wird sich nicht schwer ein modus vivendi finden, der beide Teile befriedigen undein gemeinsames Vorgehen ermöglichen wird. Vielleicht wird diese Konferenz der Friedensbote zwischen Ost und West und diese unsere Zeilen der Ueberbringer dieser Botschaft sein. Budzanow. J. Fink. irorrespondenzen. Galizischer Hilfsverein. Sonnlag den 14. April fand in den Räumen des Jsr. Humanitätsvereines „B'nai B'rith", IX., Universitätsstraße 4, bk Generalversammlung des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien statt. Den Vorsitz führte an Stelle des durch Unwohlsein verhinderten Präsidenten, Herrn Sigmund Mayer, der Vizepräsident, Herr Moriz Sonnenschein. Nachdem der Vorsitzende insbesondere die Vertreter der Vereine und Ortsgruppen und die Gäste mit freundlichen Worten begrüßt hatte, ergriff der Sekretär, Herr Dr. Wilhelm Löwy, das Wort. Er teilte zunächst mit, daß Begrüßungen eingelangt sind: Von der Jewish Colonization Association in Paris, von der Großloge für Deutschland in Berlin, vom Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfurt a. M., von der Handels- und Gewerbekammer in Lemberg und vom Rabbiner Prof. Dr. Emil Hofmann namens der Reichenberger Ortsgruppe; weiters daß ihr Fernbleiben von der Generalversammlung entschuldigt haben die Mitglieder der Vereinsleitung, die Herren: Prof. Dr. S. E h r m a n n, Dr. Adolf 51 a p r a I i f, Dr. Gustav Kohn, kais. Rat Paul Lemberger, kais. Rat Dr. Theodor Lieben, Alexander Schorr, Kommerzialrat Mar Schweiger — sämtlich aus Wien, ferner die Herren: Dr. M. Hammerschlag aus Prag, Reichsratsabgeordneter Dr. Adolf Groß und Kultuspräsident Dr. Samuel Till es aus Krakau und Schulrat Dir. Alois Schwarz aus Mähr.-Ostrau, enddie Delegierten der Wiener Ortsgruppen, die Herren: Hermann Beck, Franz Frankl, Rabbiner Dr. M. Rosenmann, Ernst Simon und Dr. V. Taussig. Der Sekretär, Herr Dr. L ö w y, verliest sodann aus dem Tätigkeitsberichte pro 1911 die Darstellung über die Entstaatlichung des Geschäftsbetriebes der k. k. Anstalt für Frauen-Hausindustrie und dessen Uebergabe an die Oesterreichische Hausindustriegesellschaft m. b. H., welcher der Hilssverein als Gesellschafter beigetreten ist. Diese neue Gesellschaft versieht ebenso, wie das früher die k. k. Anstalt für Frauen-Hausindustrie getan hat, die Spitzenstationen des Hilfsvereines ununterbrochen mit Arbeit und wird dieses sicher späterhin auch in betreff seiner Stickereistationen zu tun imstande sein. Ja, es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Gesellschaft späterhin auch andere, von der k. k. Anstalt bisher nicht berücksichtigte Hausindustrien zu fördern unternehmen wird. Der Hilfsverein würde dadurch in die Lage kommen, einerseits für die Erzeugnisse von durch ihn sonst noch eingesührten Hausindustrien einen nicht auf Gewinn rechnenden Abnehmer zu erlangen, andererseits neue Hausindustrien einzuführen. [ 1 L;l Im übrigen verweist Redner auf den Tätigkeitsbericht in dem über die Industrien (Kleiderkonfektion,, Spitzenhäkelei, Spitzenklöppelei, Weißstickerei und Erzeugung handgenähter Damenwäsche, Haarnetzerei rc.), über die Zuführung von Knaben zum Handwerke und zur Gärtnerei, über die Errichtung und Förderung von Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften und Vorschußskassen rc., über den Stand der Ortsgruppen, die finanzielle Gebarung, die Bewegung im Mitgliederstande usw. das Wissenswerteste zu finden sei. Er hebt nur noch hervor, daß es im Berichtsjahre gelungen sei, insbesondere durch die Bemühungen des Herrn Dr. Julius Graf, emeritierten technischen Sekretärs der Assicurazioni Generali, in Triest eine Ortsgruppe des Hilfsvereines zu errichten, ferner daß dem Vereine von den Herren Dr. Alfons, Louis und Eugen Freiherren von Rothschild als Universalerben nach Herrn Albert Freiherrn v. Rothschild eine Spende iM Betrage von 10,000 Kronen zugekommen ist. Rach diesen Ausführungen nahm Herr Dr. Isidor Samuely als Delegierter des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde in Wien das Wort, um im Namen der Kultusgemeinde der Befriedigung über die segensreiche Tätigkeit des Hilfsvereines .Ausdruck zu geben. Vornehmlich freue ihn auch, daß der Verein sich mit Erfolg bemühe, Erwerbs- und Wirtschaftsge!» nossenschaflen in Galizien zu gründen und auf diese Weise durch Zusammenfassung der Kräfte den arbeitswilligen Gewerbetreibenden, dem Handwerke zu Hilfe zu kommen. Er würde nur wünschen, daß die bessersituierten

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