Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 15 (12.4.1912)
- Date
- 1912-04-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 15 WochMchrist Seite 247 räumige Lokalitäten gemietet werden, in denen täglich 500 Arme Brot und ein warmes Mittagessen ganz unentgeltlich bekommen sollen. Herr und Frau Straus betonten ihren Vertrauensmännern gegenüber wiederholt, daß man im Hinblicke auf die gewerblichen und wirtschaftlichen Zwecke nicht das namenlose Elend der alten, kränklichen und arbeitsunfähigen Leute, die wie Schatten in den Strafen umherirren und mit ihrem herzzerreißenden Anblick das öffentliche Mitleid herausfordern, aus dem Auge verlieren dürfe. Er weih die mo.7 dernen wirtschaftlichen Ziele zu würdigen, doch sollen die Aermsten der Armen nicht teilnahmslos dem förmlichen Verhungern preisgegeben sein. Und die darbenden Kinder dieser Unglücklichen, die vielleicht die ärmsten Schulen besuchen, sollen womöglichst in der betreffenden Schule selbst ein schmackhaftes Mittagessen bekommen. Nathan Straus hat für diesen Zweck sofort 150,000 Francs deponiert mit dem Wunsche, daß jährlich 50,000 Francs für Armenspeisung ohne Unterschied der Natianalität in der neuen Volksküche verwendet werden. Das Stiftungskapital soll bis zu anderthalb Millionen Francs ergänzt werden. Zu Kuratoren dieser Stiftung hat er den erwähnten Vertreter der Amsterdamer Pekidim, Rabbiner I. Horovicz, den Leiter der Anglo-Palästina- Bank, Dr. I. Lewy, und den Direktor des deutschell Krankenhauses Schare Zedek, Dr. M. W a l l a ch. ernannt. Zur Bekämpfung der Malaria hat der hochherzige Mann ein Gesundheitsbureau in Caiffa errichtet, das vorläufig auch mit einem Kapital von 200,000 Francs dotiert ist. Die jüdische Kunstgewerbeschule erhielt 30,000 Frs. zur Einrichtung neuer Ateliers. Der edle Mann widmete namhafte Spenden auch für andere Wohlfahrtseinrichtungen und gab den leitenden Männern das Versprechen, sich auch künftighin für die notleidende Bevölkerung Palästinas zu interessieren. Das Ehepaar Straus, das von Neapel nach Jaffa mit einem Separatdampfer angelangt ist, hat heute mit einem Separatzuge die heilige Stadt verlassen. Vermischtes. Wien. Mittwoch den 17. April 1912, V28 Uhr abends, findet im Saale des Hotel Guth, II., Stephaniestraße 14, die XXVII. ordentliche Generalversammlung der „Oesterreichisch- Jsraelitischen Union" statt. Tagesordnung: 1. Mitteilungen des Präsidiums; 2. Rechenschaftsbericht; 3. Kafsabericht; 4. Wahlen in den Vorstand; 5. Anträge und Interpellationen; 6. Diskussion. An die Generalversammlung schließt sich ein Bortrag des Herr» Dr. I. S. Bloch über: „Reise-Eindrücke in Amerika" an. Wien. Sonntag den 21. April, 10 Uhr vormittags, findet in den Räumlichkeiten der Humanitätsvereine „B'nai B'rith", IX., Univerfitätsstraße 4, die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien statt. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 14. d. M., nachmittags 2 Uhr, findet im Brigittenauer Tempel Kluckygafse 11, die Trauung der einzigen Tochter des in weiten Kreisen bekannten Herrn Heinrich Weiner, Fräulein Rosa Weiner, mit Herrn Julius S ch ü ck, statt. Wien. Am 9. April ist hier der Archivbeamie der israelitischen Kultusgemeinde Herr Sigmund H u s s e r l im 53. Lebensjahre nach einem arbeitsreichen Leben gestorben. Der Heimgegangene war früher Magistratsbeamter und mußte beim Anbruch der antisemitischen Aera als Jude den Posten verlassen. Sigmund H u s s e r l hat sich auch literarisch vielfach bemüht. Insbesondere die Geschichte der Wiener Kultusgemeinde hatte seine Aufmerksamkeit vielfach beschäftigt. Friede seiner