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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-05 · 14 (5.4.1912) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
14 (5.4.1912)
Date
1912-04-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 234 Dr. Bloichs Wochenschrift Nr. 14 hingen, bringen sie — da das Heim ja leider erst 30 Betten hat — bei Landsleuten unter, überwachen eventuelle Heiratskandidalen oder in den ersten 6 Monaten Arbeitgeber und -nehmer, suchen die Mädchen in ihren Quartieren auf und laden sie zu den Sonntagsunterhaltungen — getrennnl von denen der Internen. — Die Mädchen besuchen speziell für die Einwanderinnen eingerichtete Abendkurse, deren Unterricht um so schwieriger ist, als ein volles Drittel der Einwanderinnen nicht lesen und schreiben, geschweige denn Englisch kann*) Ein Drittel der Mädchen — bisher wurden nahezu 4000 in Evidenz gehalten — wendet sich dem Dienstbotenberuf, zwei Drittel dem Gewerbe zu; im Fall der Stellungslosigkeit'können sie im Heim Unterkunft finden. Sie haben nicht weniger als 20 Mädchenklubs unter sich gebildet, die ihre Sitzungen im Heim abhalten, darunter einen rein ungarischen Im allgemeinen amerikanisieren und anglisieren sich aber die Mädchen staunenswert rasch, verlieren ihre Muttersprache und wollen nur Bürgerinnen des Staates sein, in dem sie sich materiell und sonst wohl befinden, tragen doch die Armen selten gute Erinnerungen an die europäische Heimat hinüber. Es wäre zu wünschen, datz die Hirschstiftung, die aus Kostgeld, Arbeitserlös der Kochschule 19,479 Dollars einnimml, hingegen aber 43,506 Dollars ausgibt, mit viel reicheren Mitteln arbeiten könnte, um ganz andere Zahlen von Schützlingen aufweisen zu können. Leider hat sich das Hirschheim nicht immer der Förderung der Behörden von Ellis Island zu erfreuen, wo manchmal ein der jüdischen Einwanderung ungünstiger Wind weht, wenigstens bei den untergeordneten Beamten, die zunächst mit den Eingewanderten zu tun haben. Hingegen hat die Industrieschule das höchste Lob der amerikanischen Staats- und Gewerbebehörden gefunden, die sonst nicht mit dem Schul-, sondern Lehrlingssystem sympathisieren. Als höchste Genugtuung muh es für das Andenken der einzigen Wohltäterin und die gegenwärtige Leitung gelten, dah W. H. Vennett, Präsident des Einwanderungsausschusses der gesetzgebenden Körperschaft, der Vereinigten Staaten schriftlich nach einer Inspektion dem Hirschheim den Wunsch ausgesprochen hat, alle Einwanderungsschutzstationen möchten auf der Höhe dieses Heims stehen. C. Benedikt. Kiteratur. Blätter im Winde, Novelletten von Paul v. H o li e n a u M. 2. Neulich, sagte mir ein hoch talentierter. und - gefeierter Wiener Romanschriftsteller, er habe in bewundernder Verzweiflung einen Novellenband Arthur Sehnitzhr’s zur Erde geworfen, weil er trotz aller Bemühung und trotz seiner hocharischen Abstammung nicht die »Wiener Note« treffe, die Schnitzler so spielend und meisterhaft beherrscht. Freuen wir uns nun, dass ein zweiter Glaubensgenosse — denn hinter dem Pseudonym birgt sich Dr. Paul Cohn, der Sohn unseres bekannten Wiener Kultus Vorstandes und Philanthropen Salo Cohn — schon in seinem belletristischen Erstlingswerk, wenn auch vielleicht in unbewusster Anlehnung an Schnitzler, denselben Ton ganz ausgezeichnet getroffen. Die *) Baron Karl Czörnigg-Czörnhausen hat kürzlich in der von unseren Ministerien veranstalteten Oesterreichischen Auswanderungsenquete und auch in der Presse die eminent sozialfürsorgliche Idee propagiert, Oesterreich möge auf den Auswandererschiffen Wanderlehrer zum nötigsten Erlernen der Landessprachen und sonstiger Ortskenntnisse anstellen, damit die Einwanderer doch schon mit einem kleinen geistigen Rüstzeug fremden Bodeu betreten. Da dieser Gedanke noch einige Zeit der Verwirklichung harren dürfte, wäre es denn undenkbar, daß auch hier einmal das Judentum auf Humanitären Gebiet bahnbrechend wirke und wenigstens für die jüdische Aus Wanderung solche Lehrer anstelle? Die jüdischen Großgemeinden hüben .und drüben könnten sich zu dieser Aktion verbinden, die im Interesse beider Welten gelegen wäre und nicht zu viel Kosten verursachen würde: im kleinen haben wir Damen der sozialen Hilfe schon lange einzelne Auswanderermädchen einige Wochen vorher in englischer Sprache unterrichtet. »Blätter im Winde« haben in der Reichsdeutschen Presse so freundliche Aufnahme gefunden, dass sie nicht so bald verwehen werden, wie denn solche echt bodenständige Wiener Poesie immer im Reich den grössten Anklang findet und immer neue Söhne des Nordens in die Kaiserstadt an der Donau lockt, ohne dass diese ihre intime Reize gleich beim ersten Ansturm offenbart. Während Hohenau in der »Lorelse« eine weniger sympathische als aus dem Leben gegriffene Abart des »süssen Mädels« schildert, folgt er in der »Erfolgreichen Kur« den obern Zehntausend Wiens in’s Franzensbader Moor, wo er ein pikantes Erlebnis leicht nicht pikanter hätte gestalten können, wenn der Wiener Fabrikant doppelt bptrogen würde. Der Held der dritten Novelle ist unser grosser Wiener Komiker Tewele zur Zeit seiner Schmieren- und Wanderjahre, und dieses »Lorbeerstroh« wird alle jene psychologisch sehr interessieren, die seinerzeit in Theodor Herzl’s »Neuen Ghetto« beobachten konnten, wie tieftragische Töne der gefeierte Schauspieler anzuschlagen vermochte, aus denen der ganze Schmerz des sozialverachteten Judentums sprach. Wir wünschen, dass die überaus freundliche Aufnahme, die Hohenau in Presse und Publikum gefunden, ihn zur Veröffentlichung weiterer Dichtungen veranlassen möge. Börnes Werke. Historisch-kritische Ausgabe in zwölf Bänden, herausgegeben von Ludwig Geiger in Verbindung mit Joseph Dresch, Rudolf Fürst, Erwin Kalischer, Alfred Klaar, Alfred Stern und Leon Zeitlin. Deutsches Verlagshaus Bong & C o., Berlin W. 57, Potsdamerstrasse 88. Bd. 1—3. Jeder Band brosch. 2 M., geb. 3 M., in Liebhaber-Halbfranz M. 4.50. Als Löh Baruch, in der Judengasse zu Frankfurt am Main geboren, hatte Börne den furchtbaren Druck der Intoleranz und Rechtlosigkeit von Jugend auf am eigenen Leibe erfahren. Gegen die Religion seiner Väter gleichgiltig, aber über das Schicksal seines Volkes als über eine Verletzung der Menschenrechte tief empört, erweiterte er den Kampf für die Gleichberechtigung der Juden zu einem Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit überhaupt. Nicht in grösseren Werken, sondern in Aufsätzen und Briefen suchte und fand er Einfluss auf seine Zeit. »Wenn dieser Börne streitet, ist etwas in ihm, was an Lessing erinnert«, urteilt Grillparzer. Ohne literarischen Ehrgeiz, einem inneren Drange folgend, mit' allen Mitteln schlagenden Witzes, lächelnden Spottes und groben Scheltens, zwar nicht frei von Einseitigkeiten, aber immer aus ehrlichster Heberzeugung und echter Begeisterung, so stritt er unverdrossen bis zu seinem frühen Tod für eine bessere Zukunft Deutschlands und der Menschheit. Das gesamte Lehenswerk Börnes, mit Einschluss seiner Briefe, wird zum erstenmal zusammengefasst werden in der historisch-kritischen, auf zwölf Bände berechneten Ausgabe, die Ludwig Geiger in Verbindung mit Fachgelehrten nach jahrzehntelanger Vorbereitung im Deutschen Verlagshaus Bong & Co. herausgibt und deren erste drei Bände jetzt vorliegen. Sie enthalten: Jugendschriften, »Dramaturgische Blätter« und »Vermischte Aufsätze, Erzählungen, Reisen«. Der Text beruht auf sorgfältiger Vergleichung mit den ersten Drucken und Handschriften. Einleitungen und Anmerkungen geben alle notwendigen literarischen und sachlichen Erläuterungen. Die Bücher sind höchst geschmackvoll und gediegen ausgestattet. Jeder Band kostet broschiert 2 M., in Leinen gebunden 3 M. Diese Ausgabe verspricht ein Denkmal nicht nur eines bedeutenden Menschen, sondern einer bedeutenden Zeit zu werden und wird jedem, der sich mit den literarischen, politischen oder gesellschaftlichen Verhältnissen der Epoche zwischen den Befreiungskriegen .und dem Jahre 1848 beschäftigen will, fortan unentbehrlich sein. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden. Berlin C., 2, An der Spandauerbrücke 15. Begründet von Dr. Arthur Ruppin. Redigiert von Dr. Bruno Blau. 8. Jahrgang. Heft Nr. 3, März 1912. Inhalt: I. Abhandlungen. 1. Dr. S. W e i s s e n b e r g, Elisabethgrad : Die Juden in der russischen Armee. — 2. Dr. Max Ros e nfeld, Drohobycz: Die jüdische Auswanderung aus Oesterreich nach Amerika in den Jahren 1900—1909. — 3. Dr. Rudolf Wassermann, München : Neomalthusianismus und Judenfrage. — Statistisches Archiv. Anteil der Juden an städtischen Wohltätigkeitsanstalten in Berlin. — Zahl der Juden in New-York. — Die jüdische Auswanderung im Jahre 1911. Der jüdische Nationalfonds im Jahre 1911. — Literatur. Phlippsohn, Martin: Neueste Geschichte des jüdischen Volkes (Band III.) — Philipp son, Ludwig: Gesammelte Abhandlungen. »Jung-Juda«. Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. XIII. Jahrgang. Nr. 7. Prag, 29. März 1912 (II. Nissan, 5672). Inhalt_: Franz Josef Perlmann,: Pharao. — Ben Jehuda. Heinrich Loewe : Der junge König. — Ida Böck: Im Spital. — Dr. H. Gr ä tz : Der Auszug aus Egypten. Jakobs Grab in der Adelsberger Grotte.— Josef;Hart;: Die Zwillinge (Fortsetzung). — Aus der Zeichenmappe. — Der Hofmeister und sein Zögling — Verschiedenes. Uebersetzungsaufgabe und Rätsel. — Redaktion und Administration : Prag, II., Stephansgasse 629. Dr. M. Steckelmacher. Randbemerkungen zu Werner Sombarts »Die Juden und das Wirtschaftsleben«. Verlag Leonhard Simon Nf. Berlin, SW. 48, Wilhelmstrasse 121.

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