Asche! Wien. (Trauung.) Sonntag den 14. April, um halb 1 Uhr mittags, findet im Tempel VI., Schmalzhofgasse 3, die Trauung des Fräulein Therese Hacker, Tochter des Herrn Edmund Hacker, mit Herrn Richard M 0 stny, Sohn des Herrn Tobias M 0 stnY, statt. Neve Professoren an der Wiener medizinischen Fakultät. Der Kaiser hat dem außerordentlichen Professor der Geschichte der Medizin Dr. Max Neuburger den Titel und Charakter eines ordentlichen Univerfitätsprofessors verliehen. Ferner wurden zu außerordentlichen Univerfitätsprofessoren ernannt: Der mit dem Titel eines außerordentlichen Universitäts- Professors bekleidete Privatdozent Dr. Otto Zuckerkandl für Chirurgie, Privatdozent Dr. Julius Rothberger für allgemeine und experimentelle Pathologie. Die Privatdozenten Doktor Markus H a j e k (Nasen- und Halskrankheiten), Dr. Julius N e u m a n n (Frauenheilkunde), Dr. Viktor Hammerschlag (Ohrenheilkunde), Dr. Friedrich P i n e l e s (innere Medizin) Dr. Alfred Fuchs (Nervenkrankheiten) erhielten den Titel eines außerordentlichen Univerfitätsprofessors. Wien, (Chewra Kadischa Fünfhaus.) Die diesjährige 47. ordentliche Generalversammlung der Chewra Kadischa Fünfhaus, wurde unter großer Beteiligung am 4. April d. I. im Sitzungssaale XV., Tu.nergasse 22, abgehalten. Es erschienen unter anderem die Ehrenmitglieder Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d und Kultusvorsteher Herr Samuel Steiner als Delegierte des Kultus- Vorstandes. Nach Begrüßung der Anwesenden durch den Präses Herrn N e u f e l d, widmete er einen warmen Nachruf den in diesem Jahre verstorbenen Vereins Mitgliedern. Sodann erstattete der Kassier Herr Josef L ö w y den Bericht über das Verwaltungsjahr und der Revisor Herr Isidor Spitz gab einen lleberblick über die Leistungen des Gesamtvorstandes, worauf über Antrag des letzteren dem Vorstande das Absolutorium erteilt und der Dank der Vereinsmitglieder ausgesprochen wurde. Bei der Wahl wurden die ausgelosten Herren: Heinrich Neufeld, Max Haas und Julius Fritz wiedergewählt und die Herren Alois G r u b e r, Julius Löffler und Siegfried Reichenfeld neugewählt. Bei der Konstituierung des Vorstandes wurde Herr Heinrich N e u f e l d als Präses mit Akklamation wiedergewählt. Wien. („I üdischer Verein Einhei t".) Montag den 15. April 1912, 8 Uhr abends, findet im Turnsaale der Talmud Thora, II., Malzgasse 16, die VI. ordentliche Generalversammlung statt. Wien. (I 0 s e f st a d t.) Donnerstag den 4. d. M. wurde Herr Samuel Steiner, Chef der Firma S. Steiner, zu Grabe getragen. Die außerordentliche Verehrung, die der Verstorbene genoß, dokumentierte sich in der überaus starken Beteiligung aller Kreise der Wiener Gesellschaft, die sich im Trauerhause einfanden. Vom Trauerhause aus bewegte sich der Zug nach der Neudeggergasse zum Josesstädter Tempel, dessen Vorstande der Verstorbene viele Jahre angehörte. Dort war der ganze Vorstand des Tempels unter Führung seines Präsidenten Herrn Hermann Beck versammelt; Herr Rabbiner Dr. Bauer nahm in bewegten Worten und unter Hervorhebung der Verdienste um den Tempel von dem Verstorbenen Abschied. In der Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes richtete nebst dem Rabiner Herrn Dr. Bauer der erste Vizepräsident des Josesstädter Tempels Herr Jacob Modern, ferner Herr Direktor Alexander Hecht namens des Humanitätsvereines „B'nai B'rith" Eintracht, sowie auch Herr Ignatz Klein für den Verein zur Hebung der Gewerbe rührende Worte des Abschiedes an den Heimgegangenen edlen Menschenfreund. Die Herren Oberkantor N e u m a n n und Kantor Grob exekutierten die Trauergesänge in erhebender Weise.